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Studien: Negative Erfahrungen durch Meditation | Vorsicht bei ...

Rund ein Viertel aller Meditierenden hat schon einmal negative Erfahrungen durch das Meditieren gemacht. So das Ergebnis einer Online-Studie aus dem Mai 2019 mit 1.232 Teilnehmern. Frauen und Männer waren unterschiedlich häufig betroffen. Vor allem eine Meditationstechnik sollte mit Bedacht praktiziert werden. Und es gibt ältere Studien, die vor negativen Erfahrungen durch Meditation warnen.

 
 

Inhalt: Meditation negative Erfahrungen

Was wurde gefragt?

Die Forscher wollten im Rahmen einer Online-Befragung von den Probanden wissen, ob Sie jemals durch ihre Meditation verursachte negative Erfahrungen zu beklagen gehabt hätten.

Als Beispiele nannten die Forscher ein verändertes Selbst- oder Weltwahrnehmungsgefühl. Sorge, Angst oder unangenehme Gedanken.

Ziel der Studie war es, die Prävalenz, also die Häufigkeit des Auftretens solch psychisch unangenehmer Erfahrungen zu ermitteln. Darüber hinaus wollte man prüfen, ob solch negative Meditationserfahrungen u.a. mit irgendwelchen demographischen Merkmalen (Alter, Geschlecht, Schulbildung ...) oder einer bestimmten Meditationstechnik in Zusammenhang stehen.

Die Ergebnisse

  • Das Durchschnittsalter der 1.232 Befragten (alle hatten mindestens zwei Monate Meditationserfahrung) betrug 45 Jahre und kam vornehmlich aus Europa (36,3 %), Asien (30,2 %) und Nordamerika (23 %). 54 Prozent waren weiblichen Geschlechts.
  • 73 % hatten einen Universitätsabschluss. Im Durchschnitt meditierten sie 6 Jahre lang, die durchschnittliche Dauer ihrer Meditation lag bei 28 Minuten.
  • Insgesamt 315 Teilnehmer (25,6 % der Teilnehmer) gaben an, besonders unangenehme meditationsbezogene Erfahrungen gemacht zu haben, die ihrer Meinung nach auf ihre Meditationspraxis zurückzuführen sind.
  • Menschen, die im Alltag zu grüblerischen Gedankenspiralen neigten, erlebten negative Stimmungen auch als Meditierende ein klein wenig gehäufter.
  • Die unangenehmen Erfahrungen traten bei Frauen (23 %) und Angehörigen religiöser Gruppen (22 %) seltener auf. Männer: 28,5 %, Atheisten: 30,6 %.
  • Praktizierende dekonstruktiver Meditationsformen (z. B. einige Formen der Vipassana- / Einsichtsmeditation oder Zen-Meditation mit bestimmten Koans) – 29,2 % – und ehemalige Teilnehmer (irgendwann in ihrem Leben) von einem Meditationsretreat (29 %) waren häufiger als nicht Retreat-Erfahrene (19,6 %) betroffen.
  • Praktizierende anderer Meditationsarten als dekonstruktiver Form waren mit 20.3 % aller Fälle seltener mit unangenehmen Erfahrungen geplagt.

Die Studie von Shapiro und Kutz aus dem Jahre 1992

In einer amerikanischen Studie aus dem Jahre 1992 rund um den Forscher Deane H. Shapiro (Stanford University) kam heraus, dass 62,9 % der untersuchten Meditierenden zeitweilige negative Erfahrungen während und nach ihrer Meditation erlebten. 7,4 % gab sogar schlimme negative Auswirkungen an. Die Dauer der Meditationspraxis wirkte sich nicht auf die Wahrscheinlichkeit und die Häufigkeit des Erlebens der negativen Auswirkungen aus.

Die folgenden negativen Erfahrungen notierten die Wissenschaftler:

  • Anspannungsgefühle
  • Langeweile
  • Angst oder Gefühle der Orientierungslosigkeit
  • Abnehmende Motivation (siehe auch diese Studie)
  • Panik
  • Schmerzen
  • Verwirrung und Orientierungslosigkeit
  • Traurigkeit, Negativität, Verzweiflung
  • Sucht nach Meditation
  • Andere Menschen wurden mehr verurteilt
  • Ein Gefühl des "aus der Welt" sein, was hier als unangenehm erlebt wurde
  • Negatives aus der Vergangenheit kam hervor
  • Eine allgemeine Verunsicherung stellte sich ein
  • Gefühle von Ablehnung und Verlassenwerden stellten sich ein

Samarpan P. Powels untersucht jede dieser negativen Auswirkungen in diesem Beitrag näher und kommt zu dem Schluss, dass viele der sogenannten negativen Auswirkungen auch positiv gedeutet werden können. Im Sinne von: Erkennen, dass alte Handlungsmuster und Werte unbefriedigend sind. Dass dem bisher Vertrauten der sichere Schein entzogen wird. So etwas wird wohl als negativ erlebt, dürfte aber für den Weg zur Freiheit (oder Erleuchtung) unabdingbar sein.

Wichtig ist , dass wir gleichzeitig mit dem Zerbrechen der alten Welt uns ein neues, vertrauenswürdigeres und tragfähiges Lebensgebäude errichten.

Fazit

Die Studie aus dem Jahr 2019 sagt nichts über die Schwere der Problematik der geschilderten negativen Erfahrungen aus. Ob sich ein Teilnehmer nur leicht unangenehm fühlte oder echte Todesangst erlebte. Bereits vorhandene psychische Probleme wurden ebenfalls nicht abgefragt. Darum ist mit der Studie auch nicht klar nachgewiesen, dass die Meditation jeweils ursächlich für die negative Erfahrung war.

Rund die Hälfte der Probanden meditierte in mehr als einer Meditationsart. Mit 54,8 % auffallend häufig waren dekonstruktiv Meditierende vertreten. Dieser Anteil der "Negativ-Meditation" dürfte deutlich über dem Durchschnitt der üblichen Meditationstechniken liegen und legt damit (eventuell!) nahe, dass sich vor allem Menschen mit negativen Meditationserfahrungen von der Teilnahme an der Umfrage angezogen fühlten.

Die Forscher sagen deutlich, dass nur Langzeitstudien darüber aufklären könnten, wann bei wem welche Meditationsform zu negativen Erfahrungen würden würde. Diese Erkenntnisse könnten dann in die Ausbildung von Meditationslehrern einfliessen.

Dennoch sollte man sich der Problematik möglicher unangenehmer Geisteszustände durch Meditation bewusst sein. Auch in der buddhistischen Literatur finden sich laut Aussagen der Forscher ähnliche Schilderungen.

Zudem sollten dekonstruktive Meditationsformen wie Vipassana-Meditation über die Vergänglichkeit möglichst sensibel von einer bzw. einem erfahrenen MeditationsleherIn begleitet werden.

Die Studie

... aus dem Mai 2019 findet sich unter https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0216643. Die Studie von Shapiro und Kutz aus dem Jahr 1992 ist leider nicht mehr online. 

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