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Frage zu Vrikshasana (Baum): Fuß hält nicht

Silvia75 fragt:

Hallo Ihr,

ich habe mal eine (vielleicht seltsame) Frage zum Baum. Wenn ich eine lange Hose trage (egal aus welchem Material), schaffe ich es nicht, meinen Fuß dazu zu überreden, oben am Oberschenkel zu bleiben. Wenn ich dagegen eine ganz kurze Hose trage, so dass ich den Fuß auf der Haut abstellen kann, funktioniert’s. Habt ihr da einen Trick, wie ich das Problem lösen könnte? Das heißt, ich möchte ja auch mal im Unterricht Vrikshasana „richtig“ mitmachen können, ohne mich vorher auszuziehen :-).

Danke im Voraus für eure Gedanken und Tipps dazu.

Liebe Grüße
OM Shanti
Silvia

Die Antworten lauten wie folgt:

Larrim antwortet

Namaste Silvia

Versuchs doch mal mit Stoppersocken oder barfuß, dann sollte der Fuß eigentlich bleiben, wo er hin soll. :)

Licht und Liebe
Lars

Silvia75

Lieber Lars,

vielen Dank für den Tipp. Ich trage eigentlich nie Socken beim Yoga, d. h. dass auch barfuß mein Fuß nicht auf der Hose haften möchte.

Aber vielleicht muss ich dann wirklich eine Ausnahme für den Baum machen.

Ich frage mich allerdings nur, warum bei anderen Leuten diese Probleme offensichtlich nicht bestehen. Seltsam, oder?

Liebe Grüße
OM Shanti
Silvia

Tine

Hallo liebe Silvia!

Es liegt an der Hose!!!

Ich kenne das Problem. Eine Hose ist nicht wie die andere, auch wenn alle aus Baumwolle sind. Vielleicht liegt es an der Struktur? Ich hab 2 von unzähligen, bei denen mein Fuß da bleibt, wo er hinsoll.

Bein nächsten Hosenkauf mach doch einfach den „Baum-Test“ :)

Wirklich weiterhelfen konnte ich dir jetzt nicht, ABER: du bist nicht allein mit diesem Problem!!

LG
Tine

Ramananda

Liebe Tine,

Dein erfrischendes, unbeschwertes Posting (beim nächsten Hosenkauf mach doch einfach den „Baum-Test“; du bist nicht allein mit diesem Problem!!) hat mir an einem kalten Januartag einen angenehmen Moment innerer Heiterkeit gebracht. Danke für diesen Sonnenstrahl!

@Silvia: Wenn ich etwas mehr Zeit habe (morgen oder übermorgen), füge ich einige kleine Anmerkungen zum Thema Baum an (anatomischer Art; aber auch über die Sache mit dem Stoff, da hat nämlich @Tine recht).

Bis dann,
Ram :)

Silvia75

@ Tine: Vielen Dank für den Tipp. Das werde ich künftig auf jeden Fall machen. Und ich bin ja wirklich froh, dass ich mit diesem Problem dann doch nicht allein bin. :cheer:

@ Ram: Oh ja. Sehr gerne. Wie du an der Buch-Frage gesehen hast, ist Anatomie ohnehin ein wichtiges Thema für mich. Ich bin sehr gespannt auf deine Ausführungen.

Liebe Grüße
OM Shanti
Silvia

Ramananda

Liebe Silvia,

ich bin am PC nicht sehr geschickt, schaffe es (noch) nicht, Bilder in einen Text und noch weniger PDF-Dateien einzufügen; daher musst Du Dich mit der Theorie begnügen. Für den Fall, dass Du die »Heilwirkungen« besitzt, gebe ich zwei Seitenzahlen an.

Der wundervolle Baum ist – ich spreche jetzt nur vom gebeugten Bein – eine Kombination aus Beugung, Abspreizung (Abduktion) und Außenrotation im Hüftgelenk und Beugung im Kniegelenk (diese Beugefähigkeit ist entscheidend, siehe später). Er erfordert demnach 1. die Dehnung jener Muskeln, die das Bein heranziehen (Adduktoren/Innenrotatoren), 2. die Kontraktion der Außenrotatoren (dorsale Hüftmuskulatur wie Gesäßmuskeln, M. Piriformis und einige andere und 3. die Dehnung des großen vorderen Oberschenkelmuskels (M. quadriceps).

Für den Baum gibt es einen »Schnelltest«, nämlich die exakt gleiche Stellung im Liegen (siehe eventuell Seite 299, Foto 113) – eine der Lotusübungen. Sie eignet sich deshalb als Schnelltest, weil dort ohne Kraft der Außenrotatoren sich die »wahre, nicht angestrengte«, tatsächlich vorhandene Dehnfähigkeit der Muskeln auf der Innenseite zeigt (die Gegenkraft tendiert praktisch gegen Null, wenn ich das so formulieren darf).

Also: Rückenlage, linkes Bein gestreckt; die Fußsohle des gebeugten rechten Beines innen am Oberschenkel (wie beim Baum). Dieses Öffnen im Hüftgelenk gilt auch in der westlichen Orthopädie als aussagefähiger Schnelltest bei der Funktionsprüfung und ist sehr wichtig. Nun: liegt das gebeugte Bein nicht komplett auf dem Boden, dann wird ein gewissenhafter Orthopäde sagen: Liebe(r) Patient(in), Sie sollten an ihren Hüftgelenken arbeiten! Und der Yogalehrer würde sagen: Ist nicht gut genug, so wird der Baum (und so werden zahlreiche andere Asanas) nicht funktionieren …

Der Genauigkeit halber: Die beliebte Aussage »bis das Knie auf dem Boden liegt« ist natürlich nicht zutreffend. »Das Knie berührt den Boden« (auch bei Asanas wie Bhadra usw.) ist nur eine allgemeine Redewendung, um die Dinge nicht zu komplizieren, und anatomisch gar nicht möglich, denn der Oberschenkel hat den doppelten Umfang des Kniegelenks. Gemeint ist: die Außenseiten von Oberschenkel und Unterschenkel liegen tatsächlich auf dem Boden, ohne daß die gegenüberliegende Beckenseite sich auch nur einen Millimeter hebt, sich also NICHT mitziehen läßt. Das erlebe ich im Unterricht eher selten; mit der Fähigkeit des Öffnens in den Hüftgelenken sieht es also generell nicht gut aus.

Bei dem oben angesprochenen klinischen Test – das gebeugte Bein zieht Richtung Boden – heißt es in der Orthopädie offiziell: »Normalerweise erreicht das Knie des betreffenden Beines fast die Unterlage.« Wenn ich im Unterricht die hochstehenden Knie vieler Teilnehmer sehe, müßte man sagen: Es gibt aber wenig »normale« Leute! Scherz beiseite – man muß heute feststellen daß die mangelnde Hüftöffnung leider normal, und die eigentlich natürliche, »normale« Beweglichkeit außergewöhnlich ist. Der Hauptgrund für die mangelnde Hüftbeweglichkeit ist die Benutzung von Stühlen und Sofas. Völker, die auf dem Boden sitzen, kennen solche Probleme nicht.

Das betraf die Adduktoren (und gewisse Bänder des Hüftgelenks, auf die einzugehen jetzt nicht nötig ist). Das zweite Problem ist die mangelnde Dehnung um das Knie herum, also des M. quadriceps femoris. Das fällt in liegender Haltung nicht so deutlich auf. In der stehenden Art aber, also im Baum, wird ein nicht genügend dehnfähiger Quadriceps mit aller Macht versuchen, die Kniebeuge »zu öffnen« – und schon rutscht der Fuß weg.

Zusammenfassend: Zur einen Hälfte rutscht der Fuß weg, weil der Quadriceps »sich wehrt« und die Kniebeuge »aufmachen will«. Für die anderen 50 Prozent ist dann die mangelnde Innendehnung schuld = das Bein will nach innen (nach medial) ziehen, der Fuß verliert seinen Halt.

Ein möglicher Schnelltest für die Güte der Quadriceps-Dehnung wäre: Seite 281, Foto 94; das ist die erste Stufe des halben Bogens (Ardha-Dhanurasana). Genauer: Man zieht in Bauchlage 1. den rechten Fuß zum Gesäß heran (Ferse berührt das Gesäß = Grunddehnung, das muß also auf jeden Fall klappen). Dann spannt man 2. kräftig den Gesäßmuskel an (= vebessert die Dehnung und ist auch besser fürs Kreuz). Schließlich 3. hebt man das Knie (nicht aber das Becken) so hoch wie möglich vom Boden ab. Auch diese Fähigkeit sehe ich im Unterricht ausgesprochen selten.

Man benötigt also für den Baum (zur Vermeidung von Mißverständnissen – ich spreche erneut NUR vom gebeugten Bein)

– nicht nur eine gute Dehnung der Muskeln auf der Innenseite des Oberschenkels,
– sondern auch eine exzellente (!!!) Dehnfähigkeit des vorderen Oberschenkelmuskels
– und eine gewisse Kraft der Außenrotatoren.

Mit wirklich (!) guter Dehnung der genannten Muskeln, wenn man also 1. das im Kniegelenk MAXIMAL gebeugte Bein 2. OHNE besonderen Aufwand 3. MAXIMAL nach außen bringen kann, rutscht die Fußsohle des gebeugten Beines auch an einer Stoffhose nicht mehr weg; es sei denn, es ist ein ultraglattes Gewebe, so etwas gibt es ja (daher: Tines Tipp beim Hosenkauf nicht vergessen, den »Baum-Test« :laugh: ).

Der Tipp mit den Stoppersocken ist wertvoll, dann klappt’s meistens sowieso. Wobei allerdings gesagt sein soll: die an sich nützlichen Stoppersocken verdecken in vielen Fällen gnädig eine insgesamt mangelnde Dehnfähigkeit …

Nebenbei – auf die beliebte Frage: »Warum rutscht bei den Indern der Fuß nie weg? Haben die etwas andere Gelenke?« (die Fragen nach der Andersartigkeit der indischen Körper finde ich jedesmal lustig) gibt es die einfache Antwort: weil die Inder grundsätzlich den Baum mit nackter Fußsohle und nacktem Oberschenkel machen. Durch die »Klebewirkung« der Haut gelingt der Baum selbst bei schlechter Dehnfähigkeit.

Noch ein Hinweis: Der Tipp mit dem »liegenden Baum« wird gegeben, weil man darin eben die »natürliche« Fähigkeit des Öffnens im Hüftgelenk, die tatsächlich vorhandene Dehnung ersehen kann. Strengt man sich beim Baum als Standübung zu sehr an, dann ist eine doch erhebliche Kraft der dorsalen Hüftmuskulatur nötig. Diese »Über-Spannung« tut Menschen mit Iliosakralproblemen nicht gut und bedrängt auch den Ischiasnerv. Daher meine Empfehlung: Man teste (und übe) den Baum erst einmal im Liegen.

Übrigens: Vriksha mit der Fußsohle am Oberschenkel gilt generell als »der kleine Baum«. Die höhere Art wäre der Baum im halben Lotus. Das ist noch schwieriger, weil es noch mehr Dehnungen weiterer Muskeln erfordert, unter anderem des M. Iliopsoas. Die Mühe allerdings lohnt sich, denn in diesem Fall wird der Fuß »immer bleiben, wo man ihn hingelegt hat«.

Sollte ich was vergessen haben, bitte nachfragen.

Mit liebem Gruß,

Ram :)

wintersun

Lieber Ram,

ich habe die Diskussion aufmerksam verfolgt.

Vielen, vielen Dank für deine ausführliche Antwort. :)

Ich kenne das Problem vom Unterrichten, das eigentlich fast jede/jeder Probleme mit dem Rutschen hat.

Der Baum gehört zu einer meiner Lieblingsübungen und ich habe selbst keine Probleme mit dem rutschenden Fuß. Es kommt vielleicht ein oder zwei Mal im Jahr vor, das mein Fuß rutscht. Das sind dann Tage, an denen ich die gleiche Hose anhabe wie immer, mich aber irgendwie fest und verspannt fühle.

Diese Woche habe ich etwas experimentiert und festgestellt, das wenn mein Knie auch nur leicht nach innen zeigt, ich keine Chance habe, den Fuß am Bein zu halten. Du hast die Hintergründe ja sehr schön erklärt.

Auch hatte ich mir überlegt, dass eine „baumgerechte“ Hose, vielleicht für den Anfang hilfreich ist, aber langfristig fehlt das Feedback einer korrekten Ausrichtung und Öffnung des Körpers. Diesen Punkt hast Du ja auch erwähnt.

Einen schönen Sonntag
Klaus

Ramananda

Hi Klaus,

das hast Du gut beobachtet. Mir geht es genauso (allerdings öfter), und das Gefühl der inneren und äußeren Spannung ist dann sehr deutlich. Das ist ja unter anderem das Interessante am Yoga: jeder Tag ist anders, die Zustände (die Gunas) wechseln, und man ist sich dessen bewusst …

Mit liebem Gruß,
Ram :)

Silvia75

Lieber Ram,

herzlichen Dank noch für deine ausführliche Antwort zu meinem Baum-Problem. Nach allem - und vor allem nach den Selbstversuchen im Liegen - komme ich zu dem Schluss, dass ich die Schuld wohl nicht länger auf die Hosen schieben kann.

Jedenfalls weiß ich jetzt endlich, woran ich wirklich arbeiten muss und kann (z. B. Hüftgelenke öffnen etc.), um dem perfekten - oder sagen wir lieber korrekt ausgeführten - Baum näher zu kommen.

Im Liegen den Baum zu üben, finde ich übrigens ganz hervorragend. Das kann ich morgens und abends immer mal ein paar Minuten im Bett vor und nach dem Schlafen tun. Da kann man Übung und Entspannung ganz toll verbinden. ;)

Das Thema Anatomie im Allgemeinen wird mich sicher auch noch lange begleiten. Es ist sehr interessant, aber auch furchtbar umfangreich. Aber es macht mir auch Spaß, diesbezüglich dazuzulernen.

Danke also nochmal, Ram, für deinen ausführlichen Bericht!

Liebe Grüße
OM Shanti
Silvia

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