Das Knie und der Lotossitz

larrim schreibt:

Bau und die Funktion des Kniegelenks - Besonderheiten, die beim Lotossitz zu beachten sind

Das Kniegelenk muss vielen Anforderungen genügen, denn zum Gehen und Sitzen sollte es gut beweglich und zum Stehen muss es stabil fixiert sein. Es trägt das menschliche Körpergewicht und ist außerdem der Krafteinwirkung durch die Geschwindigkeit der Bewegung ausgesetzt. Des weiteren sind die auf das Knie wirkenden Hebelkräfte wegen der Länge von Ober- und Unterschenkel besonders stark.

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers. Es wird von vier Knochen gebildet, vom unteren Teil des Oberschenkels, der Oberschenkelrolle, vom oberen Teil des Schienbeins, der Schienbeingelenkfläche, vom Wadenbeinköpfchen und von der Kniescheibe, die mit ihrer Rückseite auf die Oberschenkelrolle gleitet. Die Gewichtsbelastung erfolgt von der Oberschenkelrolle auf den Schienbeinkopf. Das Wadenbeinköpfchen, das von der Außenseite des Kniegelenks getastet werden kann, hat jedoch keinen Anteil an der Funktion des Kniegelenkes, es hat also keine Bewegungs - und auch keine gewichttagende Funktion und ist nur mit dem Schienbein gelenkig verbunden.

Der Oberschenkelknochen hat am unteren Ende zwei große Gelenkknorren, welche die Gelenkköpfe bilden. Da die Gelenkfortsätze des Schienbeins eine fast ebene Gelenkfläche haben, passen Oberschenkelrolle und Schienbein nicht genau zusammen.

Um eine nahezu reibungsfreie Bewegung zu ermöglichen, sind die Gelenkflächen des Kniegelenkes mit Knorpel überzogen. Damit auf der ebenen Gelenkfläche des Schienbeines ein Pfanne zustande kommt, sind an der Innen- und Außenseite die Menisken aufgelagert. Die Menisken sind zwei elastische, etwa hufeisenförmige bzw. halbmondförmige elastische Scheiben aus elastischen Fasern und Bindegewebe.

Man unterscheidet den Innen- und den etwas kleineren Außenmeniskus. Die Menisken haben zum Knieinneren einen schmaleren Rand und sind nach außen hin breiter. Sie werden nur an der Außenseite von Blutgefäßen ernährt. Bedingt durch ihre Beweglichkeit lassen die Menisken bei gebeugtem Knie Drehbewegungen zu. Durch ihre Form verhindern die Menisken, dass Oberschenkel und Unterschenkel gegeneinander nach vorne, hinten oder zur Seite gleiten.

Die Kniescheibe können wir an der Vorderseite des Kniegelenks tasten. Sie bewegt sich beim Beugen und Strecken des Kniegelenks. Strecken wir das Bein, scheint sie entlang der Oberschenkelrolle nach oben zu wandern, bei Beugung nach unten. Die Kniescheibe ist eine knöcherne Einlagerung in die Sehne des vierköpfigen Oberschenkelmuskels (muskulus quadrizeps), dem wohl kräftigsten Muskel an der Oberschenkelvorderseite.

Liegt das Bein gestreckt und entspannt auf dem Boden und ist der Muskel an der Vorderseite des Oberschenkels entspannt, können wir die Kniescheibe mit der Hand seitlich hin und herbewegen. Ist das Knie hingegen nur leicht gebeugt, ist auch der vordere Oberschenkelmuskel angespannt und die Kniescheibe kann nicht bewegt werden. Das heißt, sie wird durch die Muskelspannung mehr oder weniger festgehalten, und eine seitliche Bewegung der Kniescheibe wird dadurch verhindert.

Knöcherne Einlagerungen in den Sehnen sind an den Stellen des Körpers ausgebildet, an denen die Muskelkraft in ihrer Wirkrichtung umgelenkt werden muss.

Wäre die Kniescheibe nicht vorhanden, müsste sich die Sehne des Oberschenkelmuskels immer über die Oberschenkelrolle bewegen. Sie wäre damit wie ein Faden, den wir immer wieder über eine Tischkante ziehen, recht schnell dem Verschleiß ausgesetzt. Durch das Vorhandensein der Kniescheibe, wird die Kraft aber über zwei gleichwertige knöcherne Partner übertragen.

Um das Knie zu stabilisieren, wird es von verschiedenen Bändern unterstützt.

Die Seitenbänder sind zum einen am Oberschenkelknochen befestigt und zum andern am Unterschenkel. Sie sind an der Innenseite am Schienbein und an der Außenseite am Wadenbeinköpfchen befestigt. Das innenseitige Seitenband ist außerdem mit der Gelenkkapsel und dadurch auch mit dem Meniskus verwachsen. Da die Oberschenkelrolle kniekehlenwärts kleiner wird, sorgt sie dafür, daß die Seitenbänder nur bei vollständiger Streckung des Gelenkes angespannt sind. Wird das Gelenk gebeugt, schwindet die Spannung der Seitenbänder, und das Kniegelenk wird für die Seitwärtsbewegungen lockerer. Das bedeutet, daß bei gebeugtem Kniegelenk der Unterschenkel nach innen und außen gedreht werden kann. Ohne intakte Seitenbänder hat das Knie also in gestrecktem Zustand keinen genügenden seitlichen Halt und kann zur Seite wegknicken.

Um das Kniegelenk gegen Verrenkungen nach vorne oder hinten zu sichern sind noch zwei Kreuzbänder vorhanden. Diese Bänder haben ihren Namen von ihrem kreuzförmigen Verlauf. Das vordere Band verläuft von der Innenseite der äußeren Oberschenkelrolle zu einer Erhebung an der Innenseite am Schienbeinkopf. Das hintere Kreuzband hat eine entgegengesetzte Verlaufsrichtung, es erstreckt sich von der innenseitigen Oberschenkelrolle zu einer etwas mehr nach außen und hinten gelegenen Erhebung am Schienbeinkopf. Durch diesen Verlauf sichern die Kreuzbänder nicht nur die Bewegung des Schienbeinkopfes nach vorne und hinten, sondern auch die Drehbewegungen des Unterschenkels. Bei Verletzung oder Verlust der Kreuzbänder kommt es zu Bewegungsunsicherheit bei Rotationsbewegungen des Kniegelenkes.

Eine weitere Sicherung gegen Drehbewegungen bei gestrecktem oder leicht gebeugten Knie sind die bandartigen Kapselzüge (Colateralbänder) der Kniekehle. Sie sorgen dafür, daß der Schienbeinkopf bei Drehbewegungen nicht nach vorne verrenkt. Die Haltefunktion dieser Kapselzüge ist jedoch nur gering und kann nur die Stabilität des restlichen Bandapparates ergänzen. Da der Innenmeniskus mit den Kapselzügen verwachsen ist, ist er wesentlich verletzungsanfälliger als der Außenmeniskus, der sich ohne Fixierung durch ein Seitenband bei Drehbewegungen in eine freie Position bringen kann. Der durch die Kapselzüge teilweise fixierte Innenmeniskus kann dies nicht schnell genug bzw. nicht in ausreichendem Maß tun, und so kann es zu einer Ein-klemmung zwischen Oberschenkelrolle und Schienbeinkopf kommen.

Im Lotossitz (padmasana) ist äußerste Vorsicht geboten, da in dieser Position die Menisken komprimiert werden und dabei eionreißen können, wobei dies in stärkerem Maße mit dem Innenmenskus geschieht. Es wird diskutiert, daß der Lotossitz nur von Menschen geübt werden sollte, die ihn spontan einnehmen können, da bei jeder Form von Gewaltanwendung beim Üben irreparable Schäden im Kniegelenk entstehen können, wie zum Beispiel Meniskusverletzungen.

Bei der Beugung des Knies wandern die Menisken auf der Gelenkpfanne nach hinten (dorsal) und werden dabei komprimiert. In der zusätzlichen Innen-Rotation wird der Innenmeniskus etwas stärker komprimiert als der Außenmeniskus. Weil der Innenmeniskus mit den Kapselzügen (Colateralbändern) teilweise fixiert ist, kann er sich nicht so schnell in eine freie Position bewegen, wie der Außenmeniskus. Daher ist der Innenmenskus bedeutend verletzungsanfälliger als der Außenmeniskus, denn das äußere Collateralband wird in der Innenrotation des Knies gedehnt und verstärkt so die Fixierung des Innenmeniskus. Ursprung und Ansatz der Kreuzbänder nähern sich in der Beugung und Innenrotation des Kniegelenkes geringfügig an. Sie lockern sich nur ein wenig. Dennoch verhindern sie hierbei besonders in der Beugung das Weggleiten von Gelenkkopf und Gelenkpfanne.

In der Beugung des Kniegelenkes bewegt sich die Kniescheibe (Patella) nach vorne (ventral), also vom Körper weg und bildet dabei sozusagen eine Umlenkstelle für den großen Oberschenkelmuskel (muculus quadriceps), so daß überflüssige und schädigende Druck und Zugkräfte vermieden werden können.

Für das Üben von Padmasana ist es also sehr wichtig, sehr vorsichtig und sorgsam vorzugehen, so daß keinerlei Muskelspannungen in den Beinen auftreten.

Wenn bei den Übenden, insbesondere der im Lotossitz beteiligten Muskeln oder Bänder der Beine, verkürzt sind, ist zunächst vorsichtig mittels anderer Übungen zu versuchen, den Bandapparat und die Muskulatur der Beine und insbesondere den großen Oberschenkelmuskel (musculus quadriceps) sanft zu dehnen, so dass der Lotossitz völlig frei von Spannungen in der Muskulatur eingenommen werden kann. Trotz alledem ist es für manche Menschen durch bestehende Knie- oder Hüftprobleme vielleicht niemals möglich, den Lotussitz einzunehmen, ohne dem Körper dabei Schaden zuzufügen.

In diesem Falle sind andere Sitzhaltungen, wie zum Beispiel der halbe Lotossitz, der offene Sitz, oder der Schneidersitz eher zu empfehlen.

Sonnige Grüße

Lars

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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