Padmasana – der Lotussitz: optimale Ausführung und der Weg dorthin
In den alten Yoga-Schriften (alles ungefähr vor dem Jahre 1.000 nach Christus) verstand man unter Asana im Yoga zumeist nur Sitzhaltungen als stabile Grundlage für Meditation und Atemübungen. Die bekannteste Sitzstellung ist Padmasana, der volle Lotussitz. Eine sehr fortgeschrittene Sitzhaltung, die äußerst gelenkige Glieder verlangt.
In den klassischen Yoga-Traditionen gilt Padmasana als besonders geeignete Meditationshaltung, da sie eine stabile, aufrechte Sitzposition ermöglicht und Ablenkungen durch körperliche Bewegung reduziert. In der yogischen Lehre wird dies als förderlich für den freien Fluss von Prana beschrieben.
Kurz zusammengefasst
- Definition und Ursprung
Padmasana, auch Lotussitz genannt, ist eine klassische Meditationshaltung aus dem alten Indien, in der die Füße jeweils auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel ruhen. Sie gehört zu den ältesten beschriebenen Asanas und dient seit Jahrhunderten der Meditation und Atemarbeit. - Anatomie und Körperfunktionen
Für Padmasana ist vor allem eine gute Außenrotation der Hüftgelenke notwendig; Knie und Sprunggelenke sollten beweglich und frei von Zwangsbewegungen sein. Ohne ausreichende Hüftöffnung verlagert sich die Belastung schnell auf das Kniegelenk und kann dort Schmerzen verursachen. - Vorübungen und Vorbereitung
Da viele Menschen nicht sofort in den vollen Lotussitz kommen, sind Varianten wie Ardha Padmasana (halber Lotus) sowie vorbereitende Hüftöffnungs- und Flexibilitätsübungen sinnvoll. - Meditation und mentale Wirkung
Padmasana gilt als stabile Basis für Meditation und Pranayama, weil sie einen aufrechten, ausgeglichenen Sitz fördert, der die Aufmerksamkeit auf Atem und Innenschau lenken kann. - Nicht zwingend notwendig
Weder ist Padmasana eine Voraussetzung für Meditation, noch garantiert es „Erleuchtung“ oder besondere spirituelle Erfahrungen – viele erfahrene Meditierende nutzen alternative Sitzhaltungen. - Symbolik des Lotus
Der Name Padma („Lotus“) verweist auf ein Symbol der Reinheit, spirituellen Entfaltung und Öffnung, wie es in vielen asiatischen Traditionen beschrieben wird. Die Haltung reflektiert diese Metapher durch ihre Form. - Risiken und Vorsicht
Gewalt oder Zwang in die Haltung sollte vermieden werden, weil insbesondere Knieprobleme und Überlastung durch unpassende Technik entstehen können.
Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.

Ausführung von Padmasana
Kopfhaltung
Der Kopf ruht aufrecht auf der Wirbelsäule, ohne nach vorne oder hinten zu kippen. Die Halswirbelsäule bleibt in ihrer natürlichen Ausrichtung, sodass Nacken und Schultern entspannt bleiben.
Halte den Kopf so, als würde er am Scheitel leicht nach oben gezogen werden. Die Zunge liegt einfach locker im Mund.
Bitte nicht!
Zwinge dich nicht in den Lotussitz. Lass es langsam angehen, übe ohne Schmerz und zu starken Druck, dafür regelmäßig und mit Ausdauer. Viele Yogis haben sich ihre Knie ruiniert, weil sie zu hohen Druck beim Üben von Padmasana ausgeübt haben.
Knieprobleme entstehen häufig dann, wenn die notwendige Beweglichkeit in den Hüftgelenken fehlt und Rotationsbewegungen stattdessen im Kniegelenk stattfinden. Deshalb ist es wichtig, Padmasana nur ohne Schmerz und mit ausreichender Hüftöffnung zu üben.
Wie immer gilt: Höre auf deinen Körper – wenn du Schmerz empfindest, stimmt etwas nicht!
Rücken
Durch den nach oben gezogenen Kopf wird der Rücken automatisch gerade. Aber damit ist kein "stocksteifes" Gerade gemeint, sondern eine sanftere Variante, vielleicht am besten mit "aufrecht" beschrieben.
Unterlage und Gesäß
Du sitzt im Lotussitz meist direkt auf den Gesäßhöckern. Hilfreich ist es, das Gesäß beim Hinsetzen etwas auseinander zu ziehen, um die Gesäßhälften etwas voneinander zu trennen.
Ziel ist eine aufrechte, ausbalancierte Sitzhaltung, bei der die Wirbelsäule ihre natürliche Ausrichtung so weit wie möglich beibehält, ohne übermäßige Spannung oder Kraftaufwand. Hierbei unterstützt es, ca. zu einem Drittel mit dem Gesäß auf einer Unterlage zu sitzen.
Wenn deine Knie (noch) nicht im Lotussitz auf beiden Seiten auf dem Boden aufkommen, kannst du die "schwebende" Seite mit einer Decke unterfüttern. Auch das trägt zur Bequemlichkeit bei
Padmasana, Ardha Padmasana und der umgangssprachliche Lotussitz

Ardha Padmasana – der halbe Lotus
Streng genommen bezeichnet Padmasana den vollen Lotussitz, bei dem beide Füße mit den Fußsohlen nach oben auf den gegenüberliegenden Oberschenkeln liegen.
Beim Ardha Padmasana, dem halben Lotussitz, liegt nur ein Fuß auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel, während das andere Bein am Boden bleibt. Diese Variante ist deutlich zugänglicher und für viele Menschen langfristig die gesündere Wahl.
Im Alltag wird häufig bereits das einfache Sitzen mit gekreuzten Beinen als „Lotussitz“ bezeichnet. Das ist verständlich, aber fachlich ungenau. Für die Praxis macht diese Unterscheidung jedoch einen großen Unterschied – vor allem für die Belastung von Knie und Hüfte.

Handhaltung
Häufig werden die Hände entspannt auf den Oberschenkeln abgelegt, die Handflächen zeigen nach oben. Dabei kann ein Fingermudra wie Gyana Mudra verwendet werden, bei dem sich Daumen- und Zeigefingerspitze berühren, während die übrigen Finger entspannt ausgestreckt sind. Siehe Bild.
Zur Handhaltung gibt es viele unterschiedliche Empfehlungen. Viele Yogalehrer sehen es als egal an, ob die Hände mit den Handflächen nach oben oder unten ruhen.
In vielen buddhistischen Traditionen werden die Hände hingegen im Schoß ineinandergelegt; diese Handhaltung wird als Dhyana Mudra bezeichnet.
Übungsdauer
Verweile in der Meditation deiner Wahl. Sitze in Padmasana, solange es angenehm bleibt. Tendenziell wird sich dieser Zeitraum immer weiter verlängern.
Handout Padmasana-Lotussitz
Hier kannst du dir ein 1-seitige Handout zum Lotussitz gratis herunterladen. Zum Beispiel für deinen Unterricht (zum Verteilen) oder als Vorlage beim eigenen Üben.
Video: Padmasana Ausführung
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Der Weg zu Padmasana oder: Wie komme ich in den Lotussitz?
Anatomische Voraussetzungen für Padmasana
Der Lotussitz erfordert keine besondere Willenskraft, sondern bestimmte anatomische Voraussetzungen. Entscheidend ist vor allem die Außenrotation im Hüftgelenk. Erst wenn diese Bewegung ausreichend vorhanden ist, können die Unterschenkel spannungsfrei auf den Oberschenkeln liegen.
Das Kniegelenk selbst ist kein Rotationsgelenk. Wird die notwendige Drehbewegung aus der Hüfte nicht erreicht, verlagert sich die Belastung zwangsläufig ins Knie – oft schleichend und lange unbemerkt. Schmerz ist dann kein Zeichen mangelnder Übung, sondern ein Warnsignal.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Körper ist für Padmasana gebaut. Unterschiede in der Form der Hüftpfanne, der Länge von Oberschenkelhals oder Bändern sind anatomische Gegebenheiten. Sie lassen sich nicht „wegdehnen“. Yoga beginnt mit Wahrnehmung, nicht mit Vergleich.
Wie übe ich Padmasana – auch wenn ich nicht besonders gelenkig bin?
Padmasana ist kein Ziel, das man erreicht, indem man sich lange genug anstrengt. Es ist eine Haltung, die sich nur dann zeigt, wenn Beweglichkeit, Stabilität und Zeit zusammenkommen. Wer von sich sagt, nicht besonders gelenkig zu sein, bringt dafür eine oft unterschätzte Stärke mit: Vorsicht. Und Vorsicht ist im Lotussitz keine Schwäche, sondern eine Voraussetzung.
1. Beginne nicht beim Lotussitz
Der häufigste Fehler besteht darin, Padmasana direkt üben zu wollen. Der Lotussitz selbst ist jedoch keine Einstiegsübung, sondern das Ergebnis vorbereitender Arbeit. Sinnvoller ist es, regelmäßig in einfachen, kreuzbeinigen Sitzhaltungen zu verweilen und dort zunächst Beckenaufrichtung und Wirbelsäulenlänge zu kultivieren.
Wer bereits hier stabil und entspannt sitzen kann, legt den eigentlichen Grundstein für Padmasana.
2. Arbeite mit der Hüfte, nicht gegen das Knie
Wenn sich der Lotussitz „blockiert“ anfühlt, liegt das fast immer an eingeschränkter Außenrotation im Hüftgelenk. Diese Beweglichkeit lässt sich nicht erzwingen, aber langsam entwickeln.
Hilfreich sind Haltungen, die die Hüfte sanft öffnen, ohne Druck aufzubauen. Wichtig ist dabei, die Positionen lange, ruhig und ohne Ziehen zu halten. Fortschritt zeigt sich nicht im tieferen Dehnen, sondern in einer wachsenden Gelassenheit im Gelenk.
3. Übe asymmetrisch – und bleibe dabei geduldig
Der Körper ist selten symmetrisch. Eine Seite wird sich fast immer leichter in Richtung Lotussitz bewegen als die andere. Das ist kein Problem, solange beide Seiten regelmäßig und ohne Ehrgeiz geübt werden.
Ardha Padmasana, der halbe Lotussitz mit nur einem Fuß auf dem Oberschenkel des anderen Beines, ist hier ein sinnvoller Zwischenraum. Er erlaubt dem Körper, sich an die Struktur zu gewöhnen, ohne ihn zu überfordern.
4. Nutze Hilfsmittel ohne schlechtes Gewissen
Decken, Kissen oder ein leicht erhöhter Sitz sind keine „Krücken“, sondern Werkzeuge. Sie ermöglichen es, das Becken aufzurichten und Druck aus Knie und Sprunggelenken zu nehmen.
Ein erhöhter Sitz verändert den Hebel in der Hüfte – oft genug der kleine Unterschied zwischen Spannung und Entspannung. Yoga wird nicht ehrlicher, wenn man auf Unterstützung verzichtet. Im Gegenteil.
5. Akzeptiere langsame Zeiträume
Padmasana ist keine Haltung, die man sich „erarbeitet“ wie ein Trainingsziel. Manche Menschen nähern sich ihr über Jahre, andere über Jahrzehnte, und wieder andere gar nicht.
Wichtig ist nicht, ob der Lotussitz irgendwann gelingt, sondern wie man übt: aufmerksam, schmerzfrei und ohne das Bedürfnis, dem eigenen Körper etwas zu beweisen.
6. Lerne, die Signale zu lesen
Ein dumpfer Widerstand in der Hüfte kann Teil des Übungsprozesses sein. Ein stechender oder ziehender Schmerz im Knie ist es nicht. Wer regelmäßig übt, entwickelt mit der Zeit ein feineres Gespür für diese Unterschiede. Man könnte sagen: Padmasana verlangt weniger Willen als Unterscheidungsvermögen.
Konkrete Vorübungen für Padmasana
Schwerpunkt: Hüftöffnung ohne Kniedruck
Padmasana entsteht nicht im Knie, sondern im Hüftgelenk. Die folgenden Vorübungen zielen darauf ab, die Außenrotation und Beweglichkeit der Hüfte schrittweise zu verbessern. Wichtig ist dabei nicht Intensität, sondern Regelmäßigkeit und Zeit.
1. Sukhasana mit bewusster Ausrichtung
Der einfache kreuzbeinige Sitz ist mehr als eine Übergangshaltung. Setze dich erhöht auf ein Kissen oder eine gefaltete Decke, sodass das Becken leicht nach vorne kippen kann. Achte darauf, dass beide Knie möglichst gleichmäßig Richtung Boden sinken.
Diese Haltung schult Beckenaufrichtung, Wirbelsäulenlänge und die erste, sanfte Hüftöffnung – Grundlagen für jeden Lotussitz.
Dauer: 2–5 Minuten, ruhig atmend
2. Baddha Konasana (Schmetterling) – passiv statt aktiv
Setze dich aufrecht, bringe die Fußsohlen zusammen und lasse die Knie nach außen sinken. Verzichte auf aktives Drücken mit den Händen oder Ellenbogen. Eine schonende Wirkung entsteht durch Schwerkraft und Zeit, nicht durch Kraft. Wenn es sich gut anfühlt, kannst du die Arme auf den Knien ablegen, das drückt die Knie genügend in Richtung Boden.
Diese Haltung öffnet die Hüften in einer Position, die dem Lotussitz strukturell ähnelt, ohne die Knie zu verdrehen.
Dauer: 1–3 Minuten, gerne länger, eventuell zu Beginn mit Unterstützung unter den Knien
3. Ardha Padmasana als Lernraum
Lege nur einen Fuß auf den gegenüberliegenden Oberschenkel, der andere bleibt am Boden. Wechsle regelmäßig die Seite. Achte darauf, dass das Knie des oben liegenden Beins spannungsfrei bleibt.
Ardha Padmasana ist kein „halber Erfolg“, sondern eine vollwertige Übung, um Hüfte und Nervensystem an die Struktur des Lotussitzes zu gewöhnen.
Dauer: 1–2 Minuten pro Seite
4. Liegende Hüftrotation (sanft und sicher)
Lege dich auf den Rücken, beuge ein Knie und lasse es langsam zur Seite sinken, während beide Schultern am Boden bleiben. Diese Position ermöglicht eine passive Rotation der Hüfte, ohne Gewicht oder Druck.
Gerade für weniger bewegliche Menschen ist diese Übung oft effektiver als sitzende Dehnungen.
Dauer: 1–2 Minuten pro Seite
Neben diesen Übungen kannst du viele weitere Schritte gehen, um dich dem vollen Lotus zu nähern:
Unsere Hüfte ist ein komplexes Gelenk, das für unsere Mobilität und Flexibilität immens wichtig ist. Im Alltag jedoch neigen wir dazu, genau diesen wichtigen Bereich zu vernachlässigen, was zu Verspannungen, Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit führen kann. Hier kommen Yoga Hüftöffner ins Spiel! Diese speziellen Übungen zielen darauf ab, die Muskeln rund um die Hüfte zu dehnen, um die Beweglichkeit in diesem Bereich zu verbessern und Verspannungen sanft zu lösen.Beitrag: Yoga Hüftöffner
Hüftöffner im Yoga: Schlüssel zu Beweglichkeit, Energie und emotionalem Wohlbefinden
Video: Vorübungen – so kommst du in den Lotussitz
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Typische Zeitverläufe – realistisch betrachtet
Padmasana folgt keinem festen Zeitplan. Dennoch zeigen sich in der Praxis wiederkehrende Muster:
- Nach 4–8 Wochen regelmäßiger Vorübungen: spürbar mehr Bewegungsfreiheit in der Hüfte
- Nach mehreren Monaten: Ardha Padmasana wird stabil und bequem
- Nach 1–2 Jahren (oder länger): Padmasana kann sich zeitweise einstellen – oder auch nicht
Diese Zeiträume sind keine Garantie, sondern Erfahrungswerte. Fortschritt zeigt sich oft zuerst darin, dass weniger Ehrgeiz nötig ist, nicht in spektakulären Veränderungen.
„Was tun, wenn…?“ – typische Situationen und Lösungen
- …das Knie schmerzt
Beende die Haltung sofort. Knieschmerz ist kein Dehnreiz, sondern ein Warnsignal. Gehe einen Schritt zurück und arbeite gezielt an der Hüfte, nicht an der Haltung selbst. - …ein Fuß nicht auf dem Oberschenkel bleiben will
Das ist kein Zeichen von „zu wenig Übung“, sondern von noch nicht ausreichender Hüftrotation. Übe Ardha Padmasana oder bleibe bei offenen Sitzhaltungen. - …eine Seite deutlich beweglicher ist
Das ist normal. Übe beide Seiten regelmäßig, aber akzeptiere Unterschiede. Symmetrie ist kein realistisches Ziel, Ausgleich schon. - …der Rücken im Lotussitz rund wird
Erhöhe den Sitz deutlich. Ein aufgerichtetes Becken ist wichtiger als korrekt verschränkte Beine.
Padmasana im Alltag üben – auch am Schreibtisch
Nicht jede Vorbereitung für den Lotussitz findet auf der Yogamatte statt. Gerade im Alltag lassen sich kleine, unspektakuläre Übungen integrieren.
1. Hüftrotation im Sitzen regelmäßig im Sitzalltag einbauen
Setze dich aufrecht auf deinen Stuhl, stelle zunächst beide Füße flach auf den Boden. Lege dann einen Knöchel locker auf das gegenüberliegende Knie (ähnlich wie im halben Lotussitz, aber ohne Druck). Achte darauf, dass das Knie nicht nach unten gedrückt wird.
Diese Haltung fördert die sanfte Außenrotation der Hüfte, ohne das Knie zu belasten.
Mit der Zeit kannst du dann den Fuß vom Knie immer näher in Richtung Bauch gleiten lassen.
Dauer: 30 Sekunden bis 5 Minuten pro Seite, solange es sich gut anfühlt
2. Bewusstes Sitzen statt „Lotus am Schreibtisch“
Der vollständige Lotussitz ist am Arbeitsplatz meist weder praktikabel noch sinnvoll. Wertvoller ist es, regelmäßig die Sitzposition zu wechseln, das Becken aufzurichten und Spannung aus Hüfte und Rücken zu nehmen.
Padmasana entsteht nicht durch spektakuläre Posen im Büro, sondern durch viele kleine Momente von Beweglichkeit und Aufmerksamkeit.
Ein nüchterner Schlussgedanke
Padmasana ist keine Haltung für Ungeduldige. Sie ist auch keine Belohnung für besonders Fleißige. Sie zeigt sich manchmal – und manchmal nicht. Wer lernt, diesen Prozess zu respektieren, übt bereits das, worum es im Lotussitz eigentlich geht: Stabilität ohne Zwang und Offenheit ohne Eile.
Ist Padmasana wirklich der beste Meditationssitz?
Padmasana wird in vielen Texten als ideale Meditationshaltung beschrieben. Gleichzeitig zeigen moderne Meditationspraktiken, dass Stabilität und Schmerzfreiheit wichtiger sind als die äußere Form.
Wer im Lotussitz sitzt, aber innerlich mit Druck, Taubheit oder Widerstand beschäftigt ist, meditiert nicht tiefer – sondern kämpft. Eine aufrechte Sitzhaltung auf einem Kissen, auf einem Meditationsstuhl oder sogar auf einem Stuhl mit beiden Füßen am Boden kann für die geistige Sammlung ebenso wirksam sein.
Der Körper ist kein Hindernis für Meditation. Er ist ihr Instrument. Und Instrumente müssen nicht spektakulär aussehen, sondern zuverlässig funktionieren. Darum gilt:
Padmasana ist keine Voraussetzung für Meditation.
Auch andere stabile und schmerzfreie Sitzhaltungen können gleichermaßen geeignet sein, insbesondere wenn anatomische Voraussetzungen den Lotussitz nicht zulassen.
Video: Gesunde Yoga-Sitzvarianten
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Welche Sitzhaltung(en) nimmst du bevorzugt während der Meditation ein?
Hier die bisherigen Antworten anschauen ⇓
Die bisherigen Stimmen:
| Vajrasana (kniend auf den Fersen sitzen) | 13 Stimmen |
| Einfacher Schneidersitz (auch auf Bänkchen oder Sitzkissen) | 12 Stimmen |
| Siddhasana (halber Lotussitz) | 11 Stimmen |
| Svastikasana (glücksverheißener Sitz) | 10 Stimmen |
| Padmasana (voller Lotussitz) | 9 Stimmen |
| Virasana (= Heldensitz, Fersen neben dem Gesäß) | 5 Stimmen |
| Gemütlich angelehnt auf Sessel oder Couch | 4 Stimmen |
| Auf einem Stuhl, nicht an die Rückenlehne angelehnt | 3 Stimmen |
| Andere Sitzhaltung | 3 Stimmen |
| Auf einem Stuhl, hinten angelehnt | 0 Stimmen |
Häufige Fehler in Padmasana
- Ein häufiger Fehler ist der Versuch, den Fuß mit den Händen aktiv auf den Oberschenkel zu „ziehen“. Diese Bewegung erzeugt Zug im Knie und verdreht das Gelenk. Der Fuß sollte sich nur dann nach oben bewegen, wenn das Hüftgelenk dies zulässt.
- Ebenfalls verbreitet ist das Absinken in einen Rundrücken, sobald die Beine fixiert sind. Padmasana beginnt nicht bei den Füßen, sondern bei der Aufrichtung des Beckens. Ohne diese Basis wird der Sitz zwar äußerlich korrekt, innerlich jedoch instabil.
- Schließlich wird oft vergessen, die Seiten regelmäßig zu wechseln. Auch im Lotussitz gibt es eine dominante Seite. Ausgleich entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Aufmerksamkeit.
Padmasana in den alten Schriften
Was sagt das Yoga Sutra?
Yoga Sutra II-46: Die Asana [Haltung in der Meditation] sollte unbewegt und angenehm sein
Sthira-sukam âsanam
स्थिरसुखमासनम्
Nach den Erläuterungen zu Yama und Niyama schreitet Patanjali mit seinen Ausführungen in den Sutras zu Asana (allgemein: Körperhaltung) weiter auf dem Achtfachen Yoga-Pfad voran. Die meisten Kommentatoren gehen davon aus, dass Patanjali hier nur die Sitzhaltung bei der Meditation im Sinn hatte, doch lässt sich das Prinzip dieser Sutra ganz trefflich auf andere Yoga-Stellungen übertragen. Sogar für den Alltag findet sich Inspiration.
In II-46 startet Patanjali mit konkreten Empfehlungen zur Meditation ► Asana als Sitzhaltung ► Was ist mit sthira (unbewegt) und sukha (angenehm) konkret gemeint? ► Die Übertragung der Empfehlungen von Patanjali auf Hatha-Yoga-Übungen ► Übersetzungsalternativen ► Umfragen
Padmasana in der Gheranda Samhita
Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 8
Klicken zur Großansicht
II-8 Nun zu Padmasana, dem Lotussitz: Der rechte Fuß wird mit der Rückseite auf den linken Schenkel gelegt, der linke Fuß ebenso auf den rechten Schenkel.
Dann ergreife man mit beiden Händen (wie bekannt, sprich: vermutlich mit den Armen hinter dem Rücken gekreuzt) "fest" die beiden großen Zehen, lege das Kinn auf die Gegend des Herzens und fixiere die Nasenspitze. Padmasana beseitigt Krankheiten und verhindert den Untergang.
Padmasana in der Hatha Yoga Pradipika
In der Pradipika wird Padmasana ebenfalls als gebundener Lotus gelehrt, die Arme werden hinter dem Rücken überkreuzt. Siehe Bild oben bei der Gheranda Samhita.
Kapitel I, Vers 46: Nun Padmasana: Platziere den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Die Arme werden hinter dem Rücken gekreuzt, so dass die Hände jeweils die großen Zehen umfassen können. Das Kinn wird an die Herzgegend gelegt. Der Blick richtet sich auf die Spitze der Nase. Diese Stellung verscheucht alle Krankheiten und wird bei den Yogis Padmasana genannt.
Kommentar Brahmanda zu diesem Vers: Im Geheimen wird gelehrt, dass Kinn und Brust einen Abstand von 8 Zentimetern aufweisen.
Nun wird in den Versen I-47 bis 49 eine Variante erläutert, die aber auch (nur) Padmasana genannt wird.
I-47: Die Fußsohlen nach oben schauend werden beide Füße sorgfältig auf die gegenüberliegenden Oberschenkel gelegt. Ebenso werden beide Hände in die Mitte nach oben öffnend gelegt. Danach werden beide Augen ...
I-48: ... auf die Nasenspitze ausgerichtet und die Zunge an den Ursprung der oberen Königszähnen [Schneidezähne] gedrückt. Das Kinn auf der Brust wird die Lebensenergie (pavanam) langsam nach aufwärts gelenkt.
I-49: Dies wird Padmasana genannt und vertreibt alle Krankheiten. Padmasana ist schwer zu erlangen, selbst von den Weisen auf Erden.
Der Lotussitz im Forum diskutiert
Yoga-Übungen bei Knieproblemen – Empfehlungen
Yoga-Übungen bei Knieproblemen – Empfehlungen
Sylvie fragt:
Hallo,
ich wäre sehr froh um ein paar Tipps zu meinen Knieproblemen.
Vor einem Jahr hat sich bei einem Sturz eine Sehne meines rechten Knies/Beines etwas verschoben (auf Röntgenbild nicht sichtbar). Seither kann ich mich nicht mehr ganz hinknien bzw. weder den Fersensitz noch das zusammengerollte Blatt ausführen, da etwas im Knie wie blockiert ist. Auf dem Rücken liegend, kann ich die Knie problemlos ganz beugen.
Was kann ich selber tun, um meine Beweglichkeit vollständig wiederherzustellen?
Vielen Dank im Voraus und herzliche Grüße,
Sylvie
Die Antworten lauten wie folgt:
Hier weiterlesen: Yoga-Übungen bei Knieproblemen – Empfehlungen
Wie komme ich in den Lotussitz?
Hilfe, ich will in den Lotussitz!!
Yannick fragt:
Hallo zusammen,
ich heiße Yannick und bin Mitte zwanzig. Ich habe mich hier angemeldet in der Hoffnung einige Ratschläge und Antworten bezüglich des Lotussitzes erhalten zu können.
Nun zu meinem Problem - und zwar versuche ich seit einiger Zeit in den (vollen) Lotussitz zu kommen, aber es will mir einfach nicht gelingen. Ich habe Freunde, die es trotz jahrelangen Nicht-Trainierens hinbekommen (und andere, die es nicht können, allerdings auch nichts dafür tun wollen) und ich mühe mich ab und kriege nur unter Anstrengung den halben Lotussitz hin. Sobald es anfängt zu schmerzen höre ich natürlich auf, verletzen will ich mich nicht. Ich muss dazu sagen, dass ich als Kind den Lotus nie beherrschte, wobei ich es auch nie ernsthaft probiert und trainiert habe. (Auch im Bereich der Hüfte komme ich mir relativ ungelenkig vor, Spagat zur Seite ist leider absolut undenkbar für mich, wobei ich daran bereits arbeite.)
Besteht Hoffnung für mich, durch Training den vollen Lotussitz zu erreichen, oder gibt es einfach Leute, die es können und der Rest kann es halt nicht? Inwieweit sind Gelenkapparate ,,Dehn-" und Trainierbar?
Vom Gefühl her und entsprechend meinen Beobachtungen liegt das größte Problem bei mir im Bereich des Kniegelenks, welches wie eine Blockade wirkt, wenn ich versuche, meine Füße auf dem Oberschenkel abzulegen und dann das Knie Richtung Boden bewege. Gleiches natürlich bei dem anderen Bein, welches ich dann über das erste zu führen versuche. Welche Seite dabei die erste ist, macht keinen Unterschied.
Muss ich mich damit abfinden, dass ich jetzt zu alt bin, meine Physiologie es nicht mitmacht oder ich genetisch nicht für den Lotus geeignet bin?
Gibt es hier jemanden, der sich den Lotus antrainiert hat und es nicht... ich sag mal "automatisch" kann?
Hilfe!!! Hat irgendjemand Anregungen oder vielleicht sogar Übungsvorschläge für mich? Wie habt ihr das gemacht, wenn ihr es denn gemacht habt?
Danke schonmal im Voraus fürs Lesen :)
Die Antworten lauten wie folgt:
Hier weiterlesen: Wie komme ich in den Lotussitz?
Das Knie und der Lotossitz
larrim schreibt:
Bau und die Funktion des Kniegelenks - Besonderheiten, die beim Lotossitz zu beachten sind
Das Kniegelenk muss vielen Anforderungen genügen, denn zum Gehen und Sitzen sollte es gut beweglich und zum Stehen muss es stabil fixiert sein. Es trägt das menschliche Körpergewicht und ist außerdem der Krafteinwirkung durch die Geschwindigkeit der Bewegung ausgesetzt. Des weiteren sind die auf das Knie wirkenden Hebelkräfte wegen der Länge von Ober- und Unterschenkel besonders stark.
Hier weiterlesen: Das Knie und der Lotossitz
Padmasana-FunFacts
- Padmasana ist älter als viele Yoga-Asanas, die heute populär sind – es wurde wie erwähnt bereits in Texten beschrieben, die vor der Hatha-Yoga-Tradition existierten.
- In einigen buddhistischen Traditionen heißt der Lotus-Sitz auch „Vajra-Position“, weil er als kraftvoll und stabil gilt.
- Einige antike Münzen zeigen Figuren im Lotus-Sitz – ein Hinweis darauf, wie tief verwurzelt diese Haltung schon vor über 1 000 Jahren im indischen Kulturraum war.
- Der Name „Padmasana“ bedeutet wörtlich „Lotus-Haltung“, wobei der Lotus als Symbol der Reinheit aus dem Schlamm seit Jahrhunderten in der spirituellen Bildsprache Asiens steht.
- Nicht nur Menschen, sondern auch Götter und Heilige werden in Tempelkunst weltweit im Lotus-Sitz dargestellt – von Shiva im Hinduismus bis zum Buddha im Buddhismus.
- Die Haltung ist nicht genetisch für jeden gleich erreichbar: Unterschiede in Hüft- und Knochengeometrie entscheiden oft, ob Padmasana leicht oder schwer fällt.
- In manchen Yoga-Traditionen wird Padmasana als „Sitz aller Sitze“ bezeichnet – nicht, weil er der einzig „richtige“ Sitz ist, sondern weil er so viele Aspekte von Körper, Geist und Atmung verbindet.

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