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moench meditation sitz statue 250Sthira-sukam âsanam
स्थिरसुखमासनम्

Nach den Erläuterungen zu Yama und Niyama schreitet Patanjali mit seinen Ausführungen in den Sutras zu Asana (allgemein: Körperhaltung) weiter auf dem Achtfachen Yoga-Pfad voran. Die meisten Kommentatoren gehen davon aus, dass Patanjali hier nur die Sitzhaltung bei der Meditation im Sinn hatte, doch lässt sich das Prinzip dieser Sutra ganz trefflich auf andere Yoga-Stellungen übertragen. Sogar für den Alltag findet sich Inspiration.

In II-46 startet Patanjali mit konkreten Empfehlungen zur Meditation ► Asana als Sitzhaltung ► Was ist mit sthira (unbewegt) und sukha (angenehm) konkret gemeint? ► Die Übertragung der Empfehlungen von Patanjali auf Hatha-Yoga-Übungen ► Übersetzungsalternativen ► Umfragen

Punkt 1

1. Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Sthira = unbewegt; fest; stabil; kraftvoll; aufgerichtet;
  • Sukham, sukha = bequem; angenehm; leicht; glücklich; entspannt;
  • Asana, âsanam = Haltung; Sitzhaltung; Sitzstellung; Körperstellung; Körper-Praxis; Körperhaltung;

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2. Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Roots: „Eine ruhige und bequeme Haltung […]“
  • Sukadev: „Die asana (Sitzhaltung) soll ...“
  • Deshpande/Bäumer: „Die Sitzhaltung soll ...“
  • Dr. R. Steiner: „Durch Praxis mit Kraft (Sthira) und Gelassenheit (Sukham) ...“
  • Coster: „... ist Voraussetzung für eine lange Meditation.“
  • Feuerstein: „... stabil und ruhevoll ...“
  • R. Palm: „Die Sitzstellung ... fest ...“
  • R. Sriram: „Die ideale Haltung ist ...“
  • Govindan: „... stabile, angenehme Körperhaltung.“
  • Iyengar: „ ... stabil und angenehm ...“
  • Chip Hartranft: „Die Haltungen der Meditation sollten Stetigkeit und Leichtigkeit verkörpern.“
  • R. Skuban: „Die Meditationshaltung sollte stabil ...“
  • T.K.V. Desikachar: „Asana ... die Qualitäten Stabilität und Leichtigkeit haben.“
  • G. Pradīpaka: „Die Haltung (āsanam) (sollte) fest (sthira) und angenehm ... (sukham) sein“
  • 12koerbe.de: „standhaft, doch angenehm ...“
  • Hariharananda Aranya: „Bewegungslose und angenehme Form (des Verweilens) ist Asana (yogische Haltung).“
  • I. K. Taimni: „Die Haltung (sollte) gleichmäßig und bequem sein.“
  • Swami Satchidananda: „Asana ist eine gleichmäßige, bequeme Haltung.“
  • Swami Prabhavananda: „Körperhaltung (Asana) ist eine feste, aber entspannte Sitzhaltung.“
  • Swami Vivekananda: „Haltung ist diejenige, die fest und angenehm ist.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Die Körperhaltung ist stabil und bequem.“
  • Rainbowbody: "Die Haltung (asana) sollte unterstützend, geerdet (sthira) und freudvoll (sukham) sein."

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

3. Wo wir stehen

Hier findest du eine kurze Zusammenfassung des 2. Kapitels des Yogasutras bis zu Sutra II-45:

Yoga Sutra - 2. Kapitel - bis hierher

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der „Praxis“. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindere und (irgendwann) zu Samadhi, zur allumfassenden Freiheit führe.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation).

Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid von allem und jedem in dieser Welt. Grundübel ist dabei unsere Identifikation mit dem, was wir nicht sind.

Dann geht es bei den Sutras weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen. Patanjali sieht es als „die“ Aufgabe des Yogis an, den Unterschied zwischen Sehenden und Gesehenem zu erkennen. Nach und nach sollte diese Erfahrung kultiviert und ausgebaut werden. So gelange man zur Freiheit – Kaivalya (auch mit „letzter Freiheit“, Isoliertheit (Alleinheit), höchster Befreiung oder „vollkommener Erlösung“ übersetzt.

Nachdem Patanjali in den Sutras II-18 und II-19 über Prakriti, die Natur/unsere Welt, gesprochen hat, geht er dann auf deren Beobachter, den Seher (Purusha) und dessen Wahrnehmung ein. Von Sutra II-20 bis Sutra II-27 erläutert Patanjali Grund und das Zustandekommen unserer Existenz, wie die Unwissenheit unser Dasein bestimmt und  dass Viveka Khyati, die Unterschreidungskraft oder unterscheidende Wahrnehmung, dauerhaft angewendet unsere Unwissenheit beendet. In den Sutras II-28 bis Sutra III-8 gibt Patanjali die konkrete Praxisempfehlung Ashtanga Yoga, um unser falsches Bild von der Welt – das Leid verursacht und unsere Befreiung verhindert – auch ohne großes spirituelles Talent zu überwinden. Den achtfachen Pfad des Raja Yoga, des königlichen Yoga.

In Sutra II-30 zählt Patanjali auf, was zur ersten Stufe des Pfades, den Yamas, gehört, in II-31 betont er deren universelle Gültigkeit. In II-32 listet er die Niyamas auf, die yogischen Empfehlungen für den Umgang mit uns selbst. In II-33 und II-34 benennt er, welche Folgen sich daraus ergeben, wenn unser Geist sich weigert, die Yamas und Niyamas zu befolgen und was wir dagegen tun können: die Kultivierung des gegenteiligen Gedankens/Zweifels (Pratipaksha Bhavana). Die Sutra II-35 (Ahimsa-Nichtverletzen) bis II-39 (Aparigraha-Begierdelosigkeit) schildern die besonderen Kräfte und Fähigkeiten, die ein Mensch erlangt, wenn er die Yamas tief in sich verwurzelt. In den Sutras II-40 bis II-45 schildert Patanjali die segensreichen Folgen Einhaltung der Niyamas

Sutra II-46 bis II-48 handeln von Asana, der (Sitz-)Haltung. Patanjali fordert hier: 

  • II-46: unbewegt und bequem
  • II-47: entspannen und auf das Unendliche ausrichten
  • II-48: wenn gemeistert, frei von Dvandvas (Gegensatzpaaren)

Mehr dazu in den jeweiligen Sutras.

Punkt 4

4. Asana als Sitzhaltung

Patanjali widmet Asana nur wenige Sutras. Diese und die folgenden beiden II-47 und II-48.

Nebenbei bemerkt: Der Begriff der Kundalini taucht im ganzen Yogasutra nicht auf, auch Nadis werden nicht direkt erwähnt.

Viele Kommentatoren verstehen unter Asana im Yogasutra ausschließlich die Körperhaltung in der Meditation bzw. Versenkung. Asana als Sitzhaltung. Dies ist das engere Verständnis von Sutra II-46, auch ich neige zu dieser Sichtweise.

Patanjali gibt dabei keine konkrete Sitzhaltung vor, er nennt nur Bedingungen, welche diese erfüllen muss, um dem Ziel des Yogas zu dienen: die Stille des Geistes zu erreichen. Siehe Yoga-Sutra I-2:

Yoga Sutra I-2: Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen im Geist

Diese stabile und gleichzeitig bequeme Sitzhaltung will erobert werden:

„Doch ist es alles andere als leicht, ein solches Asana zu entwickeln.“

Ralph Skuban

Bhadrasana mohenjo daro 400Gilt als älteste bildliche Darstellung einer Asana: der im Bhadrasana sitzende „Herr der Tiere“ (Pasupati, gilt als einer der Namen für Shiva), aus Mohenjo-Daro, dem Hauptort der Industal-Kultur. Mehr dazu auf Wikipedia

Punkt 5  

5. Sthira: unbewegt

Die gebräuchlichste Übersetzung von Sthira in dieser Sutra ist „unbewegt“. Andere deuten sthira anders, teilweise sehr weitgehend anders. Folgende Deutungen sind im Umlauf:

  • fest
  • stabil
  • aufgerichtet, gerade
  • unerschütterlich
  • beständig,
  • kraftvoll

Man könnte also auch meinen, dass Patanjali fordere, möglichst aufrecht sitzend zu meditieren oder in einer Sitzhaltung, die uns höchste Stabilität schenkt.

Üblicherweise werden alle diese Übersetzungen an eine Meditationshaltung gestellt: sitze aufrecht, mit geradem Rücken, fühle die Stabilität der Haltung und bewege dich möglichst gar nicht. Sicherlich nicht die schlechteste Herangehensweise an eine tiefe Meditationserfahrung.

„Wenn der Körper unbewegt ist, wird es leicht, den Geist still zu machen.“

Swami Satchidananda, The Yoga Sutra of Patanjali, Seite 155. Allerdings geht er hier durchaus von mehrstündigem völligen Stillhalten aus.

Vyasa, der älteste Kommentator vom Yogasutra schreibt:

"Der Zusatz [des Wortes „entsteht“] gibt die Bedeutung „eine fest etablierte Haltung entsteht“. „[Eine Haltung] wird als Ergebnis der Beendigung der Anstrengung perfektioniert“ für die Zeit nach der Adoption der Haltung oder von keinerlei Anstrengung [überhaupt]. „Durch die der Körper nicht zittert.“ „Mittels dessen“ bedeutet durch Aufhören der Anstrengung. Weil Anstrengung den Körper zittern lässt. Die Bedeutung ist, dass die Haltung unbeweglich wird."
Quelle: Roots of Yoga

Übertragung auf Hatha-Yoga-Stellungen

Wenn man diese Sutra auch auf die Yoga-Stellungen bezieht, so sollen diese also ruhig, unbewegt gehalten werden. Auch nicht immer wieder nachjustieren, einfach eine Zeitlang völlig ruhig die Stellung halten. Sukadev: „Dann geht die Wirkung tiefer“.

Wie lange kannst du (nahezu) regungslos meditieren?

 

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Punkt 6

6. Sukham: bequem

Glücklicherweise ergänzt Patanjali die Forderung an eine Asana mit sukha. Damit kann bequem oder angenehm gemeint sein, im weiteren Sinne auch leicht, entspannt oder gar „glücklich“.

Das „fest“ oder „aufgerichtet“ von „sthira“ soll also (wenn nicht gleich, so doch im Laufe der Zeit) „bequem“ und „entspannt“ empfunden werden.

Unbewegt und dabei völlig relaxt – Patanjalis Forderungen an die Sitzhaltung in der Meditation. Wim van den Dungen kommentiert: „Wenn die Körperhaltung richtig kultiviert ist, erfährt man eine Entspannung der Spannung, wodurch sich der Körper leicht und glückselig anfühlt. Es fühlt sich an, als ob die Haut keine Grenze mehr darstellt, sondern sich ausdehnt und mit dem umgebenden Raum verschmilzt.“

Übertragung auf Hatha-Yoga-Stellungen

Bezieht man die Forderung nach „bequem“ auch auf die Asanas im Hatha, dann sollte man sich darum bemühen, dass diese im Laufe der Zeit auch immer leichter eingenommen werden können. Das geschieht über eine höhere Flexibilität der Muskeln und Sehnen, die irgendwann ohne große Anstrengung in der gewünschten Position gehalten werden können. Aber auch durch Zunahme der Kraft, die in manchen Stellungen gefordert ist.

Die „Leichtigkeit“ oder die „Entspannung in der Haltung“ werden auch dadurch gefördert, dass man alles, was nicht zur Aufrechterhaltung der Haltung erforderlich ist, bewusst entspannt. Auch diese Kombination aus Anspannung und Entspannung fällt mit zunehmender und regelmäßiger Übung immer leichter.

Übertragung auf den Alltag

Yogalehrer übertragen die Prinzipien des Yogas gerne auf das Geschehen im Alltag. Diese Sutra liefert hierfür einen guten Ansatz: Sei achtsam in deinen Alltags-Verrichtungen und halte alles entspannt, was du gerade nicht für deine Tätigkeit anspannen musst. Auch im Sitzen kann dieses Yoga-Prinzip geübt werden. Der Achtsamkeitsmuskel wird stets gratis mitgestärkt.

Punkt 7

7. Meisterung der Meditationshaltung

Eine aufrechte, völlig unbewegte und dabei noch entspannte Sitzhaltung fällt westlichen Schreibtischtätern erfahrungsgemäß schwer. Es bedarf kontinuierlicher Übung und konsequenter Einnahme und Wieder-Einnahme der angestrebten Sitzhaltung, um diese (manchmal erst im Laufe der Jahre) bequem zu meistern. Denn: Notwendige Muskeln wollen erst einmal entwickelt und betroffene Sehnen und Bänder gedehnt werden, um so sitzen zu können.

„Auch ein Meditations-Asana muss von allen Fasern, Zellen, Gelenken und Muskeln im Zusammenwirken mit dem inneren Sinn intensiv erarbeitet werden.“

Iyengar

Zudem schleichen sich allzuleicht Phasen in unser Leben, in denen wir nicht üben, in denen wir lange Zeiträume nahezu unbewegt am Schreibtisch verbringen. Dann verkümmern unsere Fortschritte und wir müssen erst wieder unsere einst schon erreichten Haltungen neu erarbeiten.

Mit zunehmenden Alter wird dies nicht gerade leichter ;-)

Beitrag: Mögliche Sitzhaltungen erklärt und erläutert

Siddhasana

Siddhasana

Siddhasana - die vollkommene Stellung | Anleitung und Hintergründe

Siddhasana gilt als wichtigste der Asanas und wird in der Hatha-Yoga-Padripika in den höchsten Tönen hervorgehoben. Dieser Sitz soll ständig geübt werden und ist ideal für Pranayama, Meditation oder auch zum reinen Verweilen. 

► Schritt-für-Schritt-Anleitung zu Siddhasana ► Anatomie erläutert ► Videoanleitung ► Wirkungen von Siddhasana ► Siddhasana in der Hatha-Yoga-Pradipika und in derGheranda Samhita ► Variationen

Padmasana Lotussitz

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Padmasana – der Lotussitz: optimale Ausführung und der Weg dorthin

In den alten Yoga-Schriften (alles ungefähr vor dem Jahre 1.000 nach Christus) verstand man unter Asana im Yoga nur Sitzhaltungen. Eine davon ist Padmasana, der Lotus-Sitz. Eine sehr fortgeschrittene Sitzhaltung, die äußerst gelenkige Glieder verlangt.

So man den Lotussitz-Padmasana bequem beherrscht, gilt er als ideale Stellung für die Meditation. Der Körper wird nicht mehr wahrgenommen und bleibt trotzdem aufrecht, die Energien können ungehindert fließen.

Svastikasana

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Svastikasana ist eine Sitz-Asana, die glücksverheißend oder Stellung des Wohlwollens genannt wird. Hier findest du ein Video zur korrekten Ausführungen, Erläuterungen zur Stellung und Zitate zu Svastikasana aus alten Schriften.

Auf der anderen Seite könnte diese Sutra auch so gedeutet werden, dass jede Sitzhaltung, die „stabil“ und „bequem“ ist, als Meditationshaltung geeignet ist. Also auch ein „unbewegtes Lümmeln auf der Couch“, wenn du denn dabei den Geist wach und über lange Zeit konzentriert halten kannst.

Welche Sitzhaltung(en) nimmst du bevorzugt während der Meditation ein?

 

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Punkt 8

8. Asana im Hatha-Yoga

Hatha-Yoga-Lehrer übertragen wie schon gesagt gerne die Forderung von Patanjali auf die heute bekannten und breit gelehrten Yoga-Stellungen bzw. Asana-Folgen. Beispielsweise Desikachar im Kommentar zu dieser Sutra auf Seite 89: „Unter der Praxis von Asana sind Körperübungen zu verstehen.“ Auch diese sollten Sutra II-46 gemäß fest aber bequem sein. Anders ausgedrückt: unbewegt und im Laufe der Zeit immer einfacher zu halten.

Eine Konsequenz aus dieser Sichtweise: Alle dynamischen Yogaformen sind damit raus und können sich nicht auf das Yogasutra beziehen, denn hier heißt es: eine Asana ist unbewegt/fest.

Iyengar als typischer Hatha-Yogi (aber auch er sieht die Körperübungen nur als Hilfe für das geistige Ziel im ursprünglichen Yoga) liest aus II-46 eine ganze Reihe an Merkmale einer richtigen Asana heraus:

  • ein Gefühl körperlicher Festigkeit, Stetigkeit und Ausdauer
  • Guten Willen beim Yogi
  • Bewusstheit, größtmögliche Aufmerksamkeit auf die Asana
  • Freude
  • Eine Asana soll Kräfte wecken
  • Eine Asana soll erleuchtend wirken
  • Es darf keine Verkrampfung in den Muskeln oder Hautzellen entstehen

8.1. Körperübungen als „Abweichung“ vom Yogapfad

Doch diese Übertragung des Yogasutra auf körperliches Yoga ist nicht unumstritten. R. Palm schreibt zum Beispiel rigoros: „Die Kommentatoren lehnen übereinstimmend jeglichen Bezug der dem asana gewidmeten Sutras (II.46-48) zu einem wie immer gearteten >körperlichen< Yoga ab, betrachten diesen als >Abweichung vom Yoga-Weg< und sehen im Asana ausschließlich eine Sitzhaltung.“

In die gleiche Kerbe schlagen Deshpande/Bäumer auf Seite 130: Die heute geübten Yoga-Stellungen und Asana-Reihen seien „... eine Abweichung vom Yogaweg ..., wie er von Patanjali in den Yoga-Sutren gelehrt wird. Diese verschiedenen Arten von asanas mögen therapeutischen Wert für gewisse Gebrechen haben, aber sie haben keine Bedeutung für Yoga, wie er in diesen Sutren dargestellt wird.“

Ähnlich sieht es Swami Satchidananda. Er schreibt auf Seite 153, dass die Menschen irgendwann merkten, dass sie nicht mehr ohne Schmerzen ruhig im Meditationssitz verweilen konnten. „Darum wurde Hatha Yoga erfunden.“ Später kamen noch die ganzen Reinigungstechniken und Empfehlungen zur Yoga-Diät hinzu – alles nur, um ungestört in der Meditation verweilen zu können.

8.2. Was meinst du?

Deine Meinung: Hatte Patanjali bei seinen Aussagen zu Assana nur die Meditation im Sinn oder bezieht sich sein Rat auch auf körperliche Yogaübungen (z. B. Hatha-Yoga)?

 

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Punkt 9

9. Arbeit mit dem Körper als Vorbereitung auf die Arbeit mit dem Geist

Manche Kommentatoren deuten wie gesagt diese Sutra als Beginn der Arbeit mit dem physischen Körper. Die folgenden Stufen im Achtfachen Pfad widmen sich dieser Interpretation folgend dann den feinstofflichen Körpern.

„Der Körper ist mein Tempel und die Asanas sind meine Gebete.“

BKS Iyengar

Warum wird hier mit dem grobstofflichen Körper begonnen. Ganz einfach, so Dr. Steiner, weil hier die Resultate am leichtesten erzielt und offenkundig werden. Seine Metapher: Körperliches Yoga ist der Hügel, an dem der Yogi übt, um später den Yoga Mount Everest (als Metapher für die Erklimmung geistiger Höhen) besteigen zu können. Steiner: „Wir lernen über die Arbeit mit dem Körper grundlegende Prinzipien, die wir für den weiteren Weg benötigen.“

Punkt 10

10. Weitere Tipps zur Meditation von Patanjali

Patanjalis Lehre der Meditation endet nicht in seinen Ausführungen zur Sitzhaltung. Die Sutras ab II-49 lehren darüber hinaus das korrekte Atmen, das Beherrschen der Sinne und schließlich das tiefe Eintauchen in den Prozess des Samadhi. Ein regungsloser aber bequemer Sitz bildet die Basis, auf der alle folgenden Meditationsanweisungen aufbauen.

Punkt 11

11. Sutras mit ergänzenden/ korrespondierenden Aussagen

Yoga Sutra I-20: Andere gelangen dorthin [zu Asamprajnata Samadhi] durch Glauben, Wille/Energie, Erinnerungsvermögen/Gedächtnis, Samadhi/Sammlung und Weisheit

Yoga Sutra II-47: Bemühe dich in der Asana [Sitzhaltung in der Meditation] um tiefe Entspannung und versenke deinen Geist in das Unendliche

Yoga Sutra II-48: Dadurch [die Meisterung der Asana] können die Gegensatzpaare den Yogi nicht mehr angreifen

Yoga Sutra III-1: Durch Bindung des Geistes an eine Stelle/Objekt entsteht Konzentration (Dharana)

Yoga Sutra III-2: Wenn so die Wahrnehmung gebündelt fließt, entsteht Dhyana (Meditation)

Punkt 12

12. Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-46

Bemühe dich die kommende Woche um nahezu völlige Regungslosigkeit in der Meditation. Gehe dabei hin und wieder fühlend durch den Körper und entspanne alles ganz bewusst, was du nicht für die Aufrechterhaltung deiner Sitzhaltung benötigst.

Wenn du dann magst, schildere und teile deine Erkenntnisse hier (ist anonym, es sei denn, du nennst deinen Namen) oder stelle eine Frage:

Meine Erkenntnisse/Erfahrungen bei/mit dieser Übung

 

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Punkt 13

13. Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Punkt 14

14. Videos zu Sutra II-46

Sukadev zur Sutra II-46 bis Sutra II-48

Länge: 21 Minuten

Kurze Morgenansprache zu Sutra II-46

Länge: 4 Minuten

Video von Desikachar zur Sutra

Desikachar Video zu Sutra II-46

Länge: 47 Minuten

 Punkt 15

15. Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra

15.1. Alte Schriften auf Yoga-Welten.de

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Weitere oft aufgerufene alte Schriften

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