Alte Schrift auf Schreibtisch, Buddha-Statue. Text: 2. Kapitel Gheranda Samhita: Asana

Zusammenfassung vom 2. Kapitel Gheranda Samhita: Asana – die Körperstellungen

Inhalt: Zusammenfassung 2. Kapitel Gheranda Samhita: Asana - die Körperstellungen

Kurz zusammengefasst

  • Asana als Grundlage
    In der Gheranda Samhita dienen Asanas primär der Stabilität des Körpers, nicht der Fitness. Ziel ist ein Zustand, in dem der Körper ruhig, belastbar und unauffällig wird – als Voraussetzung für Meditation und Energiearbeit.
  • Symbolische Vielfalt der Asanas
    Die Zahl von 8,4 Millionen Asanas ist symbolisch zu verstehen. Sie steht für die Vielzahl möglicher Wege, von denen jedoch nur wenige wirklich praktikabel und sinnvoll sind.
  • Fokus auf Sitzhaltungen
    Ursprünglich bezeichnete Asana vor allem meditative Sitzhaltungen. Erst später entwickelte sich daraus die Vielfalt körperlicher Positionen, die heute mit Yoga verbunden werden.
  • Unterschied zum modernen Yoga
    Traditionelle Asanas sind überwiegend statisch und funktional, während moderner Yoga oft auf Bewegung, Fitness und Entspannung ausgerichtet ist. Die Ziele unterscheiden sich deutlich.
  • Wirkungsbeschreibungen sind symbolisch
    Aussagen wie „heilt alle Krankheiten“ sind keine medizinischen Versprechen, sondern Ausdruck eines ganzheitlichen Gesundheitsverständnisses, das Körper, Geist und Energie verbindet.
  • Übersetzungsprobleme und Interpretationen
    Viele Beschreibungen sind mehrdeutig oder widersprüchlich, da sie aus dem Sanskrit stammen und unterschiedlich interpretiert werden. Es gibt keine einheitliche „richtige“ Ausführung.
  • Siddhi als Ziel
    Der Begriff Siddhi steht nicht nur für übernatürliche Kräfte, sondern auch für fortgeschrittene Kontrolle, Wahrnehmung und Stabilität durch Praxis.
  • Praxis statt Theorie
    Der Text ist keine moderne Anleitung, sondern ein offenes System, das zur eigenen Erfahrung einlädt. Verständnis entsteht erst durch praktische Anwendung.

Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.

 Erzählform: Die Gheranda Samhita ist in Form eines Dialoges verfasst. Der Lehrer Gheranda unterweist den wissbegierigen Candakapali. 

Einstieg

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 1: Hier fällt die Zahl 8 Millionen und 400 Tausend Asanas (so viele wie Tierarten ...) gebe es. Gott Shiva persönlich soll sie ursprünglich gelehrt haben. Jedoch nur 84 seien hervorragend (richtig), und davon seien 32 für den Menschen nützlich ("der Menschheit heilbringend"). Diese 32 werden im Kapitel 2 der Gheranda Samhita näher beschrieben.

Vers 3-6 listen die Asanas auf, die in den restlichen Versen dieses Kapitel beschrieben werden. Gheranda beginnt mit den ...

Sitz-Asanas

In den frühen Yogatexten, insbesondere im Yoga Sutra des Patanjali, wird Asana primär als eine (Yogasutra: feste und gleichzeitig bequeme) Sitzhaltung für die Meditation beschrieben, die lange Zeit ohne Ermüdung durchgehalten werden kann. Erst in späteren Traditionen, manche sagen bis ca. 1.000 nach Christus, insbesondere mit dem Aufkommen des Hatha-Yoga kamen zahlreiche weitere Stellungen hinzu, wurde der Begriff auf eine größere Vielfalt von Körperhaltungen ausgeweitet.. In der Gheranda Samhita spiegelt sich diese Entwicklung wieder, die ersten Asana-Verse handeln aber zunächst von den verschiedenen Sitzhaltungen.

Siddhasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 7

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Unbeweglich, mit konzentrierten Sinnen, den Blick starr auf den Raum zwischen den Augenbrauen gerichtet, sitze man wie folgt: Ein Fußende gegen das Perineum (den Damm) pressen und den anderen Fuß auf den Penis legen. Das Kinn platziere man auf die Gegend des Herzens.

Dies wird die Siddha-Position genannt, welche die Tore zur Erlösung öffnet.

(diese Schilderung ähnelt sehr der in der Pradipika, Kapitel I, Vers 37-39), siehe Siddhasana.

Padmasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 8

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Nun zu Padmasana, dem Lotussitz: Der rechte Fuß wird mit der Rückseite auf den linken Schenkel gelegt, der linke Fuß ebenso auf den rechten Schenkel.

Dann ergreife man mit beiden Händen (wie bekannt, sprich: vermutlich mit den Armen hinter dem Rücken gekreuzt) "fest" die beiden großen Zehen, lege das Kinn auf die Gegend des Herzens und fixiere die Nasenspitze. Padmasana beseitigt Krankheiten und verhindert den Untergang.

Die großen Zehen werden mit den Händen gefasst. Die genaue Armhaltung ist in den Überlieferungen unterschiedlich beschrieben.

Bhadrasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 9 und 10

Nun zu Bhadrasana (die Bhadra-Positur): Man lege die Fersen (Fußknöchel) sorgfältig kreuzweise unter die Testikeln (Scrotum oder Hoden) und halte die großen Zehen mit beiden Händen hinter dem Rücken gekreuzt. Dann blicke man, nachdem man das Jalandhara Bandha – Mudra eingenommen hat, auf die Nasenspitze.

Gemeint ist: Die Fersen werden im Bereich des Perineums positioniert.

Bhadrasana beseitigt alle Krankheiten.

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 11

Man lege das linke Fußgelenk an die Aftergegend (vor den Damm) und das linke Fußgelenk darüber. Körper, Kopf und Hals bilden eine gerade Linie. Diese Asana verleiht die Siddhi (besonderen Kräfte) und wird Mukta-Asana genannt.

Anmerkung: In der Pradipika fehlt diese Asana.

Vajrasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 12

Beide Beine werden fest (wie Beton) mit den Unterschenkeln neben den Anus gesetzt. Dies ist Vajra-Asana, welche dem Yogi Siddhis verleiht.

Erläuterung: Die Unterschenkel liegen am Boden, und man sitzt auf den Fersen.

Anmerkung: In der Pradipika fehlt diese Asana.

Svastikasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 13

Der Yogi legt die Fußsohlen zwischen Knie und Schenkel (also zwischen Ober- und Unterschenkel) und sitzt mit geradem Körper. Dies nennt sich Svastikam-Asana, die glücksverheißende Asana (auch: Sitz der Freude)

 Svastikasana ist identisch geschildert wie in Hatha Yoga Pradipika I, 21.

Simhasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 14,15

Beide nach oben gerichtete Knöchel werden – knieend – kreuzweise (also die linke Ferse auf der rechten Seite und die rechte Ferse auf der linken Seite) unter den Hoden gelegt. Die Hände werden auf die Knie gepresst und der Mund geöffnet. Nun wird Jalandhara Bandha – Mudra durchgeführt und der Blick auf die Spitze der Nase gerichtet. Das ist Simhasana, die Löwen-Position, der Vernichter aller Krankheiten.

Anmerkung: Andere Kommentatoren schreiben, dass die Zunge herausgestreckt werden soll. Bei Jalandhara-Bandha ist die Zunge ja eigentlich gegen den Gaumen gepresst. Aber der geöffnete Mund spricht für eine herausgestreckte Zunge (so habe ich Simhasana ebenfalls gezeigt bekommen).

Gomukhasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 16

Gomukhasana: Die beiden Füße werden auf den Boden gebracht und die Fersen gekreuzt (also die linke Ferse neben die rechte Gesäßhälfte und umgekehrt) neben (andere Übersetzungen: unter) dem Gesäß platziert. Die Körperhaltung ist fest. Das ist Gomukha-Asana, weil es das Aussehen eines Kuhgesichtes hat.

Anmerkung: Die Knie liegen übereinander.

Virasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 17

Ein Bein (bzw. der rechte Fuß) werden auf dem anderen (den linken) Oberschenkel gelegt, der andere Fuß (der linke) unter den (rechten) Oberschenkel gelegt. Dies nennt sich Virasana, die Helden-Position.

Anmerkung: Die Füße sollen laut Kommentatoren in Knienähe platziert werden. Demnach soll die Übung auch umgekehrt geübt werden.

Alternativübersetzung: Man setze den einen Fuß an das Perineum (den Damm) und den anderen Unterschenkel lege man neben Oberschenkel.

Weitere Asanas

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 18

Dhanurasana: Beide Beide werden wie ein Stock auf dem Fußboden ausgestreckt (auf dem Bauch liegend). Dann erfasse man das Fußpaar mit den Hände und strecke den Körper wie einen Bogen. Dies wird Dhanura – Bogen - Asana genannt.

 Shavasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 19

Shavasana: Auf dem Boden ruhend mit nach oben gerichtetem Antlitz wie eine Leiche – dies ist die Toten-Position, Shavasana. Sie nimmt die Müdigkeit und ruht den Geist aus.

Guptasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 20

Guptasana: Die Füße werden so zwischen Knie und Schenkel gebracht, dass die Füße dadurch verborgen sind. Der Anus wird auf die Füße gesetzt. Darum nennt sich dies Gupta-Asana, die versteckte Position.

Anmerkung 1: Dies ist eine Siddhasana-Variante, die Beine gekreuzt, die Füße unter dem Gesäß.

Anmerkung 2: Diese Asana fehlt in der Hatha Yoga Pradipika.

Matsyasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 21

Matsyasana: Man nehme den Lotus-Sitz (Padmasana) ohne Armkreuzung ein, lasse sich mit dem Gesicht himmelwärts nach hinten sinken und stütze den Kopf mit den Ellbogen. Diese Stellung tötet die Krankheiten und wird Fisch-Matsya-Asana-Stellung genannt.

Anmerkung: Diese Stellung fehlt in der Hatha Yoga Pradipika.

Matsyendrasana

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Figur 17 aus "Fakire und Fakirtum". Auch in der Zeichnung werden die Differenzen in den Übersetzungen sichtbar - Klicken zur Großansicht

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 22,23

Matsyendrasana: Man ziehe den Bauch in Richtung Wirbelsäule ("behandle den Bauch wie die Rückseite"), beuge das linke Bein, platziere es auf dem rechten Oberschenkel. Dann platziere darauf den rechten Ellbogen und platziere das Gesicht in der rechten Handfläche; Fixiere den Blick zwischen den Augenbrauen. Dies wird die Stellung nach Matsyendra genannt.

Anmerkung: Die Übersetzungen für die Beschreibung von Matsyendra in der Gheranda Samhita sind unklar. Die Übersetzung in "Fakire und Fakirtum" lautet:

Man steht da, indem man den Bauch wie die Rückseite sich zu behandeln bemüht (?), lege den linken Fuß unter Krümmung des Körpers auf das rechte Knie und dahin den rechten Ellbogen, sowie das Gesicht auf die rechte Hand, während der Blick zwischen die Augenbrauen gerichtet ist. Diese Sitzweise heißt die des Matsyendra.

Deutlicher ist das Sanskrit in der Hatha Yoga Pradipika, wo Matsyendrasana als Drehsitz beschrieben wird, siehe den Beitrag zu Ardha Matsyendra.

Problem der Übersetzungen

Ein wiederkehrendes Problem bei der Beschäftigung mit der Gheranda Samhita liegt in der Uneindeutigkeit der Übersetzungen. Viele der ursprünglichen Sanskritbegriffe sind mehrdeutig und lassen sich nicht exakt in moderne Sprachen übertragen.

Hinzu kommt, dass unterschiedliche Übersetzer verschiedene Schwerpunkte setzen: Manche orientieren sich stärker an der wörtlichen Bedeutung, andere an der vermuteten praktischen Ausführung. Dadurch entstehen teils deutlich voneinander abweichende Beschreibungen derselben Haltung.

Für den Leser bedeutet das: Die dargestellten Asanas sind nicht als exakt festgelegte Formen zu verstehen, sondern als Interpretationsräume, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. Gerade darin liegt ein Teil ihres Reizes – und ihrer Schwierigkeit.

 

Gorakshasana – die Kuhhirtenstellung

Der Name geht auf einen Yogameister Goraksa zurück, der vermutlich im 7. Jahrhundert nach Christus gelebt hat und als einer der Begründer des Hatha Yoga gilt. Er war Schüler vom Yogi Matsyendra und verfasste das Gorakshashataka.

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 24, 25

Gorakshana: Zwischen den Knien und den Oberschenkeln werden die zwei Füße nach oben gerichtet in sichtbarer Weise platziert.

Anmerkung: Bis hierhin ähnelt die Stellung Padmasana (dem Lotus-Sitz), nur in milderer Weise, da die Füße weiter auseinander liegen.

Die Füße werden vorsichtig von den ausgestreckten, nach oben gerichteten Händen bedeckt.

Die Kehle (der Hals) wird zusammengezogen.
Der Blick wird starr auf die Nasenspitze gerichtet.
Dies wird Gorakshasana genannt und bringt dem Yogi Siddhis.

In der Hatha Yoga Pradipika: In der Hatha Yoga Pradipika wird Gorakshasana als Alternativbenennung von Bhadrasana aufgeführt (Hatha Yoga Pradipika, 1. Kapitel Vers 55 und 56), die Beschreibungen zur Übung variieren in den Schriften.

Paschimottanasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 26

Paschimottanasana: Strecke die Füße wie ein Stock auf dem Boden aus. Lege die Stirn auf die Knie. Halte die Zehen sorgsam mit den Händen. Diese Sitzart wird Paschimottana-Asana genannt.

Utkatasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 27

Utkatsana (Utkatäsana – die hohe Stellung): Die beiden großen Zehen stützen den Yogi auf der Erde. Die Knöchel sind angehoben, der Anus wird auf die Knöchel gelegt. Diese Haltung muss man als Utkatasana erkennen.

Anders ausgedrückt: Man hockt auf den Knien, die Hände auf den Knien, die Fersen sind in der Luft. Im ersten Kapitel der Gheranda Samhita wird empfohlen, Basti in dieser Stellung zu vollziehen. Dort findet sich auch eine andere Form von Utkatasana.

Sankatasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 28

Sankatasana (Sarnkatäsana, die gefährliche bzw. schwierige Stellung): Platziere den linken Fuß und das linke Bein auf dem Boden, umschlinge den linken Fuß mit dem rechten Bein und platziere die beiden Hände auf den beiden Knien. Das ist Sankata – Asana.

Diese Übung wird also auf einem Fuß stehend durchgeführt, das schwebende Bein wird um das Standbein geschlungen, der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt.

Hinweis: Die genaue Ausführung dieser Haltung wird in den Quellen unterschiedlich interpretiert.

Anmerkung: Sankatasana wird in der Hatha Yoga Pradipika nicht erwähnt.

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 29, 30

Mayurasana (Mayüräsana – die Pfauen-Stellung)

Platziere die Handflächen der beiden Hände auf dem Boden.

Platziere die Nabel-Region auf den beiden Ellbogen.

Stehe auf den Händen, die Beine sind angehoben in der Luft und gekreuzt wie in Padmasana, dem Lotus-Sitz.

Dies wird Mayura-Asana genannt. Diese Stellung zerstört die Auswirkungen von unheilsamen Essen, produziert Hitze in Magen. zerstört die Effekte von tödlichen Giften und kuriert leicht Krankheiten wie Gulma (krankhafte Anschwellung im Unterleib, Unterleibsgeschwulst.) und Fieber.

Kukkutasana – der Hahn

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 31

Kukkutasana (Kukkutäsana – die Hahnen-Stellung)

In Padmasana (Lotus-Sitz) bringt man die Hände zwischen Knie und Schenkel hindurch und lässt (auf den Handflächen schwebend) den Körper auf den Ellbogen ruhen. Dies ist Kukuta Asana, die Hahnen-Positur.

Anmerkung: Es ist schon sehr anspruchsvoll, den Körper bis auf die Ellbogen zu heben. Etwas leichter ist die Schilderung in der Hatha Yoga Pradipika, Kapitel I, Vers 25, siehe Beitrag zu Kukkutasana.

Kurmasana – die Schildkröte

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 32

Kurmasana (Kürmäsana – die Schildkröten-Stellung): Platziere die Fersen umgekehrt unter den Hodensack, die Füße auseinander weisen, konzentriert sitzend verhärte (mache gerade) den Kopf, den Nacken und den Körper. Das ist die Schildkröten-Stellung.

Uttana Kurmasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 33

Uttanakurmasana (Uttänakürmäsana – Stellung der ausgestreckten Schildkröte): Man nehme Kukkutasana (die Hahnen-Stellung) ein, fasse den Nacken mit beiden Händen und halte ihn fest und liege wie eine Schildkröte ausgestreckt. Das ist Uttanakurma-Asana (Uttana Kurmasana).

Hinweis: Oft wird hierbei mit den Händen das Kinn gehalten.

Mandukasana – die Frosch-Stellung

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 34

Mandukasana (Mandükäsana – die Frosch-Position): Die Fußsohlen werden zum Rücken gebracht (hinter das Gesäß), so dass sich die großen Zehen berühren. Die Knie werden nach vorne gebracht. Das ist die Frosch-Position.

Mandukasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Uttanamandukasana – der ausgestreckte Frosch

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 35

Uttanamandukasana (Uttänamandükäsana – die Stellung des ausgestreckten
Frosches): Man nehme die Frosch-Stellung Mandukasana ein, halte den Kopf neben/mit den Ellbogen und stehe auf wie ein Frosch. Das wird Uttana Mandukasana genannt.

Uttanamandukasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Vrikshasana – der Baum

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 36

Vrikshasana (Vrksäsana – die Baum-Stellung): Stehe gerade auf einem Bein (beginne mit links), beuge das rechte Bein und platziere den rechten Fuß an der Wurzel des linken Oberschenkel. So wie ein Baum auf dem Erdboden stehend wird diese Stellung Baum-Asana genannt.

Vrikshasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Garudasana (Adler-Haltung)

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 37

Garudasana (Garudäsana – die Stellung des Garuda): Presse die Beine und die Oberschenkel an den Erdboden, stabilisiere den Körper mit den zwei Knien und platziere die Hände auf die Knie. Dies wird die Garuda-Stellung genannt.

Garudasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Vrishasana – die Stier-Stellung

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 38

Vrishasana (Vrsäsan – die Stier-Stellung):

Übersetzt aus einer englischsprachigen Fassung:

Platziere den Anus (Damm) auf den rechten Fuß (Ferse), links davon platziere das linke Bein indem du des auf der gegenüberliegenden Seite kreuzt und berühre den Boden. Dies wird die Stier-(Bullen-)Stellung genannt.

Aus dem Buch "Fakire und Fakirtum":

Man setze das Perinaeum auf den rechten Knöchel, auf die linke Seite den andern Fuß und berühre den Boden umgekehrt, so ist das die Stier-Positur.

Andere Deutung: Vrishasana als Variante von Gomukhasana, dem Kuhmaul: Lege den rechten Fuß unter das Gesäß, kreuze das linke Bein über das rechte Knie und lege den linken Fuß (umgekehrt) rechts neben dem Gesäß ab.

Siehe auch das 2. Bild oben http://www.elsayoga.com/yoga/asanas/intermediate/

Vrishasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Shalabhasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 39

Shalabhasana (Salabhäsana – die Heuschrecken oder Eidechsen-Stellung): Liege mit dem Gesicht nach unten, beide Hände sind auf (unter) der Brust platziert [Handflächen nach unten], und hebe die Beine eine Elle (ursprünglich die Länge eines Unterarmes, ca. einen halben Meter) hoch in die Luft.

Fakire und Fakirtum: Die Fürsten unter den Heiligen nennen diese Sitzweise (???) die Eidechse.

Shalabhasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Makarasana – die Delphin- oder Krokodil-Stellung

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 40

Makarasana (Makaräsana – die Delphin- oder Krokodil-Stellung (Sanskrit makara wird mit Delphin und Krokodil übersetzt): Liege auf dem Boden, das Gesicht nach unten gerichtet, die Brust berührt die Erde, die beiden Beine sind ausgestreckt. Halte den Kopf mit den beiden Händen, das ist die Delphin-Stellung, die das Körperfeuer anfacht.

Freie Übersetzungs-Variante: Auf dem Bauch liegend, die Beine gegrätscht, mit angewinkelten Füßen lege man die Ellbogen übereinander, die linke Hand auf die rechte und die rechte Hand dann auf linke Schulter und die Stirn auf die Ellbogen.

Makarasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Ushtrasana – die Kamel-Stellung

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 41

Ushtrasana (Usträsana oder Ustrasana – die Kamel-Stellung): Liege auf dem Boden, das Gesicht nach unten gerichtet (also auf dem Bauch); winkele die Beine an (das Fußpaar hochgerichtet) und platziere sie gegenüber dem Rücken. Nehme die Beine mit den Händen und ziehe nachdrücklich (mit Gewalt) den Mund und den Bauch (andere Übersetzung: Haut des Unterleibes tief einziehen) zusammen. Dies wird die Kamel-Stellung genannt.

Ushtrasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Bhujangasana – die Schlangen-Stellung

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 42,43

Bhujangasana (Bhujamgäsana – die Schlangen-Stellung): Man halte den Körper von den Füßen bis zum Nabel auf den Boden, platziere die Handflächen auf dem Boden und richte den Kopf [und wohl den restlichen Oberkörper ab Bauchnabel] wie eine Schlange auf.

Dies wird Schlangen-Stellung genannt. Hierdurch wird stets das Körperfeuer gesteigert, alle Krankheiten zerstört und durch die Praxis dieser Stellung erwacht die Schlangen-Gottheit (wohl: Kundalini).

Bhujangasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

Yogasana

Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 44,45

Yogasana (Yoga Asana, Yogäsana – die Versenkungs-Stellung): Richte die Füße aufwärts und platziere sie auf die Knie. Dann platziere die Hände auf dem Boden mit den Handflächen nach oben.

Erwecke und fixiere den Blick auf die Spitze der Nase. Das ist die Yoga-Stellung, eingenommen von den Yogis wenn sie Yoga praktizieren.

Yogasana findet sich nicht in der Hatha Yoga Pradipika.

So endet die zweite Unterweisung im Gherand-Chandakapali-Dialog, die man Asanaprayoga des Ghatashtha Yoga nennt. Hier geht es zum dritten Kapitel.

Was überrascht dich an den Asanas der Gheranda Samhita?

 

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Erläuterungen und Ergänzungen zum zweiten Kapitel über die Asana

Ziel von Asana in der Gheranda Samhita

Bevor die einzelnen Körperhaltungen beschrieben werden, lohnt sich ein kurzer Blick auf das, was in der Gheranda Samhita überhaupt unter Asana verstanden wird. Anders als im modernen Yoga, wo Asanas oft als Fitnessübungen interpretiert werden, stehen sie hier in einem klaren funktionalen Zusammenhang: Asana dient der Stabilisierung des Körpers als Voraussetzung für weiterführende Praktiken.

Der Körper wird nicht trainiert, um leistungsfähiger zu werden, sondern um ruhig, belastbar und energetisch durchlässig zu sein. In dieser Perspektive ist eine Haltung dann „gelungen“, wenn sie ohne Anstrengung gehalten werden kann und den Geist nicht stört. Die oft erwähnten Wirkungen – etwa das „Beseitigen von Krankheiten“ – sind daher weniger medizinisch als vielmehr systemisch zu verstehen: Gemeint ist eine Harmonisierung von Körperfunktionen, Atem und Aufmerksamkeit.

Das verändert auch den Blick auf die Vielzahl der Asanas. Die große Zahl steht nicht für Vielfalt im heutigen Sinn, sondern für ein Prinzip: Es gibt viele Wege zur Stabilität, aber nur wenige sind wirklich geeignet.

Unterschied zwischen traditionellem und modernem Yoga

Aus heutiger Sicht ist es wichtig, die Beschreibungen nicht vorschnell mit modernen Yogaformen gleichzusetzen. Die in der Gheranda Samhita dargestellten Asanas unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht von dem, was in zeitgenössischen Yogastunden gelehrt wird.

Zum einen liegt der Fokus deutlich stärker auf statischen, oft meditativen Haltungen. Dynamische Abfolgen oder fließende Übergänge spielen keine Rolle. Zum anderen sind viele der beschriebenen Positionen weniger präzise standardisiert. Unterschiedliche Überlieferungen führen zu abweichenden Ausführungen – ein Umstand, der nicht als Fehler, sondern als Teil der Tradition verstanden werden kann.

Nicht zuletzt ist die Zielsetzung eine andere: Während moderner Yoga häufig auf Beweglichkeit, Kraft oder Stressreduktion abzielt, steht hier die Vorbereitung auf energetische und geistige Praktiken im Vordergrund. Wer den Text liest, sollte ihn daher weniger als Übungsanleitung und mehr als philosophisch-praktisches System verstehen.

Einordnung der Wirkungsversprechen

Auffällig sind die teilweise sehr weitreichenden Wirkungsbeschreibungen einzelner Asanas. Aussagen wie das „Beseitigen aller Krankheiten“ oder das „Neutralisieren von Giften“ wirken aus moderner Perspektive überzogen. Es handelt sich hierbei jedoch vermutlich nicht um medizinische Aussagen im heutigen Sinne.

Auf jeden Fall spiegeln diese Formulierungen ein traditionelles Verständnis von Gesundheit wider, das den Menschen als Einheit aus Körper, Energie und Geist betrachtet. Eine „heilende“ Wirkung bedeutet in diesem Kontext vor allem, dass eine Praxis ausgleichend auf innere Prozesse wirkt und die Voraussetzungen für Stabilität und Klarheit schafft.

Die Sprache ist eventuell bewusst zugespitzt. Sie will vielleicht nicht nüchtern beschreiben, sondern überzeugen, motivieren und die Bedeutung der Praxis unterstreichen.

Systematik der Asanas im Kapitel

Die im zweiten Kapitel beschriebenen Asanas folgen keiner rein anatomischen oder funktionalen Ordnung, wie man sie heute erwarten würde. Stattdessen ergibt sich eine eher lose Struktur, die verschiedene Typen von Haltungen umfasst.

Auffällig ist jedoch, dass sich drei Gruppen erkennen lassen:

  1. Sitzhaltungen, die vor allem der Stabilität dienen,
  2. Vor- und Rückbeugen, die den Körper mobilisieren,
  3. sowie balancierende und kraftbetonte Positionen, die Kontrolle und Konzentration fördern.

Diese Einteilung ist nicht explizit im Text genannt, hilft jedoch, die Vielfalt der beschriebenen Asanas besser zu verstehen.trenner blanko

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Fun Facts zum 2. Kapitel

  • 🐢 Die Zahl 8,4 Millionen Lebensformen stammt aus der indischen Kosmologie und wurde später auf Asanas übertragen.
  • 🧘Viele klassische Asanas wurden jahrhundertelang kaum praktiziert, sondern nur überliefert.
  • 🐍 Die „Erweckung der Kundalini“ wurde oft metaphorisch als Schlange beschrieben, nicht als physisches Phänomen.
  • 📜 Die Gheranda Samhita ist ein Dialog, kein Lehrbuch – Wissen wurde früher oft in Gesprächsform vermittelt.
  • 🤯 Einige Asanas wie Mayurasana galten als so schwierig, dass sie nur wenigen Schülern gezeigt wurden.
  • 🧍 Der heute bekannte „Baum“ (Vrikshasana) taucht in vielen alten Texten gar nicht oder anders beschrieben auf.
  • 🐸 Der „Frosch“ (Mandukasana) fehlt in wichtigen Texten wie der Hatha Yoga Pradipika komplett – obwohl er heute verbreitet ist.
  • 📖 Frühe Yogatexte wurden oft bewusst mehrdeutig formuliert, um Wissen vor Missbrauch zu schützen.

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Zusammenfassung 3. Kapitel Gheranda Samhita: die 25 Mudra

3. Kapitel Gheranda Samhita - Symbolbild

Zusammenfassung 3. Kapitel Gheranda Samhita: die 25 Mudra

Das dritte Kapitel der Gheranda Samhita beschreibt 25 Mudras, die im klassischen Hatha Yoga als besonders wirksame Praktiken gelten. Dabei geht es nicht nur um Handgesten, sondern um Körperhaltungen, Atemlenkung, Energieverschlüsse, Konzentration und symbolische Innenerfahrung.

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Zusammenfassung 4. Kapitel Gheranda Samhita: Pratyahara

4. Kapitel Gheranda Samhita: Pratyahara - Symbolbild

Zusammenfassung und Erläuterungen zum 4. Kapitel der Gheranda Samhita: Pratyahara – das Zurückziehen des Geistes – erklärt

Das vierte Kapitel der Gheranda Samhita behandelt Pratyahara, das bewusste Zurückziehen des Geistes von den Sinnesobjekten. Gemeint ist nicht, dass die Sinne bekämpft oder unterdrückt werden sollen. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen bleiben, was sie sind: Tore zur Welt. Doch der Geist soll nicht jedem Reiz hinterherlaufen wie ein ungeduldiger Hund an fünf Leinen.

In der Gheranda Samhita gehört Pratyahara zum siebenstufigen Yogaweg. Es folgt auf Reinigung, Asana und Mudra und bereitet die weiteren Stufen wie Pranayama, Dhyana und Samadhi vor. Während Patañjali Pratyahara im achtgliedrigen Yoga als fünftes Glied nennt, steht es bei Gheranda an vierter Stelle. Das zeigt: Die Gheranda Samhita setzt eigene Akzente. Sie ist kein bloßer Kommentar zu Patañjali, sondern ein praktisches Lehrwerk des Hatha Yoga.

Der Kern des Kapitels ist schlicht, beinahe nüchtern: Der Geist wandert. Man holt ihn zurück. Wieder und wieder. Er folgt dem Blick, dem Klang, der Berührung, dem Geruch und dem Geschmack. Pratyahara bedeutet, diesen Automatismus zu bemerken und den Geist wieder unter die eigene Führung zu bringen.

Hier weiterlesen: Zusammenfassung 4. Kapitel Gheranda Samhita: Pratyahara


5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama

pranayama 564

Das fünfte Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich den yogischen Atemtechniken: Pranayama. Gleich im ersten Vers wird das Resultat ausdauernder Pranayamaübung klar benannt: Der Praktizierende wird gottgleich.

Prana steht im Yoga für Lebensenergie. Meist werden beim Pranayama zwei Ziele verfolgt:

  • Mehr Lebensenergie zu erhalten.
  • Den Geist zu beruhigen und zu sammeln.

Immer wieder, so auch hier, wird vor dem allzu sorglosen Üben von Pranayama gewarnt. Zu fatal können die Auswirkungen von falschem und allzu heftig durchgeführten Atemübungen sein. Darum wird immer die Schulung durch einen fachkundigen Lehrer angemahnt.

Aus meiner Sicht spricht aber nichts dagegen, die sanften Atemtechniken mit dem primären Ziel des ruhigen Geistes zu üben. Diese sind Bestandteil vieler spiritueller Lehren und werden seit Jahrtausenden angewendet.

Die einzelnen Verse des fünften Kapitels der Gheranda Samhita lauten frei übersetzt:

Hier weiterlesen: 5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama


6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana

meditation buddhist haende e 564

Das sechste Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich Dhyana. Dhyana wird in der Regel mit Meditation übersetzt und ist im achtgliedrigen Yoga-Pfad im Yogasutra von Patanjali die siebte Stufe auf dem Weg zur Erleuchtung. Danach folgt, wie auch in der Gheranda Samhita, der Samadhi.

Die folgende Yogaschulung enthält keinerlei Stellungen bzw. körperliche Übung mehr, sondern widmet sich der inneren, geistigen Praxis. Gheranda beschreibt drei verschiedene Meditationstechniken und nominiert, welche Meditationsart (mit deutlichem Vorsprung!) die Beste sei.

Hier weiterlesen: 6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana


7. Kapitel Gheranda Samhita: Samadhi

erleuchtet herz himmel e5 564

Das letzte Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich dem Thema Samadhi: der Höhepunkt aller Yoga-Bemühungen, Einheit von Subjekt und Objekt, völlige Versenkung und tiefe Erkenntnis. Samadhi ist das letzte Glied im achtfachen Yogapfad, wie er im Yogasutra von Patanjali beschrieben wird.

Die Schriften unterscheiden verschiedene Stufen im und Wege zum Samadhi. Die Gheranda Samhita nennt sechs Pfade, die zur höchsten Erleuchtung führen sollen.

Hier weiterlesen: 7. Kapitel Gheranda Samhita: Samadhi


Zeichnungen aus der Gheranda Samhita

Die folgenden Abbildungen entstammen dem Buch "Fakire und Fakirtum - Yoga-Lehre und Yoga-Praxis nach den indischen Originalquellen" von Prof. Dr. Richard Schmidt aus dem Jahre 1907. Sie sind originalgetreu nachgezeichnet.

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

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