Shambhavi Mudra: Anleitung, Wirkung und Fehler vermeiden

Im 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika werden Mudras beschrieben. Das erste ist Shambhavi Mudra, das „Siegel der Gattin Shambhus“, auch mit „das wohlwollende Mudra“ übersetzt.

Dieses Shambhavi Mudra ist eine klassische yogische Technik, bei der der Blick (Drishti) sanft auf den Punkt zwischen den Augenbrauen (Ajna-Chakra) gerichtet wird. Sie gilt sowohl als Mudra (energetische Geste) als auch als meditative Praxis und spielt eine zentrale Rolle im Raja Yoga und Hatha Yoga.

Shambhavi Mudra findet sich sowohl unter den zehn Mudras der Hatha Yoga Pradipika als auch bei den 32 Mudras in der Gheranda Samhita. 

Es gibt mehrere Übungsvarianten von Shambhavi Mudra. Man sitzt stets in einer Meditationshaltung und bringt seinen Geist zur Ruhe. Dann übt man meist eine der beiden Varianten

  • Oberes Shambhavi Mudra (Bhrumadhya Drishti): Der Blick ist auf den Punkt zwischen den Augenbrauen gerichtet.
  • Unteres Shambhavi Mudra (Nasikagra Drishti): Der Blick ist auf die Nasenspitze oder auf den Boden ca. einen Meter vor dem Yogi gerichtet.

Dieser Artikel zeigt, wie die Technik korrekt ausgeführt wird, welche Effekte realistisch sind, wo Grenzen liegen – und wie sich jahrhundertealte Lehren sinnvoll in eine moderne Praxis integrieren lassen.

Augen Wald

Kurz zusammengefasst

  • Shambhavi Mudra
    Eine klassische Meditationstechnik im Yoga, bei der der Blick sanft auf das Ajna-Chakra (Punkt zwischen den Augenbrauen) gerichtet wird, um Konzentration und innere Sammlung zu fördern.
  • Ausführung
    Entscheidend ist ein entspannter Blick ohne Anstrengung, kombiniert mit ruhiger Atmung und innerer Aufmerksamkeit – nicht nur eine Augenübung, sondern eine Bewusstseinstechnik.
  • Wirkungen
    Unterstützt geistige Klarheit, Fokus und Stressreduktion; traditionell wird eine Aktivierung des „Dritten Auges“ und der Energiekanäle beschrieben.
  • Kontraindikationen
    Bei Augenproblemen, Migräne oder Überlastung sollte die Übung vermieden oder angepasst werden – Warnsignale sind ernst zu nehmen.
  • Variationen
    Anpassbar durch geschlossene Augen, Atemintegration oder dynamische Blickführung – von Anfänger- bis Fortgeschrittenenpraxis.
  • Häufige Fehler
    Zu starkes Schielen, Anspannung oder Atemkontrolle statt Fluss – der Schlüssel ist Sanftheit und Kontinuität.
  • Traditionelle Verankerung
    Beschrieben in klassischen Yogatexten wie Hatha Yoga Pradipika, Gheranda Samhita und Shiva Samhita – mit Fokus auf Meditation und Samadhi.

Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.

Ausführung der Übung (Schritt für Schritt)

Grundhaltung:

  • Setze dich in eine stabile Meditationshaltung (z. B. Sukhasana, Padmasana oder aufrecht auf einem Stuhl).
  • Wirbelsäule aufgerichtet, Schultern entspannt.

Durchführung:

  1. Schließe zunächst die Augen und beruhige den Atem.
  2. Öffne die Augen leicht oder halte sie halb geschlossen.
  3. Richte den Blick nach oben zum Punkt zwischen den Augenbrauen.
  4. Der Blick ist sanft, nicht angestrengt.
  5. Atmung bleibt ruhig und natürlich.
  6. Halte die Aufmerksamkeit gleichzeitig im Inneren (mentale Sammlung).

Die wörtlichen Anweisungen aus alten Yoga-Schriften findest du unten.

Dauer:

  • Anfänger: 10–30 Sekunden
  • Fortgeschrittene: mehrere Minuten bis hin zu längerer Meditation

Optional:

  • Kombination mit Atemtechniken (Pranayama) oder Mantra

Wie leicht fällt es dir, den Blick ruhig auf einen Punkt zu richten?

 

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Wirkungen und Vorteile von Shambhavi Mudra

🧠 Geistige Effekte

  • Förderung von Konzentration (Dharana)
  • Vertiefung der Meditation (Dhyana)
  • Reduktion von Gedankenaktivität

⚡ Energetische Effekte (traditionell)

  • Aktivierung des Ajna-Chakras („Drittes Auge“)
  • Harmonisierung von Ida und Pingala (Energiekanäle)
  • Vorbereitung auf höhere Bewusstseinszustände

🩺 Körperliche Effekte (modern interpretiert)

  • Entspannung des Nervensystems
  • Verbesserung der Augenmuskulatur (bei korrekter Ausführung)
  • Unterstützung bei Stressreduktion

Wann sollte man Shambhavi Mudra nicht ausführen?

Kontraindikationen:

  • Augenprobleme (z. B. Glaukom, Netzhautprobleme)
  • Starke Kurz- oder Weitsichtigkeit ohne Anpassung
  • Migräne oder Neigung zu Kopfschmerzen
  • Neurologische Erkrankungen (nur nach Rücksprache)

Warnsignale während der Praxis:

  • Druckgefühl in den Augen
  • Schwindel
  • starke innere Unruhe

👉 In diesen Fällen: sofort abbrechen und entspannen.

Variationen von Shambhavi Mudra

Mit geschlossenen Augen

  • Blick wird innerlich zum Punkt zwischen den Augenbrauen gerichtet
  • weniger Belastung für die Augen

Mit Atemfokus

  • Einatmung: Aufmerksamkeit zum Ajna
  • Ausatmung: Entspannung im ganzen Körper

Kombination mit Kumbhaka (Atemhalten)

  • fortgeschrittene Praxis im Pranayama-Kontext

Dynamische Variante

  • Wechsel zwischen Nasenspitze (Nasikagra Drishti) und Augenbrauenzentrum

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

FehlerUrsacheLösung
Zu starkes „Schielen“ Überanstrengung Blick weich und entspannt halten
Stirnspannung Unbewusste Muskelanspannung Gesicht bewusst entspannen
Atem anhalten Konzentrationsdruck Atem bewusst fließen lassen
Zu lange Praxis am Anfang Ehrgeiz Kurz beginnen, langsam steigern
Nur visuell, ohne innere Sammlung Fehlendes Verständnis Aufmerksamkeit nach innen lenken

augen baum gruen wald 1000

Klassische Yogaschriften zu Shambhavi Mudra

Shambhavi Mudra ist in mehreren traditionellen Texten beschrieben:

Anleitung in den Versen des vierten Kapitels der Hatha Yoga Pradipika

4-36: Jetzt folgt Shambhavi Mudra: die Konzentration (Lakshyam, auch: Meditationsobjekt, Ziel) nach innen gerichtet (antar), der Blick nach außen, ohne zu blinzeln, ...

4-37: ... den Lebenshauch fixiert ... die Pupillen bewegungslos ... weder sehend noch nicht-sehend (Deutung: Man reagiert geistig nicht darauf, was man da sieht) ...

4-38: ... Shambhavi und Khechari erzeugen beide auf unterschiedlichen Wegen ein Gefühl der Glückseligkeit, weil der Geist in die Leere aufgelöst wird.

Manche Lehrer empfehlen, sich auf das Anahata-Chakra (Herz-Chakra) zu konzentrieren. Andere empfehlen, einen persönlichen Gott, Brahman oder „das bist du“ im Fokus des Geistes zu hegen.

4-39: ... die Pupillen auf das Licht gerichtet hebe man etwas die Augenbrauen ...

4-41: ... mit halb geöffneten Augen und reglosem Geist die Augen auf die Spitze der Nase gerichtet bringe man den Mond und die Sonne zur Auflösung (Deutung: Die Ströme in Ida und Pingala – zwei Nadis – anhalten) ...

Zum gesamten vierten Kapitel in der Hatha-Yoga-Pradipika

Shambhavi Mudra (śāmbhavīmudrā) in der Gheranda Samhita

(53) Der Yogi sollte [den Raum] zwischen die [den] Augen schauen und das Denken auf den Atman richten [alternativ: die Freuden des Selbst (Atman) beobachten]. Dies ist das Mudra von Shambhavi (śāmbhavī), das in allen Tantra-Schriften geheim gehalten wird.

(54) Die Veden, Śāstras und Purāṇas [die heiligen Texte] zusammengenommen sind wie gewöhnliche Kurtisanen, dieses Shambhavi Mudra [dem gegenüber] aber wird versteckt wie eine Dame aus guter Familie.

(55) Wer das Shambhavi Mudra kennt, ist kein anderer als der ursprüngliche Herr Ādinātha [bzw. Shiva], er ist Nārāyaṇa [bzw. Vishnu] selbst, er ist Brahman der Schöpfer.

(56) Maheśvara hat gesagt: "Wahrhaftig, wahrhaftig und nochmals wahrhaftig, wer dies weiß [Shambhavi Mudra kennt], der ist Brahman und niemand anders."

Zum gesamten dritten Kapitel der Gheranda Samhita

Positive Auswirkungen von Shambhavi Mudra in den Schriften

Zunächst wieder die Hatha Yoga Pradipika:

4-40: ... mit dieser Mudra kennen wir gewiss den wahren Retter ...

4-41: ... erlangt der Yogi den Zustand, in welchen er Wahrheit in Form von Licht erlebt ...

In der Gheranda Samhita heißt es in Kapitel VI, Vers 21:

Dennoch: Der Yogi, der Shambhavi Mudra praktiziert, wird erfolgreich sein im Dhyana. Dieses wird Sukshma Dhyana genannt, ist ein großes Mysterium und wird selbst von den Göttern nur schwer erlernt. Es ist sorgfältig geheim zu halten.

Video zu Shambhavi Mudra

Youtube-Video

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Tipp zur Förderung von Freude und innere Stärke

Spüre die positiven Belebungs-, Dehnungs-, und Stimmungswirkungen während und nach der Übung. Erfreue dich ganz bewusst daran, mache diese Freude in deinem Inneren für 5-10 Sekunden lebendig und stark.

Dies ist eine von uns empfohlene Ergänzung zu jeder Asana. Sie dient dazu, förderliche Neuronenverbindungen im Gehirn aufzubauen und sukzessive zu verstärken.

Fazit

Shambhavi Mudra ist eine vergleichsweise einfache, aber tiefgehende Technik mit starkem Einfluss auf Konzentration und Meditation. Entscheidend ist die sanfte Ausführung ohne körperliche Anspannung und die Verbindung von Blick und innerer Aufmerksamkeit.

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Interessante Fakten zu Shambhavi Mudra

  • Shambhavi Mudra wird oft als „unsichtbare Meditation“ bezeichnet, weil sie äußerlich kaum erkennbar ist.
  • Der Fokus auf den Punkt zwischen den Augenbrauen stimuliert vermutlich den präfrontalen Cortex, der für Aufmerksamkeit zuständig ist.
  • In der traditionellen Lehre gilt das Ajna-Chakra als Sitz von Intuition und innerer Erkenntnis – nicht als physisches Organ.
  • Einige Meditationspraktizierende berichten von Lichtphänomenen während der Übung – neurologisch oft als visuelle Aktivität erklärbar.
  • Zu starkes Schielen kann tatsächlich zu Augenmüdigkeit und kurzfristigen Sehstörungen führen – daher ist Entspannung zentral.
  • Shambhavi Mudra wird im modernen Yoga oft isoliert gelehrt, war aber ursprünglich Teil eines komplexen energetischen Systems (Kundalini Yoga).
  • Der Begriff „Mudra“ bedeutet wörtlich „Siegel“ oder „Geste“ – im übertragenen Sinn ein „Verschluss“ von Energie im Körper.

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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