Mula Bandha Anleitung: Wirkung, Ausführung und Fehler

Mūla Bandha gehört zu den stillen, aber anspruchsvollen Techniken des Yoga: äußerlich geschieht fast nichts, innerlich verlangt die Übung Genauigkeit, Geduld und ein gutes Maß an Zurückhaltung. Der Artikel erklärt, was der Wurzelverschluss bedeutet, wie du ihn sicher ausführst, welche Wirkungen ihm traditionell und modern zugeschrieben werden und wann Vorsicht geboten ist. Dabei geht es nicht um grobes Anspannen, sondern um eine feine Schulung von Beckenboden, Atem und Aufmerksamkeit – ein Thema, das im Yoga oft schnell genannt, aber selten sauber erklärt wird.

Mann im Yogasitz, Text: Mula Bandha

Inhalt: Mūla Bandha Anleitung

Kurz zusammengefasst

  • Mūla Bandha / Wurzelverschluss
    Mūla Bandha ist eine feine Aktivierung des Beckenbodens im Yoga. Die Übung wird traditionell genutzt, um die nach unten gerichtete Energie Apāna nach oben zu lenken und die innere Sammlung zu vertiefen.
  • Ausführung
    Die Praxis beginnt am besten im Sitzen mit ruhigem Atem. Der Beckenboden wird sanft nach innen und oben aktiviert, ohne Gesäß, Bauch, Kiefer oder Atem zu verspannen; ebenso wichtig ist das vollständige Loslassen nach jeder Aktivierung.
  • Wirkung und Nutzen
    Mūla Bandha kann die Körperwahrnehmung, die Aufrichtung, die Konzentration und die Stabilität im Sitzen fördern. Traditionell gilt die Übung als Schlüsseltechnik für Prāṇāyāma, Mudrā, Meditation und die Verbindung von Prāṇa und Apāna.
  • Vorsicht und Kontraindikationen
    Die Übung sollte nicht forciert werden. Vorsicht gilt bei Schwangerschaft, frischen Operationen, Beckenschmerzen, hypertonem Beckenboden, akuten Beschwerden im Anal- oder Genitalbereich sowie bei Atemhalteübungen und Herz-Kreislauf-Problemen.
  • Variationen
    Möglich sind sanfte Wahrnehmungsübungen, pulsierende Aktivierung, kurze Haltephasen, die Verbindung mit Ausatmung oder fortgeschrittene Varianten mit Kumbhaka und anderen Bandhas. Für Einsteiger ist die Variante mit ruhiger Atmung und klarer Entspannung am sichersten.
  • Häufige Fehler
    Typische Fehler sind zu starkes Pressen, Anspannen der Gesäßmuskeln, Festhalten des Bauchs, Atemblockade oder die Verwechslung mit reinem Zusammenkneifen des Afterschließmuskels. Mūla Bandha wird präziser, wenn die Aktivierung feiner und das Loslassen bewusster wird.
  • Klassische Quellen
    Die Übung erscheint in mehreren alten Haṭha-Yoga-Schriften, darunter Dattātreyayogaśāstra, Gorakṣa Śataka, Haṭha Yoga Pradīpikā, Gheraṇḍa Saṃhitā und Śiva Saṃhitā. Dort wird sie vor allem als energetische Praxis beschrieben, nicht als moderne Fitnessübung.

Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.

Mūla Bandha – Grundidee

Mula Banda (englisch: Root Lock, auch: Wurzel-Verschluss) bedeutet das Zusammenziehen und Hochziehen der Muskeln um das Perineum herum.

Mūla Bandha bedeutet „Wurzelverschluss“: mūla = Wurzel, Basis; bandha = Verschluss, Bindung, energetisches „Sammeln“. Praktisch ist es eine feine Aktivierung und Hebung im Bereich des Beckenbodens, traditionell besonders am Damm/Perineum und Anus beschrieben. In den Haṭha-Yoga-Texten dient es dazu, Apāna, die nach unten gerichtete Energie, nach oben zu lenken und mit Prāṇa zu verbinden. Die Haṭha Yoga Pradīpikā definiert Mūla Bandha in 3.61 als Pressen der Ferse gegen Damm/Beckenboden, Kontraktion des Anus und Aufwärtsziehen von Apāna.

mula bandha grafik prana apana 1000

Ausführung von Mūla Bandha

Beginne im Sitzen, zum Beispiel in Sukhasana, Siddhasana, Vajrasana oder auf einem Stuhl.

Die Wirbelsäule ist aufgerichtet, Bauch, Kiefer, Gesäß und Schultern bleiben weich.

Atme einige Atemzüge ruhig. Lenke die Aufmerksamkeit zum Beckenboden: zwischen Schambein, Sitzbeinhöckern und Steißbein.

Beim Ausatmen aktiviere sehr sanft die Mitte des Beckenbodens, als würdest du den Bereich leicht nach innen und oben heben. Es ist eher ein feiner Lift als ein kräftiges Zusammenkneifen. Halte 2–5 Sekunden, atme dabei möglichst ruhig weiter, und löse dann vollständig. Wiederhole das 5–10 Mal.

Für Anfänger ist die wichtigste Phase nicht das Halten, sondern das vollständige Loslassen danach. Erst wenn du Aktivierung und Entspannung klar unterscheiden kannst, kann Mūla Bandha mit Prāṇāyāma, Meditation oder einzelnen Āsanas verbunden werden.

Traditionell wird Mūla Bandha oft mit Atemhalten, Mudrā oder Sitzhaltungen kombiniert. Für eine sichere moderne Basispraxis ist es jedoch sinnvoller, zunächst ohne Atemanhalten zu üben.

Einige Yogalehrer warnen davor, Bandhas ohne erfahrene Anleitung zu forcieren.

Video: Mula Bandha in leicht verständlichem Englisch

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Beitrag: Siddhasana

Siddhasana

Siddhasana

Siddhasana – die vollkommene Stellung | Anleitung und Hintergründe

Siddhasana gilt als wichtigste der Asanas und wird in der Hatha-Yoga-Padripika in den höchsten Tönen hervorgehoben. Dieser Sitz soll ständig geübt werden und ist ideal für Pranayama, Meditation oder auch zum reinen Verweilen. 

► Schritt-für-Schritt-Anleitung zu Siddhasana ► Anatomie erläutert ► Videoanleitung ► Wirkungen von Siddhasana ► Siddhasana in der Hatha-Yoga-Pradipika und in derGheranda Samhita ► Variationen

Hier weiterlesen: Siddhasana

Empfehlung für eine einfache Übungssequenz

Eine konservative 5-Minuten-Praxis:

  1. 1 Minute ruhig sitzen oder liegen und den Atem beobachten.
  2. 10 Atemzüge: Beim Einatmen Beckenboden weich werden lassen, beim Ausatmen sanft heben.
  3. 5 Wiederholungen: 3 Sekunden sanft aktivieren, 6 Sekunden lösen.
  4. 1 Minute Nachspüren: Keine Aktivierung, nur Wahrnehmung.
  5. Beenden, wenn Druck, Schmerz, Hitze, Nervosität oder Atemenge entsteht.

Diese Sequenz ist besser als lange Haltezeiten, besonders am Anfang.

Wie häufig nutzt du Bandhas in deiner Yoga-Praxis?

 

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Ein feiner Unterschied: Aśvinī Mudrā vs. Mūla Bandha

Oft wird Mūla Bandha mit Aśvinī Mudrā verwechselt. Aśvinī Mudrā ist eher ein rhythmisches Kontrahieren und Loslassen des Afterschließmuskels. Mūla Bandha ist subtiler, tiefer und eher ein gehaltener innerer Lift der Beckenbodenbasis. Für Anfänger kann Aśvinī Mudrā als Wahrnehmungsübung dienen, sollte aber nicht mit der eigentlichen, feineren Bandha-Praxis gleichgesetzt werden.

Ein praktischer Rat

Übe Mūla Bandha nicht als „mehr Spannung“, sondern als mehr Präzision. Die fortgeschrittene Form ist nicht stärker, sondern feiner: weniger sichtbare Muskelarbeit, weniger Atemstörung, weniger Ehrgeiz, mehr Wahrnehmung.

Eine gute Formel lautet:

Aktivieren – spüren – lösen – nachspüren.

Ohne vollständiges Lösen ist Mūla Bandha unvollständig.

verschluss yogi medi

Vorteile der Übung

Bei Mula Bandha werden viele Muskeln des Beckenbodens "trainiert". Die folgenden Effekte sollen sich "nebenbei" einstellen:

  • erfüllendere Sexualität
  • harmonischere Menstruation
  • leichtere Schwangerschaft
  • besserer Ausscheidungsvorgang
  • mehr Lebensenergie

Etwas strukturierter könnte man es so ausdrücken:

  • Traditionell-yogisch: Mūla Bandha soll Apāna nach oben lenken, Prāṇa und Apāna vereinigen und dadurch Konzentration, innere Sammlung und Prāṇāyāma vertiefen. Die Haṭha Yoga Pradīpikā sagt in 3.64, dass durch Mūla Bandha Prāṇa und Apāna sowie Nāda und Bindu zur Einheit gebracht werden und dadurch Vollendung im Yoga möglich werde.
  • Körperlich-funktional: Sanft und korrekt geübt kann Mūla Bandha die Wahrnehmung des Beckenbodens verbessern, die Haltung im Sitzen stabilisieren und die Aufrichtung der Wirbelsäule unterstützen. Die Sitzhaltung wird energetisch und strukturell unterstützt. Studien zu Mulabandha-Yoga-Therapie deuten auf Verbesserungen der Beckenbodenmuskelkraft bei Frauen hin; ein 12-Wochen-Programm wurde in einer Studie als hilfreich zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur beschrieben.
  • Mental: Weil die Übung sehr feine Wahrnehmung verlangt, kann sie Konzentration, Atembewusstsein und innere Ruhe fördern. Das gilt besonders, wenn sie subtil und nicht muskulär aggressiv ausgeführt wird.

In der Pradipika:

3-64: Prana und Apana sowie Nada (Klang im Inneren der Sushumna) und Bindu (=Tropfen, Anusvara/Nachlaut, der zu OM gehört) werden durch Mula Bandha (jeweils) zur Einheit. Hierdurch gelangt der Yogi ohne Zweifel zur Vollkommenheit.

3-65: ... Urin und Stuhl nehmen ab, selbst ein Greis wird wieder jung.

3-66 - 3-68 ... das Feuer (hier wohl symbolisch für Kundalini) wird angefacht ...

Wann sollte man Mūla Bandha nicht ausführen?

Nicht oder nur nach fachlicher Rücksprache üben bei:

  • Schwangerschaft, besonders wenn Atemhalten oder starkes Ziehen praktiziert wird.
  • Menstruation, wenn die Praxis Druck, Krämpfe oder Unwohlsein verstärkt.
  • akutem Beckenbodenschmerz, Vaginismus, Prostatitis, chronischem Beckenschmerz oder Verdacht auf hypertonen, also zu angespannten Beckenboden.
  • akuten Hämorrhoiden, Blutungen, Entzündungen oder Schmerzen im Anal-/Genitalbereich.
  • frischer Bauch-, Becken- oder gynäkologischer Operation.
  • Leistenbruch, starkem Bauchdruck, schweren Verdauungs- oder Unterleibsproblemen.
  • Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Panik-/Angstneigung, besonders bei Kombination mit Atemhalten.

Wichtig: Ein zu fester oder dauerhaft gehaltener „Wurzelverschluss“ kann einen ohnehin angespannten Beckenboden verschlimmern. Yoga International weist darauf hin, dass Symptome wie schmerzhaftes Wasserlassen, Verstopfung, unvollständige Darmentleerung, Rücken-/Beckenschmerz oder Schmerzen beim Sex Zeichen von Beckenbodendysfunktion sein können, die durch Mūla Bandha aggraviert werden könnten.

Entscheidend ist die Fähigkeit zu entspannen

Viele üben Mūla Bandha zu kräftig. Ein funktionaler Beckenboden muss nicht nur kontrahieren, sondern auch nachgeben, entspannen und dynamisch reagieren können. Gerade bei Menschen mit Beckenbodenspannung, Beckenschmerz, Schmerzen beim Sex, Verstopfung oder Problemen beim Wasserlassen kann zusätzliches „Hochziehen“ kontraproduktiv sein. Yoga International weist darauf hin, dass ein hypertoner Beckenboden mit Schmerzen, Menstruationsbeschwerden und Geburtsproblemen zusammenhängen kann und dass Mūla Bandha in solchen Fällen kritisch betrachtet werden sollte.

Variationen von Mūla Bandha

  • 1. Wahrnehmungsvariante: Nur den Beckenboden spüren, ohne bewusst anzuspannen. Gut bei Anfängern oder Menschen mit Spannungstendenz.
  • 2. Pulsierende Variante: sanft aktivieren, vollständig lösen. 5–10 Wiederholungen. Das ähnelt eher vorbereitendem Beckenbodentraining.
  • 3. Statisches Mūla Bandha: Sanfter Lift 3–10 Sekunden oder länger halten, ruhig weiteratmen. Nur so üben, wenn dabei keine Spannung oder Druck entsteht.
  • 4. Mit Ausatmung: Beim Ausatmen leicht aktivieren, beim Einatmen lösen. Diese Variante ist meist zugänglicher und sicherer.
  • 5. Mit Prāṇāyāma: Fortgeschrittene üben Mūla Bandha während Kumbhaka, also Atemhaltephasen. Das sollte nur unter erfahrener Anleitung erfolgen.
  • 6. Traditionelle Fersenvariante: In Siddhasana oder ähnlichen Sitzhaltungen wird die Ferse gegen Damm/Perineum gesetzt. Diese Form steht in mehreren klassischen Texten, ist aber nicht für alle Körper geeignet. Die Gorakṣa Śataka beschreibt in Vers 37 genau dieses Pressen der Ferse gegen den Beckenboden mit Kontraktion des Anus und Aufwärtsziehen von Apāna.

Häufige Fehler und Vermeidung

  • Zu starkes Pressen: Mūla Bandha ist kein maximales Zusammenkneifen. Arbeite mit 20–30 Prozent Kraft.
  • Gesäß anspannen: Wenn die Pobacken hart werden, ist die Aktivierung zu grob. Löse und beginne feiner.
  • Bauch festhalten: Der Unterbauch darf leicht mitreagieren, sollte aber nicht hart gepresst werden.
  • Atem blockieren: Anfänger sollten ruhig weiteratmen. Atemhalten ist eine fortgeschrittene Prāṇāyāma-Komponente.
  • Nur den Anus zusammenkneifen: Klassische Texte erwähnen zwar den Anus, moderne Lehrer differenzieren oft genauer zwischen Anus, Urogenitalbereich und tiefer Beckenbodenmitte. Ziel ist ein subtiler innerer Lift, nicht bloß Spannung.
  • Nicht lösen können: Wenn nach der Übung Spannung bleibt, übe zunächst Beckenboden-Entspannung, tiefe Bauchatmung, Kindhaltung oder liegende Ruhepositionen.
  • Daueranspannung in Āsanas: Mūla Bandha permanent in jeder Haltung zu halten ist oft unnötig und kann problematisch sein. Es gehört ursprünglich stärker in den Kontext von Sitz, Prāṇāyāma, Mudrā und Meditation. Yoga International betont, dass Mūla Bandha historisch vor allem für sitzende Atem- und Meditationspraxis gedacht war, nicht primär für moderne dynamische Āsana-Sequenzen.

Alte Yogaschriften mit Mūla Bandha

Die wichtigsten belegbaren Stellen sind:

SchriftStelleInhalt
Dattātreyayogaśāstra Verse 142–144 Mūla Bandha wird als regelmäßige Praxis genannt; Ferse an den Anus, kräftige Kontraktion, Vitalwind steigt auf; Prāṇa und Apāna, Nāda und Bindu werden vereinigt.
Gorakṣa Śataka Vers 37 Ferse gegen Beckenboden/Damm, Anus kontrahieren, Apāna aufwärtsziehen; dies wird Mūla Bandha genannt.
Haṭha Yoga Pradīpikā 3.61–3.69, besonders 3.61–3.64 Definition, Aufwärtslenkung von Apāna, Wiederholung der Praxis, Vereinigung von Prāṇa/Apāna und Nāda/Bindu.
Gheraṇḍa Saṃhitā 3.12–3.13 in der zitierten Ausgabe Linke Ferse an den Damm, Afterschließmuskel zusammenziehen, Bauch einziehen, rechte Ferse auf das Geschlechtsorgan; als Mūla Bandha Mudrā bezeichnet.
Śiva Saṃhitā 4.41–4.44 in der zitierten Übersetzung Ferse gegen den Anus, Apāna-Vāyu langsam nach oben ziehen; Mūla Bandha wird als Überwinder von Verfall und Tod beschrieben und soll geheim/an zurückgezogenem Ort geübt werden.

Einordnung: In den alten Haṭha-Texten wird Mūla Bandha nicht primär als Fitness- oder Gesundheitsübung dargestellt, sondern als Mudrā/Bandha zur Lenkung subtiler Energie, zur Prāṇāyāma-Vertiefung und zur Arbeit mit Kundalinī, Prāṇa, Apāna, Nāda und Bindu. Für heutige Praxis ist daher eine zurückhaltende, anatomisch informierte Ausführung sinnvoller als wörtliches, kraftvolles Nachahmen der mittelalterlichen Anweisungen.

Mula Bandha in der Hatha Yoga Pradipika

Vers 3-61: Nun folgt Mula Bandha. Im Sitzen presst der Yogi mit einem Teil der Ferse gegen den Yoni (Perineum, Bereich zwischen Geschlechtsorgan und Anus). Er kontrahiert den Anus. So wird Apana (abwärts fließende Energie/Prana) nach oben gezogen. Dies wird "Wurzel-Verschluss" genannt.

Wo ist die Yoni?

Die Ferse soll gegen "Yoni" gepresst werden. Wo ist diese Stelle genau?

Yoni hat viele Bedeutungen. Meist steht es für die weiblichen Genitalien (siehe Wikipedia). Es kann aber auch für Anus, Perineum, Beckenboden oder Damm stehen.

Ich lese als Übersetzung für diese Stelle im Kontext der Sitzhaltung meist "Beckenboden/Perineum", also beim Mann der Bereich zwischen Hoden und Anus, bei der Frau der hintere Teil der Scheide, knapp vor dem Anus.

Siehe auch die Erläuterungen zu Siddhasana, der ab Vers I-36 in der Pradipika besonders gepriesen wird.

3-62: Durch die machtvolle Kontraktion wird die abwärts fließende Energie zum aufwärts fließen veranlasst ...

3-63: Den Anus mit der Ferse drückend ziehe man den Atem (Yayu=Lebensenergie) mit Macht immer wieder zusammen (allgemein als Atem anhalten gedeutet), sodass die Lebensenergie aufwärts fließt.

3-69 Dann fährt sie [die Kundalini] wie ein Schlangenweibchen ins Innere des Brahma-Kanals [Sushumna]. Darum soll Mula Bandha immer von den Yogis praktiziert werden.

Mula Bandha Mudra in der Gheranda Samhita

(12) Drücke die Ferse des linken Fußes gegen den Damm und ziehe die Muskeln um den After zusammen. Dann ziehe man verständig (bzw. sorgfältig oder mit großer Anstrengung) den Nabelknoten ein (= ziehe den Bauch ein) und stelle eine feste Verbindung zwischen dem Penis und dem rechten Fußknöchel her (= rechte Ferse gegen/auf das Geschlechtsorgan). Dies Mudra vernichtet das Alter und wird als Mula Bandha bezeichnet.

(13) Der Yogi, welcher über das Meer der Wiedergeburten zu fahren verlangt, soll dieses Mudra in der Einsamkeit wohlverborgen ausüben. Durch die Praxis dieses Bandhas ergibt sich ein vollkommener Atemwind. Von daher möge man eifrig, schweigend und ohne Nachlässigkeit üben.

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Fun Facts zu Mūla Bandha

  • Die klassische Anleitung klingt körperlich viel handfester als moderne Yoga-Sprache.
    In der Śiva Saṃhitā 4.41 wird beschrieben, dass die Ferse gegen den Anus gedrückt und Apāna Vāyu nach oben gezogen wird. Das ist weit entfernt von heutigen Formulierungen wie „spüre sanft deine innere Mitte“.
  • In alten Texten ist Mūla Bandha eher Verschluss-Technik als Körperübung.
    Die Haṭha Yoga Pradīpikā behandelt Mūla Bandha im dritten Kapitel, also im Kontext von Mudrā, Bandha, Atem und subtiler Energiearbeit – nicht als isolierte Beckenbodenübung.
  • Ein zu angespannter Beckenboden kann durch Mūla Bandha problematisch werden.
    Moderne Yoga- und Anatomie-Diskussionen weisen darauf hin, dass ein hypertoner Beckenboden mit Schmerzen, Menstruationsbeschwerden oder Problemen bei Geburt und Sexualität zusammenhängen kann. In solchen Fällen ist „mehr Anspannen“ nicht automatisch besser.
  • Die Gheraṇḍa Saṃhitā packt Mūla Bandha in eine Liste von 25 Mudrās.
    Dort steht die Technik neben bekannten Praktiken wie Mahāmudrā, Jālandhara Bandha, Uḍḍīyāna, Khecarī, Viparītakaraṇī und Aśvinī Mudrā. Mūla Bandha gehört also in einen größeren Werkzeugkasten des klassischen Haṭha Yoga.
  • Manche modernen Lehrer beschreiben Mūla Bandha bewusst nicht als „Anus anspannen“.
    In neueren Anleitungen wird häufig differenziert: Nicht der Afterschließmuskel allein ist entscheidend, sondern eine feinere Aktivierung im Bereich zwischen After, Urogenitalbereich und tiefer Beckenbodenmitte. Das erklärt, warum viele Anfänger die Übung zunächst verwechseln.
  • Das Wort „Bandha“ ist weniger poetisch, als es klingt.
    Es bedeutet im Sanskrit unter anderem Bindung, Fessel, Verschluss oder Halten. Der hübsche Yoga-Begriff hat also eine ziemlich robuste Alltagsbedeutung: etwas wird gebunden, gehalten oder abgeriegelt.

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Dieses Shambhavi Mudra ist eine klassische yogische Technik, bei der der Blick (Drishti) sanft auf den Punkt zwischen den Augenbrauen (Ajna-Chakra) gerichtet wird. Sie gilt sowohl als Mudra (energetische Geste) als auch als meditative Praxis und spielt eine zentrale Rolle im Raja Yoga und Hatha Yoga.

Shambhavi Mudra findet sich sowohl unter den zehn Mudras der Hatha Yoga Pradipika als auch bei den 32 Mudras in der Gheranda Samhita. 

Es gibt mehrere Übungsvarianten von Shambhavi Mudra. Man sitzt stets in einer Meditationshaltung und bringt seinen Geist zur Ruhe. Dann übt man meist eine der beiden Varianten

  • Oberes Shambhavi Mudra (Bhrumadhya Drishti): Der Blick ist auf den Punkt zwischen den Augenbrauen gerichtet.
  • Unteres Shambhavi Mudra (Nasikagra Drishti): Der Blick ist auf die Nasenspitze oder auf den Boden ca. einen Meter vor dem Yogi gerichtet.

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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