Vajroli Mudra soll die sexuelle Energie sublimieren und in die höheren Chakras führen.

 

Vajra = Sanskrit für Donner;

1

Vajroli Mudra in der Hatha Yoga Pradipika

Vers 3-83: Nun folgt Vajroli. Selbst ein Yogi, der nach einem Belieben sich verhält, ohne die im Yoga gelehrten Regeln (Niyama) zu berücksichtigen, der aber Vajroli praktiziert, wird zu einem Gefäß der übernatürlichen Fähigkeiten (Siddhis).

Gemeint ist wohl: Selbst bei regem Sexleben wird man durch diese Technik zum "Asketen", da man die sexuelle Energie in sich bewahrt.

Es folgen in der Pradipika Andeutungen einiger tantrischer (Sex-)Übungen. So wird zum Beispiel nach Meinung des Kommentators Brahmananda in Vers 3-85 das Heraufziehen des Samens durch Kontraktion des Penis bzw. der Vagina erreicht.

3-87 ... soll der Yogi den Samen, der sich in Richtung der Vagina der Frau bewegt hat, "kurz bevor er fällt" zurück – aufwärts – ziehen und damit bewahren.

Brahmananda versteht den Vers so, dass damit auch das Heraufziehen der Flüssigkeit bei der Frau gemeint sei und sie diese auch hinaufziehen solle.

Durch die Bewahrung des Samens sollen die sexuellen Energie sublimiert und das Altern verhindert werden.

Mit "Röhrchen"

Andere lehren Vajroli-Mudra als eine Kontraktion (die nach langer Übungszeit beherrscht wird), durch die das Wasser durch die Harnröhre hinaufgezogen wird. Eigentlich steht in Vers 3-86:

Vorsichtig soll der Yogi ... mit einem Röhrchen in die Harnröhre blasen ...

Dies kann auch symbolisch als Heraufziehen der Energie (eventuell in der Harnröhre beginnend) die Sushumna hinauf gedeutet werden.


Yoga Vidya lehrt Vajroli Mudra auch als Kontraktionsübung:

Erläuterungen zu dieser Variante siehe hier.

Swami Vishnu-Devananda schreibt:

"... für unsere Zwecke ist es nicht notwendig, Vajroli zu üben, weil wir dieselben Erfolge durch Mula Bandha erzielen können."

2

Sahajoli

Vers 3-92: ... Sahajoli und Amaroli sind mit Amaroli drei Teile eines Ganzen. Gereinigte Asche aus verbranntem Kuhmist wird in Wasser aufgelöst.

3-93: Nach dem (Geschlechtsakt mit) Vajroli (siehe oben) sollen sogleich die glücksverheißenden Körperteile von Frau und Mann mit diesem Sud eingerieben werden.

3

Amaroli

Vers 3-96: Nun Amaroli. Verwerfe die Galle (Pitta) im ersten und letzten Urin-Strom, weil diese ohne Essenz ist. Trinke den kühlenden mittleren Strahl ...

Im Text steht ambu, das kann Wasser, Flüssigkeit oder Urin sein.

3-97: Wer täglich mit der Nase Amari (den eigenen Urin) durch die Nase trinkt, der übt Vajroli auf korrekte Weise ...


Wieder werden in den folgenden Versen durch das Praktizieren der beschrieben Übungen Langlebigkeit und außergewöhnliche Kräfte versprochen. Man soll nach beharrlicher Praxis sogar durch die Luft schweben können, selbst wenn man sich dem "vergnüglichen Genuss" hingibt.

4

Oli-Techniken im Tantra

Die -oli-Techniken lassen erkennen, dass Hatha Yoga in tantrischer Tradition steht. Sexuelle Techniken setzten damals wohl eine intensive Schulung der Aspiranten voraus – beider Partner. Die Pradipika wurde im 15 Jahrhundert verfasst. Damals soll es in Indien wieder recht prüde zugegangen sein, so dass die -oli-Techniken mehr oder weniger nur angedeutet werden.

Einige – eher die Minderheit – interpretieren die Sextechniken der Pradipika als Symbole energetischer Vorgänge

Generelle Tipps zur Asana-Ausführung

Wenn du in die Stellung kommst, mache diese zunächst bewegungslos. Es ist eine gute Basis, eine Asana für zehn ruhige Atemzüge regungslos (oder zumindest sehr ruhig) zu halten. In dieser Zeit auch keine Korrekturen vorzunehmen oder tiefer zu dehnen.

  • Der Atem in der Asana
    Wenn du in Stellung gehst und dich dabei ausdehnst, atme beim In-Die-Stellung-Gehen ein. Umgekehrt, bei zusammenziehenden Stellungen, atme beim Reingehen aus. Beim Auflösen der Stellung entsprechend umgekehrt.

    Wenn du in der Stellung bist, beruhige den Atem. Immer weiter (siehe dazu auch: Yoga - wie atmen?. Atme mit dem Bauch und verlangsame und verfeinere deine Atmung im Laufe des Haltens der Stellung. Wenn problemlos möglich baue kleine Atempausen ein. Verlangsame den Atem so weit, wie es ohne Stress möglich ist.

    Wenn du einen Schritt weiter gehen willst, atme während deiner gesamten Asana Praxis in der Ujjayi-Atmung (hier erläutert). Halte dann deine Konzentration während der gesamten Übung beim Atem.

  • Bandhas in der Asana
    In vielen Asanas ist es förderlich, Mula Bandha (ggf. leicht) zu halten.

  • Entspanne dich
    Wenn die Asana fest und der Atem ruhig geworden ist, entspanne alle Körperbereiche, die nicht zum Halten der Asana angespannt sein müssen, so wie es Patanjali in Sutra II-47 empfiehlt. Gehe vom Kopf (Gesicht!) den ganzen Körper bis zu den Füßen durch und entspanne dabei alle Bereiche.

  • Die Konzentration
    Konzentriere dich bei jeder Asana mit allen Sinnen und deinem ganzen Geist auf die Bereiche, die gestreckt oder gestaucht werden. Werde innerlich eins mit diesem Bereich.

  • Variante: Konzentriere dich auf die Unendlichkeit
    In Sutra II-47 empfiehlt Patanjali zudem, sich in der Asana auf die Unendlichkeit zu konzentrieren. Mache dir z. B. bewusst, dass du in der Asana mit dem ganzen Universum verbunden bist, über das Prana mit Allem im Austausch stehst. Oder stelle dir vor, wie du in der Asana inmitten eines Sternenmeeres stehst. Finde deine eigene Verbindung zum Unendlichen.

  • Variante: Tipp zur Förderung von Freude und innere Stärke
    Spüre die positiven Belebungs-, Dehnungs- und Stimmungswirkungen während und nach der Übung. Erfreue dich ganz bewusst daran, mache diese Freude in deinem Inneren für 5-10 Sekunden lebendig und stark.
    Dies ist eine von uns empfohlene Ergänzung zu jeder Asana. Sie dient dazu, förderliche Neuronenverbindungen im Gehirn aufzubauen und sukzessive zu verstärken, siehe nähere Erläuterungen beim Beitrag "Spirituelles Tagebuch".

  • Spüre nach
    Wenn du aus der Asana herausgekommen ist, spüre ihrer Wirkung im ganzen Körper nach. 

Es gibt eine Yoga-Geschichte von einem großen Yogi, der in einer Villa mit vielen Frauen zusammengelebt hat. Dieses Treiben sorgte im Dorfe für Unmut und bald fand sich ein Mob zusammen, welcher dem Yogi sein unzüchtiges Treiben ausprügeln wollte.

Doch als die Menge bei der Villa ankam, trat der Meister auf den Balkon und urinierte in Richtung der Menge. Doch bevor sein – offenkundig ansehnlicher – Strahl einen der Pöbler erreichte, zog er diesen wieder in seinen Penis zurück.

Da erkannten alle den großen Meister in ihm und die Meute ging beruhigt heim. Als Beherrscher der Vajroli-Technik würde er im Akt keinen Tropfen seines Samens (Bindu) verlieren und somit musste es wahrlich ein Vollkommener sein ...

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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