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In spirituellen Texten, in religiösen Schriften, in Romanen und Lebensberatern liest man oft die Forderung: Höre auf die Stimme deines Herzens. Oder kenne sie zumindest. Die meisten stehen recht ratlos vor dieser Aufgabe und fragen: Wie bitteschön soll ich das bewerkstelligen? Was ist überhaupt die Stimme des Herzens?

Es folgt eine Annäherung an eine Antwort in Zitaten und Übungen.

 
 

Viele Namen für Ausgestaltungen der Stimme des Herzens: Intuition, Instinkt, Bauchgefühl, Ahnung, sechster Sinn, Gespür, Innere Stimme

Beginnen wir mit einem Zitat aus einer Rede von Steve Jobs (Apple-Gründer), der sich vor jungen Akademikern klar zur Stimme des Herzens bekennt:

"Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich."

Verschiedene Sprachen des Herzens

Wie man die Verlautbarungen des Verstandes hört oder mit denkend mit ihm kommuniziert, ist den meisten Menschen wohl vertraut. Die Stimme des Herzens ist dahingegen oft ein Gefühl, dass uns im Brustraum, in der Herzgegend oder auch im Bauchraum überkommt. Manchmal steigen Bilder auf, andere hören sogar Worte, eine richtige innere Stimme. Wiederum andere erleben die Stimme des Herzens als ein Kribbeln auf der Haut. Alles in allem für die meisten Menschen ein unvertrautes Terrain.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Antoine de Saint-Exupery, Autor des kleinen Prinzen

Grundlegende Empfehlung zum Herzhören

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1. Sei achtsam!

Höre in dich hinein, bemerke dein Gefühl, richte hin und wieder dein Empfinden auf den Bereich der Herzgegegend.

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2. Suche die Stille

"Zum Herzen führen nicht die großen Straßen, sondern die stillen Wege."

Türkisches Sprichwort

Die Stimme des Herzens geht leicht im Lärm des Alltags unter. Eine  gute Zeit des "Lauschens" ist fünf Minuten nachdem du dich zur Meditation niedergelassen hast. Der größte Gedankenlärm ist dann abgeebt und du hast die nötige Stille, dein Herz zu hören.

Andere berichten, dass sie in der Zeit direkt nach dem Erwachen besonders empfänglich für die Mitteilungen aus dem Herzen sind, wenn sie bewusst dorthin lauschen.

Andere erleben bei einem langen Waldspaziergang oder am Meer die Ruhe, um das eigene Innere zu hören.

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3. Sei offen

Die Stimme des Herzens kann – wie oben beschrieben – in unterschiedlicher Form erscheinen. Versuche beispielsweise nicht, Worte aus dem Herzen zu hören, wenn sich dein Herz über einen Druck in der Brust Gehör verschaffen will.

4

4. Stelle deinem Herzen konkrete Fragen

... und lausche. Du kannst dies immer wieder über den Tag tun.

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Fragen an das Herz

Klaus Lange, Autor des Buches "Herz, was sagst du mir?" ermuntert dazu, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und mit diesen zu sprechen. Viele seiner Seminarteilnehmer spüren ihre Gefühle dabei im Herzbereich besonders deutlich. Er fragt diese Teilnehmer dann gerne, ob sie einmal ihr Herz besuchen möchten ...

Die Menschen reagieren ganz unterschiedlich darauf, das erste Mal bewusst das Herz anzusprechen und auf seine Antwort zu lauschen. Zudem kommen nicht nur angenehme Gefühle dabei auf. Doch auch die unangenehmen Äußerungen sollen gehört werden. Zum Beispiel mit: "Ich spüre dich, Angst. Bitte gehe sanft mit mir um, aber erzähle mir bitte, was du mir zeigen willst." Wenn es dem Schüler zuviel wird, sollte er das Herz-Gespräch aber beenden.

"Der Kummer, der nicht spricht, nagt leise an dem Herzen, bis es bricht."

William Shakespeare

Lange schlägt weitere Fragen vor:

  • "Herz, wie fühlst du dich?"
  • "Herz, lebst du gerne mit mir?"

Man kann auch einfach nur mit seinem Herzen sprechen:

  • "Herz, ich spüre dich."
  • "Herz, ich denke an dich."

Oder sich dem Herzen anvertrauen:

  • "Herz, führe mich, wohin du willst."
  • "Herz, begleite mich in dieser Situation."

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Herz versus Verstand – wem soll ich folgen?

In "Yoga der fünf Elemente" lesen wir: "Herz und Kopf streben oft in verschiedene Richtungen. Beide vertreten einen aus ihrer Sicht legitimen Anspruch." Die Autoren raten dazu, eine Balance zu suchen, die Sinnhaftigkeit der einen und der anderen Seite gegeneinander abzuwägen.

"In einem Zwiespalt zwischen dem Herzen und dem Verstand, folge dem Herzen"

meint Vivekananda. Auch Johann Wolfgang von Goethe ermuntert:

"Welch eine himmlische Empfindung ist es, seinem Herzen zu folgen."

Aber John Churton Collins mahnt:

"Die Hälfte aller Fehler entsteht dadurch, dass wir denken sollten, wo wir fühlen, und dass wir fühlen sollten, wo wir denken."

Joseph Joubert schlägt vor:

"Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen. Aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen."

Ergänzend passen Friedrich Schillers Worte:

"Die Wahrheit ist vorhanden für den Weisen, die Schönheit nur für ein fühlendes Herz."

... und William McDougall´s Erkenntnis:

"Weisheit ist ebensosehr eine Angelegenheit des Herzens wie des Kopfes. Wenn sich auch die Grundlagen einer Wissenschaft rasch erwerben lassen, so erwächst doch der Anteil des Herzens an der Weisheit nur aus vielen Erfahrungen in Freud und Leid, Hoffnung, Enttäuschung, Anstrengung, Erfolg und Misserfolg."

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Die Stimme des Herzens im Yoga

Bhakti Yoga gilt als der Weg des Herzens und steht für Feuerstein (Seite 459) in Kontrast zur "rohen Manipulation des Körper-Verstand-Organismus", wie es auf einige Hatha-Yoga-Schulen zuträfe. Natürlich bestehe die Gefahr, so Feuerstein, sich in "Irrationalismus oder hemmungsloser Gefühlsseligkeit" zu verlieren, dennoch sei eine Ausgewogenheit von Intellekt und Gefühl anzustreben.

"Seit alters" sei das Herz (hrid oder hridaya) als Zentrum des spirituellen Prozesses angesehen worden, so Feuerstein weiter:

"... im Herzen – so beschreiben es viele Schulen und Traditionen – ereignet sich das große Erwachen."

Im Yoga, vor allem in den Meditations- und Entspannungsübungen sehen viele einen Weg, der Stimme des eigenen Herzens Raum und Zeit zum Gehörtwerden zu geben.

Fazit: Praktiziere (Bhakti-)Yoga, um dich der Stimme deines Herzens anzunähern.

Mehr zu Bhakti-Yoga auf Yoga-Welten.de:

 

Was ist Bhakti-Yoga?

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Bhakti-Yoga - der Weg der liebevollen Hingabe

Die Bedeutung: Bhakti-Yoga steht für liebevollen und verehrenden Hingabe zu Gott, einem Guru und/oder der gesamten Schöpfung. Es gibt viele Spielarten der Bhakti...

Oshos Herzmeditation

Osho schildert im "Buch der Geheimnisse" eine Herzmeditation (Meditation Nummer 98), die im Herzen ein tiefes Gefühl von Frieden erzeugen soll. Die Anweisungen sind sehr einfach:

  • Sitze entspannt oder liege.
  • Richte deine volle Aufmerksamkeit auf den "Bereich zwischen den Achselhöhlen".
  • Spüre zunächst nur dorthin, vergesse dabei deinen übrigen Körper.
  • Entspanne und der Frieden im Herzbereich wird sich einstellen.
  • Fühle diesen Bereich immer mehr von großem Frieden durchdrungen.

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Dazu passt ein Shiva-Zitat aus dem Vigyan Bhairav Tantra. Devi, die Gefährtin von Gott Shiva stellt ihm einige Fragen. Er antwortet u.a.:

Gesegnete! Wenn alle Sinne im Herzen aufgenommen sind, gehe in die Mitte des Lotos.

Wenn du etwas anschaust, lasse das Sehen geschehen, als seien deine Augen mitten im Herzen.

Wenn du etwas hörst, stelle dir vor, deine Ohren wären mitten in deinem Herzen.

Wenn du etwas berührst, spüre, dass dein Herz die Hand zur Berührung ausstreckt.

Wenn du schmeckst oder riechst, lasse es vom Herzen aus erfolgen.

 

Weitere Tipps für Herzenshörer

  1. Schreibe ein Tagebuch
    Wer Tagebuch schreibt, setzt sich intensiv mit seinem Leben auseinander. Dann ist es nur ein kurzer Schritt, dabei immer auf die Stimme im Inneren bzw. die mit den Ereignissen verbundenen Emotionen zu lauschen.
  2. Alternativ/ergänzend: Pflege eine Tagesrückschau
    Der Tagesrückblick mit Gefühlserinnerung ist ein gutes Training zur Wahrnehmung der Stimme des Herzens.
  3. Entstresse dein Leben
    Wer unter Daueranspannung steht, wird kaum die leise Stimme des Herzens hören. Entschleunige, entrümple und oder vereinfache dein Leben, damit du die nötige Ruhe und Zeit für ein achtsames Leben gewinnst.
  4. Spüre beim Yoga in dein Herz
    Du kannst, während du eine Asana hältst, stets eine Weile zum Herzen hinspüren.

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