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Das Yogasutra ist heutzutage einer der wichtigsten Ursprungstexte der Yogalehre. Als Verfasser gilt Patanjali, der Entstehungszeitpunkt der Sanskritverse wird in den Jahrhunderten um die Zeitenwende angesiedelt. Die knappen Formulierungen der 196 Sutras erlauben großen Spielraum bei der Übersetzung, was viele für recht eigene Interpretationen nutzen.

Die Datierung der Sutras ist umstritten - die Schätzungen reichen von 200 vor Christus bis 400 nach Christus. Schon früh gab es zahlreiche Übersetzungen, doch lange Zeit verschwand der Text mehr oder weniger in der Versenkung. Die Bhagavad Gita, das Yoga Vasistha und andere Texte standen im Vordergrund. Ein Comeback feiert das Yogasutra erst wieder im 20. Jahrhundert.

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Yoga-Ursprung ist älter

Patanjali ist nicht Schöpfer und Erfinder der Yoga-Philosophie. Für sein Yogasutra wählt er aus dem Sankhya, was sich seiner Meinung nach bewährt hat. Damit folgt er der indischen Philosophen-Tradition, die alten Lehren in der Sprache ihrer Zeit zusammenzufassen. Er beschreibt in seinen Sutras den Weg des Raja-Yoga. In seiner Wortwahl setzt an vielen Stellen die Kenntnis des Sankhya voraus.

Gott und Meditation

Eliade meint, dass Patanjalis Beitrag zum theoretischen Yoga-Rahmen und der metaphysischen Begründung der Yogatechniken "unwesentlich" sei. Im Grunde genommen übernehme Patanjali die Samkhya-Philosophie und ordne dieser einem "ziemlich oberflächlichen" Theismus zu. Dabei rühme er zudem den praktischen Wert der Meditation, so das Fazit des Religionswissenschaftlers. Übrigens: Eliade hat Zeit seines Lebens nie klar geäußert, woran er wirklich "glaubt".

Seine Einschätzung offenbart auf jeden Fall einen der Hauptunterschiede zwischen der Yoga-Philosophie des Patanjali und dem Samkhya: Letzterer ist noch völlig atheistisch. Die zweite wesentliche Differenz ist, dass für das Samkhya der einzige Weg zur Erlösung die metaphysische Erkenntnis war. Ein Auslöschen der "Bewegungen im Geist" wurde in dieser Philosophie noch nicht als notwendig angesehen.

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Der tiefere Sinn

Worte stellen die Wirklichkeit nur unvollkommen dar. Darum verwendete Patanjali laut Govindan Worte in Suggestivform, um auf eine tiefere Realität hinzuweisen, die mit Worten nicht zu erklären ist. Verschlüsselte Hinweise sollen seiner Einschätzung nach nur von Eingeweihten erkannt werden.

Das Weglassen von Einzelheiten zu den angesprochenen Geistestechniken soll bei Siddha-Yogis üblich gewesen sein, die nur während der mündlichen Belehrung ins Detail gingen. Viele Yogis würden wohl heutzutage ihre rechte Hand geben, zu Füßen Patanjalis dessen Erläuterungen zu den Sutras zu hören.

Eine Schnur zur Führung

Sutra bedeutet Faden (Yogasutra = Der Faden der Yogalehre) und ist eine Form der Dichtung im Sanskrit. Diese bildet keine grammatikalisch vollständigen Sätze, sondern verzichtet auf alle überflüssigen Worte. Darum sind die Sutras in der Originalsprache auch immer im Zusammenhang zu deuten. Bei meiner Übersetzung habe ich bei vielen Sutras einige Worte ergänzt, um deren Verständlichkeit auch "alleinstehend" zu ermöglichen. Auf diese Quellen habe ich zurückgegriffen.

Zahlreiche Kommentierungen

Der erste Kommentar zu den Sutras, der uns erhalten ist, stammt von Vyasa (aus dem 5. Jhd. n. Chr.), der von Deshpande aber als wenig hilfreich angesehen wird. Er empfindet Vyasas Auslegung als doktrinär, als nicht auf eigener Erfahrung beruhend.

Ohnehin sieht Deshpande die zahlreichen Kommentierungen kritisch: Die Sutras seine ein Versuch, die universale Wahrheit in so wenigen Worten wie möglich und für alle Zeit auszudrücken. Somit, folgert Deshpande, sind die Sutras eher ein Gegenstand der Meditation denn sinnvolle Grundlage eines Kommentares.

Zu den Sutras

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