Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

ring nebula medi 250
tat-pratiShedhaartham eka-tattva-abhyaasaH
तत्प्रतिषेधार्थमेकतत्त्वाभ्यासः

In den Sutras I-32 bis I-39 erfahren wir Mittel, um die Hindernisse und Störungen auf dem Weg zu beseitigen. Patanjali beginnt, indem er zu einer konkreten Meditation rät.

 

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrit

  • Tad, tat = das; diese; soll sich auf "artha" beziehen (Govindan);
  • Pratisedha = ausschalten, fernhalten;
  • Artham = Sinn und Zweck;
  • Pratishedh-artham = zur Beseitigung, zur Kontrolle;
  • Eka = einem; einzig;
  • Tattva = Prinzip; Aspekt; Wahrheit; Thema; Istheit;  wahres Wesen; die wahre Natur; Grundprinzip; das geistige Prinzip;
  • Abhyasah = (beharrliche) Übung, Anstrengung;
  • Eka-tattva-abhyāsaḥ = einpünktige Ausrichtung;

 

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

  • 12koerbe.de: "... ist es sinnvoll, die Konzentration auf Ein-Prinzip zu üben".
  • Govindan: "Konzentration auf eine einzige Sache ...".
  • Vyasa Houston (eigene Übersetzung): "Um diesen Behinderungen vorzubeugen, nutze man die Abhyasa-Praxis über eine einzige Wahrheit".
  • Sukadev formuliert "... beseitigen, sollte man über einen Aspekt der Wahrheit meditieren".
  • Satchidananda (eigene Übersetzung): "Die Praxis der Konzentration auf ein einziges Subjekt ... ist der beste Weg, die Hindernisse und ihre Begleiterscheinungen zu verhindern."
  • Dr. Ronald Steiner: "... reicht die Praxis ... einer einzigen Wahrheit".
  • Iyengar: "... über die Eine Wesensnatur ...".
  • Coster: "... durch festes und intensives Konzentrieren auf einen Gegenstand".
  • Deshpande: "... Konzentration auf die Einheit ...".

maedchen meditiert sd 564

 
 

 

Wir überwinden

Patanjali beginnt seine Empfehlungen für den Heilsweg nicht mit einer konkreten Diät oder körperlichen Übungen, er rät zur Meditation. Sukadev: "Er empfiehlt hier eigentlich die Ablenkung ..." Warum das?

Üblicherweise würde man zu jedem Hindernis eine spezielle Gegenmaßnahme suchen, wie bei einer Krankheit. Aber, so Sukadev weiter: "... sollen wir nicht versuchen, [die Störungen] zu analysieren und die Ursache herauszufinden ..." sondern stattdessen "... unsere Konzentration auf einen Aspekt der Wahrheit richten".

 

Worüber meditieren?

Patanjali schreibt hier nicht, worauf sich konkret ausgerichtet werden soll. Es scheint beliebig zu sein. Aber im Verlauf des Yogasutra gibt er verschiedene Empfehlungen zur Meditation, siehe z.B. die OM-Sutra oder auch die auf diese folgenden Sutras.

 


Sei nicht flatterhaft

Satchidananda sieht in dieser Sutra (Seite 52f.) implizit die Empfehlung, nicht [ständig] das Objekt der eigenen Konzentrationsbemühungen zu wechseln.

"Bleibe an einem Platz und grabe tief."

Er verweist darauf, dass Temperament und Veranlagung der Menschen unterschiedlich sind, so dass man durchaus zu Beginn der Meditationspraxis gründlich prüfen solle, welches Objekt der Meditation bei einem selbst gut wirke.

Dann bleibe man dabei und lasse anderen ihre Objekte. Ziel sei die Ruhe des Geistes, das Konzentrationsobjekt hierfür sei letztlich egal. (Anmerkung: Wenn es denn "wirkt".)

In Patanjalis vielfältigen Empfehlungen zur Meditation sieht er einen Beleg, dass dieser nicht an den Mitteln, sondern nur am Ziel des Yoga interessiert sei. So könne jeder die Übungspraxis des Yoga mit seinem Objekt durchführen.

 

moench wasser schale 564


Zu klein für den großen Schritt

Iyengar schreibt, dass die meisten Kommentatoren in der Übung des Ekatattva die "Hingabe an Gott oder Gottesergebenheit" sehen. Er verstehe aber auch, dass es für den Normalsterblichen nicht einsichtig ist, dass Gott das Heilmittel für alle Krankheiten und Probleme sein soll. Eine solche Hingabe übersteige "das Fassungsvermögen des durchschnittlichen Menschen". Diesen rät er deshalb, weiterhin alle acht Glieder des Yoga anzuwenden.

 

Leidenschaftlich interessiert

Deshpande sieht es simpler. Er schreibt: "Das tätige Interesse an ... einem Zustand der Leere frei von Vrittis ... ist selbst mächtig genug, um alle Hindernisse des Yogas ... zu überwinden." Dieser Zustand "... ist eine Verbundenheit mit der Existenz als Ganzer."

Auch Govindan erkennt in allen yogischen Techniken letztlich eine Übung der Konzentration, entweder auf den Körper wie bei den Asanas, den Atem beim Pranayama, dem Mantra im Jnana-Yoga oder in der Meditation über ein Objekt.

huegel schnee baeume d0 564

 

Dem "Üben und loslassen" zur Seite

Diese (und die folgenden) Sutra kann zudem als Ergänzung/Unterstützung zu Sutra I-12 – Üben und loslassen – gelesen werden:

Yoga Sutra I-12: Die bewusste Kontrolle der Bewegungen im Geist wird durch Übung und Verhaftungslosigkeit erlangt

bewegungen geist

Abhyâsa–vairâgyâbhyâm tan–nirodhah
अभ्यासवैराग्याभ्यां तन्निरोधः

In den folgenden Sutras wendet sich Patanjali einem neuen Bereich zu. Es geht um zwei zentrale Konzepte (oder Prinzipien bzw. Vorgehensweisen) für die eigene spirituelle Entwicklung:

Abhyasa und Vairagya
Übung und Nichtanhaften

Somit kann auch diese Sutra als grundlegend eingeordnet werden. Sie begründet die tägliche Praxis des Yogi und fordert eine bestimmte Geisteshaltung zu "weltlichen Dingen" und emotionalen Verstrickungen.

Eine Geschichte verdeutlicht die anzustrebende Geistesverfassung ...

 

Sollte jeder am Anfang gleich intensiv meditieren?

Wim van den Dungen weist darauf hin, dass Buddha zunächst die Ausbildung einer Haltung des Mitgefühls, die Überwindung des Egoismuses anmahnt, bevor eine nach innen gerichtete Meditation praktiziert werden sollte. Siehe dazu auch die folgende Sutra I-33.

 

Übung zu Yoga Sutra I-32

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche:

Wenn dich in der kommenden Woche Unruhe, Kummer oder Nervosität überkommt, sage dir: "Da ist etwas in meinem Inneren, was unberührt ist von allen Geschehnissen in der Welt."

Versuche diese "Wahrheit" zu spüren, diesen inneren Kraft-Fels wirklich wahrzunehmen.

Quasi so, wie Krishna in der Bhagavad Gita auf Arjunas Verzweiflung und Verwirrung nicht mit einer konkreten Übungspraxis ratgebend reagiert, sondern mit einer Erläuterung über die Unsterblichkeit der Seele.

 

Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Auch interessant