Im letzten Jahrhundert wurde in der ehemaligen Sowjetunion eine Atemtherapie entwickelt, deren Erkenntnisse in erstaunlicher Weise mit den Lehren der alten Yoga-Schriften übereinstimmen. Das Buch "Yoga – die Geheimnisse liegen in der reduzierten Atmung" geht diesem Zusammenhang nach und entwickelt aus diesen Erkenntnissen Atemempfehlungen für Alltag und Yogapraxis.
Dr. Konstantin Pavlovitsch Buteyko, der russische Entwickler dieser Atemtechnik (hilfreich erwiesenermaßen bei Asthma und – wie Buteyko beteuerte – vielen weiteren Zivilisationskrankheiten), wurde im Laufe seiner Forschungsarbeit aufgrund der darin gewonnenen Erkenntnisse immer mehr zum überzeugten Yogi. Nicht ohne Grund ...

Die Autoren
Autor Dr. Artour Rakhimov
Er unterrichtet seit der Jahrtausendwende zahlreiche Schülerinnen und Schüler in der Buteyko-Methode zu atmen und den Atemunterricht zur Methode. Er ist u. a. in den den USA, in Deutschland und in Dänemark tätig.
Dr. Rakhimov wurde von Ludmila Buteyko und Dr. Andrey Novozhilov, Chefarzt der Buteyko-Klinik in Moskau, ausgebildet. Mehr zu Dr. Rakhimov hier.
Übersetzer und Co-Autor Volker Schmitz
Volker Schmitz wurde 2013 und 2014 durch Dr. Artour Rakhimov in der Buteyko-Methode ausgebildet und ist seit 2015 Co-Autor in dessen Büchern. Er übersetzt auch die Website normalbreathing.com auf deutsch.
Volker Schmitz hat mehr als 15 Jahre vor allem Privatunterricht durch führende Wushumeister Chinas erhalten. Seit 25 Jahren trainiert er täglich Wushu und Yoga (u. a. daoistisches Yoga). Hinzu kommt jahrzehntelange Trainertätigkeit für Stretching, Yoga und andere Bewegungssysteme in Vereinen und Sportcentern und als privater Coach.

Der Buch-Inhalt
Yoga-Klassiker und Atem
Das Buch beginnt mit einem Kapitel über die Pranayama-Beschreibungen in alten Yoga-Schriften und der Lehre des Atems in modernen Yoga-Richtungen wie Bikram-, Iyengar- oder Yin-Yoga.
Das Problem: Wir atmen heutzutage zu viel
Kapitel zwei bis vier beschreiben das Problem, dem sich das Buch widmet: der Hyperventilation. Hyperventilation meint, dass wir zu viel Luft atmen, dadurch den CO2-Gehalt in unserem Blut gesundheitsschädlich absenken und hierdurch wiederum eine Vielzahl von negativen Folgen erleiden.
Atmung heute und früher. Quelle: atmung.org
Volker Schmitz schreibt: "Diese Grafik verdeutlicht: Zu Zeiten als Yoga entstand, gab es keinen Bedarf für die Buteyko Methode (bzw. wenig), da die meisten Menschen einen CP von über 50 hatten (bzw. nach der Norm Buteykos geatmet haben, also ca. 4-5 Liter pro Minute in Ruhe). Die meisten Menschen heute atmen 12 Liter und mehr pro Minute! Erst seit ca 60-70 Jahren hat sich die Qualität der Atmung extrem verschlechtert und so kann heute jemand, der die Buteyko Methode nicht kennt in der Mehrzahl der Fälle seine Atmung nicht normalisieren, selbst wenn er/sie Yoga betreibt. Und damit blieben dann in vielen Fällen auch echte Fortschritte in den anderen Stufen des Yoga — namentlich: Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Vereinigung) — aus."
Die Lösung: weniger atmen
Nach Meinung der Autoren, der Buteyko-Atemtherapeuten und einer Reihe medizinischer Studien, die im Buch aufgeführt und teilweise besprochen werden, besteht die Lösung für viele (Zivilisations-)Krankheiten physischer und psychischer Natur in der Reduzierung unserer Atemmenge.
Darüber hinaus – so die Autoren – können wir den Fortschritt im (geistigen) Yoga gut daran ablesen, inwiefern uns bisher die (stressfreie) Reduzierung des Atems gelungen ist.
Dr. Konstantin Buteyko
Die Buteyko-Methode
Kernelement des Buches ist die Buteyko-Methode. Der ukrainische Wissenschaftler Dr. Konstantin Pawlowitsch Buteyko lebte von 1923 bis 2003 und forschte zeit seines Lebens rund um die gesunde Atmung. Dabei untersuchte er auch die Empfehlungen zum Pranayama in den alten Yoga-Schriften. Mehr zur Buteyko-Methode hier auf Yoga-Welten.
Buteyko sah das heutige "normale" Atemverhalten als zu hektisch an. Der moderne Mensch befände sich von seinem Atemmuster her gesehen quasi in einem permanenten Stresszustand. Eine gesunde und natürlichere Atemweise wäre viel ruhiger. Fazit Buteyko: Wie schon in den alten Yoga-Lehren beschrieben, gilt es auch für den "normalen" Menschen, den Atem möglichst fein zu machen und immer weiter zu reduzieren.
Wo stehe ich mit meiner Gesundheit?
Buteyko fand heraus, dass sich die (Atem-)Gesundheit eines Menschen ganz einfach bestimmen lässt. Man müsse nur die Zeit messen, die ein Mensch stressfrei den Atem nach einer normalen Ausatmung anhalten kann. Hierdurch könne man sich zahlreiche komplexe Tests hinsichtlich Sauerstoffsättigung der Zellen und Co. sparen. Hier auf Yoga-Welten wird der sogenannte CP-Test auf dieser Seite näher beschrieben.
Im Buch wird im Kapitel fünf und sechs ausführlich auf den CP-Test eingegangen. So einfach sich der Test vermeintlich ausnimmt, es können doch viele Fehler bei dessen Ausführung begangen werden. Im folgenden Video hören wir den Koautor – Volker Schmitz – mit eigenen Worten den CP-Test beschreiben:
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Übungen zur Verbesserung der Atempraxis
In Kapitel sechs und sieben geht das Buch auf die Atempraxis gemäß Buteyko, mehrere Pranayama-Übungen und das Atmen in verschiedenen Asanas ein. Auch Mudras und Bandhas werden ausführlich besprochen.
Lifestyle Veränderungen
Wer weiterhin durch den Mund atmet, unter großem Übergewicht leidet oder die Anzahl seiner Tagesschritte an einer Hand abzählen kann, wird trotz gelegentlicher Atemübungen und Pranayama kaum zu einer gesunden Atmung führen. Darum geht Kapitel acht des Buches ausführlich auf für eine Verbesserung der Atmung notwendige Lifestyle-Änderungen ein.
Das Leben mit einer reduzierten Atmung
Kapitel neun und zehn vervollständigen das Buch mit einer Schilderung der zahlreichen positiven Effekte einer reduzierten Atmung samt heiltherapeutischer Effekte bei diversen Krankheiten.

Interview mit dem Autor
YOGA WELTEN: Herr Schmitz, welche Atmung empfehlen Sie während des Haltens einer Asana (ohne Sitzasana)?
Volker Schmitz: Dies wird im Buch (Kapitel 7) genau beschrieben und die Antwort würde mehrere Seiten erfordern, da dies erheblich von dem Niveau des Studenten bezüglich der Atmung abhängt. Außerdem: Atemübungen können unter gewissen Umständen für manche Menschen gefährlich sein (z.B. Schwangere). Im Buch wird beschrieben für wen die Übungen gefahrlos (bzw. wie man sie gefahrlos ausüben kann) sind und auch wo man qualifizierte Ausbilder findet.
Die Yoga Studentin kann, wenn Sie es technisch korrekt gelernt hat, gut Ujjayi-Atmung oder entspannte Zwerchfellatmung mit relativ geringem Atemzugvolumen (aber bitte kein Stress) einsetzen. Auch Atempausen während Asana sind möglich, wenn man gelernt hat, wann dies sicher ist. Damit verbindet man Pranayama und Asana und spart sogar noch Zeit.
YOGA WELTEN: Wenn ich mit dem Zwerchfell atme, ist mein Atem tief und ich atme recht viel Luft ein. Sie schreiben, dass die Atmung mit dem Zwerchfell erfolgen soll, aber dennoch nur wenig Luft eingeatmet werden soll. Gibt es da nicht einen "Zielkonflikt"?
Schmitz: Nein, denn wie man den Atem gegenüber seiner normalen Atemweise in Ruhe sitzend (und erst danach, wenn gewünscht, in den Asanas) und anfangs nur sehr leicht (!!! sprich anfangs ca. 10-20 %) reduziert, ist Hauptinhalt eines ca 8-stündigen Kurses (siehe auch Frage 1). Um es kurz zu machen, es geht, aber es ist nicht ganz so einfach, wie es vielleicht auf den ersten Blick aussieht. Nur aus einem Buch ist das kaum zu lernen.
YOGA WELTEN: Welche Atemempfehlungen haben Sie für Menschen bei einer Vollzeit-Schreibtischtätigkeit?
Schmitz: Diaphragmatisch [meint: mit dem Zwerchfell] und dann bei der Ausatmung das Zwerchfell voll entspannen. Bewegungsmangel führt immer zu schlechter Atemweise, insofern kann man keine gute Atmung entwickeln, wenn man seinen Lifestyle nicht gleichzeitig normalisiert. Deswegen wäre für viele ein Stehschreibtisch und/ oder ein wenig Sport oder Yoga mit Nasenatmung am Morgen sehr gut.
YOGA WELTEN: Welche Buteyko-Fortbildung empfehlen Sie für Yogalehrer?
Schmitz: Einen Kurs bei Atmung.org.
YOGA WELTEN: Zur Tabelle "Zonen der Gesundheit" auf Seite 111: Wie lassen sich Abweichungen zu den korrespondierenden Werten der Tabelle (Sprünge in den Zeilen) erklären?
Schmitz: Die Korrelationen der Daten in der Tabelle der Gesundheit sind statistisch korrekt. Im Einzelfall kann es starke Abweichungen geben. Genau wird das in einem Atemkurs und zum Teil auch im Buch erklärt.
YOGA WELTEN: Wenn wir Alltag nur noch wenig und flach atmen: Verkümmert dabei auf Dauer die Atemmuskulatur?
Schmitz: Nein, da wir unsere Atmung nur normalisieren können, wenn wir uns genug bewegen, was wir deswegen auch tun. Bei intensiverer Bewegung hat man oft Minutenventilationen von über 100 Liter pro Minute und das bringt mehr als genug Trainingseffekt, so dass wir die meiste Zeit entspannt mit geringen Atemzugvolumen atmen können oder vielmehr sollten.

Würdigung
Das Buch "Yoga – die Geheimnisse liegen in der reduzierten Atmung" ist ein engagiert geschriebenes Buch, das mit hoher Yoga-Fachkenntnis geschrieben wurde. Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen sind fundiert begründet und können in der täglichen Yoga-Praxis eingebunden werden. Ob die Autoren und Ihre Ratschläge für jeden Yoga-Schüler empfehlenswert sind, kann ich nicht sagen. Ein (stressfreies und behutsames!) Ausprobieren der Empfehlungen zur Atemreduzierung scheinen mir aber durchaus (s)einen Versuch wert.

Mehr zur Buteyko-Methode auf Yoga-Welten.de
- Buteyko Methode: Beschreibung, Atemtechnik-Übungen für Anfänger, Erfahrungen
- Yoga: Wie atmen
- Warum durch die Nase atmen?
- Buteyko-Atmung – Buch
Siehe auch:
Tief atmen ist selten gesund und meistens schädlich
Tief atmen ist selten gesund und meistens schädlich
Ramananda schreibt:
Viele Menschen sagen: »Atme ich einige Male tief und energisch ein, dann wird mir schwindlig« – das klarste Zeichen dafür, daß Tiefatmen nicht gesund sein kann. Besonders das allseits gepriesene tiefe Atmen im Verbund mit gewissen Bewegungen wie dem Heben der Arme usw. ist als unnatürlicher, gekünstelter Vorgang abzulehnen. Fehlatmungen können durch Tiefatmen nicht korrigiert werden; im Gegenteil, dadurch wird alles noch schlimmer.
Hier weiterlesen: Tief atmen ist selten gesund und meistens schädlich

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