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frau feld ruhe sanft 564Die Atemtechnik nach Dr. Konstantin Pavlovitsch Buteyko

Die Buteyko Methode: Anleitung, Atmung und Erfahrungen

Dr. Buteyko entwickelte eine Atemtherapie, die auf eine Verringerung des Atemvolumens abzielt, zunächst vor allem für Asthmatiker. Später erweiterte er seine Aussage aufgrund zunehmender Erkenntnisse sogar dahingehend, dass alle Menschen von einer verlangsamten Atmung profitieren würden.

Buteyko sieht die reduzierte Atmung als ein (wenn nicht das) Kern-Element des Hatha-Yogas zur Verwirklichung der geistigen Yoga-Ziele. Zudem werde der Mensch durch seine Atem-Methode gesünder, glücklicher und ausgeglichener.

Schauen wir uns darum seine Empfehlungen zur Atmung (mit Schritt-für-Schritt-Anleitung) und die Erfahrungen aus deren Anwendung einmal im Detail an.

 
 

Eine wichtige Mahnung vorweg:

Vorsicht! Grenzen des Selberlernens

Im Internet findet sich keine konkrete Anleitung zur Buteyko-Atmung bzw. Buteyko-Therapie. Meist wird auf die Begleitung durch einen fachkundigen Therapeuten oder auf entsprechende Kurse verwiesen. Auch Dr. Buteyko selbst sah fachkundige Begleitung als notwendig an.

Bitte sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt, wenn Sie die Buteyko-Methode ausprobieren möchten oder wenden Sie sich an einen Buteyko-Therapeuten. Steigern z. B. Schwangere im ersten Trimester ihren CP (siehe Erläuterungen zum CP-Wert unten) – insbesondere den Morgen CP – zu schnell, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko der Abstoßung des Embryos. Auch herzkranke Menschen, Diabetiker, Lungenkranke, bei Bluthochdruck oder Migräne usw. sollten bei Pranayama-Übungen stets zunächst die Übungen mit Ihrem Arzt oder einem fachkundigen Lehrer besprechen.

Der folgende Artikel dient deshalb lediglich der Information zur Buteyko-Methode und soll keine komplette und gefahrlos zu befolgende Anleitung darstellen. Wer ernsthaft der Methode folgen will, sollte sich zumindest einige Stunden der Einführung durch einen Buteyko-Experten gönnen.

Punkt 1

Konstantin Buteyko

Der Erfinder: Konstantin Buteyko

Dr. Konstantin Pavlovitsch Buteyko lebte von 1923 bis zum Jahre 2003 und war ein ukrainischer bzw. russischer Mediziner. Er forschte zu den Atem-Empfehlungen der alten Yoga-Schriften und war von den Erfolgen des Yoga-Atmens fasziniert. Als grundlegende Ursache für viele moderne Beschwerden wie Asthma, Allergien und Bluthochdruck vermutete bzw. erkannte er chronisches Zu-Schnell-Atmen (Hyperventilieren).

Aus seinen Untersuchungen und Beobachtungen an Patienten zog er den Schluss, dass eine verstärkte Atmung über einen längeren Zeitraum (chronische Hyperventilation oder Überatmung) den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringt. Dies läge vor allem an dem durch das "Überatmen" verursachten Verlust des Kohlendioxids im Blut.

Je geringer der Anteil des Kohlendioxyds im Blut wird, desto schlechter trennt sich der Sauerstoff von seinem Träger, dem Hämoglobin. Hierdurch steht den Zellen letztlich weniger Sauerstoff zur Verfügung (der sogenannte »Bohr-Effekt«). Weiter unten dazu mehr.

minutenventilation entwickl

Atmung heute und früher. Quelle: https://www.atmung.org

Punkt 2

Probleme durch übermäßiges Atmen

Buteyko sah die Heilerfolge seiner Therapie der verlangsamten Atmung nicht auf Asthma beschränkt. Er machte das übermäßige Atmen (Hyperventilation) moderner Menschen für diverse Erkrankungen (mit-)verantwortlich, vor allem den Wohlstandskrankheiten.

Allein aus der durch die Hyperventilation bedingten Übersensitivität und/oder Irritation der Nervenzellen resultieren gemäß Buteyko zahlreiche psychische Probleme – von leichtem Unwohlsein bis ausgewachsenen psychischen Erkrankungen wie starke Flugangst oder Panikattacken. Dr. Rakhimov listet in seinem Buch über die Buteyko-Methode ein breites Spektrum an Krankheiten durch Hyperventilation auf – von Ängstlichkeit über Drogensucht oder Schlaflosigkeit bis zu Depression.

Dr. Buteyko entwickelte darum die nach ihm benannte Atem-Therapie, die darauf beruht, flacher und langsamer zu atmen und die Atmung dadurch immer weiter zu normalisieren. Die Buteyko Methode zeigt seit längerem in Russland bemerkenswerten Erfolg bei der Behandlung von Asthma und anderen Erkrankungen.

Auch in England und Deutschland ist die Buteyko-Methode mittlerweile als wirksame Atemmethode in die ärztlichen Leitlinien zur Behandlung von Asthma aufgenommen worden. Allerdings ist sie hierzulande selbst vielen Lungenärzten nicht bekannt.

Punkt 3

Die Buteyko-Therapie: Weniger atmen plus Lifestyle-Änderung

Elemente der Buteyko-Methode sind

  • konsequente Nasenatmung zu jeder Zeit,
  • Entspannung (auch der Atmung),
  • Zwerchfellatmung,
  • verminderte Atmung an der Grenze zum Lufthunger und
  • verlängerte Atempausen.

Hinzu kommen praktische Strategien mit täglicher Analyse. Beispiele:

  • Bewegungsmenge und Intensität über den Tag,
  • Fähigkeit zu entspannen,
  • Schlafposition,
  • Gewicht,
  • Ernährung,
  • Stress

Volker Schmitz, Buteyko-Therapeut: "Oft haben diese praktischen Strategien einen größeren Einfluss als die reine Menge an Atemübungen."

Disziplin ist notwendig

Die Buteyko-Methode erfordert vom Praktizierenden am Anfang ein gewisses Maß an permanenter Disziplin.

Wie auch bei allen anderen Pranayama gilt:

Übertreibung kann (größere) Schäden beim Schüler (bzw. Patienten) hervorrufen.

Punkt 4

Schritt für Schritt – Vorgehen

Die Buteyko-Methode könnte man auch als Atemfasten bezeichnen. Eine Schritt-für-Schritt-Umsetzung könnte wie folgt aussehen:

  1. Nur noch durch die Nase atmen
    Das Motto: Nasenatmung bei allen Tätigkeiten, auch während des Schlafes in der Nacht. Der Mund wird nur noch im Notfall zum Atmen genutzt.
  2. Etablierung der Zwerchfellatmung
    Der Praktizierende übt, möglichst den ganzen Tag, mit dem Zwerchfell zu atmen.
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    Zwerchfellatmung | Uwe Gille, Respiration, CC BY-SA 3.0

  3. Analyse und Veränderung des Lifestyles, siehe oben Punkt 3.
  4. Später: Üben von Atemreduktion und Entspannung
    Oft wird dies gleichzeitig geübt: Während des normalen Atmens leichten Atemhunger aufkommen lassen (zunächst nur über eine Reduktion des Volumens der Einatmung) und dabei dennoch entspannen. Besonders das Zwerchfell und den Bereich darum herum lockern.
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  5. Permanente Protkollierung und Analyse des Erfolgs der durchgeführten Schritte.
  6. Immer weitere Integration der Schritte in den Alltag
    Zunächst werden alle Schritte noch (zunehmend) bewusst durchgeführt, später automatisiert sich der Prozess.
  7. Darauf aufbauende Übungen, je nach Fortschritt. Beispiele im nächsten Punkt.

Lebenstil-Veränderung wichtiger als Atemübungen

Volker Schmitz, Autor und Buteyko-Therapeut: "Atemübungen sind nicht der wichtigste Teil der Buteyko-Methode. Die Atemnormalisierung erfolgt zunächst durch Lifestyle-Veränderungen (nach Analyse siehe oben) und dann kommen die Atemübungen! Der CP Test ist Hilfsmittel für die Analyse, aber keine eigentliche Atemübung. Die Atemübungen wirken erst auf der Grundlage eines veränderten Lifestyles."

Punkt 5

Atemübungen von Buteyko-Therapeuten

Die folgenden Übungen dienen dem Trainieren des Atemapparates und der weiteren Reduzierung des geatmeten Luftvolumens.

Am Anfang steht, wie gesagt, bei allen Buteyko-Therapeuten die Umstellung von (zeitweiser) Atmung durch den Mund auf permanente Nasenatmung. Zunächst vor allem bei ruhigen Tätigkeiten, später auch bei anstrengenden sportlichen Übungen und Ausdauersportarten.

Ganz wichtig bei der Buteyko-Method ist die Entspannung des Atemvorgangs, vor allem die Entspannung des Zwerchfells.

  • Die Patienten bzw. Schüler lernen, sich beim Atmen durch die Nase zu entspannen.
  • Nach Stabilisierung der Nasenatmung und mehrwöchigem Üben der Reduzierung des Atemvolumens bei der Einatmung: Einführung einer Atempause nach dem Ausatmen. Langsam steigern.
  • Nach und nach kleinere und langsamere Atemzüge machen und die Pausen zwischen den einzelnen Atemzügen bewusst verlängern. Langsame Gewöhnung an den Lufthunger, der dabei entsteht. Tägliche Übungszeit: 20 bis 30 Minuten.
  • Dann weitere Gewöhnung an den Lufthunger im Alltag, Ausdehnung der langsamen Atemweise. Wichtig: Trotz des Lufthungers stets die Entspannung im Atemapparat und dem übrigen Körper suchen und fördern. Das Ziel lautet: Neujustierung des Atemzentrums im Gehirn – weg von der als normal angesehenen Stressatmung hin zu einer reduzierten und entspannten Atemweise.
  • Man bemühe sich, zunächst in der Meditation und später auch im Alltag, immer sanfter, leichter, entspannter und weicher zu atmen.
  • Besonders sanft kann man durch sein momentan freieres Nasenloch atmen. Die Übung: Man prüfe zunächst, welches Nasenloch momentan freier ist. Dann atme man nur durch dieses und verlangsame den Atem soweit wie möglich. Schließlich versuche man, so sanft zu atmen, dass sich die Nasenhaare in dem einen Nasenloch nicht mehr bewegen.
  • Später dann kürzere sportliche Übungen mit (leicht) reduziertem Atem durchführen. Beispiele: Gehen einer gewissen Strecke (mit Verlängerung), Treppen steigen, später auch kurze Sprints mit angehaltenem Atem.

Gut erläutert wird dieses Herantasten in folgendem Video (englisch):


Video: Das Herantasten an den langsamen Atmen

Punkt 6

Der Wirkmechanismus der Buteyko-Atmung

Im Kern geht es bei der Buteyko-Methode also darum, nach und nach weniger zu atmen und gleichzeitig die Atempausen nach der Ein- und Ausatmung Schritt für Schritt zu verlängern. Ziel ist es, dass sich der Körper langsam daran gewöhnt, mit weniger Luft auszukommen, daraus resultierend den Einatmungsreflex seltener auslöst und wir so permanent weniger atmen. Hin zu einem (gemäß Buteyko) gesunden Atemvolumen.

Hierdurch ergeben sich verschiedene Körpereffekte. An erster Stelle sollen höhere (und natürlichere) CO2 – Werte im Blut erzielt werden. Das "Atemzentrum" gewöhnt sich an diese Werte und sendet nicht mehr (ungesund voreilig) das Signal: "Du musst wieder atmen."

Wozu brauche ich mehr CO2 im Blut?

CO2 ist ein wichtiger Bestandteil in unserem Blut.

Die "normale" Atmung heute lebender Menschen sei eine Überatmung, die den CO2-Gehalt im Blut zu sehr senkt. Was schädliche Folgen hat.

Ein niedriger CO2-Gehalt im Blut verschlechtert die Sauerstoffversorgung der Zellen im Gewebe und führt bei Asthmatiker sogar zu Krämpfen in der Atemmuskulatur.

Werde weniger geatmet, so soll sich der CO2-Gehalt des Blutes wieder normalisieren und dadurch der (ohnehin reichlich vorhandene) Sauerstoff aus dem Blut effizienter in die Zelle abgegeben und von diesen auch aufgenommen werden.

Der Unterschied zwischen tief und viel atmen

Buteyko – Atemtherapeuten empfehlen zwar, tief zu atmen, aber nicht "viel" zu atmen. Tief atmen nach Buteyko meint also nicht, die Lungen so komplett wie möglich zu füllen. Stattdessen wird im Alltag tief aber wenig mit dem Zwerchfell geatmet.

Logisch ist, dass Menschen mehr Sauerstoff in die Lunge aufnehmen, wenn sie tief im Sinne von "viel" einatmen. Bestritten wird aber, dass dadurch unter normalen Bedingungen (bei sportlicher Tätigkeit sieht das anders aus) auch mehr Sauerstoff im Gewebe über die Blutbahn den Zellen verfügbar gemacht wird.

Das Gegenteil st der Fall.

Viel-Atmen senke den CO2-Gehalt im Blut. Das hat negative Folgen für die Sauerstoffversorgung der Zellen. Warum ist dem so?

Verantwortlich ist der sogenannte (Verigo-)Bohr Effekt. Dieser besagt, dass ein niedriger CO2-Gehalt im Blut die Verbindung zwischen Hämoglobin und Sauerstoff verfestigt. Dadurch wird weniger Sauerstoff in das Gewebe abgegeben und damit die Sauerstoffversorgung des Gewebes herabsetzt.

Man könnte es als ein Ziel der Buteyko-Methode bezeichnen, den Verigo-Bohr Effekt umzukehren.

Zum anderen führt CO2 im Blut zu einer Erweiterung der Blutgefäße, was die positive Wirkung von CO2 verstärkt. Oder umgekehrt: CO2-Mangel im arteriellen Blut führt dazu, dass sich die Arterien verengen und dadurch wiederum die Organe und Zellen weniger Sauerstoff zugeführt bekommen.

Zitat A. Rakhimov zu diesem Phänomen: "... wenn man das arterielle CO2auf die Hälfte der Norm senkt (durch das übermäßige Ausatmen von "toxischem" CO2), hat man dadurch in etwa nur noch halb soviel Blut- und Sauerstoffversorgung für das Gehirn."

Fazit nach Dr. Buteyko

In "Yoga – Die Geheimnisse liegen in der reduzierten Atmung" findet sich auf Seite 70 die Schlussfolgerung:

"Wenn ein Yogi die Sauerstoffversorgung von Gehirn, Herz und anderen Körperzellen erhöhen will, sollte er oder sie lernen, wie man langsamer und weniger atmet."

Ein Prozess, der sich selbst verstärkt

Nochmal: Sauerstoff wird aus der Lunge in das Blut aufgenommen und an Hämoglobinmoleküle gebunden. Die Sauerstoffsättigung des Blutes ist meistens sehr gut, auch wenn wir (sehr) wenig ein- und ausatmen.

Wichtig ist nun, dass nur ein hoher CO2-Gehalt im Blut die optimale Weiterleitung des Blutsauerstoffs in die Zellen des Körpers gewährleistet. Und diesen CO2-Gehalt im Blut senken wir durch eine zu heftige Atmung, durch ein zu hohes Atem-Volumen.

Wenn die Zellen aufgrund des schlechten CO2-Gehaltes im Blut unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden, erhält das Atemzentrum ein Signal, intensiver zu arbeiten. Das heißt, mehr zu atmen. Der Menschen empfindet ein Gefühl von Atemnot und/oder Kurzatmigkeit. Darum atmet er vermehrt viel Luft ein und aus und verstärkt damit noch den Kohlendioxidmangel (CO2-Mangel) im Blut.

... auch umkekehrt

Doch die Selbstverstärkung wirkt auch umgekehrt. Wer flacher mit weniger Volumen über das Zwerchfell atmet, erhöht den Kohlendioxidanteil in der Lunge. Dadurch erhöht sich auch der Kohlendioxidanteil im Blut, der Sauerstoff wird wieder vermehrt an die Zellen abgegeben und das Gehirn vermindert das Atembedürfniss.

Punkt 7

Das Atemzentrum umtrainieren

Auf https://wiki.yoga-vidya.de/Atemrhythmus lesen wir, dass heutzutage viele Menschen permanent in einem gestressten Zustand verharren. Diese Menschen leben alltäglich mit einer Art Stress-Grundlevel. Dadurch würde ihre alltägliche Atemfrequenz zu hoch sein.

Das Atemzentrum im Gehirn sei normalerweise so ausgerichtet, erst wenn der CO2 -Gehalt im Blut einen pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45 oder etwa 6,5 % erreicht einen neuen Impuls zum Einatmen auszusenden.

Das Atemzentrum eines hochfrequent atmenden Stressmenschens löst jedoch bereits bei deutlich niedrigeren CO2-Werten einen Einatmungsimpuls aus.

Diesen autonomen Prozess gilt es gemäß Buteyko, wieder auf gesunde Werte (sprich: späteres und langsameres Einatmen) umzutrainieren.

Aller Anfang ist schwer

Die Atemreduzierung fällt vielen Praktizierenden am Anfang schwer. Doch Besserung ist in Sicht. Schon nach ca. 3-12 Wochen sollten sich die neue Atemweise im Alltag etabliert haben. Die reduzierte Atmung funktioniert dann vollautomatisch und wird noch zeitweise bewusst ausgeführt.

Punkt 8

Was sind die folgen einer reduzierten Atmung?

Asthmatiker berichten von einer starken Reduktion bis zum völligen Verschwinden ihrer Symptome. Darüber hinaus beobachtete Dr. Buteyko und seine Nachahmer zahlreiche positive Effekte bei Menschen, die ihre Atmung immer weiter reduzierten und dadurch höhere CP-Werte (siehe unten) realisierten.

Zu diesen Effekten gehörten gemäß Rakhimov S. 273ff u.a.:

  • Ängste und Depressivität verschwinden.
  • Konzentrationsfähigkeit steigert sich.
  • Die Wahrnehmung der Welt wird realistischer.
  • Feindseligkeit wird verringert, Toleranz erhöht.
  • Blutzucker sinkt.
  • Geschicklichkeit und Feinmotorik verbessern sich.
  • Das Hautbild wird kräftiger und glänzender.
  • Kraft und Resilienz verbessern sich.

Punkt 9

CP – Controlled Pause – Kontrollierte Pause

Volker Schmitz, Autor und Buteyko-Therapeut: "Den ersten Nobelpreis müßte es [für Dr. Buteyko] meiner Ansicht nach für den CP-Test geben, dessen Ergebnis sehr eng mit der Minutenventilation korreliert (wir brauchen keine teuren Messgeräte mehr) und so macht der Test bei chronischen Krankheiten Gesundheit zu jeder Zeit messbar und vorhersehbar."

Dr. Buteyko hatte also mit seinen Empfehlungen zur Atemreduktion zum Ziel, die Sauerstoffversorgung der Zellen zu optimieren und damit den Menschen gesünder (physisch und psychisch) und leistungsfähiger zu machen.

Wie kann ich feststellen, wie gut es bei mir mit der Sauerstoffversorgung im Blut bzw. in den Zellen bestellt ist? Leider ist die Messung des Sauerstoffgehalts in den einzelnen Zellen eine komplexe Angelegenheit und darum nur mit großen Aufwand feststellbar. Dr. Buteyko verkündete am 9. Dezember 1969, auf Basis seiner langjährigen Forschung eine simple Methode für die Feststellung des Sauerstoffwertes im Blut gefunden zu haben. Er schrieb:

"Der Sauerstoff innerhalb des Organismus kann durch eine einfache Methode ermittelt werden: Nach dem Ausatmen beobachte man, wie lange eine Person den Atem stressfrei anhalten kann."

So war der CP-Wert erfunden, die Anzahl der Sekunden für ein stressfreies Atemanhalten nach einer normalen Ausatmung.

Voraussetzungen für die Messung des CP-Wertes

  • Die Person soll entspannt sein.
  • Keine körperlichen Anstrengungen in den letzten Minuten vor dem Test.
  • Aufrecht sitzen, gerne zunächst ca. 5 Minuten ruhig sitzen.
  • Timer, Uhr oder Stoppuhr parat halten.
  • Man sollte nicht gerade eine volle Mahlzeit genossen haben.
  • Man sollte keinen Alkohol getrunken haben.

Die Durchführung vom CP-Test

Mahnung: Man führe den CP-Test nur durch, wenn man einigermaßen normal gesund ist, also an keiner Herzkrankheit leidet oder abnorme Blutdrücke aufweist.

Nach der Beruhigung atme man einmal normal ein und normal aus. Dabei sollte man nicht übermäßig ausatmen, keine volle Entleerung der Lungen forcieren. Ab Ende der Ausatmung (!) wird der Atem angehalten und die Zeitmessung gestartet. Die Nase wird gleichzeitig mit Daumen und Zeigefinger verschlossen.

Nun messe man die Zeit bis zur ersten "Schwierigkeit" beim Atemanhalten. Bis zum ersten stärkeren Druck oder Stress, wieder neu einatmen zu müssen. Dieser Zeitraum in Sekunden ist der CP-Wert.

Es darf zum Beispiel beim Anhalten noch nicht zu einem Zucken im Zwerchfell kommen. Alles muss noch relativ entspannt sein. Man messe nur die Zeit, die man ohne Anstrengung bis zur nächsten Einatmung verharren kann. Ein kleiner Lufthunger ist ok und ganz normal, aber wir sollten durch das Atemanhalten nicht in Stress geraten.

Man hat zu lange angehalten (und damit seinen CP-Wert geschönt), wenn man nach der Atempause nach Luft ringt.

Im Gegenteil: Man sollte nach dem Anhalten ganz normal weiter atmen können, ohne Stress. Genau so ruhig ein- und ausatmen wie vor der Atempause. Ansonsten hat man seinen CP-Wert, seine kontrollierte Atempause nach einer Ausatmung, zu hoch gemessen.

Es gehört ein wenig Übung dazu, den CP problemlos zu messen. Aber nach einiger Zeit hat man den Bogen raus. Buteyko-Therapeuten empfehlen, den CP-Wert bei sich selbst über mehrere Monate zu messen, gerne auch mehrfach täglich. Dazu stellt Volker Schmitz ein CP-Protokoll zum Download bereit:

Punkt 10

Symptome einzelner CP-Werte

  • Der morgendliche CP direkt nach dem Aufwachen, auch MCP (M = Morning) genannt, ist der aussagekräftigste Wert. Dr. Rakhimov: "Sobald man die Augen öffnet und noch bevor man aufsteht macht man diesen stressfreien ... Atemtest im Lieben. ... Der MCP, ... lassen Sie uns das noch einmal betonen, ist der wichtigste Parameter für der physiologischen Gesundheit."
  • Ein CP von 10 Sekunden bedeutet (meist), dass die Atmung laut, heftig, anstrengend und unregelmäßig ist.
  • Bei einem CP von 20 entsteht schon eine natürliche Pause zwischen den Atmungen. Die Atmung ist gleichmäßiger.
  • Bei einem CP von 30 kommt es zu einer signifikanten Verbesserung. Der Atem wird wesentlich weicher und leichter.
  • Ein erstes Ziel von Buteyko-Therapeuten liegt oftmals darin, bei ihren Kunden einen morgendlichen CP von 40 Sekunden für einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten zu erreichen. Ähnlich äußert sich Dr. Rakhimow in "Yoga – Das Geheimnis liegt in der reduzierten Atmung" auf Seite 34. Dann ist der Atem sehr sanft, ruhig und kann äußerlich kaum oder gar nicht wahrgenommen werden. Der Atem werde "unsichtbar".

Die optimale Atemmenge

Diese liegt laut Buteyko-Therapeuten zwischen 3 bis 4 Liter Atemvolumen pro Minute. Das entspricht ungefähr einer CP von 60 Sekunden. Yogameister reduzieren dieses Volumen noch weiter.

Tendenziell gilt:

  • Je geringer der CP, desto höher ist das Atemvolumen.
  • In der Regel atmet eine Person mit einem CP von 20 Sekunden darum drei Mal so viel Luft, als es optimal wäre.

Punkt 11

CP-Wert-basierte Erfahrungen von Buteyko-Atemtherapeuten

Video-Einführung:


Video: CP-Erfahrungen vom Buteyko-Experten

  • Die Praktizierenden fühlten sich jeweils deutlich besser, wenn der CP um 5 Sekunden angestiegen war.
  • Veränderte sich der CP nicht, fühlten sich die Praktizierenden auch trotz Übens nicht besser.
  • In der Regel verbessert sich der CP um 3 bis 4 Sekunden während der ersten 2-3 Wochen des Übens.
  • Wenn der CP 20 Sekunden erreicht ist es normal, dass der Fortschritt sich abschwächt.
  • Dr. Rakhimov: "... ist das erste Ziel für die meisten Patienten um ... eine vernünftiges Wohlbefinden zu erzielen, mehr als 20 Sekunden für den CP-Test zu jeder Zeit zu erzielen."
  • Es ist laut Patrick McKeown im obigen Video nicht ungewöhnlich, wenn man für 2 bis 3 Monate bei 20 CP verharrt. Volker Schmitz, Buteyko-Therapeut aus Deutschland, sieht das anders: "Im Falle einer guten Ausbildung, kommt es eher selten vor, dass der CP mehrere Monate auf 20 verharrt. Auch sind 2-3 Sekunden Steigerung in 2-3 Wochen sehr wenig und diese Zahlen scheinen mir nicht repräsentativ."
  • Um über 20 CP, z. B. von 20 auf 40 Sekunden CP zu kommen, ist sportliche Betätigung notwendig.

Punkt 12

Den CP-Wert steigern

Wichtigster Messwert für den Erfolg der Buteyko-Übungen und -Empfehlungen ist der erreichte CP-Wert. Ab 40 Sekunden CP kann man sich schon (fast) als gesund bezeichnen, Buteyko legte 60 Sekunden als Maß für einen normal gesunden Menschen fest.

Was verhindert einen Rückgang des CP?

  • (Starkes) Übergewicht
  • Lange Krankheit
  • Chronische Infektion (Fußpilz, Karies, ...)
  • Lange Dauer einer Krankheit
  • Schwere Krankheit

Hilfreiche Schritte, den CP von 10 Sekunden auf 20 Sekunden zu steigern

Tipps von "Yoga – die Geheimnisse liegen in der reduzierten Atmung" und aus obigem Video "CP-Erfahrungen vom Buteyko-Experten".

  • Durch die Nase atmen – immer.
  • Tägliche ruhige Atemübungen.
  • Generell das Viel-Atmen stoppen (z. B. durch Vermeiden von häufigem tiefen Gähnen oder Seufzen).
  • Übermäßiges Essen vermeiden.
  • Eine Stunde Bewegung pro Tag.
  • Nicht auf dem Rücken schlafen.
  • Körper von dauerhaften Infektionen befreien (auch z. B. von Karies, Fußpilz, Würmer etc.)
  • Zur Gewichtung der Schritte: Nach Dr. Buteyko war physische Bewegung der wichtigste Faktor, der gesunden Menschen dabei half, gesund zu bleiben und höhere CP-Werte zu erzielen. (Quelle: Rakhimov S. 237)

Der Weg zu 40 Sekunden CP und mehr

Punkt 13

Video-Beiträge zur Buteyko-Methode

Punkt 14

Mehr zur Buteyko-Methode hier auf Yoga-Welten

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