„Direktes Erkennen der wahren Natur der Wirklichkeit und permanente Befreiung vom Leiden: das ist das einzige echte Ziel des spirituellen Weges."
Culadasa (John Yates, Ph.D.), Autor, Meditationslehrer und Direktor des Dharma Treasure Buddhist Sangha in Tucson, Arizona; in: Handbuch Meditation, S. 11;
Yoga-Welten-Umfrage zum Zitat
Stimmst du Culadasa zu, dass dies die einzig wahren Ziele des spirituellen Weges sind?
Falls du mit "Nein" geantwortet hast:
Was ist deiner Meinung nach das Ziel des spirituellen Weges?
Zusammenfassung: Die Ziele der größten spirituellen Richtungen
Die großen spirituellen und religiösen Traditionen formulieren ihre Ziele unterschiedlich, zielen jedoch häufig auf ähnliche Grundanliegen ab. Im Folgenden eine strukturierte Übersicht:
Buddhismus
- Ziel: Befreiung vom Leiden (Nirvana)
- Kern: Überwindung von Gier, Hass und Unwissenheit
- Ergebnis: Erwachen zu Einsicht, Mitgefühl und innerer Freiheit
Hinduismus
- Ziel: Befreiung aus dem Kreislauf von Wiedergeburt (Moksha)
- Kern: Erkenntnis der Einheit von individuellem Selbst (Atman) und absoluter Wirklichkeit (Brahman)
- Ergebnis: Erlösung, spirituelle Freiheit, Einheitserfahrung
Christentum (mystisch-spirituelle Perspektive)
- Ziel: Gemeinschaft mit Gott/Heil
- Kern: Liebe zu Gott und zum Nächsten, innere Umkehr
- Ergebnis: Transformation des Menschen, Leben aus Gnade und Liebe
Islam (insbesondere Sufismus)
- Ziel: Nähe zu Gott und Hingabe an den göttlichen Willen
- Kern: Reinigung des Herzens, Erinnerung an Gott
- Ergebnis: Auflösung des Ego, Leben in Gottesbewusstsein
Judentum (spirituell-ethische Perspektive)
- Ziel: Heiligung des Lebens
- Kern: Leben nach göttlichem Gesetz, ethische Verantwortung
- Ergebnis: Reparatur der Welt (Tikkun Olam), gerechtes Leben
Daoismus
- Ziel: Leben im Einklang mit dem Dao
- Kern: Natürlichkeit, Nicht-Erzwingen (Wu Wei)
- Ergebnis: Harmonie, innere Ruhe, spirituelle Balance
Moderne spirituelle Wege / integrale Spiritualität
- Ziel: Ganzheitliche Bewusstseinsentwicklung
- Kern: Integration von Körper, Geist, Psyche und Transzendenz
- Ergebnis: Authentisches, bewusstes und verantwortliches Leben
Gemeinsamer Nenner
Unabhängig von Sprache und Symbolik verfolgen die großen spirituellen Richtungen im Wesentlichen:
- die Überwindung egozentrischer Begrenzungen,
- die Transformation des Bewusstseins,
- sowie ein ethisch reiferes, mitfühlenderes Leben.
Kurz gesagt: Die Ziele reichen von Erlösung und Erwachen bis hin zu Harmonie, Sinn und gelebter Verantwortung.
Allgemeine Ziele eines spirituellen Weges
Im Kern gilt der spirituelle Weg als ein Prozess der inneren Transformation. Die Zielsetzungen werden je nach Tradition unterschiedlich formuliert, überschneiden sich jedoch in zentralen Punkten:
- Selbsterkenntnis: Erkennen des eigenen Wesens jenseits von Ego, Rollen und Konditionierungen.
- Bewusstseinsentwicklung: Erweiterung oder Vertiefung des Bewusstseins hin zu Klarheit, Präsenz und Achtsamkeit.
- Innere Freiheit: Befreiung von Leiden, Angst, Anhaftung und automatischen Reaktionsmustern.
- Sinn- und Wahrheitsfindung: Einsicht in grundlegende Lebenszusammenhänge, Wahrheit oder Wirklichkeit.
- Verbundenheit: Erfahrung von Einheit oder tiefer Verbundenheit mit anderen Menschen, der Natur oder dem Ganzen.
- Ethische Reifung: Entwicklung von Mitgefühl, Verantwortung, Liebe und Integrität im Handeln.
- Transzendenz: Überschreiten begrenzter Identitäten hin zu Erleuchtung, Erwachen oder Heil (je nach Tradition).
Kurz gefasst: Das Ziel des spirituellen Weges ist nicht primär äußere Verbesserung, sondern ein inneres Erwachen, das zu mehr Freiheit, Klarheit und mitfühlendem Leben führt.
Mehr über Culadasa
Culadasa
Culadasa (John Yates, Ph.D.) ist der Gründer des Dharma Treasure Buddhist Sangha in Tucson, Arizona, dem er von 2008 bis 2019 als spiritueller Leiter vorstand. Als Meditationsmeister mit über vier Jahrzehnten Erfahrung in den tibetischen und Theravadin-buddhistischen Traditionen wurde Culadasa 1976 zum Upasaka (engagierter Laienpraktiker) geweiht und im Dezember 2009 im Internationalen Orden buddhistischer Minister in Rosemead, Kalifornien, ordiniert.
Seine Hauptlehrer waren Upasaka Kema Ananda und der Ehrwürdige Jotidhamma Bhikkhu, beide in den Theravadin- und tibetischen Karma Kagyu-Traditionen ausgebildet, mit Abstammung zum Ehrwürdigen Ananda Bodhi (später vom 16. Gyalwa Karmapa als Tulku Namgyal Rinpoche anerkannt).
Culadasa unterrichtete viele Jahre Physiologie und Neurowissenschaften und arbeitete an der Spitze der neuen Bereiche der komplementären Gesundheitserziehung, der physikalischen Medizin und der therapeutischen Massage.
Website des Autors: culadasa.com
Video: Die 5 ultimativen Einsichten, die zu direktem Erwachen führen (Englisch)
Länge: 1:15 Stunden
Mit Klick auf dem Button wird eine Verbindung zu Youtube hergestellt und die bei Youtube üblichen Daten erhoben und Cookies gesetzt.
Zwei weitere Interviews mit Culadasa
Interview 1: Buddha at the Gas Pump Interview
Länge: 2:07 Stunden
Mit Klick auf dem Button wird eine Verbindung zu Youtube hergestellt und die bei Youtube üblichen Daten erhoben und Cookies gesetzt.
Interview 2: The Brain Science Behind Meditation & Mindfulness & How to Get Started
Länge: 1: 16 Stunden
Mit Klick auf dem Button wird eine Verbindung zu Youtube hergestellt und die bei Youtube üblichen Daten erhoben und Cookies gesetzt.
Buchbesprechung
Rezension "Handbuch Meditation" von Culadasa John Yates
Der Meditationslehrer und promovierte Neurowissenschaftler Culadasa John Yates gibt uns mit diesem Buch eine detailreiche Anleitung zur Entwicklung unserer Meditation an die Hand. Eine umfassende Anleitung, wie wir Schritt für Schritt unsere Meditationspraxis vertiefen können. Ich kenne kein Meditations-Buch, das so präzise das Training des Geistes beschreibt und anleitet.
Hier weiterlesen: Rezension "Handbuch Meditation" von Culadasa John Yates
Weitere Zitate von Culadasa auf Yoga-Welten.de
Culadasa: das Ziel des spirituellen Weges
„Direktes Erkennen der wahren Natur der Wirklichkeit und permanente Befreiung vom Leiden: das ist das einzige echte Ziel des spirituellen Weges."
Culadasa (John Yates, Ph.D.), Autor, Meditationslehrer und Direktor des Dharma Treasure Buddhist Sangha in Tucson, Arizona; in: Handbuch Meditation, S. 11;
Hier weiterlesen: Culadasa: das Ziel des spirituellen Weges

Ergänzung oder Frage von dir
Gibt es eine Frage zum Beitrag, etwas zu ergänzen oder vielleicht sogar zu korrigieren?
Fehlt etwas im Beitrag? Kannst du etwas beisteuern? Jeder kleine Hinweis/Frage bringt uns weiter und wird in den Text eingearbeitet. Vielen Dank!

Passende Artikel zum Thema des Zitates auf Yoga-Welten.de
Yoga Sutra I-2: Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen im Geist

Yogash citta–vritti–nirodhah
योगश्चित्तवृत्तिनिरोधः
Wenn ich festlegen müsste, welche Sutra die Bedeutsamste ist, dann würde ich diese wählen. Hier wird der Yogaweg in einem Satz zusammengefasst. Alle weiteren Sutras erläutern den Weg.
Auslegung und Deutung dieser Sutra erfolgt unterschiedlich. Lies hier, welche Prioritäten du gemäß der Sutras-Deuter bei deiner täglichen Praxis setzen solltest.
Hier weiterlesen: Yoga Sutra I-2: Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen im Geist
Purushârtha-shûnyânâm gunânâm pratiprasavah kaivalyam svarûpapratishthâ va chiti–shakter iti
पुरुषार्थशून्यानां गुणानांप्रतिप्रसवः कैवल्यं स्वरूपप्रतिष्ठा वा चितिशक्तिरिति
Die letzte Sutra. Das Yogastura beginnt mit ata (jetzt) und endet mit iti (Ende). Patanjali schildert (erneut) Kaivalya, das Ziel des Yogaweges, die Befreiung. Unser Selbst, unsere Seele, findet zu ihrer wahren Natur.
Mit diesem Artikel versuche ich, Yogasutra 4.34 zu erschließen, beginnend bei den Schlüsselbegriffen, über klassische Kommentare bis hin zu modernen Anknüpfungen und Übungsanregungen. Keine ganz einfache Angelegenheit, da dieser Zustand nicht mit unserem normalen Alltagsbewusstsein vergleichbar sein soll.
Raja Yoga nach Patanjali – die acht Stufen erklärt
Raja Yoga nach Patanjali – die acht Stufen erklärt
Dieser Artikel bietet dir eine klare und fundierte Orientierung zum Raja Yoga – einem klassischen Pfad zur Selbstbeherrschung und Bewusstseinsbildung. Dabei vermitteln wir nicht nur die zentralen Lehren, sondern zeigen auch, wie sich diese im Alltag praktisch umsetzen lassen – mit dem Ziel, innere Ruhe, Klarheit und echte geistige Freiheit zu erreichen.
Hier findest du auch die Sutras, welche den Raja Yoga im Sinne Patanjalis erläutern. Am Ende finden sich Text- und Videobeiträge, in denen Yogakundige ihre Sicht des Raja-Yogas darlegen.
Hier weiterlesen: Raja Yoga nach Patanjali – die acht Stufen erklärt
Purushârtha-shûnyânâm gunânâm pratiprasavah kaivalyam svarûpapratishthâ va chiti–shakter iti
