Mendelssohn und die Bestimmung des Menschen
„Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun – das ist die Bestimmung des Menschen."
Moses Mendelssohn (1729-1786); deutscher Philosoph der Aufklärung; Wegbereiter der Haskala.
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Verbindung zwischen Mendelssohns Zitat und der Yogaphilosophie
Was wie eine aufklärerische Lebensformel klingt, berührt zentrale Motive der Yogaphilosophie. „Nach Wahrheit forschen“ erinnert an das yogische Streben nach Erkenntnis (Jnana) – nicht nur intellektuell, sondern existenziell. Wahrheit ist hier kein abstraktes Dogma, sondern die Frage: Wer bin ich jenseits von Rollen, Erwartungen und Gewohnheiten?
Weg des Wissens: die Jnana Yoga Praxis Jnana Yoga, der Yoga der spirituellen Erkenntnis bzw. der Weg des Wissens, ist die Praxis der Selbsterkenntnis durch Einsicht in die wahre Natur des Selbst. Er verbindet philosophische Untersuchung mit meditativer Verwirklichung. Ziel ist nicht theoretisches Wissen, sondern unmittelbare Erkenntnis der Einheit allen Seins. Der Mensch sollte sich Fragen stellen wie: Wer bin ich? Wer ist dieser Handelnde? Woher komme ich, woher kommt die Welt? Was ist der Sinn des Lebens? Was ist wirklich usw.? Haupttechniken sind Meditationen und Reflektionen über Schlüsselwahrheiten, um die Antworten auf existenzielle Fragen in sich zu finden.Beitrag: Weg des Wissens: die Jnana Yoga Praxis
Jnana Yoga – der Weg des verwirklichten Wissens in den alten Schriften
„Schönheit lieben“ lässt sich im Yoga nicht oberflächlich verstehen. Es geht nicht um ästhetische Perfektion im Außen, sondern um die Wahrnehmung von Harmonie, Stimmigkeit und Lebendigkeit. Schönheit wird dort erfahrbar, wo Körper, Atem und Bewusstsein in Einklang kommen. In einer Welt, die oft laut und zersplittert wirkt, ist das fast ein stiller Akt des Widerstands.
„Gutes wollen“ und „das Beste tun“ schließlich führen mitten in die Ethik des Yoga. Die Yamas und Niyamas, die ethischen Leitlinien im Yoga, beschreiben genau dieses Bemühen: bewusst, achtsam und verantwortungsvoll zu handeln – nicht aus moralischem Druck, sondern aus innerer Klarheit. Yoga wird so zur Praxis des Handelns, nicht nur zur Praxis auf der Matte.
Yamas und Niyamas: Ethik im Yoga verstehen und im Alltag anwenden Keine spirituelle Richtung kommt ohne Verhaltensregeln aus. Diese legen fest, welche ethischen Handlungsweisen für einen Aspiranten (oder auch jeden Menschen) förderlich sind. Was dem Christen die zehn Gebote, das sind dem Yogi die Yamas und Niyamas. Gleichzeitig sind die Yamas und Niyamas die ersten beiden Stufen im Raja Yoga, dem achtgliedrigen Yoga-Pfad (auch Ashtanga-Yoga genannt). Patanjali, der bekannteste Yogaphilosoph, definiert die Yamas und Nyamas im Yogasutra. Dieser Artikel zeigt, wie sich alte Weisheit im modernen Alltag verankern lässt: Was sind die Yamas und Niyamas? Wie werden diese in den alten Schriften ausgelegt? Und wie wende ich die Yamas und Niyamas im Alltag an? Der Artikel gibt Antwort und hält zwei Downloads (Poster & Merkkarte) parat. Hier weiterlesen: Yamas und Niyamas: Ethik im Yoga verstehen und im Alltag anwendenBeitrag: Yamas und Niyamas: Ethik im Yoga verstehen und im Alltag anwenden
Yamas und Niyamas: Ethik im Yoga verstehen und im Alltag anwenden
Praktische Umsetzung im Yoga-Alltag
Die vier Aussagen Mendelssohns gewinnen an Kraft, wenn sie in konkrete Praxis übersetzt werden.
- Nach Wahrheit forschen bedeutet im Yoga: innehalten, beobachten, ehrlich hinschauen. Die tägliche Meditation ist kein Rückzug, sondern ein Forschungsraum.
- Schönheit lieben zeigt sich im achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper – nicht leistungsorientiert, sondern respektvoll.
- Gutes wollen wird im Yoga zur Kultivierung von Mitgefühl, auch mit sich selbst.
- Das Beste tun heißt nicht Perfektion. Es heißt, im jeweiligen Moment verantwortungsvoll und klar zu handeln – mit dem, was möglich ist.
Betrachte Yoga dabei als Übungsweg. Ein Weg mit Wiederholungen, mit Umwegen, mit Zweifeln.
Zum Leben von Moses Mendelssohn
Moses Mendelssohn (geboren am 6. September 1729 in Dessau; gestorben am 4. Januar 1786 in Berlin) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Er gilt als Wegbereiter der Haskala. Die Haskala war eine Bewegung, die in den 1770er und 1780er Jahren in Berlin und Königsberg entstand und sich von dort nach Osteuropa ausbreitete. Sie beruhte auf den Ideen der europäischen Aufklärung und trat für Toleranz und eine gleichberechtigte Stellung der Juden in den europäischen Gesellschaften ein.
Trotz der bescheidenen Verhältnisse im Elternhaus wurde das Moses Mendelssohn sehr gut ausgebildet und dadurch früh als hochbegabt erkannt. Sein Vater soll den Siebenjährigen im Winter „eingehüllt in seinen Mantel“ auf dem Rücken in die Schule getragen haben.
Aramäisch (die Sprache des Talmud) lernte er bereits als Kleinkind und schon als 10-jähriger sollte er ein Experte des Talmuds gewesen sein.
Historischer und kultureller Kontext – Aufklärung trifft Yoga
Moses Mendelssohn war ein Vertreter der europäischen Aufklärung. Sein Denken war geprägt vom Vertrauen in die Vernunft, in Bildung und in die moralische Entwicklungsfähigkeit des Menschen. Yoga entstammt einer anderen kulturellen Tradition – und doch begegnen sich beide Strömungen in einem überraschenden Punkt: im Glauben an die Entwicklungsfähigkeit des Menschen.
Während die Aufklärung die geistige Selbstbestimmung betonte, beschreibt Yoga den Weg zur inneren Freiheit. Beide Wege setzen voraus, dass der Mensch nicht statisch ist. Er ist – im besten Sinne – unvollendet. Das kann verunsichern. Es kann aber auch befreien.
Zwei Denkweisen, die sich zeitlich und kulturell unterscheiden, aber im Kern eine ähnliche Frage stellen: Wie kann ein gutes, bewusstes Leben gelingen?
Vielleicht haben beide Wege am Ende auch dasselbe Ziel.

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