Der Geistige Pfad

Dies ist ein langer Beitrag, in der unterschiedliche Meinungen zum geistigen Weg des Yoga ausgetauscht und diskutiert werden. ► Moksha – Freiheit ► Suche nach Gott ► Den Geist reinigen und leeren um das wahre Selbst zu erkennen ► Enthaltsamkeit üben und Sinnesgenuss meiden oder ► die Freuden der Welt achtsam genießen? ► Welche Yoga-Art passt zu mir? ► Verbindung von Yoga und Tantra

larrim startet die Diskussion:

Dieses Thema richtet sich an alle, die im Yoga mehr suchen als nur ein schönes Popöchen, und körperliche Gesundheit. Dieser würde hier gerne mit euch allen offen und undogmatisch über dieses Thema diskutieren.

Zum Auftakt stelle ich hier zwei Zitate meines Meisters Yogiraj Satgurunath Siddhanath ein:

  1. „Yoga is moksha!“ („Yoga ist Befreiung!“)
  2. „The only Pupose of man is to seek God!“ („Die einzige Aufgabe des Menschen ist es, Gott zu suchen!“)

Beides beschreibt die eigentliche Ausrichtung des Yoga, die nur leider heute nicht mehr überall gelehrt wird. Dennoch verspüren immer mehr Menschen eine tiefe Sehnsucht nach der Verwirklichung des inneren göttlichen Selbst.

Der Pfad jedoch ist schmal und schlüpfrig, wie manche Posts in diesem Forum leider nur zu deutlich machen. Viele sind gerufen, aber nur wenige wirklich berufen, alle auf dem Weg lauernden Gefahren und Fallstricke wirklich zu meistern.

Einer der größten Fallstricke auf dem Weg ist oft der menschliche Verstand. Wollen wir also zu einem Yogi, oder zu einem Schrift Gelehrten werden? Sollte die erste Frage auf dem Wege sein.

Dazu gibt es eine sehr schöne Geschichte von Mulla Nasrudin, der einst ein Fährmann am Ganges war:

Mulla Nasrudin: Der Fährmann und der Schriftgelehrte

Eines Tages erscheint ein Pundit (Schriftgelehrter) beim Mulla und bat ihn auf die andere Seite vom Ganges überzusetzen. Mulla Nasrudin antwortete mit einer extrem verwaschenen Sprache und ganz lausiger Grammatik.

„Mulla Nasrudin,“ sagte der Pundit „hast du denn niemals Lesen und Schreiben gelernt? Dann hast du dein halbes Leben vertan!“

Nasrudin schwieg beharrlich. Auf der Mitte der Ganges erhob Mulla Nasrudin dann die Stimme und fragte: „Pundit, sage mir eines, hast du jemals schwimmen gelernt?

„Nein“ anwortete der Gelehrte.

„Bei allem Respekt“, sagte Mulla Nasrudin, „dann hast du dein ganzes Leben vertan, denn es kommt ein Sturm auf und wir werden sinken.“

Eines also ist das theoretische Wissen und das andere das Schwimmen auf den Wassern des Lebens, das demütige Einfügen in diese Schöpfung.

„Oh Herr dein Wille geschehe“

... heißt es in unserer Bibel und dieses Zitat könnte von jedem Yogi sein.

Wozu das ganze gelernte Wissen, wenn es nicht hilft, in den stürmischen Gezeiten der materiellen Welt zu bestehen und die immerwährende göttliche Liebe zu erfahren und in die Welt zu tragen.

Meditation, wenn sie denn wirklich eintritt, dient immer dem Wohle der gesamten Schöpfung.

Jede Trennung ist Maya und diese Trennung zu transzendieren ist der Pfad zu Gott, der Pfad der Befreiung, Moksha.

Jede Seele strebt diesem einem Ziele zu, auch wenn es den Meisten nicht bewusst sein mag.

„Ayam Atma Brahman“ übersetzt: „Dieses Selbst ist Brahman“ heißt es in den Veden so treffend.

Der Wassertropfen ist der Ozean. Ist das nicht wundervoll. Mit ihm sind es alle anderen kleinen Tröpfchen und das ist noch fantastischer. Bildet sich jedoch einer dieser Tropfen ein, besser als die anderen zu sein, den Pad der anderen kleinen Tropfen zu bewerten oder zu verurteilen, dann läuft der Sucher in die Falle der Hybris und verspielt sehr schnell allen spirituellen Fortschritt.

Anders ausgedrückt: Er/sie findet sich aufs Neue an das Rad der Erscheinungen geflochten.

Licht und Liebe
Lars

Atreju59 antwortet als Erste

Hallo Lars,

ich verstehe Deine Sätze nicht. Kannst Du Deine Aussagen präzisieren.

1. Welche Verbindungen nimmst Du konkret an?

2. Warum kleine Seelen – gibt es auch große Seelen?

3. Wenn ja, worin bestehen die Unterschiede?

4. Welche Ahnung meinst Du?

5. Wie ist es möglich, dass Yogiraj Gurunath Siddhanath bereits mit 3 Jahren erleuchtete Zustände hatte oder anders gefragt: glaubst Du daran? Für andere Menschen reicht ein ganzes langes Leben nicht dazu. Hat das mit Karma zu tun?

6. Auf verschiedenen Seiten wird er als Großmeister genannt. Ist ein Großmeister mehr erleuchtet als ein Meister? Er wird sogar als Heiligkeit bezeichnet. Schüler, Lehrer, Meister, Großmeister, Heiligkeit …das klingt sehr hierarchisch. Sind vor Gott nicht alle Menschen gleich?

7. Ist es nicht so, dass solche Menschen, die bestimmt auch eine außergewöhnliche Ausstrahlung besitzen, durch ihre Anhänger, Bewunderer, Verehrer dazu emporgehoben werden? Wäre es nicht richtig, wenn dann diese besonderen Menschen ihren Schülern ganz eindeutig sagen würden, dass sie das nicht sind …Heiligkeit!?

8. Sind Meister oder Großmeister, jetzt nutze ich mal einige Deiner Worte aus einem zeitnahen anderen Thread, größere, bessere, nützlichere, wertvollere Tropfen im ganzen großen Ozean des Lebens? Du schreibst „Der Wassertropfen ist der Ozean.“ Jeder von uns ist ein Wassertropfen. Bin ich dann nicht auch Yogiraj Gurunath Siddhanath und ist er gleichzeitig nicht auch ich? Im großen Ozean vermischt sich alles zu einer homogenen Ganzen...

9. Warum sind mir die Einsichten eines Yogiraj Gurunath Siddhanath nicht direkt zugänglich? Liegt das an mir, weil ich offensichtlich zu einem Meister aufschauen möchte, seinen Weg bewundere und ihn, seinen Weg, gehen möchte und nicht meinen eigenen Weg? Begeben sich nicht viele Yoga-Praktizierenden in eine Art Abhängigkeit von solchen Meistern, ohne es direkt zu wollen?

10. Du schreibst weiter „Zum Auftakt stelle ich hier zwei Zitate meines Meisters ein“.
Wieso schreibst Du das, warum ist gerade dieser, Dein Meister, der richtige für Dich? Was unterscheidet ihn von anderen Meistern? Gibt es unterschiedliche Arten, Stadien der Erleuchtung?

Meine Frage wirken auf Dich sicher naiv, sind aber ehrlich geschrieben.

LG
Dieter 

Wintersun

Atreju59 schrieb:

7. Ist es nicht so, dass solche Menschen, die bestimmt auch eine außergewöhnliche Ausstrahlung besitzen, durch ihre Anhänger, Bewunderer, Verehrer dazu emporgehoben werden? Wäre es nicht richtig, wenn dann diese besonderen Menschen ihren Schülern ganz eindeutig sagen würden, dass sie das nicht sind …Heiligkeit!?

Hi,

so richtig viel Ahnung habe ich nicht. Es gibt aber bestimmte Texte und Bücher, die mir wegweisend sind, die für mich „stimmig“ sind, auch wenn ich sie nicht vollkommen verstehe.

Zu der Frage oben kam mir der Text unten in Erinnerung:

Aus ICH BIN (Teil II) Sri Nisargadatta Maharaj

- Kapitel 34:

FRAGE: Maharaj, Sie sitzen hier vor mir und ich zu Ihren Füßen. Was ist der grundsätzliche Unterschied zwischen uns?

MAHARAJ: Es gibt keinen grundsätzlichen Unterschied.

FRAGE: Trotzdem muß es einen realen Unterschied geben. Ich komme zu Ihnen. Sie kommen nicht zu mir.

MAHARAJ: Weil sie glauben, dass es Unterschiede gibt, suchen sie überall nach „überlegenen“ Menschen.

........

FRAGE: Ihre Worte sind weise, Ihr Verhalten nobel, Ihre Gnade allmächtig.

MAHARAJ: Davon weiß ich überhaupt nichts, und ich sehe zwischen Ihnen und mir keine Unterschiede. Mein Leben ist ein Ablauf von Ereignissen, genauso wie Ihres. Doch ich bin unberührt und erkenne die vorübergehende Show als eine vorübergehende Show, währen Sie sich an Dinge klammern und nachjagen.

Liebe Grüße

Klaus

larrim

@Wintersun/Klaus:

Ja lieber Klaus, obigen weisen Worten kann ich nur in vollem Umfang zustimmen, denn am Ende lehren alle Meister dasselbe in unterschiedlichen Worten und Bildern vielleicht, aber in der Essenz ist die Lehre immer die Gleiche.

larrim

Guten Morgen Artreju

Vielen Dank für dein aufrichtiges Interesse.

Du stellst viele Fragen, die teilweise nicht mit einem Satz beantwortet werden können. Verzeih bitte, wenn dieser aus Zeitmangel nicht alle auf einmal zufriedenstellend beantworten kann.

Ich sehe, du hast schon einmal ausgiebig gegoogelt und versucht dich schlau zu machen und halte deine Fragen für wichtig.

Möglicherweise war es etwas unklug, mit einem Zitat meines eigenen Meisters zu beginnen, denn für jeden Menschen gibt es einen Meister oder eine Meisterin, der oder die dann gefunden werden, wenn der/die Suchende auf dem Pfad einige Fortschritte erzielt hat und bereit ist, diesen dann auch zu erkennen.

Dein Meister muss also nicht zwangsläufig der Meine sein und umgekehrt. Das sagt aber nichts über die Qualität des Meisters aus.

Yoga dreht sich maßgeblich darum, das göttliche Selbst in uns selbst zu entdecken und zu realisieren. Yoga kommt von „juj“ aus dem Sanskrit und heißt übersetzt soviel wie „wieder ans Joch schirren", „wieder anbinden“, „wieder die Einheit mit Gott und der Welt zu erkennen“.

Unser westliches Wort Religion bedeutet exakt das Gleiche.

Eine Aufteilung in Hindus, Christen, Moslems, Juden oder was auch immer wird in diesen Augen der wirklichen Bedeutung von Religion nicht gerecht. Alle Religionen sind am Ende eins. Wo aber Organisationen und Kirchen entstehen, menschelts, und aus übermäßiger Bindung an die eigene spirituelle Heimat und mangelnder Einsicht entstehen neue Konflikte, die zu sogenannten Heiligen Kriegen führen können. Dazu kommt sicher dann auch noch, dass manche sogenannte Führer der einzelnen Strömungen auf irgendwelchen Pfründen sitzen, die sie mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Über diesem Selbst liegen verschiedene Hüllen oder Schleier, welche im Yoga Koshas genannt werden.

Eine genauere Erklärung zu diesen Koshas findest du hier: https://wieneryogaschule.at/33431-2/.

Der Weg des Geistes und der Weg des Yoga gehen davon aus, dass diese Schleier uns in übermäßiger Weise an das Geschehen der materiellen Welt binden lassen.

Eben auch daran Hindu, Christ oder was auch immer zu sein.

Dort, wo der Schleier zerreißt, wird klar, in der Bibel steht tatsächlich nichts anderes als in der Bibel. Aus Unverständnis oder Avidya heraus sind wir Menschen geneigt, diese Polarisierungen, die eigentlich nicht existent sind, zu erschaffen.

Sind alle diese Koshas aufgelöst, zerrissen oder wie auch immer man es nennen mag, beginnt der Sucher zu erkennen, dass er eins ist mit dem Göttlichen in immerwährender Verbindung.

Jeder Mensch ist ein Strahl des Göttlichen, auch wenn er sich dessen oft nicht bewusst ist.

Auf dem geistigen Pfad kommt dann früher oder später das Phänomen der Kundalini, der uranfänglichen Energie der Shakti ins Spiel.

Beitrag: Kundalini Yoga

Kundalini Yoga – die Wege zur Urkraft im Menschen

Wie bei vielen Yoga Stilrichtungen üblich, betont der Name den Aspekt des Yogas, den diese Richtung vorrangig fördern will. Beim Bhakti Yoga ist dies die liebende Hingabe an Gott, beim Raja Yoga der "königliche" achtfache Yoga-Pfad, beim Jnana Yoga der eigene Intellekt (Jnana = Wissen) und beim Karma Yoga gilt es, das moralische Konto der Seele ins Plus zu bringen.

Kundalini Yoga will die Schlangenkraft am Fuße der Wirbelsäule erwecken und durch die Nadis über die einzelnen Chakren nach oben ins oberste Chakra, dem Sahasrara-Chakra, leiten, um hierdurch den Menschen zur Erleuchtung zu führen. Alle körperlichen Übungen, Mantras, Meditationen und Atemübungen im Kundalini Yoga sind auf dieses Ziel ausgerichtet.

Es gibt unterschiedliche Herangehensweise im Yoga, diese Urkraft im Menschen zu erwecken:

Hier weiterlesen

Beitrag: Kundalini und Sexuelle Kraft

Frage zum Thema Kundalini und Sexueller Kraft

Heibo fragt:

Sex usw. ist was Schönes. Ich möchte aber nicht länger ein Spielball meiner Triebe sein, sondern diese Kraft in mir halten.

Habt Ihr da ein paar gute Tipps für mich ...?

Die Antworten lauten wie folgt:

Hier weiterlesen

Hier wiederum müsste ich sehr weit ausholen, um das verständlich zu machen. Eines unserer ehemaligen Forenmitglieder, welches sich mit seiner Familie inzwischen still in den Wald zurückgezogen hat und leider im Netz nicht mehr aktiv ist, hat dazu in einem anderen Forum ein ganzer Thread gestartet, welches dieses Phänomen besser umschreibt als es diesem (mir) möglich wäre.

Nun zu deinen Fragen erst einmal in aller Knappheit. Dieser (ich) hat lange Zeit bei einem Meister Hatha und Raja Yoga studiert und tut es auch heute noch. Aber mit 49 Jahren erst fand er seinen SatGuru, und fand sich zunächst in einem heftigen Loyalitätskonflikt wieder. Nach Rücksprache mit beiden Meister wurde dann aber schnell klar, dass dieser nicht existieren muss, da manchmal ein Sucher von einem Meister zum anderen weiter gereicht wird, wenn dies seiner Entwicklung förderlich ist.

Aus einem ehemaligen Revoluzzer wird langsam ein immer demütiger werdendes Wesen, welches sich immer mehr auf die universelle Einheit in Gott besinnt. Kein wirklicher Meister würde jemals schlecht über einen anderen reden, es sei denn, es handelt sich ganz offensichtlich um einen Scharlatan, der Menschen ins Elend stürzt. Selbst dann werden die Äußerungen in aller Regel sehr vorsichtig ausfallen.

Die weiteren Antworten:

Atreju59 schrieb: Hallo Lars, ich verstehe Deine Sätze nicht. Kannst Du Deine Aussagen präzisieren. 1. Welche Verbindungen nimmst Du konkret an?

Jede Seele strebt der Gottverwirklichung entgegen, was wiederum ein Prozess ist, der sich über zahlreiche Leben hinziehen kann. Gemäß dem Karma (das wäre nun schon wieder ein eigenes Thema und würde den Rahmen hier sprengen) gibt es unterschiedliche Lern- und Entwicklungsaufgaben, die der Sucher zu bewältigen hat, um sein Karma aufzulösen und auf dem Pfad voranzuschreiten. Dieser hat lange mit dem Kriya Yoga geliebäugelt bis er zu Yogiraj Satgurunath Siddhanath fand. Tief im Herzen kam ihm dieser Meister so unendlich bekannt und vertraut vor als kenne er ihn schon seit Urzeiten, was sich im folgenden durch plötzlich in der Meditation aufsteigende Erinnerungen immer mehr bestätigt hat. Dinge klären sich, dieser spürt, wie die Gegenwart seines Meisters die eigene Entwicklung fördert und beschleunigt, ohne dabei Bindungen in dieser Welt zu zerstören. Eure erste Pflicht ist es vor allem euren Familien euren Kindern zu dienen, sagt Gurunath sehr gerne und immer wieder. Dieser könnte einfach nicht einem Meister folgen, der Familien als Hindernisse und nicht als eine weitere Gott gegebene Möglichkeit zur Entwicklung ansieht. Daher musste er als Familienvater zwangsläufig bei einem Householder Yogi landen, der selbst Frau, Kinder und Enkelkinder hat.

2. Warum kleine Seelen, gibt es auch große Seelen?
3. Wenn ja, worin bestehen die Unterschiede?

Frage 2 und 3 sind einfach beantwortet. Natürlich gibt es im Endeffekt nur die eine große universelle Seele, die im Yoga Brahman genannt wird. Aber es gibt auch das Atman, die Individual-Seele, die mit dem Bild, das dieser vom Wassertropfen und vom Ozean gab. Wir sind auf der weltlichen Ebene die Wassertropfen, auf der geistigen Ebene gleichzeitig jedoch der ganze Ozean. Ist das nicht wundervoll?

Kleine Seele ist nicht weiter als der zaghafte Versuch zu umschreiben, dass eine Seele noch nicht vollständig im Großen und Ganzen, in Brahman oder in Gott aufgegangen ist. Der indische Ausdruck „Mahatma“ bedeutet übersetzt große Seele. Derjenige, der wirklich voll und ganz mit dem Göttlichen verschmilzt, wird daher oft als große Seele bezeichnet.

Aber: Das hat nur modellhaften Charakter. Letzten Endes sind wir alle auf der seelischen inneren Ebene in einer permanenten Verbindung, Beziehung und Wechselwirkung. Meister wie Schüler sind eins. Die Trennung, die äußerlich erscheint, ist eine Illusion, die es zu transzendieren gilt. Der Meister ist der klare Spiegel der eigenen Möglichkeiten, der dem Schüler einige Erkenntnisschritte voraus ist. Nicht mehr und nicht weniger.

4. Welche Ahnung meinst Du?

Hier müsstet du diesem bitte noch eimal einen konkreteren Hinweis geben, worauf du dich beziehst.

5. Wie ist es möglich, dass Yogiraj Gurunath Siddhanath bereits mit 3 Jahren erleuchtete Zustände hatte oder anders gefragt: glaubst Du daran? Für andere Menschen reicht ein ganzes langes Leben nicht dazu. Hat das mit Karma zu tun?

Diese Frage ist verständlich, wurde aber schon beantwortet. In aller Kürze noch eimnmal: Die Seele reist von Inkarnation zu Inkarnation der vollständigen Erleuchtung entgegen. Mit der Erleuchtung ist eigentlich das Karma erlöst und eine neue Wiedergeburt nicht mehr erforderlich. Manche Seelen stellen sich jedoch der Herausforderung, dennoch wiederzukehren, um der Menschheit als einem Ausdruck ihres inneren göttlichen selbst auf dem Pfad behilflich zu sein. Yogiraj SatGurunath Siddhanath brachte also infolge der intensiven Sadhana (spirituelle Praxis) aus seinen Vorleben bereits vieles mit. So sind seine spontanen Medtitationserfahrungungen im zarten Alter von 3 Jahren erklärbar. Ja, ich stand dem ganzen auch sehr lange sehr, sehr skeptisch gegenüber, inzwischen ist für mich innerlich zu einem Fakt geworden, ohne dass ich ganz konkret sagen könnte, wieso.

Haben wir also in unseren Vorleben einen großen Teil des Karmas erlöst, kommt so etwas zustande. Die Buddhisten haben das schöne Bild des Bodhisattva, eines Menschen, der Befreiung erlangt hat, aber aus Mitgefühl in die Welt zurückkehrt, was er eigentlich nicht müsste, um anderen zu helfen, ihren Weg zur Verwirklichung und Erleuchtung zu finden. Gurunath ist so ein Meister. Beim erneuten Lesen wird klar, dass hiermit Frage 10 ebenfalls beantwortet ist. Wenn nicht, frag nochmal nach.

6. Auf verschiedenen Seiten wird er als Großmeister genannt. Ist ein Großmeister mehr erleuchtet als ein Meister? Er wird sogar als Heiligkeit bezeichnet. Schüler, Lehrer, Meister, Großmeister, Heiligkeit …das klingt sehr hierarchisch. Sind vor Gott nicht alle Menschen gleich?

Ja, eindeutig, vor Gott, in Gott und mit Gott sind alle Menschen gleich. Wie aber aus dem schon zitierten Thema von Woherwig deutlich wird, gibt es Abstufungen der Meisterschaft. Ein Großmeister ist etwas weiter entwickelt als ein verwirklichter (einfacher Meister), und somit kann er eben Menschen, die den ersten Grad der Meisterschaft erlangt haben, weiter führen und vor den Gefahren eines aufgeblähten Egos, vor der daraus resultierenden Gefahr der Überheblichkeit zu bewahren.

Die Beweihräucherung entsteht in erster Linie aus dem noch nicht vollständigen Verständnis einiger seiner Schüler. Natürlich verspürt auch dieser einen tiefen, unermesslichen Respekt und grenzenlose Liebe vor demjenigen, der so viele Klippen, an dem das Schiff dieses Schreibers immer noch auf Grund läuft, gemeistert und überwunden hat und keine Mühen scheut, auch einen einst ungläubigen Thomas wie diesem auf dem Weg zu führen, indem er ihm immer wieder den Spiegel vorhält.
In seiner grenzenlosen Liebe führt der Meister alle seine Schüler zu Gott, anstatt sich selbst aus diesem weltlichen Leben ganz zurückzuziehen

7. Ist es nicht so, dass solche Menschen, die bestimmt auch eine außergewöhnliche Ausstrahlung besitzen, durch ihre Anhänger, Bewunderer, Verehrer dazu emporgehoben werden? Wäre es nicht richtig wenn dann diese besonderen Menschen ihren Schülern ganz eindeutig sagen würden, dass sie das nicht sind…Heiligkeit!?

So ist es. In Indien sagte Gurunath mehrfach "Bleibt sitzen", ich möchte nicht, dass ihr alle aufsteht, ich möchte nicht, dass ihr euch vor mir in den Staub werft. Andererseits macht er deutlich, dass es noch viele Dinge gibt, die wir von ihm lernen können und dafür empfindet dieser tiefsten Respekt und Liebe zum Meister. Seine Heiligkeit ist unsere Heiligkeit. Der kleine Unterschied ist: er ist sich dessen bewusst und wir als seine Schüler eben nicht, oder nicht immer, nicht vollständig

8. Sind Meister oder Großmeister, jetzt nutze ich mal einige Deiner Worte aus einem zeitnahen anderen Thread, größere, bessere, nützlichere, wertvollere Tropfen im ganzen großen Ozean des Lebens? Du schreibst „Der Wassertropfen ist der Ozean.“ Jeder von uns ist ein Wassertropfen. Bin ich dann nicht auch Yogiraj Gurunath Siddhanath und ist er gleichzeitig nicht auch ich? Im großen Ozean vermischt sich alles zu einer homogenen Ganzen ...

Nein weder Meister noch Großmeister unterscheiden sich in ihrer inneren Essens vom normal sterblichen Menschen. Der Normalo ;) ist sich aber dieser inneren Essenz nicht bewusst und verstrickt sich immer wieder im Geschehen der äußeren Welt, wie es von Patanjali im Kapitel über die leidvollen Spannung (Kleshas) so vortrefflich beschrieben wird. Mehr zu den Kleshas hier: https://www.yoga-welten.de/sutras/kapitel-2/sutre-12.htm

Beitrag: Yoga Sutra II-12: Die Kleshas sind [somit] die Wurzel für das gespeicherte Karma. Es wird im sichtbaren [gegenwärtigen] oder in nicht sichtbaren [zukünftigen Leben] erfahren werden.

wurzel moos o 250Klesha-mûlah karmâshayo drishtâ-adrishta-janma-vedanîyah
क्लेशमूलः कर्माशयो दृष्टादृष्टजन्मवेदनीयः

Karma und Reinkarnation sind das Fundament der Yoga-Philosophie sowie der anderen indischen Religionen. Auch Patanjali gründet im Yogasutra ganz selbstverständlich auf diesen beiden Vorstellungen vom Leben und seinen Gesetzen. Sutra II-12 ist dem Zusammenhang Klesha – Karma gewidmet.

Schauen wir im Folgenden einmal genauer hin, wie aus den leidvollen Zuständen unser zukünftiges Leben beeinflusst wird. Und natürlich, wie wir es auf Basis dieser Prinzipien besser haben könnten. Oder – das eigentliche Yoga-Ziel – wie wir alle Einflussnahme auf uns beenden.

Hier weiterlesen

9. Warum sind mir die Einsichten eines Yogiraj Gurunath Siddhanath nicht direkt zugänglich? Liegt das an mir weil ich offensichtlich zu einem Meister aufschauen möchte, seinen Weg bewundere und ihn, seinen Weg, gehen möchte und nicht meinen eigenen Weg? Begeben sich nicht viele Yoga-Praktizierenden in eine Art Abhängigkeit von solchen Meistern, ohne es direkt zu wollen?

Diese Gefahr besteht sicherlich und stellt eine der Fallen auf dem Pfad dar. Geben wir die Verantwortung für unsere Entwicklung ab, suchen wir einen spirituellen Ersatzpapa, dann wirds schwierig. Aber indem dieser seinen Guru ansieht, wird ihm immer wieder bewußt, wohin die Reise geht, was es zu verwirklichen gilt.

10. Du schreibst weiter „Zum Auftakt stelle ich hier zwei Zitate meines Meisters ein“. Wieso schreibst Du das, warum ist gerade dieser, Dein Meister, der richtige für Dich? Was unterscheidet ihn von anderen Meistern. Gibt es unterschiedliche Arten, Stadien der Erleuchtung? Meine Frage wirken auf Dich sicher naiv, sind aber ehrlich geschrieben.

Deine Aufrichtigkeit spüre ich aus deinen Zeilen. Und nein, naiv sind sie sicher nicht, weil in dieser Welt viel zu viele Menschen Meisterschaft vorschützen, Menschen benutzen und ausbeuten, bei denen es sich um nichts weiter als bedauernswerterweise verirrte Seelen auf dem Pfad handelt. Sowas geistert dann durch die Medien und lässt ein völlig falsches Bild einer wirklichen Meister-Schüler-Beziehung entstehen. Trifft ein Sucher seinen Meister, dann wird er das aus tiefstem Herzen spüren und so ist es diesem geschehen, weil er merkt, dass so vieles in seiner Sadhana und in seiner Liebe zu Gott durch die Führung des Meisters so unendlich vertieft hat.

LG Lars

PS: Glaubt nichts, was dieser geschrieben hat, sondern überprüft in eurem Leben, ob es für euch eine Bedeutung hat, ansonsten sind es nur die Worte eine vor Liebe zu Gott brennenden und trunkenen Idioten.

PPS: Schön, dass wir nun in diesem Thread anfangen, wirklich Yoga zu machen. Dieser empfindet das als wesentlich fruchtbarer, als über andere herzuziehen und sich in der Schlechtigkeit der Welt zu verlieren. Vieles von dem, was dieser oben schrieb, wird sicher von anderen kontrovers gesehen. Ich hoffe hier äußern sich noch mehr Menschen, so dass wir gemeinsam die Einheit der unterschiedlichen Meinungen erforschen und verwirklichen können anstatt und uns im Zwiespalt der Meinungen zu verlieren und wieder anfangen, miteinander zu kämpfen.

Atreju59

Hallo Lars, hallo Klaus,  

vielen Dank für Eure ausführlichen und verständnisvollen Antworten und ... puuh ...

Ich habe die Antworten jetzt einmal gelesen und werde sie wohl noch einmal oder auch zweimal lesen müssen bis ich sie einordnen kann. Aber bereits jetzt kann ich schreiben, dass mir das bis hierhin sehr hilfreich ist, meinen Weg anzufangen. Später, wenn ich durch die Antworten etwas besser „durchblicken“ kann, werde ich weiter dazu schreiben.

Vielen Dank nochmal.

LG
Dieter

larrim

Namaste Dieter, Dank ist nicht nötig.

Der geistige Pfad Teil 2 - Prüfungen auf dem Weg

Immer wieder wird der Mensch auf seinem Wege geprüft, durch schwer durchschaubare Verwicklungen im täglichen Leben. Durch Provokationen und Reaktionen darauf, wie wir es zurzeit auch in diesem Forum erleben. Die Frage, die sich uns Menschenkindern dabei immer wieder stellt, ist: „Können wir dennoch in Verbindung bleiben mit dem Einen, Namenlosen, über das nichts gesagt werden kann?“

Können wir uns selbst und anderen für alles verursachte Leid verzeihen und alles an die höchste Instanz abgeben.

Der geistige Pfad führt den Suchenden mitten durch die Niederungen der äußeren Welt, weil es eben nicht um einen totalen Rückzug daraus geht, sondern mitten im Leben verbunden zu sein mit Gott, ohne jedoch den äußeren Umständen und/oder Menschen in unserem Umfeld verhaftet zu sein.

Dies mag eine der schwierigsten Lektionen im Leben eines Suchers sein.

Es mag der Punkt kommen, an welchem dem Suchenden bewusstwerden, wie viel Leid er mit seinen unbedachten Handlungen, Worten und mit seiner grenzenlosen Gier nach Sensationen in dieser Welt verursacht hat. All das, was dem Suchenden als sogenannte Liebe erschienen sein mag, erscheint nun in einem völlig anderen Licht, wenn ihm oder ihr bewusst wird, wie sehr seine Handlungen und Emotionen von der eigenen Selbstsucht gesteuert waren.

Hier eröffnet sich die Tür zum Reich der grenzenlosen und bedingungslosen Liebe für alles, was in dieser Schöpfung existiert, wenn er den größten Schritt vollzieht und unbeirrt mit seiner Sadhana fortfährt: In grenzenlosem Vertrauen darauf, dass auch diese Prüfungen ihm letzten Endes dienen werden, auf dem Pfad voranzukommen, dass er immer geführt wird von dem Einen, dem Namenlosen und das es gilt sich diesem ganz und gar hinzugeben, um irgendwann vielleicht vollständig in ihm aufzugehen.

Sei in der Welt, aber sei nicht von dieser Welt.

Licht und LIebe
Lars

Ramananda

Teil 1 meines Beitrags zum Thema »der geistige Pfad«:

larrim schrieb: "»Yoga is Moksha!« »The only purpose of man is to seek God!« Beides beschreibt die eigentliche Ausrichtung des Yoga, die nur leider heute nicht mehr überall gelehrt wird. Dennoch verspüren immer mehr Menschen eine tiefe Sehnsucht nach der Verwirklichung des inneren göttlichen Selbst."

Damit ist man bei der in Indien seit Jahrtausenden gestellten Frage:

BHOGA oder YOGA ?

Zur Klärung:

Yoga (von yuj = anjochen, verbinden, befestigen) ist »die Vereinigung, das Verbinden« des begrenzten individuellen Bewusstseins (»Seele, Selbst«) mit dem grenzenlosen, alldurchdringenden Meer des Bewusstseins (»Gott«, Brahman). Es ist das Sanskritwort für das lateinische Religion (re = wieder …, zurück…; ligare = binden, vereinigen, zusammenpassen). Der Zustand der Vereinigung (das Ziel) und die Arbeit, die dahin führt (der Weg) – beides wird Yoga genannt. Damit ist klar: Yoga ist der Weg nach oben, zur Erlösung und Freiheit (Moksha).

Bhoga (von bhuj = essen, verzehren, genießen) ist »Essen, Genuss, Sinnenfreude, Lust« und hat in der Philosophie des Yoga unmissverständlich die Bedeutung Genuss der Welt, die Freuden der Sinne. Und auch damit ist klar:

Bhoga ist der Weg nach unten, zu den karmischen Verstrickungen, zum »Ich« und »Mein«, zur Welt des Leidens.

Nun sagen viele Menschen: Was kann denn am Genuss der Sinne so schlimm sein? Aber von Yogameistern ist der markante Satz zu hören: Sinnesgenüsse und wahres (!) Glück sind einander entgegengesetzt.

Die Bhagavad-Gita enthält zahlreiche Verse dazu:

(aus dem 2. Gesang:) »Wenn ein Mensch an die Sinnesobjekte denkt, entsteht der Hang zu ihnen. Aus dem Hang entsteht Begierde … Die erregten Sinne reißen selbst den Geist eines verständigen Menschen gewaltsam an sich … Diese Sinne alle beherrschend möge er dasitzen, mir als dem Höchsten hingegeben. Wahrlich, wer die Sinne in seiner Gewalt hat, dessen Weisheit ist feststehend … Für den Unbeherrschten gib es keine Einsicht, und keine (Kraft der) Verinnerlichung. Für den Nichtmeditierenden gibt es keinen Frieden. Woher aber soll das Glück kommen für den, der keinen Frieden hat? … Der Mensch, der alle Begierden aufgibt, der ohne Verlangen nach Genuss und Macht lebt, ohne den Gedanken an das Ich und Mein – er erlangt den Frieden.«

Bhoga ist nach einem solchen Verständnis der verkehrte Weg und entfernt den Menschen von seiner eigentlichen Bestimmung, vom wahren Sinn des Lebens.

So sagt die Bhagavad-Gita weiter:

(3, 16:) »Wer hier auf Erden diesem so in Bewegung gesetzten Rad nicht folgt, wer ein Leben in Sünde führt und nur in den Sinnen Freude findet – er lebt vergeblich, o Arjuna!«

Bhoga oder Yoga? Das war Teil 1 meines Beitrags zu diesem Thema.

Teil 2 wird sein: Die Erkenntnis, daß Bhoga, die Welt, Leiden bedeutet.

Sarvamangalam!

Den Teil 2 findest du weiter unten.

Wintersun

Was kann denn am Genuß der Sinne so schlimm sein?

Hi zusammen, hi Ramananda,

die Antwort auf diese Frage ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Mir fällt auf, das da (Bhagavad-Gita) steht: "Wenn ein Mensch an die Sinnesobjekte denkt, entsteht der Hang zu ihnen. Aus dem Hang entsteht Begierde …"

Das hat für mich nichts mit dem Genuss der Sinne zu tun. (Ich verstehe: Genuss der Sinne – mit den Sinnen genießen – etwa den Geschmack des Apfels, den Anblick von etwas Schönem .....)

Hier geht es um Begierde und Abhängigkeit. Und um das Denken, nicht um das Wahrnehmen und Fühlen.

Und weiter unten fällt mir das Wörtchen nur auf: "... wer ein Leben in Sünde führt und nur in den Sinnen Freude findet – er lebt vergeblich, o Arjuna."

Für mich das Ganze noch nicht so durchschaubar, wenn ich mit meinem Denken daran gehe.

Für mich ist das Wesentliche, nicht abhängig von bestimmten Dingen zu sein und dass ich lerne, nichts festzuhalten. Das schließt für mich das Genießen nicht aus.

Ehrlich gesagt, oft genieße ich die Körperübungen, finde die Öffnungen und Dehnungen sehr angenehm. (Was nicht bedeutet, das ich dem Unangenehmen immer aus dem Weg gehe.)

Liebe Grüße Klaus

Ramananda

Wintersun schrieb: "… Das schließt für mich das Genießen nicht aus. Ehrlich gesagt, oft genieße ich die Körperübungen, finde die Öffnungen und Dehnungen sehr angenehm. (Was nicht bedeutet, dass ich dem Unangenehmen immer aus dem Weg gehe.)"

Lieber Klaus,

das wäre ja auch ein Missverständnis. Der Yoga gibt zum Beispiel den gesundheitlichen Ratschlag, die Speisen sorgfältig zu kauen, den Geschmack wahrzunehmen, zu genießen = das fördert die Verdauung und die Aufnahme des Prana aus den genossenen Speisen.

Und mit der Kritik an »Bhoga« ist gewiß nicht gemeint, dass man die Wirkungen der Asanas nicht genießen dürfte!

Ähnlich gilt es für das »Genießen« eines Bhajans, denn je hingebungsvoller, je konzentrierter man singt oder zuhört, desto intensiver die sattvische, reinigende und erhebende Wirkung von Musik und Text auf den Geist.

Es ist wie mit den Wünschen. Der Yoga sagt: Gib zuerst die schlechten Wünsche auf (damit ist man dann ja wohl ein ganzes Leben lang beschäftigt …) und pflege die guten; am Ende aber musst du auch die guten Wünsche aufgeben, denn nur der absolut wunschlose Geist kann in den Nirvikalpa Samadhi eintauchen.

Schließlich:

Wenn Du sagst »Für mich ist das Wesentliche, nicht abhängig von bestimmten Dingen zu sein und dass ich lerne, nichts festzuhalten« – dann hast Du doch verstanden, worum es hier geht.

Allerdings, fast überflüssig zu erwähnen: »nicht abhängig … zu sein« – das ist eine außerordentlich große, außerordentlich edle, außerordentlich schwierige, ja die schwierigste von allen körperlichen und geistigen Haltungen oder Disziplinen.

Wintersun

Ramananda schrieb: "Es ist wie mit den Wünschen. Der Yoga sagt: Gib zuerst die schlechten Wünsche auf (damit ist man dann ja wohl ein ganzes Leben lang beschäftigt …) und pflege die guten; am Ende aber musst du auch die guten Wünsche aufgeben, denn nur der absolut wunschlose Geist kann in den Nirvikalpa Samadhi eintauchen."

Hallo Ramananda,

danke für deine Antwort. Damit kann ich etwas anfangen.

Eine schönes Wochenende

Klaus

Ramananda

Teil 2 meines Beitrags zum Thema »der geistige Pfad«:

Die unsterblichen Worte, die der Buddha nach dem Erreichen der Erleuchtung zu seinen ersten Schülern sprach, sind bekanntlich:

»Das Leben ist Leiden. Geburt ist Leid, Altern ist Leid, Tod ist Leid; Kummer, Schmerz, Verzweiflung sind Leid. Mit Unliebem vereint zu sein ist Leid. Von Liebem getrennt zu sein ist Leid. Nicht erlangen zu können, was man wünscht, ist Leid …«

Und die zweite der »vier edlen Wahrheiten« des Buddhas lautet:

Die Ursache des Leidens ist das Begehren, das Verlangen; der Durst nach dem Werden, der Durst nach Befriedigung der Sinne …

Die dritte Wahrheit ist: Es ist möglich, das Leiden zu überwinden. Durch das Erlöschen der Ursache erlischt das Leiden.

Die vierte Wahrheit: Es gibt einen Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt: rechtes Verstehen, rechte Entschlossenheit, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechte Lebensgestaltung, rechtes Bemühen, rechte Achtsamkeit, rechte Sammlung (Konzentration).

Es ist schwieriger als man zunächst glauben mag zu erkennen, dass Bhoga, der »Genuss der Welt«, der verkehrte Weg ist, sondern vielmehr der Weg des Leidens, der Weg zur Abkehr vom wahren Sinn des Lebens. Dazu ein Auszug aus einer leider vergriffenen Schrift von Georg Grimm (Der Samsaro. Die Weltenirrfahrt der Wesen. ©1960 Lebensweiser-Verlag, Büdingen-Gettenbach):

Aber wem stellt sich das so dar? Ja, wer ist auch nur fähig, das einzusehen? Vielleicht ab und zu einer im Laufe der Jahrhunderte, wie solch einer unser deutscher Mystiker, Jacob Boehme war, der (…) schrieb: »Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, all den Schmerz zu beschreiben.«

Wie außerordentlich selten es ist, wenn einmal einer die erste der vier hohen Wahrheiten wirklich begreift, bestätigt der Buddha selber – so wird im Samyutta-Nikaya V, 453 berichtet:

»Der Erhabene fragte den (Mönch) Ananda: Wie denkst du darüber, Ananda, was ist wohl schwieriger auszuführen: aus weiter Entfernung einen Pfeil nach einem Schlüsselloch zu richten und ihn Schuss um Schuss durchzubringen, ohne zu fehlen, oder eines hundertmal gespaltenen Haares Spitze mit einer solchen Spitze zu treffen? Ananda erwiderte: Das wäre wohl, o Herr, noch viel schwieriger auszuführen, eines hundertmal gespaltenen Haares Spitze mit einer solchen Spitze zu treffen. Der Buddha: Und doch haben, Ananda, noch schwieriger zu Treffendes jene getroffen, die ›Das ist das Leiden‹ wirklich durchdringen …«

Ein oft geäußerter Vorwurf im Westen lautet, die Botschaft des Buddhas und auch jene der Upanishaden, des Yoga seien wegen der Betonung des Leidens zutiefst pessimistisch. Dieser Vorwurf ist natürlich unberechtigt und zeugt von mangelnder Einsicht. Denn es heißt ja:

Es ist möglich, das Leiden zu überwinden; es gibt einen Weg zur Aufhebung des Leidens.

Klarer kann man es nicht sagen, und es bedarf schlicht einer Portion guten Willens, um erstens zu dieser Einsicht zu kommen und um sich zweitens auf den Weg zu machen.

Ein Auszug aus den »Heilwirkungen des Yoga«: "Als einziges Lebewesen ist der Mensch fähig, seine Wünsche zu bestimmen, seine Gedanken zu formen, sein Ziel zu definieren – sein Schicksal zu ändern. Nötig ist dazu nur eines: der gute Wille. Alles andere folgt von selbst.

»Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind (et pax … hominibus bonae voluntatis)«, so klingt in der lateinischen Bibel die Verkündigung der Engel zu Jesu Geburt; der Autor hält dies für die wahre Lesart. Die Herabkunft Gottes bringt gewiss nicht der Menschheit den Frieden (man lese im Evangelium, wie es weiterging), sondern nur jenen wenigen, die an diesen »Sohn Gottes« (wie immer man dies verstehen will), an seine Botschaft glauben: die Menschen guten Willens, »die sich Bemühenden«, wie es in der Bhagavadgita heißt. Jemand mag sich für noch so schwach halten, für einen noch so großen Sünder – der Beginn jeder Besserung ist ausnahmslos der gute Wille zur Umkehr. Bereits die Worte: »Herr, gib mir die Kraft, gut zu sein« setzen den guten Willen voraus, diese Bitte auszusprechen. [©HelmuthMaldoner]"

Teil 3 wird vom geistigen Pfad handeln, und Teil 4 von der Notwendigkeit eines geistigen Führers (eines Gurus), um diesen Weg sicher und geradeaus bis zum Ziel gehen zu können. Siehe dazu weiter unten.

Sarvamangalam!

Tulsi

Sarvam Dukham (Alles ist Leid) – das ist die Grundlage zu vielen Lehren, die da sagen: nur außerhalb der Welt liegt das wahre, dauerhafte Glück. Wozu aber ist die Welt, das Leben dann da? Und weshalb haben wir alle fest in uns eingepflanzt die Fähigkeit zur puren Freude eben über unser Da-Sein?

„Das Wunder ist nicht, über das Wasser zu gehen, das Wunder ist, auf dieser grünen Erde zu gehen“ sagt der verehrte Meister Thich Nhat Han.

Und wenn ich ein Kind sehe, das auf dem Weg nach Irgendwo trällernd stillvergnügt vor sich hin hüpft, kann ich nicht erkennen, dass alles Dasein Leid ist – im Gegenteil. Vielleicht ist es ja unsere Aufgabe, mit dem, was uns gegeben ist, endlich adäquat umzugehen, und die Freude zu vermehren? Hier und Jetzt.

„Wer Gott sucht, der findet Freude“ sagte Augustinus (den ich nur teilweise schätze, weil er wohl auch ein ziemlicher Frauenfeind war...). 

Niemand weiß, wie Gott wirklich ist, aber diese Freude, unabhängig von allem, was ich weiß, was ich bin, was ich kann oder habe, die schiere Freude über Aham-Sah - ich bin DA(s) – das könnte es sein. Auch und gerade in dieser Welt, denn sie ist wunderbar.

Herzliche Grüße!
Tulsi

Ramananda

Liebe Tulsi,

einige Anmerkungen zu Deinen Sätzen:

"Alles ist Leid – das ist die Grundlage vieler Lehren …"
Ja, und das müsste zu denken geben; besonders deshalb, weil es sich um die höchsten Lehren, um die Worte der größten Erleuchteten handelt. Ich weiß nicht, wie Du das siehst, aber wenn ich wählen müsste zwischen Thich Nhat Han und dem Buddha selbst, zwischen Augustinus und Yajnavalkya, zwischen »Meister« XY und Shri Patanjali, dann zögere ich keine Millisekunde hier Stellung zu beziehen.

"... die da sagen: nur außerhalb der Welt liegt das wahre, dauerhafte Glück."
Es handelt sich um ein klassisches Missverständnis, oder um eine mehr christliche Sicht der Dinge. Die Erleuchteten Indiens sprachen nie von »einer anderen« Welt, in der man dann glücklich ist. Sie machten klar, was Swami Narayanananda mit einem markanten Satz formulierte: »The universe is only a projection of your mind. As you think that you become.« (übersetzt: Das Universum ist nur eine Projektion deines Geistes. Wie du denkst, so wirst du.)

Und in der Maitri-Upanishad lesen wir die unsterblichen Worte: »Der eigene Geist, wahrlich, ist der Samsara; ihn zu reinigen soll man sich bemühen. So wie man denkt, so wird man, das ist das ewige Geheimnis! So lange muss der Geist im Inneren stillgelegt werden, bis er zum Untergang gegangen ist; das ist die Erkenntnis, das ist die Freiheit! Alles andere sind nur unnütze Worte.«

"Wozu aber ist die Welt, das Leben dann da?"
Die Welt ist nach den Aussagen der Erleuchteten nichts weiter als das Ergebnis von Nichtwissen und Verblendung. Alles andere sind die vorhin erwähnten menschlichen Projektionen. Auf die Frage eines Schülers »Has the world any meaning?« antwortete Swami Narayanananda: »Which meaning do you want?« Und dann war Schweigen. Mit den Worten der Bibel könnte man dazu sagen: Wer es fassen kann, der fasse es.

"Und weshalb haben wir alle fest in uns eingepflanzt die Fähigkeit zur puren Freude eben über unser Da-Sein?"
Weil in unserem Innersten das Wissen über unseren Ursprung, über das Eins-Sein mit dem alldurchdringenden Bewusstsein immer da ist. Man vergleicht dies mit folgendem Bild: Ein Kind hat sich von zuhause entfernt und ist in den Wald gelaufen. Begeistert von all den schönen Dingen, die es sieht, dringt es immer tiefer in den Wald ein. Am Ende, es wird langsam dunkel und das Kind ist hungrig, will es nach Hause zurück. Es weiß aber nicht mehr wohin, es hat sich verlaufen. Und so schreit es nach der Mutter, weint bitterlich und gerät in Panik. Es weiß ja: Ich HABE ein Zuhause, in dem ich glücklich bin. Aber es weiß nicht mehr, wo dieses Zuhause ist …

"Niemand weiß, wie Gott wirklich ist …"
Kleiner Widerspruch. Da Gott »das Subjekt aller Subjekte« ist, kann Er nicht objektiviert, nicht äußerlich »erkannt« werden. Auf der anderen Seite, sagt Swami Narayanananda, ist uns Gott mehr als bekannt: »God is your innermost being. Your very Consciousness is called God.« (übersetzt: "Gott ist dein innerstes Wesen. Dein eigenes Bewusstsein wird Gott genannt.")

Wobei es zur Vermeidung von Mißverständnissen zu unterscheiden gilt: Der unreine Geist (das Ego) ist NICHT dieses Bewusstsein, wie wir unter anderem aus der Bhagavad-Gita erfahren: »Man erhebe sich durch seinen Geist; nicht erniedrige man sich selbst! Für den, der sich selbst durch den Geist besiegt hat, ist der Geist ein Freund. Wer aber den Geist nicht beherrscht, dessen Geist handelt in Feindschaft wie ein Feind. Wer den Geist besiegt hat und zur Ruhe gekommen ist, der ist ganz gesammelt im höchsten Atman, daher hat er Frieden in Kälte und Hitze, in Freude und Leid, in Ehre und Schande.«

Die indischen Erleuchteten unterschieden also konsequent den Geist (Ego, Intellekt, Emotionen, Wille) vom Atman, vom wahren Selbst. Dieses Selbst gilt es zu finden, so wie das vorhin erwähnte Kind sein Zuhause wiederfinden muss. Und solange die Lebewesen dieses Selbst nicht wiedergefunden haben, so lange leiden sie.

"... aber diese Freude … das könnte es sein. Auch und gerade in dieser Welt, denn sie ist wunderbar."
Ja, so könnte man die Welt sehen. Ich sehe sie allerdings mit den Worten des Buddhas, des Patanjali, des Shankaracharya … und mit den Worten der Bhagavad-Gita, wo Shri Krishna zu Arjuna sagt:
»Nimm deine Zuflucht zu mir, nachdem du
in diese vergängliche, unglückliche Welt
gekommen bist!«

"Die Welt ist wunderbar."
Vielleicht sollte man einfach, wie in vielen Schriften empfohlen wird, genauer hinschauen? Ein geistiger Riese wie Shri Patanjali hat dies getan:

Yoga Sutra II-15: Für jemanden mit Unterscheidungsfähigkeit ist alles in dieser Welt leidvoll; das liegt an der Vergänglichkeit, unserem Verlangen, den unbewussten Prägungen und an der Wechselhaftigkeit der Natur

Zur Sutra

Wintersun

Ramananda schreibt in Yoga und Karma: "Ich habe in sogenannten Studiengruppen öfters den Einwand hören müssen: »Leid« – das muss man erst einmal definieren. Meine Antwort an die betreffende Person war dann jedes Mal dieselbe: »Bist Du schon so weit von der Wirklichkeit weg, dass Du nicht mehr weißt, was Leiden bedeutet? Es geht hier nicht um Philosophie, sondern um die GRUNDERFAHRUNG aller Lebewesen. Jedes Kleinkind weiß, was Leid ist. Was gibt es da zu definieren?«

Die alten Meister, die wahren Erleuchteten, haben es in unübertroffener EINFACHHEIT erklärt. Zum Beispiel der Buddha:

»Leben ist Leid. Geburt ist Leid; Krankheit ist Leid; Altern ist Leid; Tod ist Leid. Mit Unliebem vereint zu sein, ist Leid. Von Liebem getrennt zu sein, ist Leid.« 

Alles ist Leid – das ist die Grundlage vieler Lehren …"

Hi zusammen,

Eine Grundlage, die ich noch nicht verstanden habe.

Beim Lesen kam als Erstes bei mir die Frage: Wie ist Leid definiert?

Ich höre gerade ein Hörbuch, in dem u. a. von schwer kranken Menschen erzählt wird, Menschen, die ihre Krankheit annehmen können und die durch ihr Sein andere gesunde Menschen inspirieren. Dann wird Leid doch subjektiv erfahren. Nehmen wir mal den Tod. Wieso ist der Tod, das Sterben zwangsläufig Leid? Klar, manchmal leiden wir an einer Krankheit, daran, dass wir alt werden ... Aber nicht alle Menschen empfinden gleich.

Ramananda

Wintersun schrieb: "Beim Lesen kam als erstes bei mir die Frage: Wie ist Leid definiert?"

Lieber Klaus,

ich bemühe mich ja, so eine Aussage zu verstehen. Aber ich verstehe sie einfach nicht.

Wintersun

Lieber Ramananda,

im Wiki ist es so definiert: "Leid ist eine Grunderfahrung und bezeichnet als Sammelbegriff all dasjenige, was einen Menschen körperlich und seelisch belastet. Unter anderem werden die Nichterfüllung von Bedürfnissen, Hoffnungen und Erwartungen, der Verlust von nahestehenden Individuen, die Trennung von sozialen Gruppen, äußere Zwänge und Begrenztheiten, Alter, Krankheit, Tod und Schmerzen als Leid empfunden. Leid ist immer subjektiv. Was tatsächlich als Leid empfunden wird, hängt vom Individuum ab, also von eigenen Erfahrungen und Einstellungen." (https://de.wikipedia.org/wiki/Leid)

Und wenn ich dann lese „Alles ist Leid“ verstehe ich nicht. Das macht für mich keinen Sinn. Es sei denn, Leid ist anders definiert und beruht nicht auf den Einstellungen und Erfahrungen des Individuums.

Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Liebe Grüße

Klaus

Tulsi

Sorry, wenn es wie ein Widerspruch erscheint ... ich sehe es so: Ich lebe in dieser Welt der ständigen Wandlung, in diesem vergänglichen Körper, ich stehe mit beiden Beinen mitten im Leben, aber ich kann es nicht glauben, dass das wahre Glück nur außerhalb dieser Welt zu finden ist.

Ganz klar: wenn ich mich anklammere, wenn ich versuche, festzuhalten, wenn ich nicht mit Werden und Vergehen einverstanden bin – dann entsteht Leid. Aber das muss nicht sein. Ist denn das Göttliche nicht allgegenwärtig? Also auch IN dieser Welt?

Ich weiß, die orthodoxen Schulen gehen den Weg der Entsagung, weil alles nur Schein und Traum, nur Maya ist. Aber mit der tantrischen Epoche fand in meinen Augen eine Weiterentwicklung statt (oder eine Rückbesinnung auf ganz alte, vorarische Anschauungen ...), weg vom Neti-Neti (dies ist es nicht und das auch nicht), hin zum Iti-Iti (Dies ist es und Das auch), da können wir nun trefflich diskutieren über die feinen Unterschiede zwischen Deismus, Theismus und Pantheismus ... aber wofür?

So ist zum Beispiel der Kashmir Shaivismus eine durchaus der Welt zugewandte, lebensbejahende Philosophie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Frau, Mutter, Großmutter bin, auf einem Bauernhof mit vielen Tieren lebe, dass mir so eine Schule mehr liegt, als der Vedanta, von dem manche Spötter sogar sagen: „Es ist ein guter Weg zu Sterben.“

Mein Weg ist nicht die Abkehr von der Welt, sondern die Verankerung in meiner Mitte, in der das Ewige, Unveränderliche, Göttliche genauso vorhanden ist, wie im Außen und überall.

@Ramananda: kann es sein, dass Du Thich Nhat Han nicht kennst? Ein „Meister XY“ ist er nun wirklich nicht, ganz im Gegenteil, sei vorsichtig.

@Klaus: wunderbar, dieses Totenritual – wo ist das?

Herzliche Grüße!
Tulsi

Wintersun

@Klaus: wunderbar, dieses Totenritual - wo ist das?

Liebe Tulsi,
aus dem wunderbaren Film Akira Kurosawas Träume. https://de.wikipedia.org/wiki/Akira_Kurosawas_Tr%C3%A4ume

Liebe Grüße Klaus

Ramananda

Tulsi schrieb: @Ramananda: kann es sein, dass Du Thich Nhat Han nicht kennst? Ein „Meister XY“ ist er nun wirklich nicht, ganz im Gegenteil, sei vorsichtig.

Liebe Tulsi,

Du ermahnst mich, vorsichtig zu sein. Und ich müsste Dich bitten, meine Zeilen genauer zu lesen ... Ich schrieb in einem Halbsatz: ThichNhat Han oder der originale Buddha, und dann bevorzuge (!) ich den Buddha. Im nächsten Halbsatz schrieb ich: Meister XY oder Patanjali, und dann bevorzuge ich Patanjali. Ist doch nicht so schwer zu verstehen.

Avadhuta

Tulsi schreibt: "Sorry, wenn es wie ein Widerspruch erscheint ... ich sehe es so: Ich lebe in dieser Welt der ständigen Wandlung, in diesem vergänglichen Körper, ich stehe mit beiden Beinen mitten im Leben, aber ich kann es nicht glauben, dass das wahre Glück nur außerhalb dieser Welt zu finden ist ... So ist zum Beispiel ist der Kashmir Shaivismus eine durchaus der Welt zugewandte, lebensbejahende Philosophie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Frau, Mutter, Großmutter bin, auf einem Bauernhof mit vielen Tieren lebe, dass mir so eine Schule mehr liegt, als der Vedanta, von dem manche Spötter sogar sagen: „Es ist ein guter Weg zu Sterben“. Mein Weg ist nicht die Abkehr von der Welt, sondern die Verankerung in meiner Mitte, in der das Ewige, Unveränderliche, Göttliche genauso vorhanden ist, wie im Außen und überall."

Das spricht mir wirklich aus dem Herzen. :)

Ich fühle mich ebenso stark von den Lehren des geistigen Tantra (Kashmir Shivaismus) angesprochen. Und ich würde sogar vermuten, dass diese krasse Weltverneinung resp. radikale Abkehr aller uns zur Verfügung stehenden Sinne und unseres Bewusstseins von der Welt, welche der Vedanta postuliert, eher mehr Schaden bringen können, als Nutzen.

Ich denke auch, dass es für die meisten (westlichen) Menschen ohnehin schwierig ist, diese Lehren in der richtigen Weise nachzuvollziehen ...

Häufig endet diese Weltabkehr in einer Flucht vor der Welt ...

Daraus erfolgt die allmähliche Rebellion unserer Sinne sowie der verdrängten Inhalte unserer Psyche und vielleicht auch die Einweisung in die Psychiatrie ...; wenn man die falschen Schlüsse zieht. Hier zeigt sich dann, ob man überhaupt in der Lage ist, diesen Weg bis hin zur letzten Konsequenz zu gehen, oder ob man sich selbst was in die Tasche gelogen hat.

Der tantrische Weg und vor allem die Richtung des Kashmir Shivaismus geben an dem Punkt einen etwas anderen Ansatz vor. Hier begreift man die Welt nicht als Illusion, sondern alles als eine Offenbarung des reinen, essenziellen Bewusstseins. Hier braucht man sich dann nicht in „eine dunkle Höhle“ verkriechen und jeden sensorischen Reiz krampfhaft versuchen abzutöten. Nach dieser Philosophie kann jede wahrgenommene Existenz zum Ausgangspunkt für eine „höhere“ Erfahrung der Einheit werden, selbst die eigenen Probleme, „Feinde“, ja sogar Krankheiten u. körperliches Unbehagen, Leid, Trauer und natürlich aber auch unermessliche Freude, Genuss, Liebe usw.

All das offenbart uns ja unser Sein, und dieses ist die Grundlage des Lebens.

Wenn wir all die genannten Attribute nur als Spielarten – die sich auf der Oberfläche des Bewusstseins kräuseln – betrachten könnten, würden wir eine ungeheure Befreiung erfahren.

Ramananda

Avadhuta schrieb: "Ich fühle mich ebenso stark von den Lehren des Kashmir Shivaismus angesprochen."

Interessant, aber ich behaupte, dass Du nicht wirklich weißt, worum es da geht. Weil nämlich das Studium des Tantra ein ganzes Leben erfordert (sofern man es richtig verstehen will). Einfach mal zu schreiben: Der Kashmir (!) Shivaismus ist mir sympathisch, das ist schnell gesagt. Das Tantra ist eine reichhaltige, extrem komplizierte Philosophie, aber in der wesentlichen PRAXIS gibt es keinen Unterschied zu den Praktiken der übrigen religiösen Richtungen. Und das hätte Dir auffallen müssen.

Avadhuta schrieb: "Und ich würde sogar vermuten, dass diese krasse Weltverneinung resp. radikale Abkehr aller uns zur Verfügung stehenden Sinne und unseres Bewusstseins von der Welt, welche der Vedanta postuliert, eher mehr Schaden bringen können, als Nutzen."

Das darfst Du natürlich »vermuten«. Unsinn bleibt es dennoch.

Avadhuta schrieb: "Ich denke auch, dass es für die meisten (westlichen) Menschen ohnehin schwierig ist, diese Lehren in der richtigen Weise nachzuvollziehen ..."

Aber die komplizierten Rituale des Tantra sind für die westlichen Menschen in der richtigen Weise leichter nachzuvollziehen? O Avadhuta …

Avadhuta

Hallo Ramananda,

Ramananda schrieb: "Interessant, aber ich behaupte, dass Du nicht wirklich weißt, worum es da geht."

Behaupten kann man viel, aber ob man mit oberflächlichen Spekulationen richtig liegt, ist eine andere Frage. Einfach mal zu schreiben: Der Kashmir (!) Shaivismus ist mir sympathisch, das ist schnell gesagt.

Ich werde doch wohl mal etwas über meine Interessen sagen dürfen, ohne gleich ein Referat darüber halten zu müssen. Also wirklich, was soll ich denn von so einem Ton mir gegenüber halten?

"Das Tantra ist eine reichhaltige, extrem komplizierte Philosophie, aber in der PRAXIS gibt es keinen Unterschied zu den Praktiken der übrigen religiösen Richtungen."

Aha, und der wäre. Die Menschen, die sich immer ein „hoch kompliziertes diskursives Gedankengerüst“ zurechtzimmern, sind häufig diejenigen, die das Naheliegende u. Unmittelbare übersehen. Ich will damit nicht behaupten, dass ich es verwirklicht hätte, aber ich kenne mich ein wenig, wenn ich als „Unwürdiger“ das behaupten darf, mit tantrischer Meditation aus.

Ja, und natürlich „habe ich auch schon mal was, von tantrischer Ritualistik, den 5 Ms (und ihrer oft falsch interpretierten Symbolik), dem Shiva-Shakti Prinzip, den 36 Schöpfungsebenen, Vama Marga, Dakshina Marga usw. gehört“. Aber es muss nicht immer überkompliziert sein, wenn man sich mal in das Vijnana Bhairava Tantra einen Grundlagentext (Agama) des Kashmir-Shivaismus vertieft, wird man sehen, wie das ganz profane alltägliche Leben zur Meditation werden kann ... in 112 meisterhaft ausgearbeiteten Dharanas (Konzentrationstechniken).

Avadhuta schrieb: "Und ich würde sogar vermuten, dass diese krasse Weltverneinung resp. radikale Abkehr aller uns zur Verfügung stehenden Sinne und unseres Bewusstseins von der Welt, welche der Vedanta postuliert, eher mehr Schaden bringen können, als Nutzen. Ramananda schreibt: Das darfst Du natürlich »vermuten«. Unsinn bleibt es dennoch."

Was soll man darauf antworten? Ja, stimmt, die Welt ist schwarz und weiß. Grautöne existieren nicht.

Ramananda schrieb: "Aber die komplizierten Rituale des Tantra sind für die westlichen Menschen in der richtigen Weise leichter nachzuvollziehen? O Avadhuta …"

Habe ich das behauptet? Ich habe nur gesagt, dass der Ansatz im Gegensatz zum Vedanta anders ist. Ich gebe dir recht, dass die meisten westlichen Menschen den Tantrismus noch mehr missverstehen als andere Lehren u. Philosophierichtungen des Hinduismus/Buddhismus.

Tantra ist natürlich kein Freibrief für ein ungezügeltes, dekadentes Leben mit Sex, Drugs ..., sondern es steht natürlich eine hochkomplexe Philosophie dahinter, die die meisten Westler gar nicht kennen oder verstehen wollen. Auch schlägt Tantra z. B. die Beachtung von Brahmacharya vor, ein Ideal, dass ich mir auch zu eigen machen versuche. Davon wollen aber die meisten Menschen im Westen nichts hören.

Ramananda

Avadhuta schrieb: "... sondern es steht eine hochkomplexe Philosophie dahinter, die die meisten Westler gar nicht kennen oder verstehen wollen."

Dies wiederum verstehe ich gut. Schließlich stammt der Spruch aus dem Westen: Simplex sigillum veri – das Einfache ist das Siegel des Wahren.

Den meisten Menschen ist bewusst oder unbewusst klar: Je komplexer eine Weltanschauung ist, desto weniger wurde verstanden, worum es eigentlich geht.

Warum ist man als Yoga-Anhänger nicht mit Shri Patanjali zufrieden? Weil er für moderne Menschen zu traditionell (im Klartext: zu streng) ist? Weil seine Philosophie nicht kompliziert genug ist?

»People are not satisfied with simplicity, they want complexity«, Worte von Shri Ramana Maharshi.

»Be simple!« (ein typischer Ausdruck großer Meister)

Avadhuta

@Ramananda, das, was du jetzt schreibst, kann ich gut nachvollziehen.

Ramananda schreibt: "Warum ist man als Yoga-Anhänger nicht mit Shri Patanjali zufrieden? Weil er für moderne Menschen zu traditionell (im Klartext: zu streng) ist? Weil seine Philosophie nicht kompliziert genug ist?"

Ich denke, so unkompliziert ist seine Philosophie auch wieder nicht. Das Problem bei Patanjali liegt wohl, ja tatsächlich, eher darin, dass seine Anforderungen an den Raja Yoga-Aspiranten sehr hoch sind; was die ersten Stufen des Ashtanga betrifft. Die Leute wollen sich nicht unbedingt mit all den Yamas u. Niyamas, die er als Umgangsregeln mit der Außenwelt und im privaten Bereich aufzeigt, beschäftigen oder gar verinnerlichen. Interessanter sind die fortgeschritteneren Stufen Dharana, Dhyana usw., sie wollen gleich Samyama erleben, und damit Herrscher über sich selbst sowie vor allem die Umwelt werden ...

Macht, Reichtum, höhere Kräfte schweben diesen Pseudoyogis vor ... Wenn sie dann merken, dass sie nicht reif dafür sind, auch nur irgendetwas zu verstehen, was mit yogischen Termini wie Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) oder gar Siddhi gemeint ist, und anfangen Schmerzen, Unwohlsein (auf welcher Ebene auch immer) wahrzunehmen, wird alles wieder „hingeschmissen“ ...

Und das nächste System muss „ausprobiert“ werden, mit dem man dann vermutlich auch wieder auf den Bauch fällt ... Die Probleme im Westen sind Egoismus u. Oberflächlichkeit.

Was meinst du?

Tulsi

... und was bedeutet Brahmacarya wörtlich? „Wandel im Brahman“ – im Höchsten also verankert. Warum das immer noch mit „Enthaltsamkeit“ interpretatorisch übersetzt wird ...?Ja, natürlich, wenn ich der Welt entsage, habe ich mehr Zeit für das Spirituelle – es sei denn, ich lerne, im Alltag, in der Welt spirituell angebunden zu sein. DAS ist schwieriger, als sich zurückzuziehen, denn damit stelle ich mich den Aufgaben des Lebens, und das ist das, was der Tantra meint.
Herzliche Grüße,
Tulsi

Avadhuta

Tulsi schrieb: "... und was bedeutet Brahmacarya wörtlich? „Wandel im Brahman“ - im Höchsten also verankert. Warum das immer noch mit „Enthaltsamkeit“ interpretatorisch übersetzt wird ...?"

Ja, natürlich bedeutet das Brahmacharya-Ideal mehr als „nur“ die sexuelle Enthaltung. Doch für den spirituellen Weg, kann es nur von Vorteil sein, sich für eine gewisse (lange) Zeit, von allen sexuellen Aktivitäten fernzuhalten, denn es erfordert eine ungeheure Energie, die „höheren“ Bewusstseinszustände des Yoga (und Tantra) auszuhalten. Mit einer – von einem exzessiv ausgelebten Sexualleben – zerstörten psychosomatischen Konstitution, kommt man auf diesen Wegen nicht sehr weit.

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Enthaltsamkeit und sexuelle Energie

Anonymus fragt:

Hallo miteinander!

Ich interessiere mich für sexuelle Enthaltsamkeit und würde mich freuen Eure Erfahrungen zu diesem Thema zu lesen.

Die Antworten lauten wie folgt:

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Speichern der sexuellen Energie

Deniane fragt:

Hallo an Euch alle!
Ich beschäftige mich seit einiger Zeit immer wieder mit Meditation, Visualisierungen usw. und bekam von einem Bekannten den Tipp, es mit Speicherung der sexuellen Energie zu versuchen, um den Prana zu stärken. Meine Frage ist: Hat das nicht nur für Männer einen Sinn, da sie ja durch den nicht vollzogenen Samenerguss tatsächlich Energie sparen, oder ist das für eine Frau ebenso wirkungsvoll? Bzw. worauf soll ich als Frau besonders achten? Würde mich über Hinweise freuen.
Deniane

Die Antworten lauten wie folgt:

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M33

Liebe Tulsi,
woher denn in aller Welt weißt Du es denn, was es ist, was „der Tantra“ meint?

Hi, Avadhuta,
„... denn es erfordert eine ungeheure Energie, die „höheren“ Bewusstseinszustände des Yoga (und Tantra) auszuhalten 
Gott, wovon redest Du denn da!

Ich würde mir, und das nicht nur von Euch zwei beiden, etwas weniger an angelesenen Kopfsuadas wünschen, weil es sich dann womöglich gedeihlicher lesen würde!
Hi, M33

Ramananda

Tulsi schrieb: "... und was bedeutet Brahmacarya wörtlich? »Wandel im Brahman« – im Höchsten also verankert. Warum das immer noch mit »Enthaltsamkeit« interpretatorisch übersetzt wird ...?"

Liebe Tulsi,

das Wort »Interpretation« ist eben auch eine Frage der – Interpretation:

Aus meinem Kommentar zum betreffenden Satz in Shri Patanjalis Yoga-Sutra:

Enthaltsamkeit: brahmacarya stammt von brahman und car (sich bewegen, gehen, ausüben) und bedeutet »Brahmanwandel«, der Weg zu Gott. Obwohl es umfassend ein Leben in strengster Selbstdisziplin, das heißt Enthaltsamkeit in allen Dingen bedeutet, ist brahmacarya im Yoga unstreitig die Fachbezeichnung für die sexuelle Enthaltsamkeit. Viele können das nicht akzeptieren, und man sucht alle möglichen Interpretationen des Begriffs, um nicht die Wahrheit sagen zu müssen; die häufigste Wiedergabe ist »bewusster Lebenswandel«. Dem kann aus zwei Gründen nicht zugestimmt werden: (1) Sie widerspricht der Logik des äußerst konzentrierten Sutra; die besondere Erwähnung von »bewusster Lebenswandel« würde bedeuten, dass Nicht-Schädigen, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Nicht-Besitzergreifen kein bewusster Lebenswandel sind. Als »Keuschheit, Enthaltsamkeit« dagegen unterscheidet sich brahmacarya deutlich von den anderen vier Yamas und erforderte eine separate Aufzählung. (2) Mit dieser Interpretation wird das im Westen unbeliebte Thema Enthaltsamkeit umgangen. Schon die Erwähnung des Begriffs führt bei den meisten Therapeuten, Pädagogen usw. zu einer Abwehrhaltung, die man irrational nennen muß.

Auf das kürzeste zusammengefasst ist brahmacarya das Bewahren jener Urkraft (Kundalini-Shakti), von der sämtliche körperlichen und geistigen Funktionen der Lebewesen abhängig sind. Durch alle psychophysischen Aktivitäten verliert man mehr oder weniger Energie; der größte Verlust wird durch das Ausleben sexueller Freuden erlitten. Auf rechte Weise bewahrt, verhilft Brahmacarya zu Gesundheit, Kraft, Willensstärke, scharfem Verstand, gutem Gedächtnis, und schließlich zum Erwachen und Aufsteigen der Kundalini – Voraussetzung für das Erfassen aller tieferen Geheimnisse und Wahrheiten. (©HelmuthMaldoner)

Ramananda nochmal

Avadhuta schrieb: "Das Problem bei Patanjali liegt wohl, ja tatsächlich, eher darin, dass seine Anforderungen an den Raja Yoga-Aspiranten sehr hoch sind; was die ersten Stufen des Ashtanga betrifft. Die Leute wollen sich nicht unbedingt mit all den Yamas u. Niyamas, die er als Umgangsregeln mit der Außenwelt und im privaten Bereich aufzeigt, beschäftigen oder gar verinnerlichen. Interessanter sind die fortgeschritteneren Stufen Dharana, Dhyana usw., sie wollen gleich Samyama erleben, und damit Herrscher über sich selbst sowie vor allem die Umwelt werden ...

Macht, Reichtum, höhere Kräfte schweben diesen Pseudoyogis vor ... Wenn sie dann merken, dass sie nicht reif dafür sind, auch nur irgendetwas zu verstehen, was mit yogischen Termini wie Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) oder gar Siddhi gemeint ist, und anfangen Schmerzen, Unwohlsein (auf welcher Ebene auch immer) wahrzunehmen, wird alles wieder „hingeschmissen“ ...

Und das nächste System muss „ausprobiert“ werden, mit dem man dann vermutlich auch wieder auf den Bauch fällt ... Die Probleme im Westen sind Egoismus u. Oberflächlichkeit."

Lieber Avadhuta,

hier stimme ich Dir gerne Wort für Wort zu.

Verzeihe mir bitte meinen derben Ton im früheren Posting, aber ich hatte Deine Aussagen (Vedanta, Psychiatrie usw.) als etwas provokativ empfunden, vielleicht meintest Du das gar nicht so. Es tut mir aufrichtig leid, Dich so hart angegangen zu haben.

Ich würde mich freuen, mehr von Dir zu hören (und bestimmt auch andere).

Tulsi

Liebe Yogis, der Reihe nach:
@avadhuta: ... man muss wohl schon sehr exzessiv sexuell aktiv sein, um zu einer zerstörten psychosomatischen Konstitution zu kommen ...

@M33: ich bin mir darüber im Klaren, dass mein Wissen nur Stückwerk ist, und meine Aussagen nur meinen persönlichen Blickwinkel darstellen. Ist ein solches Forum wie dieses nicht eine wunderbare Einrichtung, unsere verschiedenen Stückchen zu einem bunten Mosaik zusammenzufügen?

@>der größte Verlust durch das Ausleben sexueller Freuden<... oder der größte Gewinn: ein Kind.

Wisst Ihr, meine Lieben, je älter ich werde, desto bescheidener werde ich. All die Vorstellungen von tieferen Schichten oder höheren Zuständen des Bewusstseins, die ich hatte, verschwinden mit der Zeit ...
Es gibt eine wunderbare Geschichte über den Franz von Assisi: Eines Tages kam ein junger Mann raus aufs Land zu dem Ort, wo Franz lebte, und wollte sich seiner Gemeinschaft anschließen, um Gott zu finden. Dieser drückte ihm einen Besen in die Hand und bat ihn, den Hof zu kehren – worauf der junge Mann empört sagte: „Aber ich bin gekommen, um Gott zu finden, nicht um den Hof zu kehren!“ Worauf Franziscus antwortete: „Ja, das ist seltsam – ich finde Gott immer, wenn ich den Hof kehre.“

Herzliche Grüße, Tulsi

Ramananda

Tulsi schrieb: "@>der größte Verlust durch das Ausleben sexueller Freuden< ... oder der größte Gewinn: ein Kind."

Zum ersten Absatz gäbe es so viel zu sagen … Hier gibt es immer wieder große Missverständnisse. Zunächst nur dies: Die Zeugung von Kindern und das anschließende Leben in Enthaltsamkeit, das IST Brahmacharya.

Zur Geschichte über Franz von Assisi: Es interessiert mich, wo genau diese Geschichte steht. Kannst Du mir die Quelle nennen? Danke.

M33

Liebe Tulsi,

also nein, wir reden aneinander vorbei, Stückwerkhaftigkeit ist es nicht, was ich hier angesprochen habe, mir ging es um das Verhältnis von Erfahrung: angelesener Kopfsuada, wobei das Letztere ja unverdrossen unvermindert weiterzugehen scheint; und mir in dem Ersteren jegliche noch so unbedarfte Stückwerkhaftigkeit willkommen wäre und meine wertungsfreie Anerkennung und Hochachtung hätte – und es betrifft die Allgemeinheit hier, liebe Tulsi, nicht extra Dich!

Hi, M33

Tulsi

@ Ramananda: ">Zum zweiten Absatz: Es interessiert mich, wo genau diese Geschichte steht. Kannst Du mir die Quelle nennen? Danke.<"
Oh, tut mir leid – ich weiß gar nicht, woher ich sie habe. Hat sie mir jemand erzählt, habe ich sie irgendwo gelesen? Ich habe sie mir einfach nur gemerkt. Möglicherweise ist aber auch der „Hof“ sinnbildlich zu sehen? Erst nach der Reinigung die Erkenntnis? So oder so – eine schöne Geschichte, finde ich.

Herzliche Grüße!
Tulsi

Avadhuta

Ramananda schrieb: "Verzeihe mir bitte meinen derben Ton im früheren Posting, aber ich hatte Deine Aussagen (Vedanta, Psychiatrie usw.) als etwas provokativ empfunden, vielleicht meintest Du das gar nicht so."

Es gibt nichts zu entschuldigen, Du bist oder warst schon völlig im Recht, ich war etwas zu unklar, was meine Äußerungen zum Vedanta betraf.

Es ist natürlich nicht diese großartige Denkanschauung, die Probleme verursachen kann, sondern es sind die Menschen, die sie falsch interpretieren und glauben, ihre ganzen unaufgearbeiteten Probleme damit bewältigen zu können. Sie lesen 1 oder 2 Schriften des Vedanta und spielen sich hinterher als „die großen Experten“ auf, die alles wissen und nachvollziehen können, was – beispielsweise – ein Schwergewicht wie Shankaracharya in seinen Texten verkündet hat.

Da stößt es mir, ehrlich gesagt, auch immer sauer auf. Und wenn diese „tollen Interpreten“ mal mit „etwas nicht so einverstanden“ sind oder man unerwünschte Nebenwirkungen zu spüren bekommt, wird die Lehre abgewertet, dann reichts auf Amazon eben nur für einen Stern ...

Dabei sind nicht die Lehren daran schuld, sondern das mangelnde (konditionierte) Verständnis ihrer „Studenten“.

Tulsi schrieb: "@avadhuta: ...man muss wohl schon sehr exzessiv sexuell aktiv sein, um zu einer zerstörten psychosomatischen Konstitution zu kommen ..."

Ja, das war ich auch. Ich bin Mitte zwanzig und ein Mann ... Und wie viele Leute in meinem Alter war oder bin ich sehr begierig auf Sexualität. Ich merke aber, dass dieser Trieb mich schwächt. Die Nebenwirkungen dieses Verhaltens, wie sie von einigen großen Meistern des Yoga (Narayanananda, Sivananda, Brahmachari ...) aufgezeigt werden, kann ich nur – aus eigener Erfahrung – bestätigen. Körperliche Schwäche, Magenprobleme, Unkonzentriertheit, Lärmempfindlichkeit, Ängste, Schmerzen im unteren Rücken, um nur ein paar Symptome zu nennen. Die bedeutenden Lehrer der östlichen Philosophien, haben sich – glaube ich – schon etwas gedacht, wenn sie Brahmacharya, als Voraussetzung für einen spirituellen Weg, verlangten. 

Ich habe aber gar nichts gegen die Sexualität an sich, vor allem nicht, wenn sie Bestandteil einer Ehe ist. Nur sollte diese eben maßvoll und kontrolliert vollzogen werden.

Ich kann nur sagen, dass die totale Enthaltsamkeit, wenn ich sie denn mal länger durchgehalten habe, mir, trotz des enormen psychischen Drucks, den sie verursacht, nur positive Erfahrungen auf der – zunächst – körperlichen Ebene brachte, Heilungsprozesse, ein Anwachsen der vitalen Kräfte, Nervenstärke und noch einiges mehr.

larrim

Namaste zusammen.

Leider ist dieser gerade mit vielen anderen Aufgaben beschäftigt, um hier groß mitzudiskutieren. Auch wenn es manchmal in den Fingern zuckt, die gerne zur Tastatur greifen möchten.

Aber dennoch einge Gedanken zum Thema Brahmacharya: Sexuelle und spirituelle Energie benutzen ähnliche Pfade. Ob für immer oder temporäre Enthaltsamkeit gefordert ist, lasse ich einfach mal dahin gestellt. Sicher ist diese jedoch in bestimmten Entwicklungsphasen wichtig.

Hier nun kommt das aber.

Menschen, die in einer Beziehung und Ehe leben, in gewissem Sinne karmisch miteinander verbunden sind, haben im gleichen Maße die Pflicht, die Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin zu berücksichtigen. Ist es für einen der beiden essenziell wichtig, enthaltsam zu sein, bei dem oder der anderen Person in dieser Ehe bzw. Beziehung ist aber gerade viel Nähe auch körperlich oder sexuell essenziell wichtig, ja, dann muss ein für beide Seiten tragbarer Kompromiss gefunden werden, wenn die Beziehung nicht scheitern soll. 

Finden die Partner in dieser Situation zusammen, beschenken sich auch mit der Sinnlichkeit, ohne es zum Exzess kommen zu lassen, ist in diesen Augen nicht schädlich oder verwerflich. Dieser ist der Tradition der Nath Yogis verbunden, in der immer wieder die Loyalität auch gegenüber, der Familie, dem Ehepartner als einem Lernfeld des spirituellen Wachstums betont wird. Finden irgendwann beide den Weg in die Enthaltsamkeit, umso besser, aber das braucht halt immer eine gewisse Zeit.

Licht und Liebe
Lars

Avadhuta

Hallo lieber larrim,

Ich möchte, wenn ich darf, deine Gedanken zum Brahmacharya aufgreifen. Da bin ich im Großen u. Ganzen Deiner Meinung! Das ist tatsächlich der Ansatz, den auch ein authentischer Tantrika vertritt; und das waren ja die Nath und/oder Kanphata Yogis.

Aber vor dem geistigen Erwachen, sollte man in diesem Punkt(Brahmacharya) gar keine Zugeständnisse machen. Denn ich glaube, aus eigener Erfahrung, dass der männliche Samen den Brennstoff für die Kundalini Shakti liefert, und deshalb so gut wie möglich konserviert werden sollte. 

Mir erging es vor fast 2 Jahren folgendermaßen: Ich las in liegender Pose das Buch „Der Weg und sein Ziel“ von Swami Muktananda, als ich plötzlich eine ungeheure sexuelle Erektion verspürte. Ich schaffte es aber, weder auf sie zu reagieren, noch diese weiter zu beachten. Als ich dann eine Parabel über das essenzielle Selbst las, wurde ich plötzlich elektrisiert, ich bekam einen Stromschlag in die untere Wirbelsäule und verspürte eine so ungeheure Glückseligkeit, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Ich sah ein inneres Bild vor meinen Augen, dass ich als meine eigene unmittelbare Existenz erkannte. Ich fing an unkontrolliert zu hyperventilieren und ein Schauder durchfuhr mich, der in Worten nicht beschreibbar ist ... :woohoo:

Da diese Glückseligkeit sich aber so intensivierte, dass dieses Glück „unerträglich“ wurde (mein Herz raste ja auch wie wild), brach ich diesen Prozess oder besser brach er sich von selbst ab. Aber die Nachwirkungen waren unglaublich. All meine Gedanken verloren ihre Intensität, wurden von mir als „tot“ wahrgenommen. Ich war das Mitleid in Person. Es gab keine Wünsche mehr, die sich an die Oberfläche drängen wollte. Klarheit, Klarheit, Klarheit. Die Erfahrung des Selbst oder die „Subjekt-Objekt“-Trennung deutete sich noch ein, zwei Tage nach der „großen“ Erfahrung an. Fand aber keinen Durchbruch mehr, da doch eine gewisse Restgier des Verstandes zupacken wollte, doch da entzog ES sich gleich wieder.

Trotz all dieser wunderbaren Erfahrungen, konnte ich nach einiger Zeit nicht widerstehen, und verfiel wieder meiner Libido, die sich wieder an mich heranpirschte. Damit war alles wieder vorbei, der Dynamo kam zum Stillstand und ich verfiel wieder in meinen alten begrenzten Zustand. :(

Was soll ich davon halten?

Wenn mir das nächste Mal so eine Gabe zuteil werden sollte, sag ich Euch, wird mir ein Rückfall in die triebhafte Natur nicht geschehen. Hoffentlich ...

Es sei denn man hat denn für sich richtigen Partner, in meinem Fall Partnerin gefunden, mit dem/der man die Sexualität in wahrer Liebe füreinander teilen kann.

Auch kann ich Ramananda nur Recht geben, dass die Sexualität hauptsächlich für die Zeugung der Nachkommenschaft geschaffen wurden. Was hat es denn sonst für einen Sinn, die wertvollen Inhaltsstoffe des Samens einfach so zu verschleudern, außer für ein vergängliches sexuelles Vergnügen. Davon „weiß“ ja der Organismus nichts – das ist ja unsere Interpretation – und „denkt“, die Spermien werden für die Zeugung neuen Lebens gebraucht. Da geht vieles an Vitaminen, Mineral-u. Nährstoffen verloren was der Körper eigentlich für sich selnst braucht. Kein Wunder dass man(n) sich „hinterher“ – wenn auch „befriedigt“ – häufig schlapp und ausgehöhlt fühlt.

Viele Grüße

Avadhuta

larrim

Namaste Avadhuta.

Du schreibst: "Aber vor dem geistigen Erwachen, sollte man in diesem Punkt(Brahmacharya)gar keine Zugeständnisse machen."

Doch woher weiß der Sadhaka, ob er nun wirklich vor dem geistigen Erwachen steht? Kann er sicher sein, dass nicht sein Ego, der kleine Mephistopheles, wie mein Meister es so gerne nennt, ihm nicht einflüstert, wie weit er schon gekommen ist? 

Eine tiefgreifende Erfahrung macht noch lange keine Verwirklichung. Nein, sie kann gar zum Hindernis auf dem Wege geraten, wenn der Stolz auf diese Erfahrung den Sadhaka erfasst oder die innere Gier ihn treibt, diese Erfahrung wiederholen zu wollen und damit die Offenheit der Praxis verschüttet.

Du schreibst weiter: "Trotz all dieser wunderbaren Erfahrungen, konnte ich nach einiger Zeit nicht widerstehen, und verfiel wieder meiner Libido, die sich wieder an mich heranpirschte. Damit war alles wieder vorbei, der Dynamo kam zum Stillstand und ich verfiel wieder in meinen alten begrenzten Zustand."

Nun ja, gibt sich der Sadhaka dann völlig wieder den Gelüsten hin, dann stimmt, was du schreibst, findet er jedoch den richtigen mittleren Weg, beschenkt frei von Gier gelegentlich seine Partnerin mit dem, was sie zu dieser Zeit benötigt. ohne dabei einen Millimeter von seiner Sadhana abzuweichen, ohne sich von der Begierde vereinnahmen zu lassen oder die Praxis zu vernachlässigen, dann sieht die Sache schon wesentlich anders aus.

Zu gut deutsch praktizieren, praktizieren und noch mal praktizieren, um einfach zu praktizieren, um Gott nah zu bleiben. Ohne regelmäßige kontinuierliche Praxis gehts jedoch nicht und das bedeutet nun einmal mehrere Stunden tägliche Praxis, nicht mehr und nicht weniger.

Aber jeder Jeck ist anders, wie meine Großmutter immer zu sagen pflegte und jeder muss letztendlich selbst entscheiden.

Licht und Liebe
Lars

Avadhuta

Lieber larrim,

DU bist wirklich einer der kostbarsten (spirituellen) Schätze in diesem Forum. Was soll ich dazu sagen als einfach nur JAAAAAA. Du fühlst authentisch, richtig und in Liebe.

Du schreibst: "Nun ja, gibt sich der Sadhaka dann völlig wieder den Gelüsten hin, dann stimmt, was du schreibst, findet er jedoch den richtigen mittleren Weg, beschenkt frei von Gier gelegentlich seine Partnerin, mit dem, was sie zu dieser Zeit benötigt. ohne dabei einen Millimeter von seiner Sadhana abzuweichen, ohne sich von der Begierde vereinnahmen zu lassen, oder die Praxis zu vernachlässigen, dann sieht die Sache schon wesentlich anders aus."

Ist es nicht das Schönste, die Frau nicht als ein begrenztes Objekt der Begierde zu betrachten, sondern als ein göttliches Geschöpf, eine reine Verkörperung der Shakti, die heilige Mutter? Und in einer Beziehung zu ihr, darauf bedacht zu sein, dass es nur ihr bei der Vereinigung gut geht, auf die eigene Befriedigung gar keinen Wert zu legen. Das Gleiche wird sie dem Mann, der so empfindet, zurückgeben. Und es entsteht eine geistige Verbindung aus reiner Egolosigkeit heraus.

Alles erdenklich Gute Dir

larrim

Namaste Avadhuta,

du schriebst: "DU bist wirklich einer der kostbarsten (spirituellen) Schätze in diesem Forum."

Nun, mein Lieber, alle Menschen sind spirituelle Schätze. Alle Menschen sind Strahlen des Göttlichen und sich dessen mehr oder weniger bewusst. Dieser ist nur ein Werkzeug des Einen, Namenlosen, über das nichts gesagt werden kann, ansonsten ist er ein Mensch, der auch nur mit Wasser kocht und immer wieder das Gleichgewicht, in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt zu sein neu austarieren muss. Bitte pinsele doch dem Mister Mephistopheles in diesem nicht zu sehr den Bauch, denn weg ist er noch lange nicht, lauert auf eine passende Gelegenheit sich wieder aufzublähen. :woohoo:

Der Pfad ist schmal und schlüpfrig und ein Scheitern unterwegs auch bei diesem nicht vollständig auszuschließen. Auch dieser hat noch einen langen Weg zu gehen und empfindet einfache nur tiefe grenzenlose Dankbarkeit und Demut, zum einen dafür von einem lebenden Meister geleitet und geführt zu werden und auch dafür die Post des Einen Namenlosen in der Vielfältigkeit, in der ihr sie hier alle immer wieder in Euren Post`s zum Ausdruck bringt empfangen zu dürfen.

In diesem Sinne dir und allen Lesern
einen gesegneten Sonntag
Licht und Liebe

Lars

Ramananda

Teil 3 meines Beitrags zum Thema »der geistige Pfad«. Der Teil 3 sei in mehrere Abschnitte geteilt, da sonst das Posting zu lang wird. Hier:

Teil 3, Abschnitt 1: das Grundlegende

Es gibt viele Wege zur Gott- oder Selbstverwirklichung, abhängig von der religiösen Kultur der Menschen, von ihrem Verständnis, ihren Vorlieben, ihrem derzeitigen Vermögen (Können). Jede Religion hat ihren Weg, jedes Glaubensbekenntnis seine Methode.

Es ist daher nicht möglich, auf alles einzugehen. Die Frage muss sein: Was ist die Essenz der Sache? Und auch hier hilft das indische Denken, denn vor allen anderen sind die Meister Indiens zu dieser Essenz gelangt, wie man in den Upanishaden sehen kann.

Obwohl die Essenz nur eine ist, kann man sie verschieden ausdrücken. Und je nach »Essenz« unterscheidet sich etwas die Praxis des Weges.

  1. Das allen Gemeinsame heißt »Yoga« = das Vereinigen (yoga) des unaufhörlich sich verändernden, begrenzten menschlichen Bewusstseins mit dem unveränderlichen, grenzenlosen, alldurchdringenden Meer des Bewusstseins. Nun hat der menschliche Geist vier Grundfähigkeiten: Denken, Fühlen, Wollen (Handeln), Sich-Sammeln (Konzentrieren). Eine dieser Fähigkeiten ist in jedem Menschen die vorherrschende. Und entsprechend diesen vier Fähigkeiten gibt es vier Yoga-Wege: den Jnana-Yoga für die Denkenden (die spirituelle Philosophie); den Bhakti-Yoga für die Hingegebenen; den Karma-Yoga für jene, deren Stärke das Handeln, die Arbeit ist; den Raja-Yoga (»königlicher« Yoga) für jene, die zur Beherrschung des eigenen Geistes, zur Konzentration fähig sind.
  2. Zum Raja-Yoga speziell: Yoga ist die Stilllegung der Bewegungen des Geistes (vollkommene Konzentration). So sagt Shri Patanjali im Yoga-Sutra (Satz 2). Weiter: Dann (= wenn dies gelungen ist) ruht der Mensch in seiner eigenen wahren Natur (Satz 3). Und: Solange dies nicht gelungen ist, leidet der Mensch (Satz 4). Das ist der Kern. Die anderen 190 Sätze des Sutra sind Kommentar, im Sinne von: Wie erreiche ich diese Stilllegung?
  3. »Die Stillegung der Bewegungen des Geistes« – das ist die eine Definition des Yoga. Eine zweite darf nicht fehlen, denn die Begriffe »Geist« und »Kundalini-Shakti« gehören zusammen. Die Kundalini ist die Urkraft der Schöpfung und damit auch die Ursache des Geistes. Im weltlich gesinnten Menschen beschränken sich die Aktivitäten der Kundalini-Shakti auf die lebenserhaltende Versorgung von Körper und Geist mit Energie. Ihr durch ein reines, enthaltsames Leben und durch die systematische Übung der Konzentration bewirktes Erwachen und Aufsteigen führt den Yogin über immer höhere Ebenen des Bewusstseins zurück an den Ausgangspunkt der Schöpfung und schließlich, durch vollkommene Konzentration, in das Einswerden mit dem grenzenlosen Meer des Bewusstseins.
    Nach dieser Definition ist der Yoga ein tantrischer Prozess; so wird alles genannt, was mit der Erweckung der Kundalini-Shakti zu tun hat. Da keine andere indische Lehre zu mehr Fehldeutungen geführt hat, sei bereits hier festgehalten: Das wahre Tantra ist rein geistiges Tantra, welches als Bedingung für den spirituellen Weg die völlige Selbstbeherrschung und damit auch die sexuelle Enthaltsamkeit fordert.

Obwohl der »klassische« Yoga und der recht verstandene tantrische Weg eine unterschiedliche Philosophie zu haben scheinen (!), wird man sehen, dass sie sich in der Praxis so gut wie nicht unterscheiden. Immer geht es
um

  • die Reinigung des Geistes durch Einhaltung der ethisch-moralischen Gebote und
  • um die Reinigung des Geistes durch willentliche Konzentration.

Hat man diese beiden Dinge verinnerlicht, dann hat man bereits die Essenz des religiösen Weges verstanden.

Teil 3, Abschnitt 2 beschäftigt sich dann etwas detaillierter mit der hier zunächst nur angedeuteten Praxis. Er folgt in ein paar Tagen.

Ramananda

Wintersun schrieb: „im Wiki ist es so definiert: „Leid ist eine Grunderfahrung und bezeichnet als Sammelbegriff all dasjenige, was einen Menschen körperlich und seelisch belastet. Unter anderem werden die Nichterfüllung von Bedürfnissen, Hoffnungen und Erwartungen, der Verlust von nahestehenden Individuen, die Trennung von sozialen Gruppen, äußere Zwänge und Begrenztheiten, Alter, Krankheit, Tod und Schmerzen als Leid empfunden. Leid ist immer subjektiv. Was tatsächlich als Leid empfunden wird, hängt vom Individuum ab, also von eigenen Erfahrungen und Einstellungen. (Ende vom Wiki)
Und wenn ich dann lese „Alles ist Leid“ verstehe ich nicht. Das macht für mich keinen Sinn. Es sei denn, Leid ist anders definiert und beruht nicht auf den Einstellungen und Erfahrungen des Individuums. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Lieber Klaus,

die (im Original blau markierte Definition) bei Wikipedia ist sehr gut, etwas anderes hätte ich auch nicht gesagt. Du scheinst nun ein Problem darin zu sehen, dass das Leid »immer subjektiv« ist. Dazu möchte ich Dir sagen: Da mit den Worten von Shri Ramana Maharshi »die objektive Welt nur im subjektiven Bewusstsein existiert«, ist ALLES SUBJEKTIV, aber diese subjektiven Erfahrungen haben wir Lebewesen GEMEINSAM, so dass eben doch, recht verstanden, Leid und Freude objektiv für alle sind.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es einige wenige (!) Kranke gibt, die mit ihrem Leiden gut zurechtkommen und dadurch andere Menschen inspirieren; dass es nach eigener Aussage auch »glückliche« Frauen in der Hölle der Prostitution gibt, und weitere Ausnahmesituationen. Wobei ich hier anmerken muss: Es ist auch eine Frage der Resonanz, dass immer wieder Menschen auf diese Ausnahmen verweisen, warum wohl?

Noch dazu: Es geht ja nicht nur um das eigene Leiden, sondern in größtem Maße um das universale. Da ich niemanden persönlich angehen will, spreche ich von mir selbst; drei kleine Beispiele mögen genügen.

  1. Als Sechsjähriger am Bahnhof, es gilt Abschied zu nehmen von liebem Besuch, der wieder wegfährt. Da kommt der Gedanke in mir hoch: Wozu trifft man sich, wenn man dann beim Abschied so leidet?
  2. Als Jugendlicher: Ein wunderschöner Nachmittag im Schwimmbad; alle sind fröhlich und genießen Sonne und Wasser. Da sehe ich in einer Ecke einen Jungen, der heftig weint. Und mit meinem »schönen Nachmittag« war’s zu Ende. Nicht umsonst heißt es ja »Mit-leid«!
  3. Als Erwachsener: Ich entdecke im Yogaraum eine Maus und hole einen Eimer, um sie zu fangen und im Garten in die Freiheit zu entlassen. Das weiß die Maus natürlich nicht und flieht in Panik, mal in diese Ecke, mal in jene; sie kämpft um ihr Leben. Aber der Mensch ist nun mal stärker, und so ist sie nach wenigen Minuten ohne Chance in einer Ecke. In dem Moment, wo die Maus den Eimer kommen sieht, läßt dieses kleine Wesen einen Schrei los, der mich bis ins Mark erschüttert, wahrlich erschüttert. Ich weiß seitdem konkret (nicht theoretisch-philosophisch), was »Todesangst« bedeutet. Ich werde diese zwei Sekunden, diesen Ausdruck höchster Verzweiflung mein Leben lang nie vergessen. Das war eine große Lektion für mich. Und eine sehr leidvolle.

Nicht »mein« Leid bringe den Menschen zum Nachdenken, vielmehr dass es »das Leid« überhaupt gibt. Darüber sprechen die Weisen, und da stehen wir wieder einmal vor den klassischen drei Fragen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Warum leiden die Lebewesen?

Und ich darf erneut Jacob Böhme zitieren:

»Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, all den Schmerz zu beschreiben.«

Ist diese Aussage eines großen Mystikers für Dich nicht von Bedeutung? Kann ich mir nicht vorstellen.

Avadhuta

Lieber Ram,

ich habe eine Frage zum Thema Leid;

Gibt es denn überhaupt einen (Aus)weg aus dem Leid, der für einen normalen Menschen begehbar ist?

Ja, das Leid ist eine Sache, die kommt und geht. So wie die Freude.

Aber ist nicht das größte Leid die Erfahrung der Vergänglichkeit? Denn die ist unmittelbar. Die betrifft jeden Menschen, auch die, die scheinbar nur „Glück“, „Erfolgserlebnisse“ und so weiter, erfahren. Über allem ist der Schatten der Vergänglichkeit.

Deine Beispiele kann ich gut nachvollziehen. Lass mich etwas Ergänzendes dazu sagen.

Warum suchen wir überhaupt Glück im Anderen, wenn es sowieso vergänglich ist?

Warum streben wir überhaupt zu den luxuriösesten Dingen, wenn kurz nach dem wir diese erlangt haben, sowieso wieder die alte Unzufriedenheit zurückkommt?

Unzufriedenheit = Leid

Warum putschen wir (manche) uns/sich mit Rauschmitteln, Alkohol etc. auf, wenn trotzdem hinterher der alte frustrierte Zustand und die psychischen Probleme zurückkehren?

Verbunden mit Leid

Warum nehmen wir Menschen in unseren Herzen auf, führen Partnerschaften mit ihnen, heiraten sie, wenn wir doch wissen, dass es unabhängig von einer irdischen Trennung, zu einem endgültigen Abschied auf jeden Fall kommt?
Ähnliches gilt für geliebte (Haus)Tiere.

Trauer = Leid

Ich möchte zunächst nur bei diesen einigen wenigen Punkten bleiben. Die Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen.
Ist das aber nicht ein Hamsterrad, in dem wir uns abschuften.
Werden wir vom Leben vor vollendete Tatsachen gestellt? Ist die Vergänglichkeit eine unumstößliche Tatsache, der wir uns beugen müssen?
Ich denke Nein.
Die Identifikation ist das Problem.
Aber wie können wir diese Identifikation auflösen, wenn wir nicht gleich einen vollendeten Meister zur Hand haben?
Wie können wir alleine versuchen, die Kleshas zu verringern, oder die Yamas und Niyamas einzuhalten, OHNE dass es gekünstelt bzw. aufgesetzt wirkt?
Inwieweit kann „Meditation“ in unserem täglichen Leben verwirklicht werden, ohne, dass eine Gefahr für uns besteht?
Das sind einige Fragen, die mir bzgl. Leid, Vergänglichkeit und, aber auch, dem trügerischen Anhaften an der (vergänglichen) Freude (verbunden mit Lust, Wünschen usw.) auf den Nägeln brennen. Und vielleicht auch einigen anderen Leuten mehr ...

Viele Grüße, Avadhuta :)

tulsi

... warum essen wir, wenn wir doch nur wieder hungrig werden??? Ich bin davon überzeugt, dass das Leben samt aller ups and downs, samt Freud und Leid (die oft nah beieinander liegen...) dazu da ist, dass wir lernen ... vor allem eines: damit klarzukommen. Ich verstehe die Reaktion, sich zurückzuziehen, und mit all dem nichts mehr zu tun haben zu wollen. Und alles Streben daranzusetzen, nur ja nicht wieder geboren zu werden.

Ich empfinde aber nicht so! Wenn Dein Hund stirbt, ist der einzige Trost ein neuer Hund, der nie ein Ersatz sein wird, aber doch ein Trost.

Und ich fühle mich auch keineswegs weit genug, um aus dem Kreislauf der Wiedergeburten aussteigen zu wollen – im Gegenteil: ich WILL wiedergeboren werden, um weiterzulernen, und um weiterhin singen zu können.

Die Gopis WOLLEN sich nicht auflösen in Krishna, denn dann können sie ihn nicht mehr lieben und verehren – ja, selbst die Sehnsucht und der Schmerz des Nicht-Vereinigt-Seins ist willkommen....

Ein berühmter Bhakta (war es Ramakrishna?) sagte: „Ich will Zucker essen, aber nicht Zucker sein“.

 


 

@Avadhuta: ich bin Schülerin von Swami Muktananda, ich hatte das Glück, bei ihm zu sein 1977 in Indien und 1980 in Amerika. Das, was Dir passiert ist beim Lesen seines Buches – es kann sein, dass Du „Shaktipath“ bekommen hast. Die Phänomene jedoch sind sogenannte Kriyas, die man wahrnehmen soll, aber nicht wichtig nehmen, sie sind nur ein Zeichen dafür, dass die Shakti aktiviert ist. Dieser inneren Göttin kann man durchaus vertrauen, sie besitzt eigene Intelligenz, sollte aber mit Achtung und Respekt behandelt werden. Will man sie zwingen z. B. durch exzessive Praxis, Fasten etc., vor allem wenn Ehrgeiz dabei ist, das Ego sich aufbläht, dann wird sie furios und kann allerhand Schaden anrichten ...
Herzliche Grüße!
Tulsi

wintersun

Lieber Ramananda,

erst einmal vielen Dank für deine Antwort.

Mir ging es um die Aussage – ALLES IST LEID. (Nehme ich die Aussage vielleicht zu wörtlich?)

Ich kenne es von intensiven Meditationstagen. Ich sitze da, bin auf meinem Atem konzentriert und höre einen kleinen Jungen auf der Straße weinen, spüre den Schmerz des Jungen, bin traurig, verletzt und möchte auch weinen.

Einige Minuten später bin in ich wieder in meinen eigenen Gedanken und Bildern gefangen. Vielleicht spüre ich wiederum einige Augenblicke später – Weite, Freiheit und Heiterkeit.

Oder ich bin mit meiner Familie in Urlaub und wir freuen uns, wenn wir im Meer planschen. Oder ich genieße den Kitzel einer Achterbahnfahrt mit meinem Sohn. Das Leben hat auch seine schönen Seiten. Auch wenn diese vergänglich sind. So wie auch manches Leid sich wandelt und vergeht.

Vielleicht bin ich zu egoistisch und sicher auch nicht sehr spirituell – aber für mich besteht das Leben nicht nur aus Leid. Ich meditiere auch nicht, weil ich einen spirituellen Glauben habe, sondern weil ich es wichtig finde, innerlich klarer und wacher zu werden.

Unten einer meiner Lieblingsvideos zum Thema Bewegung, persönliches Wachstum, sowie einige Augenblicke der Neugierde und Freude:

Video: Feldenkrais with Baby Liv

Länge: 3 Minuten

Youtube-Video

Mit Klick auf dem Button wird eine Verbindung zu Youtube hergestellt und die bei Youtube üblichen Daten erhoben und Cookies gesetzt.

Liebe Grüße Klaus

Ramananda

Liebe Tulsi,

der Satz: „Wenn Dein Hund stirbt, ist der einzige Trost ein neuer Hund, der nie ein Ersatz sein wird, aber doch ein Trost.
hat mich in seiner Leere etwas erschreckt, sorry. Vielleicht hast Du das gar nicht so gemeint, wie es für mich rüberkommt.

Und auch bei der Aussage: „Ich WILL wiedergeboren werden, um weiter zu lernen, und um weiterhin singen zu können.“ bin ich zusammengezuckt, erinnert sie mich doch an den eindringlichen Kommentar von Heinrich Zimmer zu dem im Yoga-Sutra genannten Klesha »Drang zum Leben« (abhinivesha):

  • »Aus den Wesenstiefen aller Geschöpfe entringt sich der gemeinsame Schrei: ›Möchte ich nicht aufhören zu sein! Möchte ich immer mehr sein!‹ … Dieser Lebenswille ist nach der indischen Theorie von der Wiedergeburt so stark, dass er den Menschen über den Abgrund des Todes hinwegträgt zu einer neuen Inkarnation und ihn zwingt, nach einem neuen Leib, einer anderen Maske, einem anderen Gewand zu greifen, um darin fortzuleben. Ja, dies Verlangen steigt ganz spontan, ganz von selbst auf; es kommt nicht aus dem Denken.«

Shri Ramakrishnas ergreifende Worte „ich will Zucker essen, aber nicht Zucker sein“ sind weltberühmt, sollten aber nicht einseitig verstanden werden. Der höchste Zustand des Bhakti-Yoga, der Savikalpa-Samadhi (Gottverwirklichung mit Form) kann nach Aussage der Erleuchteten nur eine gewisse Zeit lang gehalten werden, und in dieser Zeit genießt man es, Zucker zu essen, aber nicht Zucker zu sein.

Es ist aber in der Bestimmung des Menschen (oder, wenn man das so sehen kann, es ist Gottes Wille), dass es weitergehen muss zum Nirvikalpa Samadhi oder Nirvana, zur Verwirklichung des formlosen Aspekts, zum Eins-Sein mit dem alldurchdringenden Meer des Bewusstseins (zur Erinnerung: sa-vikalpa heißt »mit Vorstellung der Verschiedenheit«, also »hier ich« und »dort Gott«; nir-vikalpa bedeutet »ohne Vorstellung der Verschiedenheit«, das Eine ohne ein Zweites, das Ende des spirituellen Weges).

So kam es eines Tages, als der junge, bereits im Glanz des Savikalpa-Samadhi leuchtende Shri Ramakrishna am Ufer des Ganges saß, dass ein Boot ankam, dass ein unbekannter Mann ausstieg (Meister Tota Puri), der zu ihm sprach: »Du musst jetzt weitergehen, zum letzten Ziel!«

Den Fortgang der wundervollen Geschichte lese man im »Gospel« …

 


 

wintersun schrieb: „Das Leben hat auch seine schönen Seiten. Auch wenn diese vergänglich sind.“

Lieber Klaus,

ja, natürlich ist diese Welt auch unfassbar wundervoll!

Aber, hier hat @Avadhuta im obigen Post den Punkt getroffen, das Problem liegt in der Vergänglichkeit der Dinge, und eben dies bezeichnet man in der Philosophie des Yoga als Leid.

Man muss dieser Sicht nicht zustimmen; es ist ja nach Aussage der Erleuchteten alles nur »eine Projektion des eigenen Geistes«. Und so erschafft sich jeder sein eigenes Universum.

Für mich gilt:

  • Erstens, meine eigenen Erfahrungen sind mir Beweis genug: Jawohl, es ist genau diese Vergänglichkeit, die alles per se zum Leiden macht. Ohne die Vergänglichkeit gäbe es weder Philosophie noch Religion.
  • Zweitens, wie gut verstehe ich auf der Basis der eigenen Erfahrungen die zahlreichen Aussagen in der Bhagavad-Gita, wo der Endzustand der menschlichen Entwicklung – das leidlose Brahman – mit diesen Begriffen umrissen wird:
    »frei von den Gegensätzen, unteilbar, unvergänglich,
    grenzenlos, unzerstörbar, unermeßlich,
    unwandelbar, ewig, immerwährend.«

PS: Zu Deinem Satz »Vielleicht bin ich zu egoistisch und sicher auch nicht sehr spirituell« lass mich sagen: Diese Bescheidenheit ehrt Dich. Aber aus Deinen Postings lese ich etwas anderes heraus, auch wenn Du es manchmal verstecken willst, dass Du ein sehr spiritueller Mensch bist.

Avadhuta

Guten Abend zusammen,

PUUUHHH, das Zitat von Heinrich Zimmer hat mich erstmal irgendwie weg gepustet, ich muss erstmal wieder zu mir kommen.

So, dann mal los.

Ladies first!

@tulsi schreibt: „...warum essen wir, wenn wir doch nur wieder hungrig werden???“ 

Das Beispiel hatte ich glatt vergessen. Danke, dass Du es aufgreifst. Das drückt die Vergänglichkeit am besten aus. Anandamayi Ma musste tatsächlich gefüttert werden, von ihren Devotees, ohne die sie verhungert und verdurstet wäre. Der Körper war eben zu keiner karmischen Gegenreaktion bereit. Daran erkennt man wahre Meister, die für immer im Nirvikalpa/Nirbija Samadhi verankert sind. Das kann eine Folge sein ... von diesen Zuständen.

Wenn Dein Hund stirbt, ist der einzige Trost ein neuer Hund, der nie ein Ersatz sein wird, aber doch ein Trost.“ 

ICH habe diese Erfahrung im letzten Jahr machen müssen, dass mein Baby (mein Hund) gestorben ist, der mich seit meiner Kindheit begleitet hat. :( :( :(

Ich weiß, wie unerträglich dieser Schmerz ist, wenn man seine geliebten Vierbeiner hergeben muss! Ich habe es lange Zeit als Verrat empfunden, mir Gedanken über „was Neues“ zu machen. Habe mich aber entschlossen wieder was neues „Tierisches“ :) in meine 4 Wände einziehen zu lassen. Das ist wohl eine hoffnungslose Klesha, die da in mir ausgeprägt ist. Ich weiß aber, dass ich damit neues Karma wirksam werden lasse! Warum? Weil ich damit wieder Verantwortung für jemand anderen übernehme. Und damit Zeit abgebe, die ich eigentlich in meine Sadhana stecken müsste.
Aber ich kann nun mal nicht anders.
Dass Du nach einer weiteren Reinkarnation strebst, kann ich zu einem Teil verstehen, zum anderen Teil muten mich die Argumente, mit denen Du diesen Wunsch begründest, ehrlich gesagt, ein wenig fremdartig an.

Du schreibst: „Und ich fühle mich auch keineswegs weit genug, um aus dem Kreislauf der Wiedergeburten aussteigen zu wollen – im Gegenteil: Ich WILL wiedergeboren werden, um weiter zu lernen, und um weiterhin singen zu können.“ 

Ersteres verstehe ich. Aber warum willst Du die Talente, die Du ohnehin schon hast, wieder in einem weiteren Leben „genießen“? Das verstehe ich eindeutig als Anhaftung. Ein Steckenbleiben auf dem Weg. Fakt ist doch, dass wir ALLE auf dem Weg zu Nirvikalpa sind. Warum also diese Entwicklung blockieren? Warum warten? Natürlich wird dieses Entwicklungsstadium viele Menschen erst nach vielen weiteren Inkarnationen ereilen, aber ich für meinen Teil, möchte das lieber so stark vorantreiben, dass das bei mir schneller der Fall ist, solange es auf der Erde noch relativ gemütlich zugeht :(

Das Kali Yuga hat noch nicht seine „besten“ Seiten offenbart ...

Zu Deiner Bemerkung über Shaktipat, Muktananda:
ja ... da habt Ihr, Du, larrim und Ramanandaji mir einiges voraus. Ihr hattet oder habt das Glück, „Euren“ persönlichen Sat Guruji getroffen zu haben. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass mir dieses Glück ebenfalls zuteilwird.
Obwohl das Verlangen danach natürlich nicht zu stark werden darf. Das ist mir bewusst.

@wintersun

Du stehst mit beiden Beinen im Leben, Dir kann man nichts vormachen. Du weißt was Du bist und was Du nicht bist. Diese Klarheit „liebe“ ich.
Das IST Spritualität im Alltag.
Da hast Du aber schon eine ganz schöne Reife erlangt, ohne dass Du Dich perfektionieren willst. Bravo. Da kann ich noch ne Menge von Dir lernen.

@Ramananda,

Deine Postings muss ich erstmal sacken lassen,
da kann nicht ohne weiteres darauf antworten.
Ich weiß zu schätzen, mit was DU uns hier verwöhnst.
Danke für dein Sein. :he:

Viele liebe Grüße :)

Avadhuta

tulsi

Lieber Ramananda,
vielleicht ist das Hundebeispiel für Dich nicht nachvollziehbar ... ich lebe mit ihnen, und dieser Satz kam aus meiner Erfahrung, aus der Praxis – die für mich Fülle ist, und es verletzt mich, wenn Du das als Leere abqualifizierst ...

Sehr schön finde ich Deine schlichte und klare Erläuterung der beiden Samadhis! Jedoch fühle ich gerade mal eine kleinwinzige Annäherung an Savikalpa ... wie soll ich mich da um das große Endziel kümmern? Bhakti ist für mich ein praktikabler Weg, das ist machbar, während der Tantra z. B. so kühn ist, dass es wohl noch ein wenig dauern wird, bis ich so weit bin. Ich bin eine normale Frau, führe ein ganz normales Leben, und viele Dinge sind für mich zu kompliziert. Aber das geht immer: „the greatest thing, you´ll ever learn, is just to love - and be loved in return“ (aus einem Jazz-standart: „nature Boy“). Daher habe ich viel Sympathie für die Gopis!

Und Abhinivesha habe ich bisher so verstanden, dass ich mich an dieses eine Leben festklammere und gegen den Kreislauf von Werden und Vergehen stemme – aber vielleicht liege ich da auch falsch. Ich fürchte mich nicht vor dem Tod und ich fürchte mich nicht vor der Wiedergeburt. Und wenn doch alles ganz anders sein sollte ... nun, ich will es nehmen, wie es kommt.

Lieber Avadhuta,
es geht mir nicht darum, im nächsten Leben meine Talente zu genießen, sondern ich will weiter lernen – und weiterhin singen (ich bin eine Kirtan Sängerin) – das heißt: weiterhin Hingabe. Vielleicht ist das auch Anhaften ... aber ich kann nicht anders.

Gratulation zum neuen Hund! Nicht Handeln ist keine Lösung.

Das ist es, was ich meine mit „wir müssen lernen, damit zurechtzukommen“: wenn ich z. B. eine Freundin habe, die mein Vertrauen missbraucht, und die Freundschaft zerbricht, dann ist das für mich eine Lehre. Möglicherweise war ich zu stolz auf diese Freundschaft (Anklammern an der Zuneigung). Wenn ich mich aber nun auf nichts mehr einlasse, dann falle ich von einem Extrem ins andere (Anklammern an der Abneigung). Ich will mich wieder darauf einlassen, wieder Vertrauen haben, im vollen Bewusstsein dessen, dass es schiefgehen kann und vergänglich ist. Ich hoffe doch, dass ich die Sache mit jeder Wiederholung ein wenig besser mache!

Warum sollen wir auch immer einen Unterschied machen zwischen „Sadhana“ und „Nicht-Sadhana“? Ist nicht das Bewusstsein ausschlaggebend dafür, dass das, was wir tun, zur Übung wird? Ich kann den Abwasch machen, und es ist Sadhana ...
Herzliche Grüße!
Tulsi

larrim

Guten Morgen.
Ram schrieb:

Eine Zweite darf nicht fehlen, denn die Begriffe »Geist« und »Kundalini-Shakti« gehören zusammen."

Hier stimme ich völlig zu. Sat Gurunath nennt den Geist gerne den „heiligen bewussten Geist“, um ihn klarer vom Verstand abzugrenzen.


 

Avadhuta schrieb:

"Warum streben wir überhaupt zu den luxuriösesten Dingen, wenn kurz nach dem wir diese erlangt haben, sowieso wieder die alte Unzufriedenheit zurückkommt? Unzufriedenheit = Leid
Warum putschen wir (manche) uns/sich mit Rauschmitteln, Alkohol etc. auf, wenn trotzdem hinterher der alte frustrierte Zustand und die psychischen Probleme zurückkehren? Verbunden mit Leid
Warum nehmen wir Menschen in unseren Herzen auf, führen Partnerschaften mit ihnen, heiraten sie, wenn wir doch wissen, dass es unabhängig von einer irdischen Trennung, zu einem endgültigen Abschied auf jeden Fall kommt? Ähnliches gilt für geliebte (Haus)Tiere. Trauer = Leid
"

Nun, dieser erlebt das Leben als eine Schule. Er, der eine namenlose, bietet uns immer wieder neue Lernfelder an, um uns die Chance zu geben, uns zu entwickeln. Die übermäßige Bindung an die materielle Welt verursacht Leiden. Warum aber ist das so?

Allles ist ein zweischneidiges Schwert. Stell dir vor, du gewinnst in einer Lotterie einen Porsche, hast aber keine Garage. Wie schnell erwacht das Ego in seiner unermesslichen Gier und möchte dieses Auto für immer behalten. Im nächsten Schritt kommt dann der Gedanke, was ist, wenn nun in der Nacht jemand den Spiegel des Porsche abtritt oder ihn auf welche Weise auch immer kaputt macht. Hier beginnt das Leiden. Bevor du einmal mit dem schicken Flitzer auf der Autobahn warst und die Geschwindigkeit genießen konntest, ist der Spaß am Porsche damit vorbei.

In zwischenmenschlichen Beziehungen, an denen zunächst einmal nichts auszusetzen ist, geschieht doch meist Folgendes:

Zwei Menschen finden sich, verlieben sich, heiraten vielleicht und dann planen sie die nächsten 100 Jahre, nach 100 Minuten erfolgt die Scheidung. (Die statistische Lebenserwartung heute geschlossener Ehen ist 3 Jahre!)
Der Mensch verliert sich in den Verwirrungen der Zeitlinie. Begegnung hier und jetzt findet nicht mehr statt.
An Bedingungen geknüpfte Erwartungen, wie nun genau der oder die andere einen Menschen glücklich zu machen hat, entstehen.

Aber ist wirklich in den menschlichen Beziehungen, wo Liebe draufsteht auch Liebe drin?
Yoga wie auch das westliche Äquivalent Religion heißt in Beziehung sein, diese aber gibt es nur im Hier und Jetzt.
Im Jetzt mit Gott und der Welt vollkommen eins zu sein.
Die Aufhebung dieser Trennung ist es, die vom Sadhaka gefordert ist. Jetzt!!!!!! Nicht Morgen, nicht in 20 Jahren, jetzt.


 

Ram schrieb: 
"... und auch bei der Aussage "ich WILL wiedergeboren werden, um weiter zu lernen, und um weiterhin singen zu können" bin ich zusammengezuckt, erinnert sie mich doch an den eindringlichen Kommentar von Heinrich Zimmer zu dem im Yoga-Sutra genannten Klesha »Drang zum Leben« (abhinivesha): »Aus den Wesenstiefen aller Geschöpfe entringt sich der gemeinsame Schrei: ›Möchte ich nicht aufhören zu sein! Möchte ich immer mehr sein!‹ … Dieser Lebenswille ist nach der indischen Theorie von der Wiedergeburt so stark, dass er den Menschen über den Abgrund des Todes hinwegträgt zu einer neuen Inkarnation und ihn zwingt, nach einem neuen Leib, einer anderen Maske, einem anderen Gewand zu greifen, um darin fortzuleben. Ja, dies Verlangen steigt ganz spontan, ganz von selbst auf; es kommt nicht aus dem Denken.«"

Nun auch hier hat Ram in diesen Augen recht. 

Es hier und jetzt zu genießen im herrlichen Sonnenschein ein Eis zu essen, zu tanzen und zu springen ist die eine Seite des zweischneidigen Schwertes. Aber springt die menschliche Gier an, für immer weiter im Sonnenschein Eis essen zu wollen, ist der wirkliche Genuss vorbei.

Die Wunsch-Produktionsmaschine des Ego ist wie ein Perpetuum mobile, sie produziert ständig neue Wünsche. Sei es auch nur der Wunsch, noch in diesem Leben den ganzen Weg zur Vollendung gehen zu wollen.
Auch hier ist wieder die Zeit im Spiel. Dann, wenn der Geist (hier im Sinne der Polka tanzenden Affenherde in den Köpfen der Suchenden) völlig stillsteht, wie Patanjali in Sutra 1.2 so treffend beschreibt, entkommt der Sadhaka dieser Zeitlinie. Der Grund des Yogas wird berührt. Meditation kann entstehen.

Oft erwacht nach einer solch tiefen Erfahrung die Gier und will diese Erfahrung immer und immer wieder wiederholen. Gestern hatte ich diese tolle Erfahrung, jetzt aber nicht. Neue Trennung entsteht.


 

Ram schrieb:
"Es ist aber in der Bestimmung des Menschen (oder, wenn man das so sehen kann, es ist Gottes Wille), dass es weitergehen muss zum Nirvikalpa Samadhi oder Nirvana, zur Verwirklichung des formlosen Aspekts, zum Eins-Sein mit dem alldurchdringenden Meer des Bewusstseins (zur Erinnerung: sa-vikalpa heißt »mit Vorstellung der Verschiedenheit«, also »hier ich« und »dort Gott«; nir-vikalpa bedeutet »ohne Vorstellung der Verschiedenheit«, das Eine ohne ein Zweites, das Ende des spirituellen Weges)."

Ja, die Bestimmung und die letzte Wahrheit ist, wir alle treiben der Vollendung entgegen, wollen wir sie aber forcieren, dann wirds schwierig.
„Herr dein Wille geschehe“ heißt es im Christentum so schön.
Geben wir uns doch dem Einen Namenlosen, ganz ohne wenn und aber hin, vertrauen uns seiner Führung und grenzenlosen Liebe an. Öffnen wir die Augen für den Widerstreit in uns, zwischen dem Göttlichen Innewohner in uns und dem Ego, welches uns immer wider in die Falle lockt.
Was hilft es, über das höchste Samadhi zu reden, zu lesen, es sind doch alles nur Modelle. Irgendwann, dann, wenn der Sadhaka vollkommen absichtslos immer und immer wieder seine Praxis vollzieht, wirds irgendwann geschehen.

Licht und Liebe
Aber schaut selber hin in eurem Leben, glaubt nicht, was in den Büchern steht, glaubt nicht den Worten dieses verwirrten Narren.

Lars

Yudhamanyu

Danke euch für die vielen fundierten, ausgezeichneten Beiträge hier.
Ramananda hat schon eine Menge über das Thema Leid aus buddhistischer Sicht geschrieben. Die Vergänglichkeit als eine der Grundeigenschaften aller Dinge und die daraus resultierende Leidhaftigkeit aller Dinge sind mit die bekanntesten Gedanken des Buddhismus. Ursache des Leidens ist unmittelbar das Begehren, letzten Endes aber die Unwissenheit.

Das hört sich natürlich pessimistisch an. Es gibt eben sehr verschiedene Definitionen, Verständnisse von Leid. Und sie sind alle irgendwie richtig. Leidvoll verstehe ich hier als „keine andauernde Zufriedenheit, Glück, Freude gebend“ und keinesfalls im Sinne von „im Leben ist alles schlecht“.

Es geht auch gar nicht darum, den Menschen den Spaß am Leben zu verderben.

Wer das Leidhafte nicht sieht, leidet subjektiv auch nicht darunter.

In dem Maße, wie sich einem das Verständnis für das Leiden erschließt, entfaltet sich auch die Freiheit, Unabhängigkeit vom bisherigen leidbringenden Objekt. Man lässt die Begierde nach und nach fallen, die Bindung, das Anhaften wird aufgehoben oder gelockert. Das können banale Dinge wie Essgewohnheiten oder Konsumverhalten sein, das dehnt sich aus. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch in seinem Leben lernt und wächst (und stimme damit den Vorrednern zu).

Die oben genannte Unwissenheit ist allerdings sehr grundlegend, tief verwurzelt und erst im Erleuchteten restlos aufgehoben. Wenn ich lese oder höre „xy ist Leiden“, heißt das ja nicht, dass ich dieses Leid auch wahrnehme, und noch viel weniger, dass ich die edle Wahrheit vom Leiden erkannt habe. Ich kann den Satz intellektuell verstehen und für richtig halten, das hat aber keine Bedeutung, solange die Erfahrung und echte Erkenntnis fehlt. Und andererseits: das Leid, das ich spüre, treibt mich an, auf dem Weg weiterzugehen.

Zur Wiedergeburt: ich weiß, dass ich noch ein paar Runden drehen muss – ist akzeptiert! Ob es viel Sinn macht, die Reise zu beschleunigen, weiß ich nicht. Der eigene Wille ist kein guter Reiseleiter, und egal, wie ich mir das Ziel vorstelle – es wird anders sein.

Untätigsein ist auch nicht gut. Mit der Welle zu schwimmen, ist vom Gefühl her o. k. für mich, ich versuche, die Gangart meines Daseins wahrzunehmen und mit ihr schrittzuhalten. In den Fällen, wo mir das gelingt, entstehen wirklich glückliche Momente, wo nicht, komme ich mir vor wie die Fliege, die immer wieder vergeblich gegen die Fensterscheibe anstürmt und den Ausweg verfehlt.

Ich möchte noch etwas zitieren, was ich für passend und wertvoll halte, und zwar aus den 14 Geboten des Tiep Hien Ordens (1966 von Thich Nhat Hanh während des Krieges in Vietnam gegründet):

1. Do not be idolatrous about or bound to any doctrine, theory, or ideology, even Buddhist ones. All systems of thought are guiding means; they are not absolute truth.
2. Do not think that the knowledge you presently possess is changeless, absolute truth. Avoid being narrow-minded and bound to present views. Learn and practise non-attachment from views in order to be open to receive the viewpoints of others. Truth is found in life and not merely in conceptual knowledge. Be ready to learn throughout your entire life and to observe reality in yourself and in the world at all times.
14. Do not mistreat your body. Learn to handle it with respect. Do not look on your body as only an instrument. Preserve vital energies (sexual, breath, spirit) for the realization of the Way. Sexual expression should not happen without love and commitment. In sexual relationships be aware of future suffering that may be caused. To preserve the happiness of others, respect the rights and commitments of others. Be fully aware of the responsibility of bringing new lives into the world. Meditate on the world into which you are bringing new beings.

Übersetzt:

1. Sei nicht götzendienerisch oder an eine Doktrin, Theorie oder Ideologie gebunden, auch nicht an buddhistische. Alle Denksysteme sind Orientierungshilfen; sie sind nicht die absolute Wahrheit.
2. Glaube nicht, dass das Wissen, das du gegenwärtig besitzt, eine unveränderliche, absolute Wahrheit ist. Vermeide es, engstirnig und an gegenwärtige Ansichten gebunden zu sein. Lerne und übe, dich nicht an Ansichten zu binden, um offen für die Standpunkte anderer zu sein. Die Wahrheit findet sich im Leben und nicht nur im begrifflichen Wissen. Seie bereit, dein ganzes Leben lang zu lernen und die Realität in dir selbst und in der Welt zu jeder Zeit zu beobachten.
14. Misshandle deinen Körper nicht. Lerne, ihn mit Respekt zu behandeln. Sieh deinen Körper nicht nur als ein Instrument an. Bewahre die Lebensenergien (Sexualität, Atem, Geist) für die Verwirklichung des Weges. Sexueller Ausdruck sollte nicht ohne Liebe und Hingabe geschehen. Seien Sie sich in sexuellen Beziehungen des zukünftigen Leids bewusst, das dadurch verursacht werden kann. Um das Glück anderer zu bewahren, respektiere die Rechte und Verpflichtungen anderer. Sei dir der Verantwortung, neues Leben in die Welt zu bringen, voll bewusst. Meditiere über die Welt, in die du neue Wesen bringst.

Atreju59

Hallo Lars,

zwischen all diesen herrlichen Beiträgen möchte ich kurz etwas zu Deinem letzten Post schreiben und habe Fragen. Aufmerksam lese ich hier still mit in der Hoffnung, wieder etwas Interessantes zu lesen. Inzwischen fasziniert mich dieses Thema. Mache ich mich damit abhängig? Kann man das als Gier bezeichnen? Wäre es nicht richtig und konsequent, diesem Forum zu entsagen, damit ich keinen Stillstand erfahre?

Du schreibst, dass das alles nur Modelle sind und jeder auf sich und sein Leben schauen soll. Warum habe ich beim Lesen den Eindruck, dass in der Breite ein Anhaftung an eine bestimmte Lehre, an eine bestimmte Person (Meister, Erleuchteter) vorhanden ist.

Weiter schreibst Du: "Ja, die Bestimmung und die letzte Wahrheit ist, wir alle treiben der Vollendung entgegen, wollen wir sie aber forcieren, dann wirds schwierig."

Das empfinde ich anders, wenn ich mir die Menschheit und den Planeten, auf dem wir leben, als ganze Einheit anschaue. Das Materielle gewinnt immer mehr an Bedeutung, die Kluft zwischen „reich und arm“ wird immer größer, es entstehen immer mehr Abhängigkeiten, die Gewalt nimmt zu, Toleranz wird immer mehr zum Fremdwort und damit nimmt auch das Leid zu. In unserer westlichen Welt mehr das psychische wie das physische Leid. Wenn doch alles ein Lernprozess ist, von Leben zu Leben, dann sollte es in der von Dir beschriebenen Richtung weitergehen. Tut es aber nicht.

Sorry für die banal anmutenden Fragen, doch einiges erscheint mir grundsätzlich widersprüchlich.

LG
Dieter

Ramananda

tulsi schrieb: "… vielleicht ist das Hunde-Beispiel für Dich nicht nachvollziehbar ... ich lebe mit ihnen, und dieser Satz kam aus meiner Erfahrung, aus der Praxis – die für mich Fülle ist, und es verletzt mich, wenn Du das als Leere abqualifizierst ..."

Liebe Tulsi,

bitte verzeihe mir; Dich zu verletzen war gewiss nicht meine Absicht. So wie ich aber bei Deinem Satz »ich WILL wiedergeboren werden …« spontan an die eindringliche Äußerung von Heinrich Zimmer denken musste, genauso spontan, ohne eine Sekunde des Nachdenkens, kamen mir beim Hundebeispiel die berühmten Worte in den Geist, welche Shri Ramakrishna sprach, als es darum ging, dass ein Mensch, der eigentlich frei wäre für den Weg zur Erleuchtung, sich ohne Not selbst weitere Hindernisse in den Weg legt.

Diese unsterblichen Worte findet man im 1898 (!) erschienenen Buch von Prof. Max Müller: »Ramakrishna, His Life and Sayings« und sind dort unter Spruch 312 verzeichnet:

312. There are men, who, although they have nothing to attract them in this world, create some attachments for themselves, and so try to bind themselves to this earth. They do not want and do not like to be free. A man who has no family to care for, no relatives to look after, generally takes a cat, or a monkey, or a dog, or a bird for a pet object and companion; and thus slakes his thirst for milk by drinking mere whey. Such is the power of Mâyâ or Nescience over humanity.

Ich versuche zu übersetzen:

312. Es gibt Menschen, die, obwohl sie nichts mehr haben, was sie in dieser Welt anzieht, sich selber einige Bindungen schaffen und so versuchen, sich an diese Erde zu fesseln. Sie wollen nicht frei sein und lieben es nicht, frei zu sein. Ein Mensch, der keine Familie zu versorgen hat, keine Verwandten, um die er sich kümmern muss, legt sich in der Regel als Haustier und Gefährten eine Katze zu, oder einen Affen, oder einen Hund, oder einen Vogel, und stillt so seinen Durst nach Milch durch das Trinken bloßer Molke. Solches ist die Macht der Maya oder Unwissenheit über die Menschheit.

Wie unmenschlich, hört man heutzutage von vielen als Antwort. Nun, für mich gibt es auch in diesem Fall das Menschliche (»Allzumenschliche«) und das Göttliche. Vom menschlichen Standpunkt aus verstehe ich (und teile ich) die Liebe zu den Haustieren. Aber Shri Ramakrishna – der mich stärkstens beeinflußt hat – war eben das Göttliche, die Stimme des Höchsten. Und hier wäre mit den Worten von Lao Tse festzustellen: »Wahre Worte sind nicht schön …«

PS:
Die wundervollen »Sayings of Shri Ramakrishna« findet man hier.

Bereits beim allerersten, zutiefst bewegenden Spruch dieser Sammlung beginnt man zu ahnen, was praktische Weisheit bedeutet, kommt man zur direkten Begegnung mit dem göttlichen Geist, begreift man die Größe dieses Heiligen:

1. Thou seest many stars at night in the sky, but findest them not when the sun rises. Canst thou say that there are no stars, then, in the heaven of day? So, O man, because thou beholdest not the Almighty in the days of thy ignorance, say not that there is no God.

Übersetzt: 

1. Du siehst viele Sterne in der Nacht am Himmel, aber du findest sie nicht, wenn die Sonne aufgeht. Kannst du denn sagen, dass es am Himmel des Tages keine Sterne gibt? Weil du also, o Mensch, den Allmächtigen in den Tagen deiner Unwissenheit nicht gesehen hast, sage nicht, dass es keinen Gott gibt.

Mögen alle Wesen glücklich sein!
Om Shanti

Avadhuta

Liebe Tulsi,

Du schreibst Folgendes: "Lieber Avadhuta, es geht mir nicht darum, im nächsten Leben meine Talente zu genießen, sondern ich will weiter Lernen – und weiterhin singen (ich bin eine Kirtan Sängerin) – das heißt: weiterhin Hingabe. Vielleicht ist das auch Anhaften ... aber ich kann nicht anders.
Gratulation zum neuen Hund! Nicht Handeln ist keine Lösung. Das ist es, was ich meine mit „wir müssen lernen, damit zurecht zu kommen“: wenn ich z. B. eine Freundin habe, die mein Vertrauen missbraucht, und die Freundschaft zerbricht, dann ist das für mich eine Lehre. Möglicherweise war ich zu stolz auf diese Freundschaft (Anklammern an der Zuneigung). Wenn ich mich aber nun auf nichts mehr einlasse, dann falle ich von einem Extrem ins andere (Anklammern an der Abneigung). Ich will mich wieder darauf einlassen, wieder Vertrauen haben, im vollen Bewusstsein dessen, dass es schief gehen kann und vergänglich ist. Ich hoffe doch, dass ich die Sache mit jeder Wiederholung ein wenig besser mache! Warum sollen wir auch immer einen Unterschied machen zwischen „Sadhana“ und „Nicht-Sadhana“? Ist nicht das Bewusstsein ausschlaggebend dafür, dass das, was wir tun, zur Übung wird? Ich kann den Abwasch machen, und es ist Sadhana ...
"

Da habe ich Dich, was deine Ausführungen bzgl. weiterer Inkarnationen betrifft, etwas falsch verstanden. Aber vergiss nicht, dass Du mit Sicherheit noch weitere verborgene Potentiale und natürlich auch die eine oder andere Schwäche auf die Erde mitgebracht hast. Die auch ausgelebt oder „aufgebraucht“ werden wollen. Wer sagt denn, dass Du in einer weiteren Existenz nicht als „Bettlerin“ durch die Lande ziehst, technische Kapazitäten einbringst oder eine herausragende Tänzerin wirst. Warum hältst Du nur an der Existenzebene einer begnadeten Kirtansängerin fest? Oder an einer Deiner momentanen Gaben. Natürlich sei Dir dieses Talent vergönnt! Aber ich denke, Dein Blick verengt sich ein wenig unter dieser starken Identifikation.

Danke liebe Tulsi, für die Glückwünsche, aber ein Hund ist es diesmal nicht mehr, sondern Katzen. Gezüchtete, zur reinen Wohnungshaltung.
Ich muss Dir, aber mal sagen, dass Eure Hunde ja wirklich tolle Prachtexemplare sind! Jetzt ist mir überhaupt erst klar geworden, wer DU bist! Das war ein richtiges AHA-Erlebnis.
Ich habe nämlich, schon vor einiger Zeit, eine inspirierende Kurzbiographie über Swami Muktananda in einem SEHR bekannten Yogabuch gelesen, die Du verfasst hast.

@Tulsi, dass Ramananda negativ auf den Satz mit den Hunden reagierte, konnte ich nachempfinden. Wenn mir das einer im letzten Jahr gesagt hätte, wäre diese Anweisung für mich, ein Schlag in die Magengrube gewesen. „Dein Fahrrad ist kaputt, naja, dann kauf Dir eben ein Neues.“ So hätte ICH das aufgefasst. Aber das hängt mit meiner Dünnhäutigkeit, in Bezug auf diese Sache, zusammen. Jetzt, da ich sehe, dass Du eine Hundezüchterin bist, verstehe ich diesen Standpunkt. Ich kenne auch viele, ja wirklich viele Tierbesitzer u. Züchter, die diesen Standpunkt vertreten. Wenn Du mehrere Hunde oder Katzen bzw. Tiere hast, kannst Du Dir es natürlich nicht leisten „zusammenzubrechen“ oder in zu großer Trauer zu versinken. Du musst ja weiterhin für Deine anderen Schützlinge da sein. Aber wenn Du über Jahre hinweg nur an EIN Tier gebunden warst, kommen solche Tipps eventuell sehr verletzend an, obwohl es gut gemeint ist. Vielleicht spürst Du, was ich meine.

Deine Beispiele und die Erörterungen zu Raga und Dvesha, finde ich sehr verwirrend.
Aber vielleicht reden wir auch nur aneinander vorbei, während wir auf den gleichen Punkt hinauswollen ...
Warum entsteht aus dem Verlust eines geliebten Tieres oder einer Enttäuschung durch eine falsche Freundin, an der man gehangen hat, eine neue Klesha? Das will mir nicht in den Kopf.

Wenn ich meinen Hund hergeben muss, und ich nach einer gewissen Zeit der Trauer entscheiden würde, mir kein Tier mehr „anzuschaffen“, entsteht doch keine „Abneigung“ oder „Nichthandeln“. Dann verwende ich meine Zeit eben für was anderes. Deshalb entwickle ich doch keine Dvesha, die mich das Besitzen von Tieren abneigen lässt.

Genauso brauche ich auch keine/n „neue/n beste/n Freund/in“, bloß um eine Art Mittelmaß zu finden, zwischen Raga und Dvesha [Ergänzung von Peter: Mögen-Nichtmögen, Zuneigung-Abneigung, Liebe-Hass], nur weil ich enttäuscht wurde. Da ist man eben beim nächsten Mal ein wenig vorsichtiger. Ich akzeptiere doch diese „Zustände“ weiterhin, auch wenn ich sie nicht mehr direkt auslebe. Aber warum kreierst Du an dieser Stelle so eine Art „MUSS zur HANDLUNG", weil man ja sonst ... aber vielleicht verstehe ich Dich auch einfach nur falsch. Die HANDLUNG kann ebenso in der NICHTHANDLUNG stattfinden. Deine Ansicht, mit der Kraft der NICHTHANDLUNG zur HANDLUNG überzugehen, ist mir ein bisschen zu einseitig.

„Ich kann den Abwasch machen, und es ist Sadhana“.

Da hast Du recht! Für einen Befreiten (Nirvikalpa/Savikalpa), ist auch das Banalste, eine „erleuchtete“ (Nicht)handlung. Aber ich, spüre solche „göttlichen“ Empfindungen, zugegebenermaßen, noch nicht, wenn ich z. B. das Katzenklo sauber mache. Da kommen mir ganz andere, na ja ...
Dein Satz ist leicht gesagt, aber um gerade diese EINFACHSTEN Handlungen in der Nichtdualität wahrzunehmen, bedarf es einer ungeheuren Entwicklung. Denn, es ist ja gerade das EINFACHSTE, was am SCHWERSTEN zu verwirklichen ist. Natürlich sind solche Handlungen auch gut, um die Demut des Sadhakas zu schulen, aber in gewisser Weise können Sie auch „unnötiges“ KARMA erzeugen.
Ich weiß jetzt schon, was in hoffentlich erst vielen, vielen, vielen Jahren, wieder auf mich zukommt, aber ich habs ja nicht anders gewollt ...!

Liebe Grüße :)

Avadhuta

larrim

Atreju59 schrieb: "Hallo Lars, zwischen all diesen herrlichen Beiträgen möchte ich kurz etwas zu Deinem letzten Post schreiben und habe Fragen. Aufmerksam lese ich hier still mit in der Hoffnung, wieder etwas Interessantes zu lesen. Inzwischen fasziniert mich dieses Thema. Mache ich mich damit abhängig? Kann man das als Gier bezeichnen? Wäre es nicht richtig und konsequent diesem Forum zu entsagen, damit ich keinen Stillstand erfahre?"

Nun lieber Klaus, es kann beides sein. Aber erstmal sehe ich dein Interesse, deine Neugier als einen inneren Ruf, nun andere Aspekte des Lebens zu betrachten. Du wirkst auf diesen, so als suchtest du nach einer spirituellen Orientierung. Falls deine Neugier dazu führt, dass du deinen Alltag nicht geregelt bekommst, ja dann wäre es ratsam diesem Forum vorübergehend zu entsagen.

Atreju59 schrieb: "Du schreibst, dass das alles nur Modelle sind und jeder auf sich und sein Leben schauen soll. Warum habe ich beim Lesen den Eindruck, dass in der Breite ein Anhaftung an eine bestimmte Lehre, an eine bestimmte Person (Meister, Erleuchteter) vorhanden ist."

Ja, auch hier hast du nicht ganz unrecht. Alle Lehren und alle Meister versteht dieser als Krücken, die behilflich sind auf eine neue Art Laufen zu lernen. Irgendwann jedoch sollte dann auch wieder ohne diese Krücken gelaufen werden. Ein sehr guter Freund, der auf seinem Wege ein paar Schritte weiter vorangekommen ist, bezeichnete in jüngster Vergangenheit einen Meister als den Anlasser des Motors und sagte dann, anschließend müsse der Sadhaka dann jedoch das Auto allein fahren. Ein Meister, eine Lehre, spirituelle Literatur und auch all die Beiträge in diesem Forum können Inspiration sein, sind aber solange bedeutungslos, bis der Suchende sie in seinem eigenen Leben überprüft hat, geschaut hat, ob sie zutreffen oder eben nicht.

Völlig unhinterfragt etwas zu übernehmen, bringt niemanden voran.

Ungeteilte Achtsamkeit in jedem Augenblick zu entwickeln ist hingegen einer der wichtigsten Schlüssel auf dem Pfad.

Atreju59 schrieb: "Weiter schreibst Du: "Ja die Bestimmung und die letzte Wahrheit ist, wir alle treiben der Vollendung entgegen, wollen wir sie aber forcieren, dann wirds schwierig." Das empfinde ich anders wenn ich mir die Menschheit und den Planeten auf dem wir leben als ganze Einheit anschaue. Das Materielle gewinnt immer mehr an Bedeutung, die Kluft zwischen „reich und arm“ wird immer größer, es entstehen immer mehr Abhängigkeiten, die Gewalt nimmt zu, Toleranz wird immer mehr zum Fremdwort und damit nimmt auch das Leid zu. In unserer westlichen Welt mehr das psychische wie das physische Leid. Wenn doch alles ein Lernprozess ist, von Leben zu Leben, dann sollte es in der von Dir beschriebenen Richtung weitergehen. Tut es aber nicht. Sorry für die banal anmutenden Fragen, doch einiges erscheint mir grundsätzlich widersprüchlich. LG Dieter"

Diese Welt befindet sich in einem Wandel. Auf der einen Seite gibt es immer mehr Menschen, die aufrichtig nach einer spirituellen Orientierung suchen, wie dich zum Beispiel, und auf der anderen Seite nimmt der Materialismus sehr bedenkliche Formen an.
Hier zeigt sich immer wieder die menschliche Gier.
Wie kann ein Mensch in unserer westlichen Gesellschaft z. B. einen DVD-Player für 29 € kaufen, ohne damit stillschweigend zu billigen, dass bei diesen Preisen die Produktion solcher Geräte zwangsläufig in die Billiglohn Länder dieser Erde verlagert wird.
Anschließend dann zu jammern, dass die Arbeitsplätze in der Mikroelektronik in Deutschland weg sind, setzt dem ganzen die Spitze auf.
Die Menschen wollen immer mehr, die Gier nimmt kein Ende, aber wo das alles herkommen soll, das fragen sich leider die wenigsten. Verhaftung an das Materielle, die Gier nach immer mehr, macht jedoch nicht dauerhaft glücklich. Ist ein Wunsch erfüllt, entsteht der nächste und und und ...
Das, was dem Menschen fehlt, was ihn immer mehr materielle Dinge kaufen lässt in dem Glauben, dadurch glücklicher zu sein, kann so niemals befriedigt werden.
Die schlechte Nachricht ist, diese Lebensfreude, diese innere Zufriedenheit, die wir alle suchen, wird im äußeren niemals zu finden sein, weil alles dem Zeitfaktor unterliegt und somit immer einen Anfang und ein Ende hat.
Die gute Nachricht jedoch ist, durch die Beruhigung des Geistes, das Zähmen der Affenherde in unserem Hirn, wie es Patanjali im Sutra 1.2 so treffend beschreibt, können wir uns diese Zufriedenheit immer wieder selbst geben. Hier führen aber viele Wege nach Rom und nicht eben nur einer. Den einzig wahren, richtigen Weg für alle, gibt es nicht.
Ja, auch die Tendenz zur Intolleranz haben wir kürzlich hier im Forum erlebt. Es ist halt immer der bequemere, wenn auch am Ende der unfruchtbarere Weg, anderen die Schuld am eigenen selbstverursachten Leid zu geben, als sich an die eigene Nase zu fassen.
Auch im spirituellen Bereich ist das oft so.

Übermäßige Ergebenheit einer Lehre oder einem Meister gegenüber, lässt die Menschen polarisieren und werten, der permanente innere Kampf zwischen Ego und dem göttlichen Selbst wird nach außen projiziert und so kämpft eine Schule gegen eine andere, ohne zu bemerken, dass sie beide demselben Ziel entgegen treiben.

Vielleicht erscheint die Veränderung dieser Welt auf den ersten Blick paradox, doch hat dieser den Eindruck, dass vieles, wie z.B. der Konflikt in Syrien mit all seinen grausamen Auswüchsen eine Form der Geburtswehen darstellt. Vor dem Knall, vor der Veränderung polarisiert sich alles ganz extrem und hier sind wir alle gefragt immer wieder zu hinterfragen, wo wir eigentlich stehen.
Deine Fragen haben eine große Tiefe, mein Lieber, sie sind keineswegs naiv, sondern lassen deutlich werden, dass du mit offenen Augen durch dein Leben gehst und bei aller Neugier nicht bereit bist, Dinge einfach zu glauben.
Mach weiter so, du bist doch schon auf einem sehr guten Weg.

Licht und Liebe
Lars

M33

Hi, Lars,

Dein Freund muss ja ein außergewöhnlicher Mensch sein, den achtblättrigen Lotus und den tausendblättrigen Lotus zum Erblühen gebracht, über die drei Berge Trikutis gewandert und unendlich weit hinter Brahmand, schon lange auch den dritten Körper, den Kausalkörper hinter sich gelassen, die Seele in Daswan Dwar im Teich des Nektars der Unsterblichkeit gebadet und strahlend im Glanz der zwölf Sonnen, von einem Satguru noch durch die rotierende Schwärze geführt, die niemals ein Mensch ohne die Hilfe eines Satguru überwinden kann – und hier ist die Aufgabe eines Satguru beendet. Die drei erhabensten und schönsten Teile des Weges stehen der Seele aber noch bevor, wobei kein Meister mehr helfen kann.

Die meisten Meister sind leider nicht in der Lage, ihre Schüler bis ans Ende des Meisterschaftsturms eines wirklichen Satgurus in die Freiheit zu führen, so hängen sie ihren Schülern bis zum Tod und darüber hinaus an.

Jetzt habe ich viel mehr geschrieben, als ich wollte, ich wollte Dich eigentlich nur ganz spontan zu Deinem Freund beglückwünschen und der Gedanke schießt mir auch ein, womöglich seist Du es selbst.

Hi, M33

Avadhuta

Ram schrieb: "Wie unmenschlich, hört man heutzutage von vielen als Antwort. Nun, für mich gibt es auch in diesem Fall das Menschliche (»Allzumenschliche«) und das Göttliche. Vom menschlichen Standpunkt aus verstehe ich (und teile ich) die Liebe zu den Haustieren. Aber Shri Ramakrishna – der mich stärkstens beeinflusst hat – war eben das Göttliche, die Stimme des Höchsten. Und hier wäre mit den Worten von Lao Tse festzustellen: »Wahre Worte sind nicht schön …«"

Ich möchte Ramakrishnas Aussage, zu dieser Thematik, nicht „unmenschlich“ verstehen. Ist es nicht so, dass wir in vielen Dingen des Lebens, wider der Natur handeln??? Sind wir nicht egoistisch, wenn wir die Tiere aus ihren natürlichen Lebensbedingungen „herausreißen“, und sie domestizieren? Ich denke, Ramakrishnas Äußerungen, waren keinesfalls den Tieren gegenüber abwertend gemeint, sondern ein Nackenschlag gegen das EGO des Menschen. Warum interpretieren wir die Natur so, wie wir diese gerne hätten? Das ist eindeutig Klesha! Avidya u. Asmita. Wenn ich bedenke, wie grauenhaft es in manchen Qualzuchten von Haustieren zugeht, versetzt mich das regelrecht in Trauer u. Wut. DAS könnte man als unmenschlich verstehen. Der MENSCH versucht alles umzugestalten, um seine Wünsche zu befriedigen, und merkt nicht, wie er damit belastendes KARMA auf sich zieht.

tulsi

@ Avadhuta: ich will nicht festklammern, aber ich sehe mich als Dienerin in der Kunst des Kirtan Singens, fern von jeder Vollkommenheit, daher will ich weiter lernen. Aber – wie ich bereits schrieb – wenn dann alles ganz anders ist, so what. Schau mer mal dann seng ma´s scho. (ich hoffe, deine Bayerischkenntnisse sind genügend ...).

Zu Raga/Dvesha [Ergänzung von Peter: Mögen-Nichtmögen, Zuneigung-Abneigung, Liebe-Hass]: wenn ich nach dem Verlust (der ja nur dann passiert, wenn ich klammere ...) der Zuneigung sage: "Das Risiko gehe ich nicht mehr ein!", dann erzeuge ich Abneigung, das ist es, was ich meine.
Ich kenne Yogis, die vermeiden alles Mögliche, nur um sich ja nicht zu binden ... selbst ein Blumentopf ist da zu viel, weil der ja auch Fürsorge braucht ... und das ist festhalten an der Abneigung gegen die Bindung. Nicht nur „Vermeidungs-Yoga“, sondern auch ein „Vermeidungs-Leben“ kommt dabei heraus.

Herzliche Grüße! Tulsi

Avadhuta

@tulsi, jetzt habe ichs gerafft, und das sogar auf bayrisch. ;)

Im Sinne einer Traumatisierung – durch Raga/Dvesha [Ergänzung von Peter: Mögen-Nichtmögen, Zuneigung-Abneigung, Liebe-Hass] – stimme ich Dir vollkommen zu. Einer hat eben ein „dickeres Fell“, ein Anderer reagiert sehr dünnhäutig auf solche Geschichten und Verhaltensmuster prägen sich ein, auf die man dann immer wieder in der gleichen Weise reagiert.
Und eben auch, ja, „abhängig“ von den Kleshas werden kann.

Alles Gute Dir und Deinen Fellis, Avadhuta

larrim

tulsi schrieb: "@ Avadhuta: ich will nicht festklammern, aber ich sehe mich als Dienerin in der Kunst des Kirtan Singens, fern von jeder Vollkommenheit, daher will ich weiter lernen. Aber – wie ich bereits schrieb – wenn dann alles ganz anders ist, so what. Schau mer mal dann seng ma´s scho. (ich hoffe, deine Bayerischkenntnisse sind genügend ...).
Zu Raga/Dvesha [Ergänzung von Peter: Mögen-Nichtmögen, Zuneigung-Abneigung, Liebe-Hass]: wenn ich nach dem Verlust (der ja nur dann passiert, wenn ich klammere ...) der Zuneigung sage: "Das Risiko gehe ich nicht mehr ein!", dann erzeuge ich Abneigung, das ist es, was ich meine. 
Ich kenne Yogis, die vermeiden alles Mögliche, nur um sich ja nicht zu binden ... selbst ein Blumentopf ist da zu viel, weil der ja auch Fürsorge braucht ... und das ist festhalten an der Abneigung gegen die Bindung. Nicht nur „Vermeidungs-Yoga“, sondern auch ein „Vermeidungs-Leben“ kommt dabei heraus.
"

Namaste liebe Tulsi Du hast Raga und Dvesha  sehr schön beschrieben. Das Leben ist eine Schule. Es erinnert diesen wieder daran, in dieser Welt zu sein, aber eben nicht von dieser Welt zu sein, weder verhaftet zu sein, noch in der Abneigung gegen irgendetwas gefangen zu sein.

Licht und Liebe, Lars

Avadhuta

Hallo liebe Yogis/ Sadhakas,

ich möchte gerne den Hatha Yoga auf dem „geistigen Pfad“ ins Spiel bringen.
Und dazu larrims ersten Satz in diesem Thread aufgreifen. Er schreibt: "Dieses Thema richtet sich an alle, die im Yoga mehr suchen als nur ein schönes Popöchen, und körperliche Gesundheit."

Das ist doch auch das URSPRÜNGLICHE Anliegen des orthodoxen Hatha Yoga, auch wenn er zum Teil sehr körperbezogen ist.
Hatha Yoga wurde häufig auf rein physiologische Aspekte reduziert, die mit der inneren und äußeren Reinigung, der Körperübung, der Atmung und natürlich auch der physischen Entspannung zu tun haben.

Ein weiterer Irrtum, und dieser ist vielleicht „des Pudels Kern“ ist der, dass im ersten Vers der Hatha Yoga Pradipika (HYP) geschrieben steht; „Verehrung dem erhabenen Shiva, durch den die Lehre vom Hatha-Yoga verkündigt wurde. Sie leuchtet dem, welcher den hohen Raja-Yoga zu erklimmen wünscht, gleich einer Leiter.“ (aus der Übersetzung von Hermann Walter (1893) entnommen)

Damit entstand die Annahme, der Hatha Yoga sei eine Vorbereitung auf den „Raja Yoga“, im Sinne des geistigen (Yoga)weges. Aber das ist (höchstwahrscheinlich) falsch! Da bei näherem Studium der HYP auffällt, dass der Begriff „Raja Yoga“ auf kein anderes „System“ verweisen soll, sondern eher als Synonym für „Samadhi“ zu verstehen ist.

Darauf geht Yogi Hari in seinem Kommentar zur Pradipika ausführlich ein. Das finde ich auch völlig verständlich, wenn ich mir das 4. Kapitel näher betrachte. Folgender Sloka fällt ins Auge;

4. Synonyma des Samadhi sind: Raja Yoga, Samadhi, Unmani, Manonmani, Amaratva, Laya, Tattva, ShunyaShunya, Parapada, Amanaska, Advaita, Niralamba, Niranjana, Jivanmukti, Sahaja, Turya.

Eindeutiger gehts doch eigentlich gar nicht, oder? Jedenfalls, so sagt auch Yogi Hari, wurden diese Missverständnisse von kaum einem Kommentator behoben oder ausgebügelt ... Dabei ist an mehreren Stellen der HYP diese Übereinstimmung der Begriffe „Raja Yoga“ und „Samadhi“ zu erkennen. So, damit will ich eigentlich nur sagen, dass man den Hatha Yoga, was die geistigen Dimensionen des Yoga betrifft, nicht unterschätzen sollte, und dieser Weg keine Vorbereitung auf irgendetwas Anderes ist, sondern ein in sich abgeschlossenes „System“.

Das wisst ihr vermutlich alles selbst. Doch ich finde, das konnte mal in diesem Thread erwähnt werden.

Liebe Grüße :)
Avadhuta

wintersun

Liebe Avadhuta,

mich hatte das auch mal eine zeitlang beschäftigt. Ich schrieb in einem Beitrag hier (Kunst des Biegens):

Unter IV Samadhi steht in der Hatha-Yoga-Pradipika:

02 Nun will ich eine gebräuchliche Methode zum Erlangen von Samadhi beschreiben. Samadhi vertreibt den Tod und ist das Mittel, um Glück und Brahmananda zu erreichen.

03 Raja Yoga, Samadhi, Unmani, Manomani, Amaratwa, Laya, Tatwa, Anunya, Parama Pada, Amanaska, …

04 .... sind alle gleichbedeutend

Wenn das bei 03 eine Aufzählung ist, ist dann nicht Raja Yoga auch ein Zustand, wie Samadhi?

Danke für deinen Beitrag Avadhuta.

Liebe Grüße Klaus

Avadhuta

Ja, lieber Klaus, es ist schon zu beobachten, wie der Hatha Yoga immer mehr zum „Wellness-Fitness-Aerobic-Yoga“ verkommt.

Es gab wohl mal eine Zeit, in Indien, in der der Hatha Yoga ausschließlich für die höchste Zielsetzung im Yoga, den Samadhi, praktiziert wurde. Alles andere wäre sogar ein Missbrauch gewesen. Der Hatha Yoga galt als heiliges Wissen in Indien, und ist von seinen spirituellen Aspekten eigentlich nicht zu isolieren.

In puncto Gesundheit, halte ich es aber für völlig „legitim“, sich auf den Weg des Hatha Yoga zu begeben. Denn wenn man krank ist, ist ja klar, kann man die Früchte der Selbstverwirklichung natürlich nicht „genießen“. Es sei denn, man ist vom Schlage eines Ramakrishna, Ramana Maharshi oder Nisargatta Maharaj.
Aber bei bisschen Hüftgold, der „ein oder anderen Falte auf der Nase“ oder nen kleinen Bauchansatz wegen, kann man sich schon fragen, ob dafür immer gleich die altehrwürdige Tradition des Yoga (insbesondere Hatha Vidya) herhalten muss ...
Das verfälscht letztendlich das eigentliche Potential der „Kaya Sadhana“. [Ergänzung Peter: kāya-sadhana (sanskrit) – Erfahrungsweg, Übungsweg über den Körper]

Liebe Grüße, Avadhuta

Ramananda

Teil 3, Abschnitt 1 (siehe meinen Beitrag oben) – das Grundlegende – endete mit dem Satz:
Immer geht es a) um die Reinigung des Geistes durch Einhaltung der ethisch-moralischen Gebote und b) um die Reinigung des Geistes durch willentliche Konzentration.

Mit »Reinheit« ist gemeint: der vom Ego befreite, wunschlose, konzentrierte (auf das Eine gerichtete) Geist.

Teil 3, Abschnitt 2 (ebenfalls weiter oben) – die Praxis – sei mit diesem Zitat klargemacht, denn besser kann man es nicht sagen:
»The main thing ist,
you have to kill the ego,
whatever Yoga-path you take up.«
Shri Swami Narayanananda
(1902-1988)
Das Fundament des geistigen Pfades sind daher die ethisch-moralischen Gebote, im Yoga »Yama« genannt (yama = wörtlich »Zügelung, Bändigung, Bezwingung«): Niemandem ein Leid zufügen (ahimsa); Wahrhaftigkeit (satya); Nicht-Stehlen (asteya); Enthaltsamkeit (brahmacarya); Nicht-Besitzergreifen (aparigraha).

In seiner unübertroffenen Art sagt Shri Patanjali dazu im Yoga-Sutra II, 31: »Diese (Gebote sind) das universale ›Große Gelübde‹, nicht begrenzt durch Geburt, Ort, Zeit und (Lebens)umstände.«

Beitrag: Mehr zu Sutra II-31

buddha ruecken 250Jātideśakālasamayānavacchinnāḥ sārvabhaumā mahāvratam
जातिदेशकालसमयानवच्छिन्नाः सार्वभौमा महाव्रतम्

Sind die Yamas (Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit und Begierdelosigkeit) mehr oder weniger Kann-Regeln? Man sollte sie theoretisch einhalten, aber im praktischen Leben kann das kein Mensch? Nicht so Patanjali. Die Yamas sind überall und unter allen Umständen einzuhalten. Ansonsten ...

Hier weiterlesen

UNIVERSAL = wörtlich »die ganze (sarva) Welt betreffend (bhauma)«. Wie unschwer zu erkennen ist, stellen diese Regeln das Fundament ALLER Religionen dar; ohne ihre Einhaltung wird es niemals gelingen, den Geist zu reinigen und Fortschritte auf dem spirituellen Weg zu machen.

Der zweite Richtungsweiser auf dem geistigen Pfad ist die Sammlung der zersplitterten Kräfte des Geistes, um sie auf das eine Ziel, auf das Göttliche zu richten. Und hier berücksichtigt der Yoga die vier Grundfähigkeiten des menschlichen Geistes.

  1. Bhakti-Yoga. Ein Bhakta ist jemand, in dem die Fähigkeit des Fühlens vorherrscht und der den Weg der »Hingabe, Liebe, Ergebenheit« (bhakti) geht.
  2. Karma-Yoga. Jene, deren Stärke das Handeln ist, gehen den Weg der selbstlosen Arbeit (karma): Man macht eine Sache um der Sache willen, ohne an Vorteil, Gewinn und Lob interessiert zu sein; man bringt die Werke Gott dar, indem man auf ihre Früchte verzichtet.
  3. Jnana-Yoga. Der Weg des Denkens, der spirituellen, auf das höchste Ziel gerichteten Philosophie (jnana). Man übt ständige Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen und dringt so bis zur letzten Wahrheit vor.
  4. Raja-Yoga, königlicher (raja) Yoga. Er wird von jenen gegangen, in denen die Fähigkeit der Sammlung stärker ist als die anderen drei Grundfähigkeiten des Geistes. Der Raja-Yoga ist der Weg der Konzentration, die Kunst der Beherrschung des eigenen Geistes. Um diesen Raja-Yoga geht es hauptsächlich im Yoga-Sutra von Shri Patanjali.

Es gibt schließlich einen fünften Weg, das wurde im vorhergehenden Abschnitt bereits angedeutet, nämlich die tantrische Methode. Sie ist derart bedeutend, dass in Indien das Tantra als »der fünfte Veda« gilt. Nun ist das Tantra die am meisten missverstandene Seite der reichhaltigen indischen Philosophie; es kann an dieser Stelle unmöglich erklärt werden, was mit »missverstanden« gemeint ist.

Im Interesse der Klarheit sei hier einfach festgestellt: Als tantrischen Prozess versteht man alles, was mit der Erweckung und mit dem Aufstieg der Urkraft (Kundalini-Shakti) zu tun hat.

Über das Thema Kundalini muss man sorgfältig und verantwortungsbewusst schreiben. Die Erweckung der Urkraft ist, so lesen wir in den Schriften, »der schnellste und gefahrenreichste aller religiösen Wege; er führt direkt zum Himmel oder direkt in die Hölle.«

Um eine übermäßige Länge dieses Postings zu vermeiden, bitte ich daher alle interessierten Leser, folgenden Artikel auf meiner Homepage https://www.yoga-maldoner.de/seite_12.html#nr7 (»Lehren Sie den Prânâyâma?«) durchzugehen. Da ist das Wichtigste gesagt.

khoefli

Lieber Helmuth, [Anmerkung Peter: gemeint ist Ramananda]

vielen Dank für die sehr klar strukturierten Informationen.

Zum „tantrischen Methode“ habe ich zwei Fragen:

  1. Handelt es sich hierbei um einen typisch indischen Weg?
    Auffallend ist doch, dass in anderen spirituellen Traditionen eigentlich nie über solche Dinge wie Kundalini-Erweckung bzw. Aufstieg geschrieben wurde (zumindest was meine Kenntnis hiervon angeht).
    Auch Begriffe wie Nadis und Chakren findet man dort so gut wie nicht, z. B. im Zen oder in der christlichen Mystik. Was diese beiden Wege angeht, so lassen sie sich am besten noch mit dem Raja-Yoga vergleichen, nicht wahr?
    Man könnte natürlich den Heiligenschein auf Zeichnungen von Heiligen im Christentum als den Aufstieg der Kundalini zum Kronen-Chakra deuten, aber das scheint mir etwas weit hergeholt.
  2. Sind die vier erstgenannten Wege grundsätzlich frei von Kundalini-Erscheinungen?
    Wenn dem so ist, dann ist der Aufstieg der Kundalini ja nicht unbedingt ein Teil des spirituellen Befreiungsweges. Das würde auch erklären, warum im z.B. im Zen-Weg tantrische Phänomene keine Rolle spielen (oder vielleicht auch einfach keine Beachtung finden).

Herzliche Grüße
Klaus

Avadhuta

@khoefli schreibt: "1. Handelt es sich hierbei um einen typisch indischen Weg? Auffallend ist doch, dass in anderen spirituellen Traditionen eigentlich nie über solche Dinge wie Kundalini-Erweckung bzw. Aufstieg geschrieben wurde (zumindest was meine Kenntnis hiervon angeht). Auch Begriffe wie Nadis und Chakren findet man dort so gut wie nicht, z. B. im Zen oder in der christlichen Mystik."

Das kann ich nicht so stehen lassen, das wollte ich nämlich auch schon mal hier einbringen.
DOCH; es gibt viele Parallelen.

Lies Dir zum Beispiel mal „Die innere Burg“ von Theresa von Avila (einer christlichen Mystikerin) durch, da findest Du extrem viele Annäherungen zur hinduistischen Spiritualität. Besonders, was die Chakra-Lehre betrifft.
Die Analogie von den 7 Wohnräumen des Bewusstseins oder des Inneren des Menschen, mit der der Chakren ist dermaßen augenscheinlich.
In anderen Werken ist es ähnlich.

Liebe Grüße, Avadhuta

Ramananda

khoefli schrieb: "Zur »tantrischen Methode« habe ich zwei Fragen …"

Lieber Klaus,

Deine Antwort enthält einige besonders wichtige Dinge; insofern Kompliment, Du kommst auf den Punkt.

"Handelt es sich hierbei um einen typisch indischen Weg? Auffallend ist doch, dass in anderen spirituellen Traditionen eigentlich nie über solche Dinge wie Kundalini-Erweckung bzw. Aufstieg geschrieben wurde."

Dazu zitiere ich am besten (schnellsten) einige Sätze aus meiner Homepage (Link in meinem vorigen Posting) und markiere die entscheidenden Worte farbig:
»In allen rein lebenden Menschen wird die Urkraft wach und steigt auf, aber nur wenige wissen es. Jede Art von Yoga ist genaugenommen ein Kundalini-Yoga, aber in den meisten Yogarichtungen und in anderen religiösen Gemeinschaften wird dieser Aspekt nicht in den Vordergrund gestellt. Gewöhnlich betrachtet man die auf dem religiösen Weg auftretenden, durch den wechselvollen Aufstieg der Urkraft bedingten Phänomene als von Gott gesandt; man ist dankbar für die guten Dinge (Zuversicht, Freude, Inspirationen, Visionen), demütig akzeptiert man die schlechten (Krankheit, Depression, Zweifel, geistige Verwirrung).«

Und: "Auch Begriffe wie Nadis und Chakren findet man dort so gut wie nicht, z. B. im Zen oder in der christlichen Mystik. Was diese beiden Wege angeht, so lassen sie sich am besten noch mit dem Raja-Yoga vergleichen, nicht wahr?"

Jein. Das nüchterne Zen gleicht dem nüchternen Raja-Yoga, das kann man sagen. Die christliche Mystik gehört aber eindeutig zum Bhakti-Yoga.

Zu Deiner Frage: "Handelt es sich hierbei um einen typisch indischen Weg?"

Kundalini-Phänomene sind auch den Schamanen vieler Naturreligionen bekannt, aber »so richtig« entwickelt wurde die Sache tatsächlich in Indien. Weswegen ich in dem besagten Artikel auf meiner Homepage auch sage:
»Den Meistern des speziellen Kundalini-Yoga verdanken wir die Erkenntnis, dass man die Urkraft aktiv, durch eigene Bemühung lenken und zu ihrem Ursprung zurückführen kann. Sie offenbarten die verborgensten Zusammenhänge zwischen der Urkraft und dem Körper, der Urkraft und dem Atem, der Urkraft und dem Geist. Mittels bestimmter Körperhaltungen, bestimmter Atemtechniken und psychischer Methoden ist es möglich, auf die Kundalini einzuwirken.«

Weiter: "Man könnte natürlich den Heiligenschein auf Zeichnungen von Heiligen im Christentum als den Aufstieg der Kundalini zum Kronen-Chakra deuten, aber das scheint mir etwas weit hergeholt."

Ist gar nicht so weit hergeholt … Wobei ich hier zur Vermeidung von Missverständnissen sagen sollte: Von manchen christlichen Mystikern hört man tatsächlich verwandt klingende Dinge. Das Problem dabei ist nur, dass man dann anfängt zu interpretieren (ist die Kundalini der Heilige Geist und ähnliches), und daraus resultieren endlose und meiner Meinung nach auch nutzlose Diskussionen. Man verzeihe mir die letzte Bemerkung, aber »echte Christen« (Ironie wieder aus) werden niemals bereit sein zuzugeben, dass andere Glaubensbekenntnisse genauso zum Ziel führen wie ihr eigenes. Noch dazu sei wiederholt: Das indische Tantra handelt vom AKTIVEN Arbeiten mit einer Energie namens Kundalini. Davon weiß das Christentum generell nichts. Der Aufstieg der Shakti hat in der christlichen Lehre mit der »Gnade« Gottes zu tun. Und die negativen Phänomene beim Aufstieg der Shakti sind eben »Prüfungen« Gottes. Wenn ich diese beiden Begriffe in Anführungszeichen setze, ist das nicht abwertend gemeint; aber so richtig weiß eben keiner, was »Gnade« bedeutet. Von einer klaren Definition der Tatsachen ist man also ziemlich weit entfernt.

Zu Deinen sehr wichtigen Fragen bzw. Bemerkungen: "Sind die vier erstgenannten Wege grundsätzlich frei von Kundalini-Erscheinungen? Wenn dem so ist, dann ist der Aufstieg der Kundalini ja nicht unbedingt ein Teil des spirituellen Befreiungsweges. Das würde auch erklären, warum im z. B. im Zen-Weg tantrische Phänomene keine Rolle spielen (oder vielleicht auch einfach keine Beachtung finden)."

Die anderen vier Wege sind nicht frei von Kundalini-Erscheinungen. Wie sollte das auch möglich sein – nur durch den Aufstieg der Kundalini erreicht ein Mensch die Erlösung. Aber es wird diesen Erscheinungen entweder keine Beachtung geschenkt oder sie werden interpretiert als Zeichen Gottes und ähnliches (siehe oben).

Der, wie mir scheint, wichtigste Deiner Sätze zum Schluß extra, nämlich: "Wenn dem so ist, dann ist der Aufstieg der Kundalini ja nicht unbedingt ein Teil des spirituellen Befreiungsweges."

Ob man von der Existenz der Shakti weiß oder nicht – sie ist da, und wenn sie, wie die Schriften sagen, im untersten Chakra »schläft«, sind die Lebewesen in Verblendung; wenn sie erwacht, ändert sich die Sicht des Menschen auf viele Dinge; und wenn sie vollständig (!) aufgestiegen ist, hat man Moksha (Freiheit, Erlösung) erreicht.

larrim

Namaste Klaus (khoefli),

Ich möchte ergänzen: Lies doch mal die Johannes Offenbarung und das Johannes Evangelium sorgfältig durch.
Johannes spricht von den sieben Leuchtern in der Wirbelsäule. Das scheint diesem ein deutlicher Hinweis auf die Chakras zu sein.
Viele Übereinstimmungen zwischen Bibel und Vedanta zeigt Yogananda in seinem Buch: "Der Yoga Jesu“ auf.
Das Buch ist höchst inspirierend.

Licht und Liebe, Lars

khoefli

Hallo zusammen,

ich freue mich über Eure schnellen Antworten; ebenfalls danke für die Literaturhinweise. :)

Sri Yogananda's Buch über den „Yoga Jesu“ hatte ich schon mal auf dem Radar, aber dann doch nicht gekauft.
Da Ihr's empfehlen könnt, werde ich es demnächst doch mal lesen.

Mein Hinweis auf fehlenden Beschreibungen tantrischer Erscheinungen in der christlichen Mystik bezieht sich auf die Tatsache, dass hier kein Begriffssystem entwickelt wurde, welches die tantrischen Phänomene einigermaßen umfassend beschreibt, so wie es die alten Inder getan haben.

Zum geistigen Pfad selbst:
Wenn ich die Yogasutras richtig verstehe, so ist der (Nirvikalpa)-Samadhi der Höhepunkt und zugleich der Abschluss des geistigen Pfades, und sein Auftreten mit den körperlichen Begleiterscheinungen des nahezu vollständigen Atem- und Puls-Stillstandes verbunden; zusätzlich steigt die Kundalini-Shakti bis zum Kopfchakra auf. Diesem vorausgehen muss eine Phase der Konzentration, wo man versucht, auch die letzten Gedankenfetzen „stillzulegen“.
Damit ist doch der letzte Wegabschnitt eigentlich immer = Raja-Yoga, und egal, mit welchem Weg man anfängt, irgendwann hat man die Spur zu wechseln und zu versuchen, den Geist zu konzentrieren, auch wenn dieser Zeitpunkt erst am Ende des Weges kommt. Sehe ich das so richtig?

Ob man das letzte Ziel dann erreicht, ist wohl eine Gnade des Göttlichen (oder ein Teil des individuellen Karmas?).

Grüße, Klaus

Ramananda

Lieber Klaus,

Du siehst das richtig (nur wäre bei »nahezu vollständiger Atemstillstand« das »nahezu« zu streichen).

Anhand der Geschichte von Shri Ramakrishna: Er hatte den Savikalpa-Samadhi erreicht (die Endstufe des Bhakti-Yoga, das ständige Verweilen in der Vision Gottes) und wurde dann von Meister Tota Puri in den Nirvikalpa Samadhi geführt. Man lese im »Gospel«: wie Ramakrishna es nicht fertigbrachte, »über« seine geliebte Göttliche Mutter hinauszugehen; wie nach mehreren Versuchen Tota Puri eine Glasscherbe vom Boden hob, sie Ramakrishna zwischen die Augenbrauen drückte und sagte: Wenn das nächste Mal die Göttliche Mutter erscheint, dann teile mit dem Schwert der Unterscheidungskraft ihr Bild in zwei Teile, konzentriere Dich vollkommen auf die Stelle zwischen den Augenbrauen und gehe in die All-Einheit ein!« Und genauso geschah es (wie Shri Ramakrishna später bestätigte).

Ganz am Ende ist es so, wie Shri Patanjali in seinem Sutra sagt:

Stehen die Gedanken still, ist der Geist im Zustand der vollkommenen Konzentration, dann löst er sich auf; dann ruht der Mensch in seiner eigenen wahren Natur.

Oder mit den unsterblichen Worten aus der Maitri-Upanishad: »So lange muß der Geist im Inneren stillgelegt werden, bis er zum Untergang gegangen ist (bis er sich auflöst); das ist die Erkenntnis, das ist die Freiheit! Alles andere ist nur eine Ausdehnung der Knoten (d. h. der Fesseln, die uns an den Samsara binden).«

Noch einmal mein Kompliment für Dein Verständnis.

M33

Hi,

der nahezu vollständige Atem- und Pulsstillstand ist keineswegs der Höhepunkt und Abschluss des geistigen Pfades, es ist der wirkliche Meditationseinstieg und erst der Anfang des geistigen Pfades.

Hi, M33.

Avadhuta

khoefli schreibt: "Wenn ich die Yogasutras richtig verstehe, so ist der (Nirvikalpa)-Samadhi der Höhepunkt und zugleich der Abschluss des geistigen Pfades, und sein Auftreten mit den körperlichen Begleiterscheinungen des nahezu vollständigen Atem- und Puls-Stillstandes verbunden."

Und was ist der Nirbija Samadhi?
Einige Kommentatoren des Yoga Sutra, darunter I.K Taimni („Die Wissenschaft des Yoga“) behaupten, dass erst dieser Bewusstseinszustand das „Ende“ oder Ziel des Raja Yoga ist. Hmmm ...
Savikalpa Nirvikalpa Sabija Nirbija – schwer durch diese Terminologie durchzudringen. Was hat es eigentlich mit diesem Dharma Megha Samadhi auf sich?
Vielleicht sind das aber auch alles nur Synonyme.

M33 schreibt: "... der nahezu vollständige Atem- und Pulsstillstand ist keineswegs der Höhepunkt und Abschluss des geistigen Pfades, es ist der wirkliche Meditationseinstieg und erst der Anfang des geistigen Pfades."

Könnte sein ...
Auf jeden Fall bedeutet „nirvikalpa“ erstmal „ohne Vorstellung“, so ist es doch. Das heißt, ich mache mich zunächst frei von den vikalpas [Anmerkung Peter: Gedanken, Vorstellungen, auch: Zweifel], und kann meinen Weg fortsetzen. Ich schaffe Freiraum, um das ganze weitere Unkraut zu beseitigen.

Nirbija = kein Samen ...?

Das könnte „das höhere Ziel“ sein. Wenn alle Samen, die negative Verhaltensmuster (Kleshas ) produzieren, auch endlich alle beseitigt sind.
Damit wären dann wohl alle unterbewussten und unbewussten Ebenen bereinigt.
So in der Hinsicht beschreibt es, glaube ich, Taimni. Werde aber nochmal genauer nachschlagen ...

Schönen Abend noch, Avadhuta

Ramananda

Avadhuta schrieb:"Und was ist der Nirbija Samadhi? Einige Kommentatoren des Yoga Sutra … behaupten, dass erst dieser Bewusstseinszustand das »Ende« oder Ziel des Raja Yoga ist."

Nirvikalpa, Asamprajnata, Nirbija, Turiya und Nirvana meinen alle dasselbe. Verschiedene Traditionen haben das eine Ziel verschieden benannt.

Nirbija bedeutet »samenlos«, im Sinne von »keine Wiedergeburt mehr«, kein Karma mehr, das reifen müsste oder könnte. Turiya ist wörtlich »der vierte« Zustand – über diesen wichtigen Begriff gilt es bereits als Normalsterblicher tief nachzudenken, das lohnt sich.

Ich sehe in alledem kein Verständnisproblem.

Die Aussage von @M33 allerdings finde ich unbegreiflich.

M33

Hi Avadhuta,

Du denkst ja eine ganze Menge, ich beglückwünsche Dich, setze es in die Tat um, sonst ist es nichts als unterhaltsame Kopfsuada für Dich und mich.

Avadhuta

@Alle: Kopfsuada, scheint ja langsam zum geflügelten Wort zu werden ...
In der Tat sind diese ganzen Begriffe; nirvikalpa, sabija, nirbija, samprajnata, asamprajnata, ohnehin, nur diskursive „Formeln“.
Wenn ich den Wälzer von Taimni in der Hand habe, überfordert mich der ganze Komplex, ehrlich gesagt. Taimni misst jedem einzelnen Teilsamadhi eine eigene Bedeutung(sschwere) zu.
Das zerstört die Einfachheit der Erfahrung, um die es ja dabei eigentlich gehen soll. Das entwickelt Vorstellungen, die u.U. zu Blockaden führen.

Jaaahh, denke ich, letztendlich gibt es nur zwei (große) Samadhi-Erfahrungen; Savikalpa und Nirvikalpa

Und ob man diese nun Sabija, Nirbija. Samprajnata und/oder Asamprajanta nennt, kommt gehupft wie gesprungen.

M33

Hi Avadhuta,

mein verstorbener Dichterfreund Thomas Bernhard und Du wäret wohl durch die Wälder gezogen und hättet, und das im allerbesten Sinne, gesudert und gesudert, soviel zum geflügelten Wort Kopfsuada.

Liebst und hi, M33!

Avadhuta

Liebe M33,
was glaubst Du, wie lohnend das sein kann. ;)
Immer mehr Bewegung im Kopf, immer komplizierter/komplexer, keine Antworten mehr.
Der Kampf der Gedanken tobt immer wilder, aber plötzlich, wird es lichter, das Ganze erreicht seinen Höhepunkt, hält aber gleichzeitig inne.
Die Gedanken übersteigen sich, Energie und Bewusstsein schließen sich kurz, verschmelzen miteinander, werden homogen wahrgenommen. Shiva und Shakti erkennen sich ... und, und noch ein bisschen ... Und PENG, hast Du ne höhere Erfahrung. Das kann auch die Kundalini in Bewegung setzen.
Hinterher ist nur noch Bliss, Leere, absichtsfreies Gewahren, reines Verstehen, Einpünktigkeit, untrügliche Intiuition und Alldurchdringung vorhanden, und alle mentalen Muster sind „tot“.

Ramananda

Avadhuta schrieb: "Kopfsuada, scheint ja langsam zum geflügelten Wort zu werden ..."

Allmählich ermüdet dieser Begriff in der Tat. Liebe @M33, wir haben es verstanden, Du bist die große Praktikerin und weißt Bescheid. Nun lass es gut sein mit Deinen Bemerkungen über die »Kopfmenschen«. Andernfalls riskierst Du, dass das Ganze sich gegen Dich selbst wendet (ein karmisches Gesetz), dass Du Dir etwa die Frage gefallen lassen musst: Wie kannst Du als Praktikerin nicht wissen, dass man über die eigene Meditation in der Öffentlichkeit (Dein neuer Thread) nichts sagen darf?

Avadhuta schrieb: "In der Tat sind diese ganzen Begriffe ohnehin nur »Formeln«."

Natürlich. Sie sind nur Hilfen für den begrenzten menschlichen Intellekt, damit er die Sache einigermaßen begreifen kann. Swami Narayanananda sagte: Selbst die »höchste« mögliche Beschreibung Gottes, nämlich das wundervolle »Sat-Chit-Ananda« ist nichts als eine Begrenzung des Grenzenlosen. Und dennoch sind alle diese Begriffe irgendwie von Nutzen.

Avadhuta schrieb: "Wenn ich den Wälzer von Taimni in der Hand habe, überfordert mich der ganze Komplex, ehrlich gesagt. Taimni misst jedem enzelnen Teilsamadhi eine eigene Bedeutung(sschwere) zu. Das zerstört die Einfachheit der Erfahrung, um die es ja dabei eigentlich gehen soll. Das entwickelt Vorstellungen, die u.U. zu Blockaden führen."

Es gilt auch hier der bekannte Satz: Je komplizierter eine Sache dargestellt wird, desto weniger hat man sie verstanden.

Avadhuta schrieb: "Jaaahh, denke ich, letztendlich gibt es nur zwei (große) Samadhi-Erfahrungen; Savikalpa und Nirvikalpa."

Volle Zustimmung, mit Betonung des Begriffs »große«. So soll man die Sache sehen, und danach soll man streben.

Avadhuta

Ram schreibt: "Allmählich ermüdet dieser Begriff in der Tat. Liebe @M33, wir haben es verstanden, Du bist die große Praktikerin und weißt Bescheid. Nun lass es gut sein mit Deinen Bemerkungen über die »Kopfmenschen«."

Ich verstehe sowieso nicht, warum ständig beanstandet wird, auch von anderen, dass es hier zu „verkopft“ zugeht. Dafür ist doch dieser Thread geschaffen worden, oder irre ich mich?
Philosophische Diskussionen sind doch hier am richtigen Platz. Hier interessiert michs doch nicht, mit welcher geistigen Einstellung ich das Waschbecken sauber machen oder den Rasen mähen soll! Hier möchte ich über die Inhalte eines geistigen Weges reden! Da gehts dann eben mal ein bisschen sperrig zurande.

M33

Hi,

die to live, würde ich sagen. @Ramananda: Ich empfinde einige deiner Postings als unflätig.

Ramananda

@M33: Zu Deiner Bemerkung über meine »Unflätigkeit« sei gesagt:

Meine undiplomatische Meinung empfindest Du als Grobheit, okay. Deine Worte an Avadhuta »Du denkst ja eine ganze Menge, ich beglückwünsche Dich, setze es in die Tat um, sonst ist es nichts als unterhaltsame Kopfsuada für Dich und mich« nimmst Du selbstverständlich NICHT als Unflätigkeit wahr.

Immer aufs Neue die Frage: Ist Psychologie wirklich so kompliziert? Warum erkennen Menschen nicht, dass sie in einen Spiegel schauen, wenn sie mit anderen sprechen?

Avadhuta

M33 schrieb: "Du denkst ja eine ganze Menge, ich beglückwünsche Dich, setze es in die Tat um, sonst ist es nichts als unterhaltsame Kopfsuada für Dich und mich."

@M33, was geht eigentlich in Dir vor? Was versprichst Du Dir von diesen Bemerkungen? Hier sind doch schon genügend praktische Erfahrungswerte, auch von mir übrigens, übermittelt worden. Also irgendwo ... naja ,.. werde doch mal konkret.

M33

@ Ramananda:

Ich habe der Psychologie ernsthaft jahrelange meine Aufmerksamkeit gezollt und regulär Psychologie studiert, und für mich ist die Psychologie nach all den Jahren der Aufmerksamkeit noch immer äußerst kompliziert. Was Du [Ramanda] da erhabenen Geistes an „Spiegeln“ in Szene zu setzen versuchst, mein Gott, es sei Dir unbenommen.

@Advadhuta:

Also konkreter als „die to live“ geht es nicht mehr und ich will mich nicht sinnlos wiederholen, aber hier noch einmal: "Der nahezu vollständige Atem- und Pulsstillstand ist keineswegs der Höhepunkt und Abschluss des geistigen Pfades, es ist der wirkliche Meditationseinstieg und erst der Anfang des geistigen Pfades." 

Damit verlasse ich den thread, hi, M33.

Avadhuta

Okay, M33, Du hast Deine Zielsetzung, die ich in Dir vermute, Spannungen in den Thread reinzubringen, erreicht.
So, wie geht die Show jetzt weiter?

Ramananda

M33 schrieb: "Ich habe der Psychologie ernsthaft jahrelange meine Aufmerksamkeit gezollt und regulär Psychologie studiert, und für mich ist die Psychologie nach all den Jahren der Aufmerksamkeit noch immer äußerst kompliziert. Was Du [Ramanda] da erhabenen Geistes an „Spiegeln“ in Szene zu setzen versuchst, mein Gott, es sei Dir unbenommen."

Ich meinte nicht die in der Tat komplizierte, überfrachtete »Universitäts-Psychologie«, sondern die Grundkenntnis des menschlichen Geistes. Das ist also nicht »erhaben« von mir gesagt, das versteht jeder, der verstehen WILL: Das, was ich anderen vorhalte, das bin ich ja selber! Und um eventuellen Vorwürfen entgegenzukommen: Ich spreche da auch von mir. Allerdings ist mein Charakter derart, dass ich auf Kritik, auf Unterstellungen, auf Unverschämtheiten nicht »weise« und »yogagemäß« (wie manche glauben wollen) schweige, sondern im selben Geist erwidere – eben als Spiegel. Manche Menschen verstehen es auf anderem Wege einfach nicht.

Om Shanti

Avadhuta

@M33, sag mal läuft bei Deinem Compisystem wirklich was verquer? Oder ist das Absicht, dieses oben hi, unten hi und in der Mitte hi?

M33

Hi,

überfrachtet, die Heufuhre auf Deinem Feld der Psychologie?

Hi, M33.

Ramananda

M33 schrieb: "überfrachtet, die Heufuhre auf Deinem Feld der Psychologie?"

Eben noch (im letzten Posting) versucht zu erklären, aber Dir fällt es einfach nicht auf, wie Du reagierst.

Du schreibst selber: "... für mich ist die Psychologie nach all den Jahren der Aufmerksamkeit noch immer äußerst kompliziert."

Und nichts anderes habe ich gesagt.

Auf dem Feld der bewussten Ebene des Geistes hat die westliche Psychologie Erstaunliches erreicht, alle Achtung. Über die unterbewusste Ebene aber weiß sie sehr wenig, und über die unbewusste Ebene (der Bereich des Karma) nichts; da muss dann die Yogapsychologie ran. Und weil die westliche Psychologie nichts über die subtilen Ebenen des Geistes weiß, überfrachtet sie zwangsläufig ihr eigenes Gebiet mit Theorien und Spekulationen, welche bei Yogameistern nur ein Kopfschütteln hervorrufen.

Ein Beispiel mag zum Verständnis genügen: »Das Gehirn ist der Geist. Damit geht mit dem Tode eines Menschen, mit dem Zerfall des Gehirns auch der Geist zugrunde, und daher ist die Theorie von der Wiedergeburt falsch.« Was für eine »Wissenschaft«!

Damit aber Schluss. Ich bitte die LeserInnen um Verzeihung für diesen »Ausflug«, der nicht zum Thema passt, und werde mich nur noch mit Entsprechendem befassen. Es fehlt von meiner Seite ja lediglich der letzte Abschnitt (über die Notwendigkeit eines Gurus auf dem geistigen Pfad). Danach verabschiede ich mich aus diesem Thread.

khoefli

Ramananda schrieb: "Anhand der Geschichte von Shri Ramakrishna: Er hatte den Savikalpa-Samadhi erreicht (die Endstufe des Bhakti-Yoga, das ständige Verweilen in der Vision Gottes) und wurde dann von Meister Tota Puri in den Nirvikalpa Samadhi geführt. Man lese im »Gospel«: wie Ramakrishna es nicht fertigbrachte, »über« seine geliebte Göttliche Mutter hinauszugehen; wie nach mehreren Versuchen Tota Puri eine Glasscherbe vom Boden hob, sie Ramakrishna zwischen die Augenbrauen drückte und sagte: Wenn das nächste Mal die Göttliche Mutter erscheint, dann teile mit dem Schwert der Unterscheidungskraft ihr Bild in zwei Teile, konzentriere Dich vollkommen auf die Stelle zwischen den Augenbrauen und gehe in die All-Einheit ein!« Und genauso geschah es (wie Shri Ramakrishna später bestätigte)."

Hallo Helmuth,
das ist eine bemerkenswerte Geschichte, wenn selbst ein so großes religiöses Genie wie Shri Ramakrishna die Hilfe eines Gurus benötigt, um auch die letzte Anhaftung hinter sich lassen zu können.

Ich freuen mich auf Deinen Beitrag, Teil 4 ....

@M33, Du schreibst: "der nahezu vollständige Atem- und Pulsstillstand ist keineswegs der Höhepunkt und Abschluss des geistigen Pfades, es ist der wirkliche Meditationseinstieg und erst der Anfang des geistigen Pfades." 

Diese Aussage ist natürlich erläuterungs-bedürftig. Nach meinem Verständnis ist der Atem- und Pulsstillstand ein körperliche Reaktion, die man nicht machen kann und den Zustand des Geistes während des Samadhis auf dieser Ebene widerspiegelt.
Wie soll man damit in die Meditation einsteigen?

Grüße, Klaus

tulsi

Liebe M33,
ich kenne in der Meditation Zustände, in denen ich kaum – und manchmal gar nicht – atme. Was mit meinem Puls in diesen Momenten ist, weiß ich nicht ...
Auf jeden Fall verstehe ich, wenn du schreibst, hier geht es erst los! Es ist ein Gefühl von Leichtigkeit, Losgelöstheit, Freiheit, Zeitlosigkeit ... eigentlich nicht zu beschreiben. Aber: ich finde, man kann nicht ALLGEMEIN gültig sagen, dass Meditation hier beginnt, denn für viele Menschen bedeutet Meditation einfach nur, ruhig zu werden, ohne zu schlafen. Wenn ich unterrichte, dann versuche ich gerne mal, den Unterschied klarzustellen zwischen Meditation als Übung (= wir praktizieren die Sammlung, streng genommen ist das die Stufe Dharana), und Meditation als Zustand (Turiya, Dhyana), den ich ja nicht willentlich machen kann, sondern der als Geschenk eintritt bei entsprechender Vorbereitung und Bereitschaft.

Ich fand es spannend, von Deiner Kindheit/Jugend in Indien zu lesen, vielleicht magst Du mehr darüber berichten? Was haben Deine Eltern dort gemacht?
Ich glaube, wir würden uns mir Deinen Posts leichter tun, wären sie weniger kryptisch ...

Herzliche Grüße! Tulsi

larrim

Namaste Tulsi,

Ja, hier triffst du einen ganz wichtigen Punkt.
Viele Menschen reden von Meditation, ohne wirklich zu wissen, was Meditation wirklich ist. Die allermeisten bemühen sich noch um Dharana, die Sammlung bzw. Konzentration.
Schon eine Aussage, ich mache eine Meditation, ist per Definition unzutreffend, da eine Meditation eben nicht gemacht werden kann, sondern eintritt, wenn mittels der Konzentration alle geistigen, seelischen und emotionalen Dinge zur Ruhe gekommen sind.
In dieser absoluten Leerheit eröffnet sich die Fülle der Meditation.
Wir können in der Praxis durch Dharana das Fundament der Meditation legen, alles weitere ist des Einen Gnade. Wenn alles Begrenzte der Zeitlinie unterworfene stirbt, beginnt das Leben.

Licht und Liebe, Lars

M33

Hi,

Ramananda schreibt zur Psychologie: „Über die unterbewusste Ebene aber weiß sie sehr wenig, und über die unbewusste Ebene (der Bereich des Karma) nichts; da muss dann die Yogapsychologie ran. Und weil die westliche Psychologie nichts über die subtilen Ebenen des Geistes weiß, überfrachtet sie zwangsläufig ihr eigenes Gebiet mit Theorien und Spekulationen, welche bei Yogameistern nur ein Kopfschütteln hervorrufen. Ein Beispiel mag zum Verständnis genügen: »Das Gehirn ist der Geist. Damit geht mit dem Tode eines Menschen, mit dem Zerfall des Gehirns auch der Geist zugrunde, und daher ist die Theorie von der Wiedergeburt falsch.« Was für eine »Wissenschaft«

Ramananda, was Du nicht alles zu wissen meinst, doch es sei Dir unbenommen, was an laienhafter Besserwisserei des Laien sei, ob nun im Westen oder in "Yogapsychologie“.

Ramananda hat gepostet: „Avadhuta schrieb: Kopfsuada, scheint ja langsam zum geflügelten Wort zu werden ... Allmählich ermüdet dieser Begriff in der Tat. Liebe @M33, wir haben es verstanden, Du bist die große Praktikerin und weißt Bescheid. Nun laß es gut sein mit Deinen Bemerkungen über die »Kopfmenschen«. Andernfalls riskierst Du daß das Ganze sich gegen Dich selbst wendet (ein karmisches Gesetz), daß Du Dir etwa die Frage gefallen lassen mußt: Wie kannst Du als Praktikerin nicht wissen, dass man über die eigene Meditation in der Öffentlichkeit (Dein neuer Thread) nichts sagen darf?

Ramananda, wenn der Begriff Kopfsuada Dich ermüdet, das tut mir leid, doch was Du hier weiteres schreibst, ich solle es gut sein lassen mit meinen Bemerkungen über die Kopfmenschen, andernfalls riskierte ich, dass sich das Ganze gegen mich selbst wende, und es Dir dann auch noch gefällt, Dich des Hinweises auf das karmische Gesetz zu bedienen und weiterführend Du Dich ereiferst, ich müsse mir die Frage gefallen lassen ...

Ramananda, inwieweit es mir angebracht erscheint oder nicht angebracht erscheint, über meine Meditation öffentlich zu schreiben, das lass meine Sorge sein, mein Satguru ist es, der für meine spirituelle Entwicklung bzw. in Angelegenheiten meiner Meditation zuständig ist, nicht Ramananda auf seinem non stop Werbefeldzug in eigener Sache hier, Shaker Verlag und Medienpräsenz, doch darauf komme ich gerne noch zurück.

Hi, M33

Avadhuta

@khoefli schreibt: "Nach meinem Verständnis ist der Atem- und Pulsstillstand eine körperliche Reaktion, die man nicht machen kann und den Zustand des Geistes während des Samadhis auf dieser Ebene widerspiegelt. Wie soll man damit in die Meditation einsteigen?"

Hier ist vielleicht auch einfach nur vom „Jada Samadhi“ die Rede, einem „Pseudo Samadhi“, der von Yogis, ohne Weiteres, mit bisschen Übung auch willentlich hervorgebracht werden kann.
Das ist eine reine „technische Angelegenheit“. Die Yogis benutzen den Jada Samadhi, um sich in einen kataleptischen Zustand der Starre hineinzuversetzen, hinterher werden sie dann für einige Wochen unter der Erde verbuddelt.
Das sind die „üblichen Kunststückchen“ in Indien, hat die/der eine oder andere von Euch bestimmt schon mal gesehen. Hat mit „Erleuchtung“ nichts zu tun.
Dieser Puls und Atemzustand muss nicht unbedingt nachhaltig auf das Bewusstsein einwirken, im Gegenteil, ich denke eher, dass gewisse physiologische Reaktionen bei „echten“ Samadhis erstmal intensiviert werden.
Weil diese ja auch eher mit Ekstase verbunden sind, also dann auch Hyperventilation, rasenden Puls usw. mit sich bringen. Was beim wahren Nirvikalpa passiert, wage ich nicht mal zu vermuten.

Liebe Grüße, Avadhuta

wintersun

Ramananda hat gepostet: „Avadhuta schrieb: Kopfsuada, scheint ja langsam zum geflügelten Wort zu werden ... Allmählich ermüdet dieser Begriff in der Tat. Liebe @M33, wir haben es verstanden, Du bist die große Praktikerin und weißt Bescheid. Nun laß es gut sein mit Deinen Bemerkungen über die »Kopfmenschen«. Andernfalls riskierst Du daß das Ganze sich gegen Dich selbst wendet (ein karmisches Gesetz), daß Du Dir etwa die Frage gefallen lassen mußt: Wie kannst Du als Praktikerin nicht wissen, dass man über die eigene Meditation in der Öffentlichkeit (Dein neuer Thread) nichts sagen darf?

Hi Ramananda,

sehr gerne lese ich deine Beiträge, wenn Du bei der Sache bleibst.

Doch dann kommen auch Beiträge, die mich ärgern. Anstatt sachlich zu diskutieren, geht es auf eine persönliche Ebene.

Wieso kommt so eine heftige Reaktion (an dieser Stelle der Diskussion), wenn geschrieben wird, dass das alles „nur Gedankenwelt“ (im Gegensatz zu Erfahrungswelt) ist?

Es werden Wahrheiten gesetzt (karmische Gesetze) und damit gedroht.

Wieso ist es schlimm, wenn man von seiner eigenen Erfahrungen erzählt. Ich war dabei, als ein Zenmeister von seinen mystischen Erfahrungen und von seinen Meditationerfahrungen auf dem Kirchentag gesprochen hat. Warum sollte man solche Erfahrungen nicht teilen?

Für mich ist das so – ich diskutiere über eine Landkarte und schaue mir die Landkarte an. Über das, was ich erlebe, wenn ich die Landkarte weggelegt habe, darf ich nicht reden.

Liebe Grüße Klaus

larrim

Namaste Klaus.

Dieser schließt sich deiner Frage an!!!!!!!
Auch hier existieren unterschiedliche Auffassungen. Der eine Meister lehnt jeden Bericht der eigenen Erfahrungen ab, der andere nicht.
Immer dort, wo jemand behauptet im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein, wird dieser ganz vorsichtig.
Eine gewisse Gefahr, dass der oder die eine Sadhaka versucht, die Erfahrung von der gelesen hat, willentlich zu wiederholen und damit die Offenheit, die Unschuld des Geistes blockiert oder gar tötet, ist nicht von der Hand zu weisen.
Statt der 60.000 täglichen Gedanken des Mitteleuropäers, von denen die Verhaltensforscher sprechen, können so leicht viel, viel mehr entstehen.
Die andere Seite ist jedoch, wenn dem Suchenden, durch Erfahrungsberichte klar wird, dass mit der vollkommen Auflösung von dem ganzen Brain-Jogging (oder auch Kopfsuada), den Gedanken und Definitionen, der Persönlichkeit eben nicht alles zu Ende ist.
Das Finden beginnt dort, wo das Suchen aufhört und wenn auch das Finden endet, dann beginnt das SEIN.

Und hier kommt diesem ein alter Ausspruch in den Sinn:

"In den Gewässern, in denen der Mystiker selig plätschert, ersäuft der Philosoph hilflos."

Licht und Liebe, Lars

Avadhuta

@larrim schreibt: "Die andere Seite ist jedoch, wenn dem Suchenden, durch Erfahrungsberichte klar wird, dass mit der vollkommen Auflösung von dem ganzen Brain-Jogging (oder auch Kopfsuada), den Gedanken und Definitionen, der Persönlichkeit eben nicht alles zu Ende ist."

Man kommt zurück und spielt ein „Spiel“ nach eigenen Regeln. Die Leute glauben, man sei noch derselbe Mensch wie zuvor, mit allen Verhaftungen, Begrenzungen, Bedürfnissen und Abneigungen, dabei hat aber die Identifikation mit dem Ego und seinen Geschichten aufgehört. Man spielt nur noch damit, erlebt aber gleichzeitig die Freiheit seines Bewusstseins.

:)

larrim

Avadhuta schreibt: "Ich verstehe sowieso nicht, warum ständig beanstandet wird, auch von anderen, dass es hier zu „verkopft“ zugeht. Dafür ist doch dieser Thread geschaffen worden, oder irre ich mich? Philosophische Diskussionen sind doch hier am richtigen Platz. Hier interessiert michs doch nicht, mit welcher geistigen Einstellung ich das Waschbecken sauber machen oder den Rasen mähen soll! Hier möchte ich über die Inhalte eines geistigen Weges reden! Da gehts dann eben mal ein bisschen sperrig zurande."

Nun lass diesen ein Bild gebrauchen:

Viele Sadhakas schleichen wie die Kinder um den Berg der Erkenntnis herum. Jeder hat so ein kleines Walkie-Talkie. Einer ruft in sein Funkgerät: „Hier geht ein Weg hinauf.“ Alle stürmen dorthin und bevor sie alle da sind, schreit der nächste: "Hier gehts hinauf“. Und so eiern diese Sucher ständig um den Berg der Erkenntnis herum.

Was aber macht ein wirklicher Bergsteiger?

Nimmt er nicht den ganzen Berg in Augenschein, trifft in dem Wissen um die Verantwortung für sein eigenes Leben und seine bergsteigerischen Fähigkeiten seine eigene Entscheidung.

Er visiert den Gipfel an und geht dann sofort los.

Yogisch mit Patanjali : „Atha Yoga Anuasanam.“ „Jetzt folgt die Disziplin des Yoga.“ Sutra1.1

Beitrag: Mehr zu Sutra I-1

Yoga Sutras erklären

Atha yoga-anuśāsanam
अथ योगानुशासनम्

Jetzt ist Yoga-Zeit. Dies kann ein schönes Motto jeder Yogasitzung sein: Jetzt, hier - mein Yoga!

Womöglich verbirgt sich weiterer verborgener Sinn hinter dieser Sutra. Schauen wir uns Übersetzungsvarianten und die interessantesten Deutungen an.

Hier weiterlesen

Der eine nimmt den sanften Weg über den Grat und der andere nimmt's Seil und klettert direkt die Steilwand hinauf.
Beide aber werden am Gipfel ankommen.
Anders jedoch bei jenen, welche immer wieder auf die anderen hören. Sich ereifern, wer denn nun den besten Weg anzubieten hat.
In unserer Diskussion hier steckt eine gewisse Schönheit, aber eben auch die Gefahr, weiter um den Berg der Erkenntnis herumzueiern ohne den Gipfel jemals zu sehen zu bekommen.

Licht und Liebe, Lars

Ramananda

wintersun schrieb: "Hi Ramananda, sehr gerne lese ich deine Beiträge, wenn Du bei der Sache bleibst. Doch dann kommen auch Beiträge, die mich ärgern. Anstatt sachlich zu diskutieren geht es auf eine persönliche Ebene."

Warum stört es Dich, wenn Ramananda persönlich wird, nicht jedoch, wenn andere Forummitglieder persönlich werden?

wintersun schrieb: "Wieso kommt so eine heftige Reaktion, wenn geschrieben wird, dass das alles „nur Gedankenwelt“ (im Gegensatz zu Erfahrungswelt) ist?"

Weil ich mich noch nicht zu den Entrückten, zu den Weisen zähle; noch nicht zu denen, die »wirklich« (!) meditieren; weil ich ein Normalsterblicher bin.

Im Übrigen ist »heftig« Ansichtssache. Der eine platziert seine »Gemeinheiten« subtiler, mit scheinheiligem Lächeln (dies finde ich »heftig«); der andere etwas deftiger, dafür offen und ehrlich.

Noch dazu: Ich richte mich nach den alten Idealen. Die Meister des alten Indien schärften ihren Schülern ein: Ein Mensch auf dem geistigen Pfad braucht beides: Kshatriya-Virya und Brahma-Tejas: die Stärke der Krieger und die Leuchtkraft der Brahmanen. Das Erste ist seit langer Zeit in Vergessenheit geraten. Leider.

wintersun schrieb: "Es werden Wahrheiten gesetzt (karmische Gesetze) und damit gedroht."

Von welcher Drohung sprichst Du? Ich habe eine Tatsache ausgesprochen, wie sie banaler gar nicht sein kann: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!

wintersun schrieb: "Wieso ist es schlimm, wenn man von seiner eigenen Erfahrungen erzählt. Ich war dabei, als ein Zenmeister von seinen mystischen Erfahrungen und von seinen Meditationerfahrungen auf dem Kirchentag gesprochen hat. Warum sollte man solche Erfahrungen nicht teilen?"

Wenn ein Meister dies tut, will er damit jemandem helfen. Wenn ein Schüler dies tut, geschieht das aus dem angeberischen Ego heraus, und damit beweist er lediglich seine Unreife.

wintersun schrieb: "Für mich ist das so – ich diskutiere über eine Landkarte und schaue mir die Landkarte an. Über das, was ich erlebe, wenn ich die Landkarte weggelegt habe, darf ich nicht reden."

Über »Meditationserlebnisse« darf man nur mit seinem Meister sprechen. Bringt man sie anderweitig an die Öffentlichkeit, verliert man die spirituelle Kraft dieser Erlebnisse. Die Erinnerung an die Erlebnisse bleibt, aber ihre Kraft ist nicht mehr da. Das ist ein ganz subtiler, schwer verständlicher Punkt, aber jemand, der sich im Gegensatz zu den Kopfmenschen für einen Praktiker hält, der müsste so etwas wissen.

wintersun

Ramananda schreibt: "Warum stört es Dich, wenn Ramananda persönlich wird, nicht jedoch, wenn andere Forummitglieder persönlich werden?"

Was soll diese Frage?
Was hätte mich denn in diesem Thread bis zu deinem Kommentar stören sollen? Ich finde es o.k, wenn jemand seine Meinung schreibt, auch wenn mal provoziert wird. Nur manchmal finde ich einen Beitrag unangemessen und aggressiv – dann schreibe ich auch etwas dazu (wenn ich Zeit habe und es mir wichtig ist). Und natürlich liegt es an meiner Wahrnehmung, was ich als heftig empfinde. Für andere kann das alles ganz harmlos klingen. So wie ich vielleicht an anderen Stellen etwas als harmlos wahrnehme, das jemand anderen verletzen könnte.

Du zählst Dich zu den Normalsterblichen. Ich glaube alle Teilnehmer in diesem Thread sind Normalsterbliche.

Ramananda schreibt: "Ich richte mich nach den alten Idealen. Die Meister des alten Indien schärften ihren Schülern ein: Ein Mensch auf dem geistigen Pfad braucht beides: Kshatriya- Virya und Brahma-Tejas: die Stärke der Krieger und die Leuchtkraft der Brahmanen. Das Erste ist seit langer Zeit in Vergessenheit geraten. Leider."

Damit deine Beiträge zu rechtfertigen, mit denen Du andere angreifst, finde ich fragwürdig.

wintersun schrieb: Es werden Wahrheiten gesetzt (karmische Gesetze) und damit gedroht. Ramananda schreibt: Von welcher Drohung sprichst Du? Ich habe eine Tatsache ausgesprochen, wie sie banaler gar nicht sein kann: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!

Welche banale Tatsache hast Du ausgesprochen?

Du hattest geschrieben: "Nun lass es gut sein mit Deinen Bemerkungen über die »Kopfmenschen«. Andernfalls riskierst Du, dass das Ganze sich gegen Dich selbst wendet (ein karmisches Gesetz), dass Du Dir etwa die Frage gefallen lassen musst: Wie kannst Du als Praktikerin nicht wissen, dass man über die eigene Meditation in der Öffentlichkeit (Dein neuer Thread) nichts sagen darf?"

Ich lese hier keine banale Tatsache, sondern einfach nur eine Aggression. So wie wenn ich einem kleinen Kind damit drohen würde – dann holt Dich der schwarze Mann.

Ramananda

@wintersun

Meine Anfangsfrage finde ich berechtigt. Aggressiv hast Du bisher nur meine Beiträge gefunden, keine anderen. Deutlich Stellung nehmen tust Du nur bei meinen Beiträgen, bei keinen anderen.

Natürlich, wie Du ja schreibst, liegt es an Deiner Wahrnehmung, was Du als heftig empfindest. Ich darf mich trotzdem wundern, dass Du Sätze wie »Du denkst ja eine ganze Menge, ich beglückwünsche Dich, setze es in die Tat um, sonst ist es nichts als unterhaltsame Kopfsuada« in ihrer Präpotenz nicht als heftig empfindest und nicht darauf reagierst.

Zur »banalen« Tatsache – da verstehe ich auch nicht, was daran so kompliziert sein soll. Wer andere schlägt, wird selbst geschlagen werden; wer andere beleidigt, wird selbst beleidigt werden; wer andere belehrt, kriegt selber wieder Belehrungen; und wer eben anderen Praxismangel vorwirft, zu dem kommt genau dieser Vorwurf zurück. Das nennt man das ABC des Lebens, da braucht man nicht einmal die Karmatheorie zu bemühen. Das begreift jedes Kind.

tulsi

Lieber,
mag sein, dass es in Deiner Tradition üblich ist, über Meditationserfahrungen NICHT zu sprechen – ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich mitzuteilen, denn im Gespräch darüber (sogenanntes „sharing“) kann man sich selber klarer sehen, und andere können erkennen, dass ihre eigenen Erfahrungen auch anderen Leuten passieren und somit nichts Ungewöhnliches dabei ist. Es ist wichtig, alles nicht so wichtig zu nehmen ... auch wenn man keine scheinbar bedeutsamen Erfahrungen macht. Woher sollte man z. B. wissen, dass es möglich ist, ohne Atembewegung zu sein? Die meisten, denen so etwas „passiert“, kriegen erst mal einen gehörigen Schrecken, und werden in Zukunft vermeiden, in solche Zustände zu geraten. Kommunikation darüber IST hilfreich,
Meint
Tulsi

wintersun

Ramananda schrieb: "@wintersun Meine Anfangsfrage finde ich berechtigt. Aggressiv hast Du bisher nur meine Beiträge gefunden, keine anderen. Deutlich Stellung nehmen tust Du nur bei meinen Beiträgen, bei keinen anderen. Natürlich, wie Du ja schreibst, liegt es an Deiner Wahrnehmung, was Du als heftig empfindest. Ich darf mich trotzdem wundern, daß Du Sätze wie »Du denkst ja eine ganze Menge, ich beglückwünsche Dich, setze es in die Tat um, sonst ist es nichts als unterhaltsame Kopfsuada« in ihrer Präpotenz nicht als heftig empfindest und nicht darauf reagierst. Zur »banalen« Tatsache – da verstehe ich auch nicht, was daran so kompliziert sein soll. Wer andere schlägt, wird selbst geschlagen werden; wer andere beleidigt, wird selbst beleidigt werden; wer andere belehrt, kriegt selber wieder Belehrungen; und wer eben anderen Praxismangel vorwirft, zu dem kommt genau dieser Vorwurf zurück. Das nennt man das ABC des Lebens, da braucht man nicht einmal die Karmatheorie zu bemühen. Das begreift jedes Kind."

Hi Ramananda,

danke für dein Beispiel (Du denkst ja eine ganze Menge, ich beglückwünsche Dich, setze es in die Tat um, sonst ist es nichts als unterhaltsame Kopfsuada). Ehrlich gesagt, das finde ich jetzt in keinster Weise aggressiv oder irgendwie persönlich angreifend.

@Hallo Avadhuta, hast Du das als einen persönlichen Angriff empfunden?

@Ramananda: Deine Aussage: Wer andere schlägt, wird selbst geschlagen werden; wer andere beleidigt, wird selbst beleidigt ....

ist doch keine Tatsache. Das ist eine Haltung, die ich einnehme. Ich bin da auch nicht immer ganz frei, aber ich muss doch nicht "zurückbeleidigen“.

larrim

tulsi schrieb: "Lieber, mag sein, dass es in Deiner Tradition üblich ist, über Meditationserfahrungen NICHT zu sprechen - ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich mit zu teilen, denn im Gespräch darüber (sogenanntes „sharing“) kann man sich selber klarer sehen, und andere können erkennen, dass ihre eigenen Erfahrungen auch anderen Leuten passieren und somit nichts Ungewöhnliches dabei ist. Es ist wichtig, alles nicht so wichtig zu nehmen... auch wenn man keine scheinbar bedeutsamen Erfahrungen macht. Woher sollte man z.b. wissen, dass es möglich ist, ohne Atembewegung zu sein? Die meisten, denen so etwas „passiert“, kriegen erst mal einen gehörigen Schrecken, und werden in Zukunft vermeiden, in solche Zustände zu geraten. Kommunikation darüber IST hilfreich, meint Tulsi"

Liebe Tulsi,

Wieder hast du es sehr treffend beschrieben.
Diesem ist ein Fall bekannt, wo die Angehörigen drauf und dran waren, einen Rettungswagen zu rufen, als sie ein Familienmitglied im atemlosen Zustand vorfanden.
Was diesem Sadhaka in den Händen der Notärzte widerfahren wäre, mag ich mir gar nicht ausdenken.
Ja, anderen fällt möglicherweise schneller auf als diesem, selbst wenn er in eine Falle tappt.
Dafür bewegen wir uns alle hier im Forum. Oder etwa Nicht?
Manchmal brauchts einen Narren, wie Woherwig, um uns darauf aufmerksam zu machen.
Beides ist gleich wichtig. die Schriften und auch der Austausch der eigenen Erfahrungen.
Das war das Anliegen von diesem, wie ihr alle im Ausgangspost dieses Threads gerne nochmal nachlesen könnt.

Licht und Liebe, Lars

wintersun

Ramananda schrieb: "@wintersun: Meine Anfangsfrage finde ich berechtigt. Aggressiv hast Du bisher nur meine Beiträge gefunden, keine anderen. Deutlich Stellung nehmen tust Du nur bei meinen Beiträgen, bei keinen anderen."

Das mag für diesen Thread stimmen, grundsätzlich stimmt das aber nicht. Hier drei Antworten von mir, zu drei verschiedenen Teilnehmern:

  • .... in meinen Augen wertest Du Menschen ab, wirfst mit Verallgemeinerungen um Dich und lebst in einer anderen Realität als ich.
    Daher macht es eigentlich gar keinen Sinn, Dir zu antworten.
  • .... wie kann man nur so dreist lügen?
  • ..... Du scheinst in keinster Weise kritische Bemerkungen gegen deine Person zu vertragen.

Ich finde es schon sehr merkwürdig, wie Du einige Postings interpretierst, in gewisser Weise abschreckend.
Du bist für mich wieder ein Beispiel, dass die Begegnung und das Lernen mit Meistern, die Beschäftigung mit dem geistigen Yoga, nicht unbedingt eine reife Persönlichkeit hervorbringt. Diesen Eindruck erwecken einige deiner Beiträge hier bei mir.

larrim

Namaste Zusammen.

Om Shanti, Shanti, Shanti.

Dieser hat einges von Ramananadas Meister gelesen. Swami Narajananada war ein Freund einer deutlichen Sprache, und erscheint manchmal, bei allem Respekt ihm gegenüber, als ein recht „harter Knochen“. Dies fand bei einigen Menschen Resonanz, wie z. B. bei unserem Freund Ram.
Seinen Guruji respektiert dieser, aber aufgrund seiner Art zu lehren und dem, was in seinen Schriften immer mal wieder durchscheint, dass er sich für erleuchteter hält als andere Meister, hätte er niemals der Meister von diesem sein können.

@Ram
Du bist ganz offensichtlich ein Heißsporn und kannst nicht anders, du bereicherst dieses Forum, stößt aber anderseits immer wieder Menschen vor den Kopf, indem du Dinge absolut setzt und eine wirkliche Diskussion damit gelegentlich in die Sackgasse bringst. Bitte schaue doch mal, was da immer wieder in dir Resonanz findet, anstatt in so vielem eine Kriegserklärung zu sehen und sofort in den Kampf zu ziehen.

@Wintersun
Nimm die Posts von Ram als eine Art Prüfung. Er meints gut mit uns allen, aber sein Ego mischt sich, wie bei so vielen von uns, auch bei diesem, immer wieder ein. Auch die Aussagen eines Meisters gehören immer wieder im eigenen Leben überprüft, sollten hinterfragt werden und nur was für den Einzelnen richtig erscheint, sollte übernommen werden.
Ansonsten wird der Schüler eines Meisters viel zu leicht zu einem Papagei, der alles nachplappern kann, aber wenig bis gar kein eigenes Verständnis entwickelt hat.
Was ein Schüler eines Satgurus sagt oder schreibt, deckt sich nicht immer vollständig mit dem, was der Satguru lehrt bzw. lehrte.
Auch hier schließt sich dieser ausdrücklich ein!

Om Shanti, Shanti, Shanti.

Licht und Liebe,  Lars

M33

Hi Klaus,

ich habe noch nicht alles lesen können, weil ich es eilig habe, insoweit ich bisher vorgedrungen bin, freue ich mich über Dein klares Wort und gehe konform. Sobald ich Zeit finde, antworte ich ausführlich, die Herrn Moderatoren bitte ich es anzudenken, ob in einem Yogaforum Drohungen gegenüber Forumsmitgliedern – und es ist keine Kleinigkeit, diese Androhung unter Einbeziehung des Karmas kann unterschwellig wirksam werden und Böses anrichten in einem Menschen – zugelassen sind.

Liebe Grüße, M33

Avadhuta

So beruhigt Euch doch, das muss ja wohl nicht sein, ja @M33, jetzt hast Du es geschafft, das war doch wohl Deine eigentliche Intention ...

@tulsi, ich stimme Dir zu, dass es nur von Vorteil sein kann, eine Vertrauensperson zu haben, mit der man über gewisse Erfahrungen bzgl. eines spirituellen Weges reden kann. Ram hat aber auch recht, wenn er eine Gefahr darin sieht, gewisse Erfahrungen an die große Glocke zu hängen, denn das kann Stolz, Egoismus usw. auslösen.
Und es stimmt. Die großen Meister haben ihren Schülern immer geraten, die „höheren“ Erfahrungen, die man auf dem Weg der Sadhana macht, geheim zuhalten.
Aber so wie Ihr, Du und Lars, es ausführt, ist es okay, von meiner Seite aus gesehen ...
Ja, in Zeiten der Angst, der Not und auch der Blockade ist es hilfreich sich mitzuteilen.

@wintersun, der Satz von @M33 war keine Beleidigung für mich, dafür hat er zu wenig Substanz, ich finde nur das Anliegen solcher Äußerungen, ja, schwer nachvollziehbar. Was geht sie es denn bitte schön an, was ich in meinem Leben in die Tat umsetze???

Ramananda

larrim schrieb: "... dass er sich für erleuchteter hält als andere Meister …"

Namaste Lars,

enttäuscht bin ich schon, dass ausgerechnet Du so etwas Törichtes sagst.

Wie dem auch sei, ich sah heute Morgen unter meinem Bild, dass das System auf »Platinum Boarder« geschaltet hat und da kam mir erst so richtig zum Bewusstsein, daß es bereits 321 Postings von mir gibt.

Viel zu viele. Es ist also, abgesehen davon, dass ich Euren yogischen »Frieden« gestört habe, so und so angebracht, mich jetzt weitestgehend zurückzuziehen.

Om Shanti

Frank09

Für einen Aussenstehenden benehmt Ihr euch wie eine Horde Kinder, die alle gleichzeitig den BALL haben wollen.

Liebe Grüße :) :) :)

Avadhuta

Hallo an Alle,

es ist mir echt unverständlich, was hier passiert.

Ram schreibt: "Es ist also, abgesehen davon, dass ich Euren yogischen Frieden gestört habe, so und so angebracht, mich jetzt weitestgehend zurückzuziehen."

 Was hat denn das mit der Anzahl Deiner Postings zu tun? Und welchen „yogischen Frieden“ hast Du hier gestört? Warum benimmt sich jetzt jeder gleich wie „ein rohes Ei“? Damit wird die Qualität dieses Threads eindeutig zerstört! Ja, häufig übersehen wir gewisse Bemerkungen, stürzen uns auf bestimmte Andeutungen, holen gleich zum Gegenschlag aus, ohne abzuwarten und erstmal nachzufragen, wie die eine oder andere Äußerung denn nun wirklich gemeint war.
Und dann stehen wir vor diesem Wirrsal.
Das scheinen manche aber auch regelrecht provozieren zu wollen:

Ich bitte @M33 um mehr Konkretisierung. Darauf antwortet sie: "... also konkreter als „die to live“ geht es nicht mehr und ich will mich nicht sinnlos wiederholen, mit meinem bereits erstellten Posting auf dem Thread: Der nahezu vollständige Atem- und Pulsstillstand ist keineswegs der Höhepunkt und Abschluss des geistigen Pfades, es ist der wirkliche Meditationseinstieg und erst der Anfang des geistigen Pfades."

Inkonkret, ausweichend und provozierend für meine Begriffe. Dabei kann sie auch anders, wenn sie will, das sieht man an anderen Beiträgen von ihr.

Es stimmt, Rams Art ist sicher für viele gewöhnungsbedürftig, aber eines muss man ihm lassen, er schwafelt nicht. Das, was er sagt, ist direkt und unverblümt, aber immer fundiert und auf großer Erfahrung beruhend.
Es wäre schade, wenn er sich jetzt aufgrund von irgendwelchen unpräzisen und sinnlosen Provokationen „rausmobben“ lassen würde!

Frank09 schreibt: "Für einen Aussenstehenden benehmt Ihr euch wie eine Horde Kinder, die alle gleichzeitig den BALL haben wollen." 

Ja, das bringts auf den Punkt!

Liebe Grüße, Avadhuta

larrim

Namaste zusammen

Zunächst einmal, möchte Dieser sein letztes Post ein wenig relativieren.
Ram`s Meister Sri Swami Narayanananda scheint mir in vielen seiner Ausführungen zu einer sehr drastischen Sprache zu neigen.
So schreibt er sinngemäß, dass wenn sich die Kundalini des Sadhakas einmal in Bewegung gesetzt hat, der Übende unbedingt sexuelle Enthaltsamkeit beachten muss, weil er sonst in der Gosse landen wird.
Solche Aussagen teilt dieser nicht. Verfällt der Sadhaka der Verhaftung an die sexuellen Freuden, mag das stimmen. Bleibt er jedoch frei und ungebunden, unverhaftet daran, ist nichts gegen ein normales sexuelles Leben einzuwenden.
Diese Aussagen teilt dieser auch mit verschiedenen anderen, unter anderem seinem eigenen Meister.
Auf manchen wirken diese Aussagen tatsächlich wie eine Drohung.
Ähnlich ist es mit Ram`s Statements zum Karma. Wenn ein Sadhaka über seine eigenen Meditationserfahrungen spricht, verlieren diese ihre Kraft und ziehen gar karmische Konsequenzen auf sich.
Dieser denkt nicht, dass es Ram bewusst ist, dass sich der oder die eine oder andere von derartigen Statements bedroht fühlt, er ist ein ergbenener Schüler seines Meisters.
Aus solchen und ähnlichen Aussagen, wie den oben angeführten, kam dieser zu dem Schluß, Narayananada hält sich für weiter entwickelt als andere Meister. Ganz besonders, wenn diese Aussagen von dir lieber Ram mit Zusätzen a`la` „es ist doch allgemein bekannt", "du als Praktikerin müsstest es doch wissen“ oder ähnlichem ergänzt werden.
Hier schwingt, entschuldige bitte lieber Ram, ein gehörige Portion Besserwisserei mit, die andere Forumsteilnehmer herunter qualifiziert und verletzt.

Avadhuta, wie kommst du auf den Gedanken M33 wolle hier provozieren?
Sie hat beispielsweise mit ihrem Kommentar :"Die to live“ in diesen Augen nichts anderes gesagt, als es beispielsweise Narayananada gelehrt hat. Er lehrt sinngemäß, das Ego ist zu töten, damit die innere göttliche Instanz leben kann.
Ob man nun vom Töten des Egos oder der stetigen aber sanften Besänftigung desselben reden sollte, ist hier die Frage.
Die ganze Gita handelt von nichts anderem!
Der Krieger des Lichts kämpft gegen seine eigenen niederen Impulse, wie Gier, Hass usw. nicht gegen andere Mitsuchende.
Klar mögen manche Statements, wie das Gedicht des Woherwig [Hinweis: anderes Thema hier im Forum], wie ein Angriff wirken. Wer aber wird angegriffen, wer fühlt sich bedroht? Das ist die große, alles entscheidende Frage.

Auch die Aussage von M33, dass nach dem Erreichen des atemlosen Zustandes, die spirituelle Entwicklung erst beginnt, fasst dieser nicht als Bedrohung oder Provokation auf.
Wer stirbt und wer wird dann leben? Diese Frage muss sich jeder Sadhaka selbst beantworten.
Manchmal ist es hilfreich, wenn der Blick des Suchers auf solche Punkte gerichtet wird. Kann und will sich der Sadhaka darauf einlassen, dort einmal hinzuschauen und nachzuspüren, oder bohrt er stattdessen lieber weiter in der Nase anderer und weist alles von, das ist hier die Frage.

Wie dieser bereits einige Male schrieb, ist das Ego sehr, sehr trickreich und der Pfad schmal und schlüpfrig.

Ab einem gewissen Stadium der Entwicklung manifestieren sich Gedanken und Worte sehr schnell und direkt in der Außenwelt.
Der Sadhaka trägt nun eine enorme Verantwortung. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Geht der Sadhaka nun in die Hybris, äußert sich negativ über andere, läuft er Gefahr eben nicht die göttliche bedingslose Liebe zu allem WAS IN DIESER SCHÖPFUNG IST, zu realisieren, sondern er baut eine erneute Trennung auf, läuft Gefahr andere auf ihrem Weg zu beeinflussen oder zu manipulieren. An diesem Punkt entscheidet sich letztendlich, auf welcher Seite der Sadhaka steht. Das jedoch muss er selbst realisieren, niemand kann oder darf hier eingreifen!
Läuft der Motor, dann entscheidet der Sadhaka in voller eigener Verantwortung, wohin das Auto fährt. Da hilft dann auch kein unhinterfagtes Wiederholen irgendeiner Lehre weiter.
Natürlich werden an diesem Punkt die Yamas und Niyamas, die Patanjali so vortrefflich beschreibt, immens wichtig. Aber gelebt werden können sie erst, wenn der Sadhaka eigenes Verständnis darum entwickelt hat, wenn er sie hinterfragt, im eigenen Leben erfahren und überprüft hat.
Ein moralischer Imperativ greift in diesen Augen nicht.
Alle Religionen, alle Kulturen lehren: „Du sollst nicht stehlen", geklaut wird dennoch weltweit.

Dies sind nur die kleinen Anmerkungen eines kleinen, unbedeutenden Menschleins, glaubt sie nicht! Aber vielleicht bieten sie Anregungen selbst einmal in sich zu gehen.

Licht und Liebe, Lars
Lars

Avadhuta

Hallo Lars,

Danke an Dich, dass Du versuchst die Wogen zu glätten und wieder Harmonisierung in dem Thread schaffen willst! Aber einige deiner Aussagen gehen weder mit meinen Meinungen, noch mit meinen Erfahrungen konform. Und deshalb möchte ich dazu noch einmal (Op)postition beziehen.

Du schreibst: "So schreibt er (Swami Narayanananda ) sinngemäß, dass wenn sich die Kundalini des Sadhakas einmal in Bewegung gesetzt hat, der Übende unbedingt sexuelle Enthaltsamkeit beachten muss, weil er sonst in der Gosse landen wird."

Damit liegt dieser Meister ja auch vollkommen richtig! Das kann u.U. passieren. Das entspricht auch meiner Erfahrung (wenn auch weniger krass ausgedrückt).

Du relativierst es von Deiner Seite: "Solche Aussagen teilt dieser nicht. Verfällt der Sadhaka der Verhaftung an die sexuellen Freuden, mag das stimmen. Bleibt er jedoch frei und ungebunden, unverhaftet daran ist nichts gegen ein normales sexuelles Leben einzuwenden."

Nein! Das kann man nicht so stehen lassen.
Selbst ein einziger Rückfall in die Sexualität, auch wenn es in Liebe ausgeführt ist, kann eine beginnende sich regende Kundalini-Aktivität sofort zunichtemachen. Du hast aber recht, wenn Du sagst, dass das Problem die „Verhaftung“ an die Sexualität ist. Ja, es stimmt, diese muss aufgelöst werden.
Außerdem ist Sex, nicht immer gleich Sex.
Im wahren Tantra gibt es Paare, die diesem folgen, die sich nur gegenüber sitzen, sich in die Augen schauen und sich in befreiter Liebe im jeweils anderen Partner wahrnehmen. Das IST eine Form von (vergeistigtem ) „Sex“. Und tatsächlich ist, wie Ram schon einmal erwähnte, in vielen orthodoxen Hindu Familien der Sex (im klassischen Sinne) nach der Familienplanung abgeschlossen. Viele Ehemänner folgen dann ihrer Sadhana, und lassen andere (weltliche) Verpflichtungen hinter sich.

Weiter schreibst Du: "Diese (Deine) Aussagen teilt dieser auch mit verschiedenen anderen, unter anderem seinem eigenen Meister." 

Nun ja, die Meister kennen die „Notlage“ vieler Westler und deren konditioniertes Verhältnis zur Sexualität. Da werden dann eben einige Zugeständnisse gemacht.
Andere waren dazu nicht bereit ...
Ich meine gelesen zu haben, dass Swami Narayanananda Paare, die in seinen Ashrams leben wollten, zur Enthaltsamkeit aufgefordert hat. Mit diesem Druck konnten viele nicht leben, reisten ab und distanzierten sich wieder von seinen Lehren.
Dabei ist dieser „Druck“ bitter nötig, wenn man in seiner Sadhana was erreichen will.
Dhirendra Brahmachari forderte ebenfalls von seinen Schülern, gleich zu Beginn des Weges, absolute sexuelle Enthaltung. Dabei ist der wahre Yogi natürlich kein Feind der Libido. Im Gegenteil. Reinhard Gammenthaler beschreibt die Hatha Yogis (die gleichzeitig auch wahre Tantriker sind) als ungemein erotische Männer.
Er selbst lebte 25 Jahre (!) ohne Frau und Sexualität, hat aber jetzt eine tantrische Partnerin. Das heißt eigentlich kann man das wahre Brahmacharya, trotz des Zölibats, nicht einmal als ein Leben ohne Sexualität bezeichnen.
Denn diese sublimiert sich, und läuft innerlich ab. Das heißt für den Mann – er indentifiziert sich mit seiner eigenen inneren „Frau“( Shakti). Das lässt irgendwann den Drang nach äußeren Sexualobjekten völlig verblassen, ja, neutralisiert ihn sogar.
Ein Weiser sagte sogar mal; „Wozu brauche ich eine äußere Frau, wenn ich eine Innere habe?!“
Das gleiche gilt für die Frau, wenn sie ihren Gegenpol in sich verwirklicht.
Auch der populäre (populär gemachte) Swami Sivananda, übrigens, gibt das Zölibat vor, auch wenn seine heutigen „Schüler“ (darunter auch aus Yoga Vidya) seine Lehren (diesbezüglich) stark verwässern.

Zu dem Punkt M33, ihren Äußerungen und meine Wenigkeit:

Ich empfand ihre „Provokation“ nicht als „bedrohend“ oder vordergründig aggressiv. Ich habe auch verstanden, was sie mit „die to live“ meint. Aber etwas pampig und unwirsch kam die Antwort schon rüber. Ich verstehe unter „konkret“ was anderes.
Mann, wir wissen doch alle, welches das höchste Ziel auf dem geistigen (spirituellen) Pfad ist.
Und dass diese physiologischen Auswirkungen, die sie beschreibt, der Beginn des wahren (geistigen) Lebens sei, will ich mal dahingestellt lassen ...
Siehe meine Anmerkungen zu Jada Samadhi.

Weißt Du, Lars, ich hatte schon das Gefühl, als ob hinter M33s Antworten ein gewisses Kalkül sich verbergen würde. Wir wissen doch nun alle langsam wie der liebe Ram „tickt“, so ungefähr.
Und dass er sehr temperamentvoll in seinen Postings ist.
Offenbar wollte man da noch ein bisschen mehr Öl ins Feuer gießen ...
Sehr subtil ...
Weißt Du, mir kommt es vor, als würden wir/Ihr den „Hund“ schimpfen und in die Ecke stellen wollen, nur weil er aufgrund der Sticheleien der „Katze“ eben einmal richtig „zugebissen hat“. Die „Katze“ nehmt Ihr auf den Arm, streichelt sie, nehmt sie in Schutz.
Das finde ich einfach unfair.
Mir wird hier „die Schuld“, an der Sackgasse, zu sehr nur von einer Seite beleuchtet.

Namaste, Avadhuta

Ramananda

larrim schrieb: "Ähnlich ist es mit Ram`s Statements zum Karma. Wenn ein Sadhaka über seine eigenen Meditationserfahrungen spricht, verlieren diese ihre Kraft und ziehen gar karmische Konsequenzen auf sich."

Den ersten Satz (unterstrichen) habe ich gesagt und dazu stehe ich. Den zweiten Teil des Satzes habe ich nicht gesagt, das ist eine freie Interpretation.

larrim schrieb: "So schreibt er sinngemäß, dass wenn sich die Kundalini des Sadhakas einmal in Bewegung gesetzt hat, der Übende unbedingt sexuelle Enthaltsamkeit beachten muss, weil er sonst in der Gosse landen wird."

Sinngemäße Wiedergaben sind ein Problem und eine ewige Quelle von Missverständnissen, so wie auch hier …

larrim

Ach weißt du mein lieber, heute am Tag des Geburtstages von Sri Yukteshwar und am Geburtstag des SatGurus von diesem hatte er keine Lust die Zitate alle rauszusuchen. Dieser schrieb nicht, dass es Zitate sind, sondern sinngemäße Wiedergaben.
Morgen folgen dann exakte Zitate, wen du darauf bestehst.
Heute verbindet sich dieser lieber mit der im Raum stehenden Meister-Energie in der Stille.

Licht und Liebe, Lars

wintersun

Avadhuta schrieb: "Weißt Du, mir kommt es vor, als würden wir/Ihr den „Hund“ schimpfen und in die Ecke stellen wollen, nur weil er aufgrund der Sticheleien der „Katze“ eben einmal richtig „zugebissen hat“. Die „Katze“ nehmt Ihr auf den Arm, streichelt sie, nehmt sie in Schutz. Das finde ich einfach unfair. Mir wird hier „die Schuld“, an der Sackgasse, zu sehr nur von einer Seite beleuchtet."

Hi Avadhuta,

für mich ist es nicht eine Frage der Schuld. Schuld für was? Hund und Katze sind Tiere.

Wenn mich auf der Straße ein anderer Mensch provoziert, habe ich dann das Recht den anderen zu beleidigen, abzuwerten oder ihm eine runterzuhauen („einmal richtig zubeißen“)?

Schlage ich einen Freund, weil er etwas Provozierendes sagt?

Wenn Aggression einfach so gerechtfertigt wird, ist das kein „Raum“, in dem ich mich gerne aufhalten möchte.

Liebe Grüße, Klaus

Ramananda

larrim schrieb: "Morgen folgen dann exakte Zitate, wenn du darauf bestehst."

Ich bestehe nicht im Geringsten darauf.

Es ist sogar besser auf Zitate zu verzichten, denn ich sehe die Gefahr, dass ich dann mit Gegenzitaten antworten müsste (von Swami Narayanananda gibt es 12 große und 24 kleinere Schriften, wer kennt die alle), und der Austausch Zitat–Gegenzitat wäre ermüdend und sinnlos.

Der – mir unbekannte – Verfasser des englischen Wikipedia-Artikels http://en.wikipedia.org/wiki/Swami_Narayanananda über Swami Narayanananda hat in einem einfachen Satz alles gesagt, was diesbezüglich zu sagen war (blau markiert, und der entscheidende Halbsatz rot und fett markiert):

»Swami Narayanananda called his teachings ›The Universal Religion‹ (…) He emphasizes the moral code of conduct as a basis for spiritual development, and puts particular stress on sexual sublimation implying brahmacharya (celibacy) or (for married people and couples) moderation in sexual life, as a means to maintain and improve physical, mental and spiritual health.«

Einzelne Zitate sind a priori potenziell missverständlich. Diese Aussage im Wikipedia-Artikel aber ist korrekt; ich kann sie aus zahlreichen Gesprächen (Darshan) mit dem Meister bestätigen.

Avadhuta

@wintersun schreibt: "für mich ist es nicht eine Frage der Schuld. Schuld für was? Hund und Katze sind Tiere

Ich weiß, der Vergleich hinkt, aber ich habs nun mal mit den Tieren.
Doch wenn Du Dich mal mit den Fabeln von Äsop beschäftigst, wirst Du viele „zwischenmenschliche“ Wahrheiten darin finden ...

Du schriebst ferner: "Wenn mich auf der Strasse ein anderer Mensch provoziert, habe ich dann das Recht den anderen zu beleidigen, abzuwerten oder ihm eine runterzuhauen („einmal richtig zubeissen“)?"

Wenn Dir irgend so ein Typ ständig auf die Ketten geht, kann das schon mal ne richtige Option sein.
Das will ich aber jetzt nicht auf den Vorfall hier im Forum beziehen. Keineswegs.
Aber einige weitere Bemerkungen von @M33 fand ich doch ziemlich daneben.
Und wie gesagt, es gibt Aggressionen und es gibt Aggressionen.

larrim

Namaste

Nur zur Erinnerung: Aggression kommt aus dem Lateinischen von „aggredior“ und das bedeutet übersetzt „auf etwas zu gehen, heranbewegen“.
Was also an Aggression schlecht sein soll erschließt sich diesem nicht.
Wir alle bewegen uns auf die Verwirklichung zu, manchmal fühlt sich das eine oder andere Ego geprügelt, wenns auf die wunden Punkte gestoßen wird. Dieser geht davon aus, dass niemand in diesem Thread darauf aus ist, andere zu prügeln.
Diese Thread ist ein perfektes Lehrstück, vielleicht sollte dieser es umbenennen in „Der geistige Pfad und die verwundeten Egos“ ;)
@ Ram moderate Sexualtität, da bin ich ganz bei dir.
@Avadhuta (weißt du eigentlich, was dieser Nick bedeutet?)
Hier nun Wikipeadia dazu: https://en.wikipedia.org/wiki/Avadhuta
Bitte schau doch mal in den Spiegel.
Wer geht hier wem auf die Ketten?
Die Posts von M33 mögen ein wenig provokant sein, liegen aber in etwa auf einer Linie mit dem Gedicht von Woherwig, welches uns allen hier, diesen ausdrücklich eingeschlossen, hervorragend den Spiegel vorhielt.
So what, das Selbst kann niemals verwundet werden, es sind immer wieder die Egos die aufeinander scheppern und Getöse veranstalten.
Und jetzt wäre es klasse, wenn wir wieder zum Thema zurückkommen könnten.

Licht und Liebe, Lars

Avadhuta

Ja, lieber larrim, weiß ich, trotzdem Danke für die Belehrung.
Aber ich habe nie behauptet, ein von allen Begrenzungen befreiter Mystiker zu sein, der womöglich auch der Kleidung entbehrt und in reinster Nacktheit durch die Lande zieht.
Vielleicht sollten wir die Nicks, mit denen manche Leute hier angemeldet sind, net ganz so ernst nehmen, oder identifizierst Du Dich tatsächlich mit dem grünen Twi'lek vom Planeten Taris?

Ob @M33s Äußerungen tatsächlich dem Niveau des Woherwig entsprechen, naja gut, ja, kann jeder sehen, wie er will ...
Woherwig lies sich zumindest nicht von Rams Gegenantworten aus der Fassung bringen B), im Gegensatz zu einer anderen ...

"So what, das Selbst kann niemals verwundet werden, es sind immer wieder die Egos die aufeinander scheppern und Getöse veranstalten." 

Ja, das ist wahr. Alles, was wir wahrnehmen, ist eine Reflektion unserer eigenen Wahrnehmung, welcher, das uneingeschränkte Selbst zugrunde liegt. Und es gibt eine wirklich tolle Geschichte über Swami Sivananda bzgl. dieser Thematik.
Die erzählt von folgendem Vorfall ungefähr so:
Einmal kam während einem Darshan von Swami Sivananda, ein verwirrter Mann, mit einer Axt, in des Meisters Nähe und wollte zuschlagen. Darauf stürzte sich Swami Vishnu-Devananda auf den Angreifer und überwältigte ihn. Swami Sivananda schrie: „Vishnu, mäßige deinen Zorn!“
Sein vehementer Einspruch galt nur den Aggressionen von Swami Vishnu-Devananda.
Er wollte nicht, dass dieser sich neues Karma auflädt. Die Tatsache, dass sein eigenes Leben auf dem Spiel stand, war für Swami Sivananda bedeutungslos.
Ein Hoch auf solche erhabenen Seelen.
Wer (hier) wirklich glaubt, sich auf diesem Stand zu fühlen, und nach diesen Maßstäben urteilen zu dürfen, hat meine absolute Bewunderung!!!

Liebe Grüße, Avadhuta

Ava

Vielleicht könnte man eine gemeinsame Zeit vereinbaren, eine Art gemeinsames Mantra oder Ähnliches, ihr kennt euch da besser aus, um eine Art Reset innerlich zu Forumsmitgliedern und den Auseinandersetzungen hier bekommen, etwa dass die eigene Wahrnehmung wieder etwas in neutrale Richtung versetzt und man wieder mit etwas persönlichem Abstand die Dinge hier diskutieren mag. Es gibt bestimmt etwas, das jeder mit seiner Tradition vereinbaren kann.
Vielleicht ein banaler Vorschlag, aber wenn jeder die Energie hier hineinlegt anstatt in den Thread, müsste es auf jeden Fall klappen :)

larrim

Avadhuta schrieb: "Vielleicht sollten wir die Nicks, mit denen manche Leute hier angemeldet sind, net ganz so ernst nehmen, oder identifizierst Du Dich tatsächlich mit dem grünen Twi'lek vom Planeten Taris? :-)"

Nö, ich kenne diese Twi`leks :P noch nicht mal.
Der Nick besteht schlicht und einfach aus den ersten drei Buchstaben von Vor- und Nachnamen. Aber die Assoziationen, die andere dabei haben, schon intressant. :-)

Licht und Liebe, Lars

Avadhuta

@larrim, okay, geschenkt, der kleine Narr ist in die selbst gebaute Falle gegangen.
War eher humorvoll gemeint.
Aber ich finde Du hast recht,
wir sollten wieder zum Thema kommen.

PS. War das jetzt „Dieser“, oder das kleine Ego Lars, was diesen Triumph genossen hat?

„Licht und Liebe", Avadhuta

larrim

Weder noch! Auch hier hast du wieder mal in den Spiegel geschaut. Wer weiß, vielleicht ist dieser wirklich ein kleines grünes Männchen von irgendeinem fernen Planeten. 

Um wieder zum Thema zurückzukommen:

Aus der Mundaka-Upanishad (III:1/4):
„Brahman, die universale Essenz, ist das Allem innewohnende Selbst. Es ist wahrlich die Wirklichkeit von Leben und Erleuchtung. Wenn der Mensch Brahman erkennt, wird er erleuchtet. Es gibt keinen Weiseren als den, der die innere Göttlichkeit erkannt hat. Er verrichtet alle täglichen Arbeiten als Ausdruck seines göttlichen Selbst und seine Freude ist von Universeller Liebe durchdrungen. Er ist ein echter Kriyavan, der Weiseste unter den weisen Menschen.“

@ avadhuta Tat tsam asi - Das bist du!

Licht und Liebe, Lars

Avadhuta

Lieber Lars, Du bringst es auf den Punkt!
@ avadhuta Tat tsam asi - Das bist du!

 Ja, es stimmt, es war mein Ego (ahamkara), welches hier den "Triumph" davontragen wollte.
Alles ist nur ein Spiegel von uns selbst.

"Das bist du", könnte zum Mantra werden, wovon Ava gesprochen hat, wenn hier mal wieder die (Ego)wellen anfangen, hochzuschlagen.

In diesem Sinne,
Euch allen ein schönes und entspanntes Wochenende
Avadhuta

larrim

Nun, mein Lieber, dann denke doch auch noch einmal nach, warum du, (dein Ego?), M33 so scharf angegangen bist.
Wenn wir uns hier gegenseitig verletzen und versuchen, zu triumphieren, kann ich den Thread gleich wieder zu machen.
Mir ging es darum, uns gemeinsam zu bereichern, zusammen einmal zu schauen, was den Geistigen Pfad eigentlich ausmacht.
Klar gibt es da jede Menge Kontroversen, aber das kann den Blick nur erweitern, wenn ab jetzt Toleranz und Mitgefühl auch den anderen Teilnehmern gegenüber gewährleistet ist.

Licht und Liebe, Lars

 

Avadhuta

Lieber Lars, Nur noch einmal in aller Kürze eine Stellungnahme, meinerseits, zu dem Problem;
"Nun mein Lieber, dann denke doch auch noch einmal nach, warum du, (dein Ego?) M33 so scharf angegangen bist."

Ja, es stimmt, jeder von uns hat eine andere Art Dinge zu beurteilen, zu erklären und zu äußern.
Wenn wir auf einen anderen Umgangsstil stoßen, der uns nicht passt, kann es passieren, dass unser in Mustern denkendes Ego, sich schutzlos ausgeliefert fühlt. Es will sich behaupten, und seine Sichtweise oder Methode als die richtige beweisen. Diesen Fehler habe ich, und vielleicht auch ein paar andere hier, gemacht.
So entsteht schnell eine aufgeheizte Stimmung, ein Wort ergibt das andere, und schon lassen wir uns von den Verblendungen unseres Ego mitreißen ..., vielleicht auch unbewusst.
Der Satz: Tat vam asi - Das bist du.
Hat mich irgendwie wieder „zur Besinnung“ gebracht. Ja, ich (ahamkara) projiziere meine Schwächen auf andere, und merke nicht, wie ich dabei karmische Reaktionen auslöse, die früher oder später auf mich zurückfallen.
Wir sollten nicht vergessen, alles, was wir wahrnehmen, ist ein Abbild unseres eigenen Bewusstseins.
Danke, Lars, dass du mir den Spiegel vorgehalten hast, deine Reaktion auf meine letzte Provokation, hat bewiesen, dass du authentisch bist.

LG, Avadhuta

Ramananda

Der letzte Teil meines Beitrags zu diesem Thread heißt »von der Notwendigkeit eines Gurus« und sei wiederum in zwei Abschnitten präsentiert, um eine zu große Länge der Postings zu vermeiden.

Teil 4, Abschnitt 1: der entscheidende Satz

Ich zitiere hier aus einer Szene des bewegenden Films »Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen« (»Meetings With Remarkable Men«, Peter Brook, GB 1978), in dem es um die Wanderschaft und spirituelle Suche des jungen Georges I. Gurdjieff https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_I._Gurdjieff (1846-1949) geht.

Der komplette Film (ca. 103 Minuten) ist hier zu sehen; allerdings in sehr bescheidener Qualität, aber Liebhaber nehmen so etwas in Kauf …

Youtube-Video

Mit Klick auf dem Button wird eine Verbindung zu Youtube hergestellt und die bei Youtube üblichen Daten erhoben und Cookies gesetzt.

Der Film (genauer: das verfilmte Buch von Gurdjieff) ist in seiner Essenz deswegen so wertvoll, weil er die klassische Situation beschreibt: Ein Mensch sucht nach dem WEG, nach Selbsterkenntnis, und »rennt« von hier nach dort, um am Ende, nach vielen leidvollen, aufreibenden Erfahrungen erkennen zu müssen: Ich habe nichts gefunden.

Auf seiner mühseligen Wanderschaft im Kaukasus bzw. Hindukush trifft Gurdjieff zweimal auf einen Dervish. Dieser speist ihn beim ersten Mal mit einem eher unverbindlichen Hinweis ab und lässt ihn wieder gehen. Am Ende seiner Irrfahrt sucht Gurdjieff den Dervish ein zweites Mal auf, und hier treffen wir auf folgenden Dialog (der Film ist auf englisch):

Der Meister: »Have you found what you are looking for?«
Gurdjieff: »I have found nothing. I don't know how to search. There is never an answer. What can I do now? I am desperate.«
Der Meister: »You will never find the answer by yourself. Alone a man can do very little. His only hope is to find a place where the real knowledge is been kept alive. (nach kurzem Innehalten:) I advice you to try to find the Sarmoung Brotherhood. Go up the Amudarja, towards Kafiristan. It is a dangerous undertaking, you will be risking your life. But at the right moment there will be a guide.«

Übersetzt:

Der Meister: "Haben Sie gefunden, was Sie suchen?"
Gurdjieff: "Ich habe nichts gefunden. Ich weiß nicht, wie ich suchen soll. Es gibt nie eine Antwort. Was kann ich jetzt tun? Ich bin verzweifelt."
Der Meister: "Du wirst die Antwort nie allein finden. Alleine kann ein Mensch sehr wenig tun. Seine einzige Hoffnung ist, einen Ort zu finden, an dem das wahre Wissen lebendig gehalten wird. (nach kurzem Innehalten:) Ich rate dir, die Sarmoung-Bruderschaft zu finden. Gehen Sie die Amudarja hinauf, in Richtung Kafiristan. Es ist ein gefährliches Unterfangen, du wirst dein Leben riskieren. Aber im richtigen Moment wird sich ein Führer finden."

Und Gurdjieff macht sich auf, die Geschichte gelangt zu ihrem guten Ende.

Als den entscheidenden Satz dieser berührenden Szene erachte ich diesen:
»Alone a man can do very little.«
Diese Aussage deckt sich mit den Aussagen anderer großer Meister. Für einen wirklichen, substanziellen spirituellen Fortschritt benötigt ein Suchender eine Führung.

Von einem großen christlichen Heiligen stammen die Worte:
»Eine tugendhafte,
aber alleinstehende und führerlose Seele
gleicht einer brennenden Kohle;
anstatt sich mehr zu entzünden, erkaltet sie.«
[Juan de la Cruz]

Sarvamangalam !

Im abschließenden Teil 4, Abschnitt 2 weiter unten, folgt Genaueres.

Die Teile 1 bis 3 findest du oben.

larrim

Ramananda schrieb: "Als den entscheidenden Satz dieser berührenden Szene erachte ich diesen: »Alone a man can do very little.« Diese Aussage deckt sich mit den Aussagen anderer großer Meister. Für einen wirklichen, substanziellen spirituellen Fortschritt benötigt ein Suchender eine Führung."

Dieser Satz enthält sehr viel Weisheit. Ich möchte aber noch ergänzen, dass ein Meister dem Schüler das Schwimmen beibringen kann, dass in den Schriften theoretische Anleitungen, wie zu schwimmen ist, gegeben werden, ins Wasser springen und Arme und Beine in der Weise zu bewegen. Dass der Schüler nicht untergeht und vorankommt, muss er jedoch immer wieder selber tun.
Allein meint in diesen Augen auch das in Samskara gefangene Ego, welches dazu neigt sich in der Maya der äußeren Welt zu verlieren. Auf dieser Ebene wird es keinen spirituellen Fortschritt geben.
Die Seele jedoch ist niemals allein, sie ist Teil des Einen Großen und Ganzen. "Ayam Atma Brahma" = "Dies Selbst ist Brahma" steht in den Veden so treffend. Und auf diesem Level ist der Sadhaka niemals allein.

Weiter schreibt Ramananda: "Von einem großen christlichen Heiligen stammen die Worte:
»Eine tugendhafte,
aber alleinstehende und führerlose Seele
gleicht einer brennenden Kohle;
anstatt sich mehr zu entzünden, erkaltet sie.«
[Juan de la Cruz]
"

Auch das ist richtig. Der Meister ist eine Art Führer; laufen und sich bewegen muss der Chela jedoch allein. Er kann und sollte nicht darauf bauen, dass der Meister allein den Blasebalg betätigt, um die Glut der Kohle zu einer Flamme zu entfachen.
Eine Flamme entsteht auch nicht durch das Lesen von immer mehr Büchern über Art und Wirkungsweise des Blasebalgs, oder darüber, wie ein Blasebalg zu betätigen ist.
Auch durch endloses Wiederholen und Wiederkäuen der Worte eines Meisters allein kann dies Flamme nicht entstehen.
Ein wirklicher Meister zeigt durch sein eigenes Strahlen dem Chela, was dieser in sich selbst beherbergt, er geht voran und zeigt dem Schüler, wie die Flamme entzündet werden kann.
Umsetzen muss es der Chela selbst, immer und immer wieder.

Licht und Liebe
Lars

Ramananda

Teil 4, Abschnitt 2 (Abschluss meines Beitrags zum Thread »Der geistige Pfad«)

Länge des Postings: Ich versuche mich so kurz wie möglich zu halten, selbst wenn das eventuell zu Missverständnissen führen mag.

Es ist hier nicht die Rede davon, dass »jeder spirituelle Mensch« einen Guru benötigt. Sondern: Wer auf dem geistigen Pfad wirklich vorankommen will (der »ernsthaft Strebende«), er/sie braucht einen Guru.

Grundlegende Klärung: Wohl ist es so, dass in Indien unter »Guru« traditionell jeder Lehrer verstanden wird; nehme ich also dort zum Beispiel Musikunterricht, dann bin ich Schüler eines Gurus, selbst wenn dieser ein gewöhnlicher, weltlicher Mensch ist. Aber in Indien wird deswegen auch sorgfältig unterschieden: Es gibt viele Gurus, aber nur einen Sadguru: Der erleuchtete, der wahre Guru, der den Zustand des höchsten Samadhi erfahren hat. Und nur ihm steht es zu, Führer auf dem spirituellen Pfad zu sein und Schüler anzunehmen, indem er sie in die Meditation einweiht. Er ist der einzige, der weiß, was in diesem Augenblick der Einweihung wirklich geschieht, nämlich die Verleihung eines neuen geistigen Körpers (Dharma-Kaya) – eines der vielen unergründlichen Geheimnisse.

Nach klassischem Verständnis ist ein Guru jemand, der den Nirvikalpa-Samadhi (Verwirklichung des formlosen Aspekts Gottes) oder den Savikalpa Samadhi (Gottverwirklichung mit Form) erreicht hat. Wenn man diesen Maßstab anlegt, scheiden 99 Prozent der heutigen »Meister« als Gurus aus.

Braucht jeder ernsthaft Strebende einen Guru? Nein. Die Ausnahme stellen hier die sogenannten »vollkommen Geborenen« dar. Das sind jene, die kurz vor Erreichen des höchsten Zieles gestorben sind und dann in ihrer nächsten (und letzten) Geburt von klein auf genau wissen, was sie wollen und was sie zu tun haben. Diese wenigen kann man an den Fingern einer Hand abzählen (dabei ist höchst erstaunlich, wie viele Menschen sich zu dieser Kategorie zählen wollen, siehe weiter unten). Für alle anderen Suchenden gilt: Es gibt keinen wahren spirituellen Yoga ohne Guru.

»Ist der Schüler bereit, dann kommt der Guru.« Dieser klassische Satz besagt: Wer sich ernsthaft, mit ganzem Herzen nach spiritueller Führung sehnt, dem wird sie zuteil. Manche Strebende, wie man an vielen bewegenden Geschichten sieht, finden den Meister erst nach langem, beschwerlichem, höchst entbehrungsreichem Suchen; bei anderen steht der Meister eines Tages »vor der Tür«, um es so auszudrücken. Das Ganze ist also auch hier eine Frage des guten Karmas.

»Der Guru kann nur den Weg zeigen; gehen muss der Schüler selbst.« Das versteht sich von selbst und braucht deshalb nicht extra erwähnt zu werden (wie es immer wieder geschieht, aus welchen Gründen auch immer). Auch dieser Satz kann aber »zu eng« und damit nicht völlig verstanden werden; siehe dazu die letzten zwei Zitate ganz unten.

»Gott, Guru und Selbst sind ein- und dasselbe.« Dieser ebenfalls klassische Satz wird in Indien meistens richtig verstanden, im Westen meistens falsch, und dahinter steht eine Falle des trickreichen Ego: »Na also, wenn der Guru mein eigenes Selbst ist, wozu dann äußerlich suchen?« In der Tat unterschreiben echte Gurus ihre Briefe an die Schüler mit »dein eigenes Selbst«. Nur: Hier sollte man wieder einmal das Ende nicht mit dem Anfang verwechseln. In einer alten Schrift (Name ist mir leider entfallen) las ich: Am Ende, kurz vor dem Eintauchen in den höchsten Samadhi, wird man erkennen, wer der Guru wirklich war.« Am Ende.

Der westliche Mensch hat für seine andersartige Interpretation im Grunde nur ein Motiv, und das ist eine Spielart des Egos namens Stolz. Ein heikler Punkt, den ich deswegen auch nicht ausführlicher als hier dargestellt erörtern will. Die üblichen Bedenkenträger werden sich dazu sicherlich mit ihrem Widerspruch melden.

Was ist mit Stolz gemeint? Im Westen ist es die Regel, dass jeder den Weg alleine gehen will. Das Herz des Yoga aber ist die Beziehung zwischen Meister und Schüler; dieses verborgenste aller Geheimnisse enthüllt sich nur durch die Praxis. Einst ging niemand ohne Guru auf die schwierige spirituelle Reise. Dass die meisten Suchenden des Westens den geistigen Führer ablehnen, ist ein Zeichen des Hochmuts, nicht der angeblichen Reife.

Den Schlüssel liefert auch hier ein Vers der Bhagavad-Gita (IV, 34): »Suche diese Erkenntnis durch demütiges Verbeugen, durch Befragen und durch Dienen. Die Weisen, die Wahrheitsseher, werden dir das Wissen offenbaren.«

Der erste Begriff, das Verbeugen, ist von entscheidender spiritueller und psychologischer Bedeutung. Und mit diesem Verbeugen tun sich die meisten schwer. Unvergesslich die Reaktion meines Meisters, als die Rede auf solche Menschen kam; er sagte lachend: »Yes, yes. They say: Why should I bend my knees before that man?« Ich habe in vielen Gesprächen mit Suchenden nur selten den aufrichtigen Satz gehört: »Ich kann mich einfach nicht verbeugen (und damit: beugen).« Immerhin, eine wichtige Selbsterkenntnis, während die meisten mit windigen Begriffen wie »Unabhängigkeit, Reife, …« einen Bogen um diese unbequeme Wahrheit machen.

Mit zwei unergründlichen Feststellungen (im Wortsinne: sie können nicht intellektuell erklärt werden, hier geht es um das Innerste) schließe ich meinen Beitrag. Beide meinen dasselbe, beide stellen das größte und wundervollste aller Geheimnisse dar:
dhyânamûlam gurormûrtih
pûjamûlam gurohpadam |
mantramûlam gurorvâkyam
mokshamûlam guroh kripâ ||
»Die Wurzel der Meditation ist die Gestalt des Guru;
die Wurzel der Verehrung sind die Füße des Guru;
die Wurzel des Mantra ist das Wort des Guru;
die Wurzel der Erlösung ist die Gnade des Guru!«
[Guru-Gita, Vers 76]
»Die Gnade des Meisters
trägt mehr zur Selbstverwirklichung bei
als Lehren, Vorlesungen, Meditation, usw.
Diese sind nur zweitrangige Hilfen,
während die Gnade des Meisters
die erste und wesentliche Ursache ist.«
[Shri Ramana Maharshi]

 

Lokah samastah sukhino bhavantu
Om shanti shanti shanti

 

Und so sage ich zum letzten Mal:

Sarvamangalam – zum Segen aller!

_________________________

Die anderen Teile 1 bis 4a findest du oben.

Kannst du etwas ergänzen?

Möchtest du etwas zu dem Gesagten ergänzen?

Bitte antworte mit Namen oder Namenskürzel, dann können die Antworten zugeordnet werden. Aber anonyme Ergänzungen sind ebenfalls wertvoll.

 

Die Seite wird zum Absenden NICHT neu geladen (die Antwort wird im Hintergrund abgesendet).

Siehe auch

om Vṛitti sārūpyam-itaratra 
वृत्तिसारूप्यमितरत्र

Also ... In allen anderen Umständen, außer dem der klaren Sicht, identifiziert sich der Mensch mit seinen Vrittis. Das gilt es zu ändern. An Vorschlägen, was man als Yogi tun kann, soll es nicht mangeln ... 

Hier weiterlesen


  

Woher stammen diese Beiträge?

Früher gab es auf Yoga-Welten.de einen Forumsbereich. Dieser musste aus technischen Gründen abgeschaltet werden, es gab aber auch fast keine neuen Diskussionen mehr. 

Um die oftmals sehr wertvollen Beiträge der Forumsteilnehmer zu "retten", habe ich die ursprünglichen Posts als Grundlage für eine Neuformulierung genommen und zu einem eigenständigen Text umgeschrieben. 

Dabei wurden auch Dopplungen, Rechtschreibfehler und auch themenfremde Postings korrigiert, gekürzt oder ganz weggelassen. Diese "Straffung" erleichtert den Einstieg ins Thema. Zudem wurden die Texte neu formuliert und um Sachverhalte, Bilder etc. ergänzt. Fehler durch diese Textergänzungen etc. sind natürlich nur mir anzulasten. Ich hoffe aber und habe mich sehr darum bemüht, dass die Aussagen der Forenteilnehmer dabei nicht verfälscht wurden.

Unter jedem Posts gibt es die Möglichkeit, diesen weiterhin zu ergänzen, auf Fehler aufmerksam zu machen usw.

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

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