Der Geistige Pfad

Dies ist ein langer Beitrag, in der unterschiedliche Meinungen zum geistigen Weg des Yoga ausgetauscht und diskutiert werden. ► Moksha – Freiheit ► Suche nach Gott ► Den Geist reinigen und leeren um das wahre Selbst zu erkennen ► Enthaltsamkeit üben und Sinnesgenuss meiden oder ► die Freuden der Welt achtsam genießen? ► Welche Yoga-Art passt zu mir? ► Verbindung von Yoga und Tantra

larrim startet die Diskussion:

Dieses Thema richtet sich an alle, die im Yoga mehr suchen als nur ein schönes Popöchen, und körperliche Gesundheit. Dieser würde hier gerne mit euch allen offen und undogmatisch über dieses Thema diskutieren.

Zum Auftakt stelle ich hier zwei Zitate meines Meisters Yogiraj Satgurunath Siddhanath ein:

  1. „Yoga is moksha!“ („Yoga ist Befreiung!“)
  2. „The only Pupose of man is to seek God!“ („Die einzige Aufgabe des Menschen ist es, Gott zu suchen!“)

Beides beschreibt die eigentliche Ausrichtung des Yoga, die nur leider heute nicht mehr überall gelehrt wird. Dennoch verspüren immer mehr Menschen eine tiefe Sehnsucht nach der Verwirklichung des inneren göttlichen Selbst.

Der Pfad jedoch ist schmal und schlüpfrig, wie manche Posts in diesem Forum leider nur zu deutlich machen. Viele sind gerufen, aber nur wenige wirklich berufen, alle auf dem Weg lauernden Gefahren und Fallstricke wirklich zu meistern.

Einer der größten Fallstricke auf dem Weg ist oft der menschliche Verstand. Wollen wir also zu einem Yogi, oder zu einem Schrift Gelehrten werden? Sollte die erste Frage auf dem Wege sein.

Dazu gibt es eine sehr schöne Geschichte von Mulla Nasrudin, der einst ein Fährmann am Ganges war:

Mulla Nasrudin: Der Fährmann und der Schriftgelehrte

Eines Tages erscheint ein Pundit (Schriftgelehrter) beim Mulla und bat ihn auf die andere Seite vom Ganges überzusetzen. Mulla Nasrudin antwortete mit einer extrem verwaschenen Sprache und ganz lausiger Grammatik.

„Mulla Nasrudin,“ sagte der Pundit „hast du denn niemals Lesen und Schreiben gelernt? Dann hast du dein halbes Leben vertan!“

Nasrudin schwieg beharrlich. Auf der Mitte der Ganges erhob Mulla Nasrudin dann die Stimme und fragte: „Pundit, sage mir eines, hast du jemals schwimmen gelernt?

„Nein“ anwortete der Gelehrte.

„Bei allem Respekt“, sagte Mulla Nasrudin, „dann hast du dein ganzes Leben vertan, denn es kommt ein Sturm auf und wir werden sinken.“

Eines also ist das theoretische Wissen und das andere das Schwimmen auf den Wassern des Lebens, das demütige Einfügen in diese Schöpfung.

„Oh Herr dein Wille geschehe“

... heißt es in unserer Bibel und dieses Zitat könnte von jedem Yogi sein.

Wozu das ganze gelernte Wissen, wenn es nicht hilft, in den stürmischen Gezeiten der materiellen Welt zu bestehen und die immerwährende göttliche Liebe zu erfahren und in die Welt zu tragen.

Meditation, wenn sie denn wirklich eintritt, dient immer dem Wohle der gesamten Schöpfung.

Jede Trennung ist Maya und diese Trennung zu transzendieren ist der Pfad zu Gott, der Pfad der Befreiung, Moksha.

Jede Seele strebt diesem einem Ziele zu, auch wenn es den Meisten nicht bewusst sein mag.

„Ayam Atma Brahman“ übersetzt: „Dieses Selbst ist Brahman“ heißt es in den Veden so treffend.

Der Wassertropfen ist der Ozean. Ist das nicht wundervoll. Mit ihm sind es alle anderen kleinen Tröpfchen und das ist noch fantastischer. Bildet sich jedoch einer dieser Tropfen ein, besser als die anderen zu sein, den Pad der anderen kleinen Tropfen zu bewerten oder zu verurteilen, dann läuft der Sucher in die Falle der Hybris und verspielt sehr schnell allen spirituellen Fortschritt.

Anders ausgedrückt: Er/sie findet sich aufs Neue an das Rad der Erscheinungen geflochten.

Licht und Liebe
Lars

Atreju59 antwortet als Erste

Hallo Lars,

ich verstehe Deine Sätze nicht. Kannst Du Deine Aussagen präzisieren.

1. Welche Verbindungen nimmst Du konkret an?

2. Warum kleine Seelen – gibt es auch große Seelen?

3. Wenn ja, worin bestehen die Unterschiede?

4. Welche Ahnung meinst Du?

5. Wie ist es möglich, dass Yogiraj Gurunath Siddhanath bereits mit 3 Jahren erleuchtete Zustände hatte oder anders gefragt: glaubst Du daran? Für andere Menschen reicht ein ganzes langes Leben nicht dazu. Hat das mit Karma zu tun?

6. Auf verschiedenen Seiten wird er als Großmeister genannt. Ist ein Großmeister mehr erleuchtet als ein Meister? Er wird sogar als Heiligkeit bezeichnet. Schüler, Lehrer, Meister, Großmeister, Heiligkeit …das klingt sehr hierarchisch. Sind vor Gott nicht alle Menschen gleich?

7. Ist es nicht so, dass solche Menschen, die bestimmt auch eine außergewöhnliche Ausstrahlung besitzen, durch ihre Anhänger, Bewunderer, Verehrer dazu emporgehoben werden? Wäre es nicht richtig, wenn dann diese besonderen Menschen ihren Schülern ganz eindeutig sagen würden, dass sie das nicht sind …Heiligkeit!?

8. Sind Meister oder Großmeister, jetzt nutze ich mal einige Deiner Worte aus einem zeitnahen anderen Thread, größere, bessere, nützlichere, wertvollere Tropfen im ganzen großen Ozean des Lebens? Du schreibst „Der Wassertropfen ist der Ozean.“ Jeder von uns ist ein Wassertropfen. Bin ich dann nicht auch Yogiraj Gurunath Siddhanath und ist er gleichzeitig nicht auch ich? Im großen Ozean vermischt sich alles zu einer homogenen Ganzen...

9. Warum sind mir die Einsichten eines Yogiraj Gurunath Siddhanath nicht direkt zugänglich? Liegt das an mir, weil ich offensichtlich zu einem Meister aufschauen möchte, seinen Weg bewundere und ihn, seinen Weg, gehen möchte und nicht meinen eigenen Weg? Begeben sich nicht viele Yoga-Praktizierenden in eine Art Abhängigkeit von solchen Meistern, ohne es direkt zu wollen?

10. Du schreibst weiter „Zum Auftakt stelle ich hier zwei Zitate meines Meisters ein“.
Wieso schreibst Du das, warum ist gerade dieser, Dein Meister, der richtige für Dich? Was unterscheidet ihn von anderen Meistern? Gibt es unterschiedliche Arten, Stadien der Erleuchtung?

Meine Frage wirken auf Dich sicher naiv, sind aber ehrlich geschrieben.

LG
Dieter 

Wintersun

Atreju59 schrieb:

7. Ist es nicht so, dass solche Menschen, die bestimmt auch eine außergewöhnliche Ausstrahlung besitzen, durch ihre Anhänger, Bewunderer, Verehrer dazu emporgehoben werden? Wäre es nicht richtig, wenn dann diese besonderen Menschen ihren Schülern ganz eindeutig sagen würden, dass sie das nicht sind …Heiligkeit!?

Hi,

so richtig viel Ahnung habe ich nicht. Es gibt aber bestimmte Texte und Bücher, die mir wegweisend sind, die für mich „stimmig“ sind, auch wenn ich sie nicht vollkommen verstehe.

Zu der Frage oben kam mir der Text unten in Erinnerung:

Aus ICH BIN (Teil II) Sri Nisargadatta Maharaj

- Kapitel 34:

FRAGE: Maharaj, Sie sitzen hier vor mir und ich zu Ihren Füßen. Was ist der grundsätzliche Unterschied zwischen uns?

MAHARAJ: Es gibt keinen grundsätzlichen Unterschied.

FRAGE: Trotzdem muß es einen realen Unterschied geben. Ich komme zu Ihnen. Sie kommen nicht zu mir.

MAHARAJ: Weil sie glauben, dass es Unterschiede gibt, suchen sie überall nach „überlegenen“ Menschen.

........

FRAGE: Ihre Worte sind weise, Ihr Verhalten nobel, Ihre Gnade allmächtig.

MAHARAJ: Davon weiß ich überhaupt nichts, und ich sehe zwischen Ihnen und mir keine Unterschiede. Mein Leben ist ein Ablauf von Ereignissen, genauso wie Ihres. Doch ich bin unberührt und erkenne die vorübergehende Show als eine vorübergehende Show, währen Sie sich an Dinge klammern und nachjagen.

Liebe Grüße

Klaus

larrim

@Wintersun/Klaus:

Ja lieber Klaus, obigen weisen Worten kann ich nur in vollem Umfang zustimmen, denn am Ende lehren alle Meister dasselbe in unterschiedlichen Worten und Bildern vielleicht, aber in der Essenz ist die Lehre immer die Gleiche.

larrim

Guten Morgen Artreju

Vielen Dank für dein aufrichtiges Interesse.

Du stellst viele Fragen, die teilweise nicht mit einem Satz beantwortet werden können. Verzeih bitte, wenn dieser aus Zeitmangel nicht alle auf einmal zufriedenstellend beantworten kann.

Ich sehe, du hast schon einmal ausgiebig gegoogelt und versucht dich schlau zu machen und halte deine Fragen für wichtig.

Möglicherweise war es etwas unklug, mit einem Zitat meines eigenen Meisters zu beginnen, denn für jeden Menschen gibt es einen Meister oder eine Meisterin, der oder die dann gefunden werden, wenn der/die Suchende auf dem Pfad einige Fortschritte erzielt hat und bereit ist, diesen dann auch zu erkennen.

Dein Meister muss also nicht zwangsläufig der Meine sein und umgekehrt. Das sagt aber nichts über die Qualität des Meisters aus.

Yoga dreht sich maßgeblich darum, das göttliche Selbst in uns selbst zu entdecken und zu realisieren. Yoga kommt von „juj“ aus dem Sanskrit und heißt übersetzt soviel wie „wieder ans Joch schirren", „wieder anbinden“, „wieder die Einheit mit Gott und der Welt zu erkennen“.

Unser westliches Wort Religion bedeutet exakt das Gleiche.

Eine Aufteilung in Hindus, Christen, Moslems, Juden oder was auch immer wird in diesen Augen der wirklichen Bedeutung von Religion nicht gerecht. Alle Religionen sind am Ende eins. Wo aber Organisationen und Kirchen entstehen, menschelts, und aus übermäßiger Bindung an die eigene spirituelle Heimat und mangelnder Einsicht entstehen neue Konflikte, die zu sogenannten Heiligen Kriegen führen können. Dazu kommt sicher dann auch noch, dass manche sogenannte Führer der einzelnen Strömungen auf irgendwelchen Pfründen sitzen, die sie mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Über diesem Selbst liegen verschiedene Hüllen oder Schleier, welche im Yoga Koshas genannt werden.

Eine genauere Erklärung zu diesen Koshas findest du hier: https://wieneryogaschule.at/33431-2/.

Der Weg des Geistes und der Weg des Yoga gehen davon aus, dass diese Schleier uns in übermäßiger Weise an das Geschehen der materiellen Welt binden lassen.

Eben auch daran Hindu, Christ oder was auch immer zu sein.

Dort, wo der Schleier zerreißt, wird klar, in der Bibel steht tatsächlich nichts anderes als in der Bibel. Aus Unverständnis oder Avidya heraus sind wir Menschen geneigt, diese Polarisierungen, die eigentlich nicht existent sind, zu erschaffen.

Sind alle diese Koshas aufgelöst, zerrissen oder wie auch immer man es nennen mag, beginnt der Sucher zu erkennen, dass er eins ist mit dem Göttlichen in immerwährender Verbindung.

Jeder Mensch ist ein Strahl des Göttlichen, auch wenn er sich dessen oft nicht bewusst ist.

Auf dem geistigen Pfad kommt dann früher oder später das Phänomen der Kundalini, der uranfänglichen Energie der Shakti ins Spiel.

Beitrag: Kundalini Yoga

Kundalini Yoga – die Wege zur Urkraft im Menschen

Wie bei vielen Yoga Stilrichtungen üblich, betont der Name den Aspekt des Yogas, den diese Richtung vorrangig fördern will. Beim Bhakti Yoga ist dies die liebende Hingabe an Gott, beim Raja Yoga der "königliche" achtfache Yoga-Pfad, beim Jnana Yoga der eigene Intellekt (Jnana = Wissen) und beim Karma Yoga gilt es, das moralische Konto der Seele ins Plus zu bringen.

Kundalini Yoga will die Schlangenkraft am Fuße der Wirbelsäule erwecken und durch die Nadis über die einzelnen Chakren nach oben ins oberste Chakra, dem Sahasrara-Chakra, leiten, um hierdurch den Menschen zur Erleuchtung zu führen. Alle körperlichen Übungen, Mantras, Meditationen und Atemübungen im Kundalini Yoga sind auf dieses Ziel ausgerichtet.

Es gibt unterschiedliche Herangehensweise im Yoga, diese Urkraft im Menschen zu erwecken:

Hier weiterlesen

Beitrag: Kundalini und Sexuelle Kraft

Frage zum Thema Kundalini und Sexueller Kraft

Heibo fragt:

Sex usw. ist was Schönes. Ich möchte aber nicht länger ein Spielball meiner Triebe sein, sondern diese Kraft in mir halten.

Habt Ihr da ein paar gute Tipps für mich ...?

Die Antworten lauten wie folgt:

Hier weiterlesen

Hier wiederum müsste ich sehr weit ausholen, um das verständlich zu machen. Eines unserer ehemaligen Forenmitglieder, welches sich mit seiner Familie inzwischen still in den Wald zurückgezogen hat und leider im Netz nicht mehr aktiv ist, hat dazu in einem anderen Forum ein ganzer Thread gestartet, welches dieses Phänomen besser umschreibt als es diesem (mir) möglich wäre.

Nun zu deinen Fragen erst einmal in aller Knappheit. Dieser (ich) hat lange Zeit bei einem Meister Hatha und Raja Yoga studiert und tut es auch heute noch. Aber mit 49 Jahren erst fand er seinen SatGuru, und fand sich zunächst in einem heftigen Loyalitätskonflikt wieder. Nach Rücksprache mit beiden Meister wurde dann aber schnell klar, dass dieser nicht existieren muss, da manchmal ein Sucher von einem Meister zum anderen weiter gereicht wird, wenn dies seiner Entwicklung förderlich ist.

Aus einem ehemaligen Revoluzzer wird langsam ein immer demütiger werdendes Wesen, welches sich immer mehr auf die universelle Einheit in Gott besinnt. Kein wirklicher Meister würde jemals schlecht über einen anderen reden, es sei denn, es handelt sich ganz offensichtlich um einen Scharlatan, der Menschen ins Elend stürzt. Selbst dann werden die Äußerungen in aller Regel sehr vorsichtig ausfallen.

Die weiteren Antworten:

Atreju59 schrieb: Hallo Lars, ich verstehe Deine Sätze nicht. Kannst Du Deine Aussagen präzisieren. 1. Welche Verbindungen nimmst Du konkret an?

Jede Seele strebt der Gottverwirklichung entgegen, was wiederum ein Prozess ist, der sich über zahlreiche Leben hinziehen kann. Gemäß dem Karma (das wäre nun schon wieder ein eigenes Thema und würde den Rahmen hier sprengen) gibt es unterschiedliche Lern- und Entwicklungsaufgaben, die der Sucher zu bewältigen hat, um sein Karma aufzulösen und auf dem Pfad voranzuschreiten. Dieser hat lange mit dem Kriya Yoga geliebäugelt bis er zu Yogiraj Satgurunath Siddhanath fand. Tief im Herzen kam ihm dieser Meister so unendlich bekannt und vertraut vor als kenne er ihn schon seit Urzeiten, was sich im folgenden durch plötzlich in der Meditation aufsteigende Erinnerungen immer mehr bestätigt hat. Dinge klären sich, dieser spürt, wie die Gegenwart seines Meisters die eigene Entwicklung fördert und beschleunigt, ohne dabei Bindungen in dieser Welt zu zerstören. Eure erste Pflicht ist es vor allem euren Familien euren Kindern zu dienen, sagt Gurunath sehr gerne und immer wieder. Dieser könnte einfach nicht einem Meister folgen, der Familien als Hindernisse und nicht als eine weitere Gott gegebene Möglichkeit zur Entwicklung ansieht. Daher musste er als Familienvater zwangsläufig bei einem Householder Yogi landen, der selbst Frau, Kinder und Enkelkinder hat.

2. Warum kleine Seelen, gibt es auch große Seelen?
3. Wenn ja, worin bestehen die Unterschiede?

Frage 2 und 3 sind einfach beantwortet. Natürlich gibt es im Endeffekt nur die eine große universelle Seele, die im Yoga Brahman genannt wird. Aber es gibt auch das Atman, die Individual-Seele, die mit dem Bild, das dieser vom Wassertropfen und vom Ozean gab. Wir sind auf der weltlichen Ebene die Wassertropfen, auf der geistigen Ebene gleichzeitig jedoch der ganze Ozean. Ist das nicht wundervoll?

Kleine Seele ist nicht weiter als der zaghafte Versuch zu umschreiben, dass eine Seele noch nicht vollständig im Großen und Ganzen, in Brahman oder in Gott aufgegangen ist. Der indische Ausdruck „Mahatma“ bedeutet übersetzt große Seele. Derjenige, der wirklich voll und ganz mit dem Göttlichen verschmilzt, wird daher oft als große Seele bezeichnet.

Aber: Das hat nur modellhaften Charakter. Letzten Endes sind wir alle auf der seelischen inneren Ebene in einer permanenten Verbindung, Beziehung und Wechselwirkung. Meister wie Schüler sind eins. Die Trennung, die äußerlich erscheint, ist eine Illusion, die es zu transzendieren gilt. Der Meister ist der klare Spiegel der eigenen Möglichkeiten, der dem Schüler einige Erkenntnisschritte voraus ist. Nicht mehr und nicht weniger.

4. Welche Ahnung meinst Du?

Hier müsstet du diesem bitte noch eimal einen konkreteren Hinweis geben, worauf du dich beziehst.

5. Wie ist es möglich, dass Yogiraj Gurunath Siddhanath bereits mit 3 Jahren erleuchtete Zustände hatte oder anders gefragt: glaubst Du daran? Für andere Menschen reicht ein ganzes langes Leben nicht dazu. Hat das mit Karma zu tun?

Diese Frage ist verständlich, wurde aber schon beantwortet. In aller Kürze noch eimnmal: Die Seele reist von Inkarnation zu Inkarnation der vollständigen Erleuchtung entgegen. Mit der Erleuchtung ist eigentlich das Karma erlöst und eine neue Wiedergeburt nicht mehr erforderlich. Manche Seelen stellen sich jedoch der Herausforderung, dennoch wiederzukehren, um der Menschheit als einem Ausdruck ihres inneren göttlichen selbst auf dem Pfad behilflich zu sein. Yogiraj SatGurunath Siddhanath brachte also infolge der intensiven Sadhana (spirituelle Praxis) aus seinen Vorleben bereits vieles mit. So sind seine spontanen Medtitationserfahrungungen im zarten Alter von 3 Jahren erklärbar. Ja, ich stand dem ganzen auch sehr lange sehr, sehr skeptisch gegenüber, inzwischen ist für mich innerlich zu einem Fakt geworden, ohne dass ich ganz konkret sagen könnte, wieso.

Haben wir also in unseren Vorleben einen großen Teil des Karmas erlöst, kommt so etwas zustande. Die Buddhisten haben das schöne Bild des Bodhisattva, eines Menschen, der Befreiung erlangt hat, aber aus Mitgefühl in die Welt zurückkehrt, was er eigentlich nicht müsste, um anderen zu helfen, ihren Weg zur Verwirklichung und Erleuchtung zu finden. Gurunath ist so ein Meister. Beim erneuten Lesen wird klar, dass hiermit Frage 10 ebenfalls beantwortet ist. Wenn nicht, frag nochmal nach.

6. Auf verschiedenen Seiten wird er als Großmeister genannt. Ist ein Großmeister mehr erleuchtet als ein Meister? Er wird sogar als Heiligkeit bezeichnet. Schüler, Lehrer, Meister, Großmeister, Heiligkeit …das klingt sehr hierarchisch. Sind vor Gott nicht alle Menschen gleich?

Ja, eindeutig, vor Gott, in Gott und mit Gott sind alle Menschen gleich. Wie aber aus dem schon zitierten Thema von Woherwig deutlich wird, gibt es Abstufungen der Meisterschaft. Ein Großmeister ist etwas weiter entwickelt als ein verwirklichter (einfacher Meister), und somit kann er eben Menschen, die den ersten Grad der Meisterschaft erlangt haben, weiter führen und vor den Gefahren eines aufgeblähten Egos, vor der daraus resultierenden Gefahr der Überheblichkeit zu bewahren.

Die Beweihräucherung entsteht in erster Linie aus dem noch nicht vollständigen Verständnis einiger seiner Schüler. Natürlich verspürt auch dieser einen tiefen, unermesslichen Respekt und grenzenlose Liebe vor demjenigen, der so viele Klippen, an dem das Schiff dieses Schreibers immer noch auf Grund läuft, gemeistert und überwunden hat und keine Mühen scheut, auch einen einst ungläubigen Thomas wie diesem auf dem Weg zu führen, indem er ihm immer wieder den Spiegel vorhält.
In seiner grenzenlosen Liebe führt der Meister alle seine Schüler zu Gott, anstatt sich selbst aus diesem weltlichen Leben ganz zurückzuziehen

7. Ist es nicht so, dass solche Menschen, die bestimmt auch eine außergewöhnliche Ausstrahlung besitzen, durch ihre Anhänger, Bewunderer, Verehrer dazu emporgehoben werden? Wäre es nicht richtig wenn dann diese besonderen Menschen ihren Schülern ganz eindeutig sagen würden, dass sie das nicht sind…Heiligkeit!?

So ist es. In Indien sagte Gurunath mehrfach "Bleibt sitzen", ich möchte nicht, dass ihr alle aufsteht, ich möchte nicht, dass ihr euch vor mir in den Staub werft. Andererseits macht er deutlich, dass es noch viele Dinge gibt, die wir von ihm lernen können und dafür empfindet dieser tiefsten Respekt und Liebe zum Meister. Seine Heiligkeit ist unsere Heiligkeit. Der kleine Unterschied ist: er ist sich dessen bewusst und wir als seine Schüler eben nicht, oder nicht immer, nicht vollständig

8. Sind Meister oder Großmeister, jetzt nutze ich mal einige Deiner Worte aus einem zeitnahen anderen Thread, größere, bessere, nützlichere, wertvollere Tropfen im ganzen großen Ozean des Lebens? Du schreibst „Der Wassertropfen ist der Ozean.“ Jeder von uns ist ein Wassertropfen. Bin ich dann nicht auch Yogiraj Gurunath Siddhanath und ist er gleichzeitig nicht auch ich? Im großen Ozean vermischt sich alles zu einer homogenen Ganzen ...

Nein weder Meister noch Großmeister unterscheiden sich in ihrer inneren Essens vom normal sterblichen Menschen. Der Normalo ;) ist sich aber dieser inneren Essenz nicht bewusst und verstrickt sich immer wieder im Geschehen der äußeren Welt, wie es von Patanjali im Kapitel über die leidvollen Spannung (Kleshas) so vortrefflich beschrieben wird. Mehr zu den Kleshas hier: https://www.yoga-welten.de/sutras/kapitel-2/sutre-12.htm

Beitrag: Yoga Sutra II-12: Die Kleshas sind [somit] die Wurzel für das gespeicherte Karma. Es wird im sichtbaren [gegenwärtigen] oder in nicht sichtbaren [zukünftigen Leben] erfahren werden.

wurzel moos o 250Klesha-mûlah karmâshayo drishtâ-adrishta-janma-vedanîyah
क्लेशमूलः कर्माशयो दृष्टादृष्टजन्मवेदनीयः

Karma und Reinkarnation sind das Fundament der Yoga-Philosophie sowie der anderen indischen Religionen. Auch Patanjali gründet im Yogasutra ganz selbstverständlich auf diesen beiden Vorstellungen vom Leben und seinen Gesetzen. Sutra II-12 ist dem Zusammenhang Klesha – Karma gewidmet.

Schauen wir im Folgenden einmal genauer hin, wie aus den leidvollen Zuständen unser zukünftiges Leben beeinflusst wird. Und natürlich, wie wir es auf Basis dieser Prinzipien besser haben könnten. Oder – das eigentliche Yoga-Ziel – wie wir alle Einflussnahme auf uns beenden.

Hier weiterlesen

9. Warum sind mir die Einsichten eines Yogiraj Gurunath Siddhanath nicht direkt zugänglich? Liegt das an mir weil ich offensichtlich zu einem Meister aufschauen möchte, seinen Weg bewundere und ihn, seinen Weg, gehen möchte und nicht meinen eigenen Weg? Begeben sich nicht viele Yoga-Praktizierenden in eine Art Abhängigkeit von solchen Meistern, ohne es direkt zu wollen?

Diese Gefahr besteht sicherlich und stellt eine der Fallen auf dem Pfad dar. Geben wir die Verantwortung für unsere Entwicklung ab, suchen wir einen spirituellen Ersatzpapa, dann wirds schwierig. Aber indem dieser seinen Guru ansieht, wird ihm immer wieder bewußt, wohin die Reise geht, was es zu verwirklichen gilt.

10. Du schreibst weiter „Zum Auftakt stelle ich hier zwei Zitate meines Meisters ein“. Wieso schreibst Du das, warum ist gerade dieser, Dein Meister, der richtige für Dich? Was unterscheidet ihn von anderen Meistern. Gibt es unterschiedliche Arten, Stadien der Erleuchtung? Meine Frage wirken auf Dich sicher naiv, sind aber ehrlich geschrieben.

Deine Aufrichtigkeit spüre ich aus deinen Zeilen. Und nein, naiv sind sie sicher nicht, weil in dieser Welt viel zu viele Menschen Meisterschaft vorschützen, Menschen benutzen und ausbeuten, bei denen es sich um nichts weiter als bedauernswerterweise verirrte Seelen auf dem Pfad handelt. Sowas geistert dann durch die Medien und lässt ein völlig falsches Bild einer wirklichen Meister-Schüler-Beziehung entstehen. Trifft ein Sucher seinen Meister, dann wird er das aus tiefstem Herzen spüren und so ist es diesem geschehen, weil er merkt, dass so vieles in seiner Sadhana und in seiner Liebe zu Gott durch die Führung des Meisters so unendlich vertieft hat.

LG Lars

PS: Glaubt nichts, was dieser geschrieben hat, sondern überprüft in eurem Leben, ob es für euch eine Bedeutung hat, ansonsten sind es nur die Worte eine vor Liebe zu Gott brennenden und trunkenen Idioten.

PPS: Schön, dass wir nun in diesem Thread anfangen, wirklich Yoga zu machen. Dieser empfindet das als wesentlich fruchtbarer, als über andere herzuziehen und sich in der Schlechtigkeit der Welt zu verlieren. Vieles von dem, was dieser oben schrieb, wird sicher von anderen kontrovers gesehen. Ich hoffe hier äußern sich noch mehr Menschen, so dass wir gemeinsam die Einheit der unterschiedlichen Meinungen erforschen und verwirklichen können anstatt und uns im Zwiespalt der Meinungen zu verlieren und wieder anfangen, miteinander zu kämpfen.

Atreju59

Hallo Lars, hallo Klaus,  

vielen Dank für Eure ausführlichen und verständnisvollen Antworten und ... puuh ...

Ich habe die Antworten jetzt einmal gelesen und werde sie wohl noch einmal oder auch zweimal lesen müssen bis ich sie einordnen kann. Aber bereits jetzt kann ich schreiben, dass mir das bis hierhin sehr hilfreich ist, meinen Weg anzufangen. Später, wenn ich durch die Antworten etwas besser „durchblicken“ kann, werde ich weiter dazu schreiben.

Vielen Dank nochmal.

LG
Dieter

larrim

Namaste Dieter, Dank ist nicht nötig.

Der geistige Pfad Teil 2 - Prüfungen auf dem Weg

Immer wieder wird der Mensch auf seinem Wege geprüft, durch schwer durchschaubare Verwicklungen im täglichen Leben. Durch Provokationen und Reaktionen darauf, wie wir es zurzeit auch in diesem Forum erleben. Die Frage, die sich uns Menschenkindern dabei immer wieder stellt, ist: „Können wir dennoch in Verbindung bleiben mit dem Einen, Namenlosen, über das nichts gesagt werden kann?“

Können wir uns selbst und anderen für alles verursachte Leid verzeihen und alles an die höchste Instanz abgeben.

Der geistige Pfad führt den Suchenden mitten durch die Niederungen der äußeren Welt, weil es eben nicht um einen totalen Rückzug daraus geht, sondern mitten im Leben verbunden zu sein mit Gott, ohne jedoch den äußeren Umständen und/oder Menschen in unserem Umfeld verhaftet zu sein.

Dies mag eine der schwierigsten Lektionen im Leben eines Suchers sein.

Es mag der Punkt kommen, an welchem dem Suchenden bewusstwerden, wie viel Leid er mit seinen unbedachten Handlungen, Worten und mit seiner grenzenlosen Gier nach Sensationen in dieser Welt verursacht hat. All das, was dem Suchenden als sogenannte Liebe erschienen sein mag, erscheint nun in einem völlig anderen Licht, wenn ihm oder ihr bewusst wird, wie sehr seine Handlungen und Emotionen von der eigenen Selbstsucht gesteuert waren.

Hier eröffnet sich die Tür zum Reich der grenzenlosen und bedingungslosen Liebe für alles, was in dieser Schöpfung existiert, wenn er den größten Schritt vollzieht und unbeirrt mit seiner Sadhana fortfährt: In grenzenlosem Vertrauen darauf, dass auch diese Prüfungen ihm letzten Endes dienen werden, auf dem Pfad voranzukommen, dass er immer geführt wird von dem Einen, dem Namenlosen und das es gilt sich diesem ganz und gar hinzugeben, um irgendwann vielleicht vollständig in ihm aufzugehen.

Sei in der Welt, aber sei nicht von dieser Welt.

Licht und LIebe
Lars

Ramananda

Teil 1 meines Beitrags zum Thema »der geistige Pfad«:

larrim schrieb: "»Yoga is Moksha!« »The only purpose of man is to seek God!« Beides beschreibt die eigentliche Ausrichtung des Yoga, die nur leider heute nicht mehr überall gelehrt wird. Dennoch verspüren immer mehr Menschen eine tiefe Sehnsucht nach der Verwirklichung des inneren göttlichen Selbst."

Damit ist man bei der in Indien seit Jahrtausenden gestellten Frage:

BHOGA oder YOGA ?

Zur Klärung:

Yoga (von yuj = anjochen, verbinden, befestigen) ist »die Vereinigung, das Verbinden« des begrenzten individuellen Bewusstseins (»Seele, Selbst«) mit dem grenzenlosen, alldurchdringenden Meer des Bewusstseins (»Gott«, Brahman). Es ist das Sanskritwort für das lateinische Religion (re = wieder …, zurück…; ligare = binden, vereinigen, zusammenpassen). Der Zustand der Vereinigung (das Ziel) und die Arbeit, die dahin führt (der Weg) – beides wird Yoga genannt. Damit ist klar: Yoga ist der Weg nach oben, zur Erlösung und Freiheit (Moksha).

Bhoga (von bhuj = essen, verzehren, genießen) ist »Essen, Genuss, Sinnenfreude, Lust« und hat in der Philosophie des Yoga unmissverständlich die Bedeutung Genuss der Welt, die Freuden der Sinne. Und auch damit ist klar:

Bhoga ist der Weg nach unten, zu den karmischen Verstrickungen, zum »Ich« und »Mein«, zur Welt des Leidens.

Nun sagen viele Menschen: Was kann denn am Genuss der Sinne so schlimm sein? Aber von Yogameistern ist der markante Satz zu hören: Sinnesgenüsse und wahres (!) Glück sind einander entgegengesetzt.

Die Bhagavad-Gita enthält zahlreiche Verse dazu:

(aus dem 2. Gesang:) »Wenn ein Mensch an die Sinnesobjekte denkt, entsteht der Hang zu ihnen. Aus dem Hang entsteht Begierde … Die erregten Sinne reißen selbst den Geist eines verständigen Menschen gewaltsam an sich … Diese Sinne alle beherrschend möge er dasitzen, mir als dem Höchsten hingegeben. Wahrlich, wer die Sinne in seiner Gewalt hat, dessen Weisheit ist feststehend … Für den Unbeherrschten gib es keine Einsicht, und keine (Kraft der) Verinnerlichung. Für den Nichtmeditierenden gibt es keinen Frieden. Woher aber soll das Glück kommen für den, der keinen Frieden hat? … Der Mensch, der alle Begierden aufgibt, der ohne Verlangen nach Genuss und Macht lebt, ohne den Gedanken an das Ich und Mein – er erlangt den Frieden.«

Bhoga ist nach einem solchen Verständnis der verkehrte Weg und entfernt den Menschen von seiner eigentlichen Bestimmung, vom wahren Sinn des Lebens.

So sagt die Bhagavad-Gita weiter:

(3, 16:) »Wer hier auf Erden diesem so in Bewegung gesetzten Rad nicht folgt, wer ein Leben in Sünde führt und nur in den Sinnen Freude findet – er lebt vergeblich, o Arjuna!«

Bhoga oder Yoga? Das war Teil 1 meines Beitrags zu diesem Thema.

Teil 2 wird sein: Die Erkenntnis, daß Bhoga, die Welt, Leiden bedeutet.

Sarvamangalam!

Den Teil 2 findest du weiter unten.

Wintersun

Was kann denn am Genuß der Sinne so schlimm sein?

Hi zusammen, hi Ramananda,

die Antwort auf diese Frage ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Mir fällt auf, das da (Bhagavad-Gita) steht: "Wenn ein Mensch an die Sinnesobjekte denkt, entsteht der Hang zu ihnen. Aus dem Hang entsteht Begierde …"

Das hat für mich nichts mit dem Genuss der Sinne zu tun. (Ich verstehe: Genuss der Sinne – mit den Sinnen genießen – etwa den Geschmack des Apfels, den Anblick von etwas Schönem .....)

Hier geht es um Begierde und Abhängigkeit. Und um das Denken, nicht um das Wahrnehmen und Fühlen.

Und weiter unten fällt mir das Wörtchen nur auf: "... wer ein Leben in Sünde führt und nur in den Sinnen Freude findet – er lebt vergeblich, o Arjuna."

Für mich das Ganze noch nicht so durchschaubar, wenn ich mit meinem Denken daran gehe.

Für mich ist das Wesentliche, nicht abhängig von bestimmten Dingen zu sein und dass ich lerne, nichts festzuhalten. Das schließt für mich das Genießen nicht aus.

Ehrlich gesagt, oft genieße ich die Körperübungen, finde die Öffnungen und Dehnungen sehr angenehm. (Was nicht bedeutet, das ich dem Unangenehmen immer aus dem Weg gehe.)

Liebe Grüße Klaus

Ramananda

Wintersun schrieb: "… Das schließt für mich das Genießen nicht aus. Ehrlich gesagt, oft genieße ich die Körperübungen, finde die Öffnungen und Dehnungen sehr angenehm. (Was nicht bedeutet, dass ich dem Unangenehmen immer aus dem Weg gehe.)"

Lieber Klaus,

das wäre ja auch ein Missverständnis. Der Yoga gibt zum Beispiel den gesundheitlichen Ratschlag, die Speisen sorgfältig zu kauen, den Geschmack wahrzunehmen, zu genießen = das fördert die Verdauung und die Aufnahme des Prana aus den genossenen Speisen.

Und mit der Kritik an »Bhoga« ist gewiß nicht gemeint, dass man die Wirkungen der Asanas nicht genießen dürfte!

Ähnlich gilt es für das »Genießen« eines Bhajans, denn je hingebungsvoller, je konzentrierter man singt oder zuhört, desto intensiver die sattvische, reinigende und erhebende Wirkung von Musik und Text auf den Geist.

Es ist wie mit den Wünschen. Der Yoga sagt: Gib zuerst die schlechten Wünsche auf (damit ist man dann ja wohl ein ganzes Leben lang beschäftigt …) und pflege die guten; am Ende aber musst du auch die guten Wünsche aufgeben, denn nur der absolut wunschlose Geist kann in den Nirvikalpa Samadhi eintauchen.

Schließlich:

Wenn Du sagst »Für mich ist das Wesentliche, nicht abhängig von bestimmten Dingen zu sein und dass ich lerne, nichts festzuhalten« – dann hast Du doch verstanden, worum es hier geht.

Allerdings, fast überflüssig zu erwähnen: »nicht abhängig … zu sein« – das ist eine außerordentlich große, außerordentlich edle, außerordentlich schwierige, ja die schwierigste von allen körperlichen und geistigen Haltungen oder Disziplinen.

Wintersun

Ramananda schrieb: "Es ist wie mit den Wünschen. Der Yoga sagt: Gib zuerst die schlechten Wünsche auf (damit ist man dann ja wohl ein ganzes Leben lang beschäftigt …) und pflege die guten; am Ende aber musst du auch die guten Wünsche aufgeben, denn nur der absolut wunschlose Geist kann in den Nirvikalpa Samadhi eintauchen."

Hallo Ramananda,

danke für deine Antwort. Damit kann ich etwas anfangen.

Eine schönes Wochenende

Klaus

Ramananda

Teil 2 meines Beitrags zum Thema »der geistige Pfad«:

Die unsterblichen Worte, die der Buddha nach dem Erreichen der Erleuchtung zu seinen ersten Schülern sprach, sind bekanntlich:

»Das Leben ist Leiden. Geburt ist Leid, Altern ist Leid, Tod ist Leid; Kummer, Schmerz, Verzweiflung sind Leid. Mit Unliebem vereint zu sein ist Leid. Von Liebem getrennt zu sein ist Leid. Nicht erlangen zu können, was man wünscht, ist Leid …«

Und die zweite der »vier edlen Wahrheiten« des Buddhas lautet:

Die Ursache des Leidens ist das Begehren, das Verlangen; der Durst nach dem Werden, der Durst nach Befriedigung der Sinne …

Die dritte Wahrheit ist: Es ist möglich, das Leiden zu überwinden. Durch das Erlöschen der Ursache erlischt das Leiden.

Die vierte Wahrheit: Es gibt einen Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt: rechtes Verstehen, rechte Entschlossenheit, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechte Lebensgestaltung, rechtes Bemühen, rechte Achtsamkeit, rechte Sammlung (Konzentration).

Es ist schwieriger als man zunächst glauben mag zu erkennen, dass Bhoga, der »Genuss der Welt«, der verkehrte Weg ist, sondern vielmehr der Weg des Leidens, der Weg zur Abkehr vom wahren Sinn des Lebens. Dazu ein Auszug aus einer leider vergriffenen Schrift von Georg Grimm (Der Samsaro. Die Weltenirrfahrt der Wesen. ©1960 Lebensweiser-Verlag, Büdingen-Gettenbach):

Aber wem stellt sich das so dar? Ja, wer ist auch nur fähig, das einzusehen? Vielleicht ab und zu einer im Laufe der Jahrhunderte, wie solch einer unser deutscher Mystiker, Jacob Boehme war, der (…) schrieb: »Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, all den Schmerz zu beschreiben.«

Wie außerordentlich selten es ist, wenn einmal einer die erste der vier hohen Wahrheiten wirklich begreift, bestätigt der Buddha selber – so wird im Samyutta-Nikaya V, 453 berichtet:

»Der Erhabene fragte den (Mönch) Ananda: Wie denkst du darüber, Ananda, was ist wohl schwieriger auszuführen: aus weiter Entfernung einen Pfeil nach einem Schlüsselloch zu richten und ihn Schuss um Schuss durchzubringen, ohne zu fehlen, oder eines hundertmal gespaltenen Haares Spitze mit einer solchen Spitze zu treffen? Ananda erwiderte: Das wäre wohl, o Herr, noch viel schwieriger auszuführen, eines hundertmal gespaltenen Haares Spitze mit einer solchen Spitze zu treffen. Der Buddha: Und doch haben, Ananda, noch schwieriger zu Treffendes jene getroffen, die ›Das ist das Leiden‹ wirklich durchdringen …«

Ein oft geäußerter Vorwurf im Westen lautet, die Botschaft des Buddhas und auch jene der Upanishaden, des Yoga seien wegen der Betonung des Leidens zutiefst pessimistisch. Dieser Vorwurf ist natürlich unberechtigt und zeugt von mangelnder Einsicht. Denn es heißt ja:

Es ist möglich, das Leiden zu überwinden; es gibt einen Weg zur Aufhebung des Leidens.

Klarer kann man es nicht sagen, und es bedarf schlicht einer Portion guten Willens, um erstens zu dieser Einsicht zu kommen und um sich zweitens auf den Weg zu machen.

Ein Auszug aus den »Heilwirkungen des Yoga«: "Als einziges Lebewesen ist der Mensch fähig, seine Wünsche zu bestimmen, seine Gedanken zu formen, sein Ziel zu definieren – sein Schicksal zu ändern. Nötig ist dazu nur eines: der gute Wille. Alles andere folgt von selbst.

»Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind (et pax … hominibus bonae voluntatis)«, so klingt in der lateinischen Bibel die Verkündigung der Engel zu Jesu Geburt; der Autor hält dies für die wahre Lesart. Die Herabkunft Gottes bringt gewiss nicht der Menschheit den Frieden (man lese im Evangelium, wie es weiterging), sondern nur jenen wenigen, die an diesen »Sohn Gottes« (wie immer man dies verstehen will), an seine Botschaft glauben: die Menschen guten Willens, »die sich Bemühenden«, wie es in der Bhagavadgita heißt. Jemand mag sich für noch so schwach halten, für einen noch so großen Sünder – der Beginn jeder Besserung ist ausnahmslos der gute Wille zur Umkehr. Bereits die Worte: »Herr, gib mir die Kraft, gut zu sein« setzen den guten Willen voraus, diese Bitte auszusprechen. [©HelmuthMaldoner]"

Teil 3 wird vom geistigen Pfad handeln, und Teil 4 von der Notwendigkeit eines geistigen Führers (eines Gurus), um diesen Weg sicher und geradeaus bis zum Ziel gehen zu können. Siehe dazu weiter unten.

Sarvamangalam!

Tulsi

Sarvam Dukham (Alles ist Leid) – das ist die Grundlage zu vielen Lehren, die da sagen: nur außerhalb der Welt liegt das wahre, dauerhafte Glück. Wozu aber ist die Welt, das Leben dann da? Und weshalb haben wir alle fest in uns eingepflanzt die Fähigkeit zur puren Freude eben über unser Da-Sein?

„Das Wunder ist nicht, über das Wasser zu gehen, das Wunder ist, auf dieser grünen Erde zu gehen“ sagt der verehrte Meister Thich Nhat Han.

Und wenn ich ein Kind sehe, das auf dem Weg nach Irgendwo trällernd stillvergnügt vor sich hin hüpft, kann ich nicht erkennen, dass alles Dasein Leid ist – im Gegenteil. Vielleicht ist es ja unsere Aufgabe, mit dem, was uns gegeben ist, endlich adäquat umzugehen, und die Freude zu vermehren? Hier und Jetzt.

„Wer Gott sucht, der findet Freude“ sagte Augustinus (den ich nur teilweise schätze, weil er wohl auch ein ziemlicher Frauenfeind war...). 

Niemand weiß, wie Gott wirklich ist, aber diese Freude, unabhängig von allem, was ich weiß, was ich bin, was ich kann oder habe, die schiere Freude über Aham-Sah - ich bin DA(s) – das könnte es sein. Auch und gerade in dieser Welt, denn sie ist wunderbar.

Herzliche Grüße!
Tulsi

Ramananda

Liebe Tulsi,

einige Anmerkungen zu Deinen Sätzen:

"Alles ist Leid – das ist die Grundlage vieler Lehren …"
Ja, und das müsste zu denken geben; besonders deshalb, weil es sich um die höchsten Lehren, um die Worte der größten Erleuchteten handelt. Ich weiß nicht, wie Du das siehst, aber wenn ich wählen müsste zwischen Thich Nhat Han und dem Buddha selbst, zwischen Augustinus und Yajnavalkya, zwischen »Meister« XY und Shri Patanjali, dann zögere ich keine Millisekunde hier Stellung zu beziehen.

"... die da sagen: nur außerhalb der Welt liegt das wahre, dauerhafte Glück."
Es handelt sich um ein klassisches Missverständnis, oder um eine mehr christliche Sicht der Dinge. Die Erleuchteten Indiens sprachen nie von »einer anderen« Welt, in der man dann glücklich ist. Sie machten klar, was Swami Narayanananda mit einem markanten Satz formulierte: »The universe is only a projection of your mind. As you think that you become.« (übersetzt: Das Universum ist nur eine Projektion deines Geistes. Wie du denkst, so wirst du.)

Und in der Maitri-Upanishad lesen wir die unsterblichen Worte: »Der eigene Geist, wahrlich, ist der Samsara; ihn zu reinigen soll man sich bemühen. So wie man denkt, so wird man, das ist das ewige Geheimnis! So lange muss der Geist im Inneren stillgelegt werden, bis er zum Untergang gegangen ist; das ist die Erkenntnis, das ist die Freiheit! Alles andere sind nur unnütze Worte.«

"Wozu aber ist die Welt, das Leben dann da?"
Die Welt ist nach den Aussagen der Erleuchteten nichts weiter als das Ergebnis von Nichtwissen und Verblendung. Alles andere sind die vorhin erwähnten menschlichen Projektionen. Auf die Frage eines Schülers »Has the world any meaning?« antwortete Swami Narayanananda: »Which meaning do you want?« Und dann war Schweigen. Mit den Worten der Bibel könnte man dazu sagen: Wer es fassen kann, der fasse es.

"Und weshalb haben wir alle fest in uns eingepflanzt die Fähigkeit zur puren Freude eben über unser Da-Sein?"
Weil in unserem Innersten das Wissen über unseren Ursprung, über das Eins-Sein mit dem alldurchdringenden Bewusstsein immer da ist. Man vergleicht dies mit folgendem Bild: Ein Kind hat sich von zuhause entfernt und ist in den Wald gelaufen. Begeistert von all den schönen Dingen, die es sieht, dringt es immer tiefer in den Wald ein. Am Ende, es wird langsam dunkel und das Kind ist hungrig, will es nach Hause zurück. Es weiß aber nicht mehr wohin, es hat sich verlaufen. Und so schreit es nach der Mutter, weint bitterlich und gerät in Panik. Es weiß ja: Ich HABE ein Zuhause, in dem ich glücklich bin. Aber es weiß nicht mehr, wo dieses Zuhause ist …

"Niemand weiß, wie Gott wirklich ist …"
Kleiner Widerspruch. Da Gott »das Subjekt aller Subjekte« ist, kann Er nicht objektiviert, nicht äußerlich »erkannt« werden. Auf der anderen Seite, sagt Swami Narayanananda, ist uns Gott mehr als bekannt: »God is your innermost being. Your very Consciousness is called God.« (übersetzt: "Gott ist dein innerstes Wesen. Dein eigenes Bewusstsein wird Gott genannt.")

Wobei es zur Vermeidung von Mißverständnissen zu unterscheiden gilt: Der unreine Geist (das Ego) ist NICHT dieses Bewusstsein, wie wir unter anderem aus der Bhagavad-Gita erfahren: »Man erhebe sich durch seinen Geist; nicht erniedrige man sich selbst! Für den, der sich selbst durch den Geist besiegt hat, ist der Geist ein Freund. Wer aber den Geist nicht beherrscht, dessen Geist handelt in Feindschaft wie ein Feind. Wer den Geist besiegt hat und zur Ruhe gekommen ist, der ist ganz gesammelt im höchsten Atman, daher hat er Frieden in Kälte und Hitze, in Freude und Leid, in Ehre und Schande.«

Die indischen Erleuchteten unterschieden also konsequent den Geist (Ego, Intellekt, Emotionen, Wille) vom Atman, vom wahren Selbst. Dieses Selbst gilt es zu finden, so wie das vorhin erwähnte Kind sein Zuhause wiederfinden muss. Und solange die Lebewesen dieses Selbst nicht wiedergefunden haben, so lange leiden sie.

"... aber diese Freude … das könnte es sein. Auch und gerade in dieser Welt, denn sie ist wunderbar."
Ja, so könnte man die Welt sehen. Ich sehe sie allerdings mit den Worten des Buddhas, des Patanjali, des Shankaracharya … und mit den Worten der Bhagavad-Gita, wo Shri Krishna zu Arjuna sagt:
»Nimm deine Zuflucht zu mir, nachdem du
in diese vergängliche, unglückliche Welt
gekommen bist!«

"Die Welt ist wunderbar."
Vielleicht sollte man einfach, wie in vielen Schriften empfohlen wird, genauer hinschauen? Ein geistiger Riese wie Shri Patanjali hat dies getan:

Yoga Sutra II-15: Für jemanden mit Unterscheidungsfähigkeit ist alles in dieser Welt leidvoll; das liegt an der Vergänglichkeit, unserem Verlangen, den unbewussten Prägungen und an der Wechselhaftigkeit der Natur

Zur Sutra

Wintersun

Ramananda schreibt in Yoga und Karma: "Ich habe in sogenannten Studiengruppen öfters den Einwand hören müssen: »Leid« – das muss man erst einmal definieren. Meine Antwort an die betreffende Person war dann jedes Mal dieselbe: »Bist Du schon so weit von der Wirklichkeit weg, dass Du nicht mehr weißt, was Leiden bedeutet? Es geht hier nicht um Philosophie, sondern um die GRUNDERFAHRUNG aller Lebewesen. Jedes Kleinkind weiß, was Leid ist. Was gibt es da zu definieren?«

Die alten Meister, die wahren Erleuchteten, haben es in unübertroffener EINFACHHEIT erklärt. Zum Beispiel der Buddha:

»Leben ist Leid. Geburt ist Leid; Krankheit ist Leid; Altern ist Leid; Tod ist Leid. Mit Unliebem vereint zu sein, ist Leid. Von Liebem getrennt zu sein, ist Leid.« 

Alles ist Leid – das ist die Grundlage vieler Lehren …"

Hi zusammen,

Eine Grundlage, die ich noch nicht verstanden habe.

Beim Lesen kam als Erstes bei mir die Frage: Wie ist Leid definiert?

Ich höre gerade ein Hörbuch, in dem u. a. von schwer kranken Menschen erzählt wird, Menschen, die ihre Krankheit annehmen können und die durch ihr Sein andere gesunde Menschen inspirieren. Dann wird Leid doch subjektiv erfahren. Nehmen wir mal den Tod. Wieso ist der Tod, das Sterben zwangsläufig Leid? Klar, manchmal leiden wir an einer Krankheit, daran, dass wir alt werden ... Aber nicht alle Menschen empfinden gleich.

Ramananda

Wintersun schrieb: "Beim Lesen kam als erstes bei mir die Frage: Wie ist Leid definiert?"

Lieber Klaus,

ich bemühe mich ja, so eine Aussage zu verstehen. Aber ich verstehe sie einfach nicht.

Wintersun

Lieber Ramananda,

im Wiki ist es so definiert: "Leid ist eine Grunderfahrung und bezeichnet als Sammelbegriff all dasjenige, was einen Menschen körperlich und seelisch belastet. Unter anderem werden die Nichterfüllung von Bedürfnissen, Hoffnungen und Erwartungen, der Verlust von nahestehenden Individuen, die Trennung von sozialen Gruppen, äußere Zwänge und Begrenztheiten, Alter, Krankheit, Tod und Schmerzen als Leid empfunden. Leid ist immer subjektiv. Was tatsächlich als Leid empfunden wird, hängt vom Individuum ab, also von eigenen Erfahrungen und Einstellungen." (https://de.wikipedia.org/wiki/Leid)

Und wenn ich dann lese „Alles ist Leid“ verstehe ich nicht. Das macht für mich keinen Sinn. Es sei denn, Leid ist anders definiert und beruht nicht auf den Einstellungen und Erfahrungen des Individuums.

Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Liebe Grüße

Klaus

Tulsi

Sorry, wenn es wie ein Widerspruch erscheint ... ich sehe es so: Ich lebe in dieser Welt der ständigen Wandlung, in diesem vergänglichen Körper, ich stehe mit beiden Beinen mitten im Leben, aber ich kann es nicht glauben, dass das wahre Glück nur außerhalb dieser Welt zu finden ist.

Ganz klar: wenn ich mich anklammere, wenn ich versuche, festzuhalten, wenn ich nicht mit Werden und Vergehen einverstanden bin – dann entsteht Leid. Aber das muss nicht sein. Ist denn das Göttliche nicht allgegenwärtig? Also auch IN dieser Welt?

Ich weiß, die orthodoxen Schulen gehen den Weg der Entsagung, weil alles nur Schein und Traum, nur Maya ist. Aber mit der tantrischen Epoche fand in meinen Augen eine Weiterentwicklung statt (oder eine Rückbesinnung auf ganz alte, vorarische Anschauungen ...), weg vom Neti-Neti (dies ist es nicht und das auch nicht), hin zum Iti-Iti (Dies ist es und Das auch), da können wir nun trefflich diskutieren über die feinen Unterschiede zwischen Deismus, Theismus und Pantheismus ... aber wofür?

So ist zum Beispiel der Kashmir Shaivismus eine durchaus der Welt zugewandte, lebensbejahende Philosophie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Frau, Mutter, Großmutter bin, auf einem Bauernhof mit vielen Tieren lebe, dass mir so eine Schule mehr liegt, als der Vedanta, von dem manche Spötter sogar sagen: „Es ist ein guter Weg zu Sterben.“

Mein Weg ist nicht die Abkehr von der Welt, sondern die Verankerung in meiner Mitte, in der das Ewige, Unveränderliche, Göttliche genauso vorhanden ist, wie im Außen und überall.

@Ramananda: kann es sein, dass Du Thich Nhat Han nicht kennst? Ein „Meister XY“ ist er nun wirklich nicht, ganz im Gegenteil, sei vorsichtig.

@Klaus: wunderbar, dieses Totenritual – wo ist das?

Herzliche Grüße!
Tulsi

Wintersun

@Klaus: wunderbar, dieses Totenritual - wo ist das?

Liebe Tulsi,
aus dem wunderbaren Film Akira Kurosawas Träume. https://de.wikipedia.org/wiki/Akira_Kurosawas_Tr%C3%A4ume

Liebe Grüße Klaus

Ramananda

Tulsi schrieb: @Ramananda: kann es sein, dass Du Thich Nhat Han nicht kennst? Ein „Meister XY“ ist er nun wirklich nicht, ganz im Gegenteil, sei vorsichtig.

Liebe Tulsi,

Du ermahnst mich, vorsichtig zu sein. Und ich müsste Dich bitten, meine Zeilen genauer zu lesen ... Ich schrieb in einem Halbsatz: ThichNhat Han oder der originale Buddha, und dann bevorzuge (!) ich den Buddha. Im nächsten Halbsatz schrieb ich: Meister XY oder Patanjali, und dann bevorzuge ich Patanjali. Ist doch nicht so schwer zu verstehen.

Avadhuta

Tulsi schreibt: "Sorry, wenn es wie ein Widerspruch erscheint ... ich sehe es so: Ich lebe in dieser Welt der ständigen Wandlung, in diesem vergänglichen Körper, ich stehe mit beiden Beinen mitten im Leben, aber ich kann es nicht glauben, dass das wahre Glück nur außerhalb dieser Welt zu finden ist ... So ist zum Beispiel ist der Kashmir Shaivismus eine durchaus der Welt zugewandte, lebensbejahende Philosophie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Frau, Mutter, Großmutter bin, auf einem Bauernhof mit vielen Tieren lebe, dass mir so eine Schule mehr liegt, als der Vedanta, von dem manche Spötter sogar sagen: „Es ist ein guter Weg zu Sterben“. Mein Weg ist nicht die Abkehr von der Welt, sondern die Verankerung in meiner Mitte, in der das Ewige, Unveränderliche, Göttliche genauso vorhanden ist, wie im Außen und überall."

Das spricht mir wirklich aus dem Herzen. :)

Ich fühle mich ebenso stark von den Lehren des geistigen Tantra (Kashmir Shivaismus) angesprochen. Und ich würde sogar vermuten, dass diese krasse Weltverneinung resp. radikale Abkehr aller uns zur Verfügung stehenden Sinne und unseres Bewusstseins von der Welt, welche der Vedanta postuliert, eher mehr Schaden bringen können, als Nutzen.

Ich denke auch, dass es für die meisten (westlichen) Menschen ohnehin schwierig ist, diese Lehren in der richtigen Weise nachzuvollziehen ...

Häufig endet diese Weltabkehr in einer Flucht vor der Welt ...

Daraus erfolgt die allmähliche Rebellion unserer Sinne sowie der verdrängten Inhalte unserer Psyche und vielleicht auch die Einweisung in die Psychiatrie ...; wenn man die falschen Schlüsse zieht. Hier zeigt sich dann, ob man überhaupt in der Lage ist, diesen Weg bis hin zur letzten Konsequenz zu gehen, oder ob man sich selbst was in die Tasche gelogen hat.

Der tantrische Weg und vor allem die Richtung des Kashmir Shivaismus geben an dem Punkt einen etwas anderen Ansatz vor. Hier begreift man die Welt nicht als Illusion, sondern alles als eine Offenbarung des reinen, essenziellen Bewusstseins. Hier braucht man sich dann nicht in „eine dunkle Höhle“ verkriechen und jeden sensorischen Reiz krampfhaft versuchen abzutöten. Nach dieser Philosophie kann jede wahrgenommene Existenz zum Ausgangspunkt für eine „höhere“ Erfahrung der Einheit werden, selbst die eigenen Probleme, „Feinde“, ja sogar Krankheiten u. körperliches Unbehagen, Leid, Trauer und natürlich aber auch unermessliche Freude, Genuss, Liebe usw.

All das offenbart uns ja unser Sein, und dieses ist die Grundlage des Lebens.

Wenn wir all die genannten Attribute nur als Spielarten – die sich auf der Oberfläche des Bewusstseins kräuseln – betrachten könnten, würden wir eine ungeheure Befreiung erfahren.

Ramananda

Avadhuta schrieb: "Ich fühle mich ebenso stark von den Lehren des Kashmir Shivaismus angesprochen."

Interessant, aber ich behaupte, dass Du nicht wirklich weißt, worum es da geht. Weil nämlich das Studium des Tantra ein ganzes Leben erfordert (sofern man es richtig verstehen will). Einfach mal zu schreiben: Der Kashmir (!) Shivaismus ist mir sympathisch, das ist schnell gesagt. Das Tantra ist eine reichhaltige, extrem komplizierte Philosophie, aber in der wesentlichen PRAXIS gibt es keinen Unterschied zu den Praktiken der übrigen religiösen Richtungen. Und das hätte Dir auffallen müssen.

Avadhuta schrieb: "Und ich würde sogar vermuten, dass diese krasse Weltverneinung resp. radikale Abkehr aller uns zur Verfügung stehenden Sinne und unseres Bewusstseins von der Welt, welche der Vedanta postuliert, eher mehr Schaden bringen können, als Nutzen."

Das darfst Du natürlich »vermuten«. Unsinn bleibt es dennoch.

Avadhuta schrieb: "Ich denke auch, dass es für die meisten (westlichen) Menschen ohnehin schwierig ist, diese Lehren in der richtigen Weise nachzuvollziehen ..."

Aber die komplizierten Rituale des Tantra sind für die westlichen Menschen in der richtigen Weise leichter nachzuvollziehen? O Avadhuta …

Avadhuta

Hallo Ramananda,

Ramananda schrieb: "Interessant, aber ich behaupte, dass Du nicht wirklich weißt, worum es da geht."

Behaupten kann man viel, aber ob man mit oberflächlichen Spekulationen richtig liegt, ist eine andere Frage. Einfach mal zu schreiben: Der Kashmir (!) Shaivismus ist mir sympathisch, das ist schnell gesagt.

Ich werde doch wohl mal etwas über meine Interessen sagen dürfen, ohne gleich ein Referat darüber halten zu müssen. Also wirklich, was soll ich denn von so einem Ton mir gegenüber halten?

"Das Tantra ist eine reichhaltige, extrem komplizierte Philosophie, aber in der PRAXIS gibt es keinen Unterschied zu den Praktiken der übrigen religiösen Richtungen."

Aha, und der wäre. Die Menschen, die sich immer ein „hoch kompliziertes diskursives Gedankengerüst“ zurechtzimmern, sind häufig diejenigen, die das Naheliegende u. Unmittelbare übersehen. Ich will damit nicht behaupten, dass ich es verwirklicht hätte, aber ich kenne mich ein wenig, wenn ich als „Unwürdiger“ das behaupten darf, mit tantrischer Meditation aus.

Ja, und natürlich „habe ich auch schon mal was, von tantrischer Ritualistik, den 5 Ms (und ihrer oft falsch interpretierten Symbolik), dem Shiva-Shakti Prinzip, den 36 Schöpfungsebenen, Vama Marga, Dakshina Marga usw. gehört“. Aber es muss nicht immer überkompliziert sein, wenn man sich mal in das Vijnana Bhairava Tantra einen Grundlagentext (Agama) des Kashmir-Shivaismus vertieft, wird man sehen, wie das ganz profane alltägliche Leben zur Meditation werden kann ... in 112 meisterhaft ausgearbeiteten Dharanas (Konzentrationstechniken).

Avadhuta schrieb: "Und ich würde sogar vermuten, dass diese krasse Weltverneinung resp. radikale Abkehr aller uns zur Verfügung stehenden Sinne und unseres Bewusstseins von der Welt, welche der Vedanta postuliert, eher mehr Schaden bringen können, als Nutzen. Ramananda schreibt: Das darfst Du natürlich »vermuten«. Unsinn bleibt es dennoch."

Was soll man darauf antworten? Ja, stimmt, die Welt ist schwarz und weiß. Grautöne existieren nicht.

Ramananda schrieb: "Aber die komplizierten Rituale des Tantra sind für die westlichen Menschen in der richtigen Weise leichter nachzuvollziehen? O Avadhuta …"

Habe ich das behauptet? Ich habe nur gesagt, dass der Ansatz im Gegensatz zum Vedanta anders ist. Ich gebe dir recht, dass die meisten westlichen Menschen den Tantrismus noch mehr missverstehen als andere Lehren u. Philosophierichtungen des Hinduismus/Buddhismus.

Tantra ist natürlich kein Freibrief für ein ungezügeltes, dekadentes Leben mit Sex, Drugs ..., sondern es steht natürlich eine hochkomplexe Philosophie dahinter, die die meisten Westler gar nicht kennen oder verstehen wollen. Auch schlägt Tantra z. B. die Beachtung von Brahmacharya vor, ein Ideal, dass ich mir auch zu eigen machen versuche. Davon wollen aber die meisten Menschen im Westen nichts hören.

Ramananda

Avadhuta schrieb: "... sondern es steht eine hochkomplexe Philosophie dahinter, die die meisten Westler gar nicht kennen oder verstehen wollen."

Dies wiederum verstehe ich gut. Schließlich stammt der Spruch aus dem Westen: Simplex sigillum veri – das Einfache ist das Siegel des Wahren.

Den meisten Menschen ist bewusst oder unbewusst klar: Je komplexer eine Weltanschauung ist, desto weniger wurde verstanden, worum es eigentlich geht.

Warum ist man als Yoga-Anhänger nicht mit Shri Patanjali zufrieden? Weil er für moderne Menschen zu traditionell (im Klartext: zu streng) ist? Weil seine Philosophie nicht kompliziert genug ist?

»People are not satisfied with simplicity, they want complexity«, Worte von Shri Ramana Maharshi.

»Be simple!« (ein typischer Ausdruck großer Meister)

Avadhuta

@Ramananda, das, was du jetzt schreibst, kann ich gut nachvollziehen.

Ramananda schreibt: "Warum ist man als Yoga-Anhänger nicht mit Shri Patanjali zufrieden? Weil er für moderne Menschen zu traditionell (im Klartext: zu streng) ist? Weil seine Philosophie nicht kompliziert genug ist?"

Ich denke, so unkompliziert ist seine Philosophie auch wieder nicht. Das Problem bei Patanjali liegt wohl, ja tatsächlich, eher darin, dass seine Anforderungen an den Raja Yoga-Aspiranten sehr hoch sind; was die ersten Stufen des Ashtanga betrifft. Die Leute wollen sich nicht unbedingt mit all den Yamas u. Niyamas, die er als Umgangsregeln mit der Außenwelt und im privaten Bereich aufzeigt, beschäftigen oder gar verinnerlichen. Interessanter sind die fortgeschritteneren Stufen Dharana, Dhyana usw., sie wollen gleich Samyama erleben, und damit Herrscher über sich selbst sowie vor allem die Umwelt werden ...

Macht, Reichtum, höhere Kräfte schweben diesen Pseudoyogis vor ... Wenn sie dann merken, dass sie nicht reif dafür sind, auch nur irgendetwas zu verstehen, was mit yogischen Termini wie Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) oder gar Siddhi gemeint ist, und anfangen Schmerzen, Unwohlsein (auf welcher Ebene auch immer) wahrzunehmen, wird alles wieder „hingeschmissen“ ...

Und das nächste System muss „ausprobiert“ werden, mit dem man dann vermutlich auch wieder auf den Bauch fällt ... Die Probleme im Westen sind Egoismus u. Oberflächlichkeit.

Was meinst du?

Tulsi

... und was bedeutet Brahmacarya wörtlich? „Wandel im Brahman“ – im Höchsten also verankert. Warum das immer noch mit „Enthaltsamkeit“ interpretatorisch übersetzt wird ...?Ja, natürlich, wenn ich der Welt entsage, habe ich mehr Zeit für das Spirituelle – es sei denn, ich lerne, im Alltag, in der Welt spirituell angebunden zu sein. DAS ist schwieriger, als sich zurückzuziehen, denn damit stelle ich mich den Aufgaben des Lebens, und das ist das, was der Tantra meint.
Herzliche Grüße,
Tulsi

Avadhuta

Tulsi schrieb: "... und was bedeutet Brahmacarya wörtlich? „Wandel im Brahman“ - im Höchsten also verankert. Warum das immer noch mit „Enthaltsamkeit“ interpretatorisch übersetzt wird ...?"

Ja, natürlich bedeutet das Brahmacharya-Ideal mehr als „nur“ die sexuelle Enthaltung. Doch für den spirituellen Weg, kann es nur von Vorteil sein, sich für eine gewisse (lange) Zeit, von allen sexuellen Aktivitäten fernzuhalten, denn es erfordert eine ungeheure Energie, die „höheren“ Bewusstseinszustände des Yoga (und Tantra) auszuhalten. Mit einer – von einem exzessiv ausgelebten Sexualleben – zerstörten psychosomatischen Konstitution, kommt man auf diesen Wegen nicht sehr weit.

Mehr zu Brahmacharya

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M33

Liebe Tulsi,
woher denn in aller Welt weißt Du es denn, was es ist, was „der Tantra“ meint?

Hi, Avadhuta,
„... denn es erfordert eine ungeheure Energie, die „höheren“ Bewusstseinszustände des Yoga (und Tantra) auszuhalten 
Gott, wovon redest Du denn da!

Ich würde mir, und das nicht nur von Euch zwei beiden, etwas weniger an angelesenen Kopfsuadas wünschen, weil es sich dann womöglich gedeihlicher lesen würde!
Hi, M33

Ramananda

Tulsi schrieb: "... und was bedeutet Brahmacarya wörtlich? »Wandel im Brahman« – im Höchsten also verankert. Warum das immer noch mit »Enthaltsamkeit« interpretatorisch übersetzt wird ...?"

Liebe Tulsi,

das Wort »Interpretation« ist eben auch eine Frage der – Interpretation:

Aus meinem Kommentar zum betreffenden Satz in Shri Patanjalis Yoga-Sutra:

Enthaltsamkeit: brahmacarya stammt von brahman und car (sich bewegen, gehen, ausüben) und bedeutet »Brahmanwandel«, der Weg zu Gott. Obwohl es umfassend ein Leben in strengster Selbstdisziplin, das heißt Enthaltsamkeit in allen Dingen bedeutet, ist brahmacarya im Yoga unstreitig die Fachbezeichnung für die sexuelle Enthaltsamkeit. Viele können das nicht akzeptieren, und man sucht alle möglichen Interpretationen des Begriffs, um nicht die Wahrheit sagen zu müssen; die häufigste Wiedergabe ist »bewusster Lebenswandel«. Dem kann aus zwei Gründen nicht zugestimmt werden: (1) Sie widerspricht der Logik des äußerst konzentrierten Sutra; die besondere Erwähnung von »bewusster Lebenswandel« würde bedeuten, dass Nicht-Schädigen, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Nicht-Besitzergreifen kein bewusster Lebenswandel sind. Als »Keuschheit, Enthaltsamkeit« dagegen unterscheidet sich brahmacarya deutlich von den anderen vier Yamas und erforderte eine separate Aufzählung. (2) Mit dieser Interpretation wird das im Westen unbeliebte Thema Enthaltsamkeit umgangen. Schon die Erwähnung des Begriffs führt bei den meisten Therapeuten, Pädagogen usw. zu einer Abwehrhaltung, die man irrational nennen muß.

Auf das kürzeste zusammengefasst ist brahmacarya das Bewahren jener Urkraft (Kundalini-Shakti), von der sämtliche körperlichen und geistigen Funktionen der Lebewesen abhängig sind. Durch alle psychophysischen Aktivitäten verliert man mehr oder weniger Energie; der größte Verlust wird durch das Ausleben sexueller Freuden erlitten. Auf rechte Weise bewahrt, verhilft Brahmacarya zu Gesundheit, Kraft, Willensstärke, scharfem Verstand, gutem Gedächtnis, und schließlich zum Erwachen und Aufsteigen der Kundalini – Voraussetzung für das Erfassen aller tieferen Geheimnisse und Wahrheiten. (©HelmuthMaldoner)

Ramananda nochmal

Avadhuta schrieb: "Das Problem bei Patanjali liegt wohl, ja tatsächlich, eher darin, dass seine Anforderungen an den Raja Yoga-Aspiranten sehr hoch sind; was die ersten Stufen des Ashtanga betrifft. Die Leute wollen sich nicht unbedingt mit all den Yamas u. Niyamas, die er als Umgangsregeln mit der Außenwelt und im privaten Bereich aufzeigt, beschäftigen oder gar verinnerlichen. Interessanter sind die fortgeschritteneren Stufen Dharana, Dhyana usw., sie wollen gleich Samyama erleben, und damit Herrscher über sich selbst sowie vor allem die Umwelt werden ...

Macht, Reichtum, höhere Kräfte schweben diesen Pseudoyogis vor ... Wenn sie dann merken, dass sie nicht reif dafür sind, auch nur irgendetwas zu verstehen, was mit yogischen Termini wie Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) oder gar Siddhi gemeint ist, und anfangen Schmerzen, Unwohlsein (auf welcher Ebene auch immer) wahrzunehmen, wird alles wieder „hingeschmissen“ ...

Und das nächste System muss „ausprobiert“ werden, mit dem man dann vermutlich auch wieder auf den Bauch fällt ... Die Probleme im Westen sind Egoismus u. Oberflächlichkeit."

Lieber Avadhuta,

hier stimme ich Dir gerne Wort für Wort zu.

Verzeihe mir bitte meinen derben Ton im früheren Posting, aber ich hatte Deine Aussagen (Vedanta, Psychiatrie usw.) als etwas provokativ empfunden, vielleicht meintest Du das gar nicht so. Es tut mir aufrichtig leid, Dich so hart angegangen zu haben.

Ich würde mich freuen, mehr von Dir zu hören (und bestimmt auch andere).

Tulsi

Liebe Yogis, der Reihe nach:
@avadhuta: ... man muss wohl schon sehr exzessiv sexuell aktiv sein, um zu einer zerstörten psychosomatischen Konstitution zu kommen ...

@M33: ich bin mir darüber im Klaren, dass mein Wissen nur Stückwerk ist, und meine Aussagen nur meinen persönlichen Blickwinkel darstellen. Ist ein solches Forum wie dieses nicht eine wunderbare Einrichtung, unsere verschiedenen Stückchen zu einem bunten Mosaik zusammenzufügen?

@>der größte Verlust durch das Ausleben sexueller Freuden<... oder der größte Gewinn: ein Kind.

Wisst Ihr, meine Lieben, je älter ich werde, desto bescheidener werde ich. All die Vorstellungen von tieferen Schichten oder höheren Zuständen des Bewusstseins, die ich hatte, verschwinden mit der Zeit ...
Es gibt eine wunderbare Geschichte über den Franz von Assisi: Eines Tages kam ein junger Mann raus aufs Land zu dem Ort, wo Franz lebte, und wollte sich seiner Gemeinschaft anschließen, um Gott zu finden. Dieser drückte ihm einen Besen in die Hand und bat ihn, den Hof zu kehren – worauf der junge Mann empört sagte: „Aber ich bin gekommen, um Gott zu finden, nicht um den Hof zu kehren!“ Worauf Franziscus antwortete: „Ja, das ist seltsam – ich finde Gott immer, wenn ich den Hof kehre.“

Herzliche Grüße, Tulsi

Ramananda

Tulsi schrieb: "@>der größte Verlust durch das Ausleben sexueller Freuden< ... oder der größte Gewinn: ein Kind."

Zum ersten Absatz gäbe es so viel zu sagen … Hier gibt es immer wieder große Missverständnisse. Zunächst nur dies: Die Zeugung von Kindern und das anschließende Leben in Enthaltsamkeit, das IST Brahmacharya.

Zur Geschichte über Franz von Assisi: Es interessiert mich, wo genau diese Geschichte steht. Kannst Du mir die Quelle nennen? Danke.

M33

Liebe Tulsi,

also nein, wir reden aneinander vorbei, Stückwerkhaftigkeit ist es nicht, was ich hier angesprochen habe, mir ging es um das Verhältnis von Erfahrung: angelesener Kopfsuada, wobei das Letztere ja unverdrossen unvermindert weiterzugehen scheint; und mir in dem Ersteren jegliche noch so unbedarfte Stückwerkhaftigkeit willkommen wäre und meine wertungsfreie Anerkennung und Hochachtung hätte – und es betrifft die Allgemeinheit hier, liebe Tulsi, nicht extra Dich!

Hi, M33

Tulsi

@ Ramananda: ">Zum zweiten Absatz: Es interessiert mich, wo genau diese Geschichte steht. Kannst Du mir die Quelle nennen? Danke.<"
Oh, tut mir leid – ich weiß gar nicht, woher ich sie habe. Hat sie mir jemand erzählt, habe ich sie irgendwo gelesen? Ich habe sie mir einfach nur gemerkt. Möglicherweise ist aber auch der „Hof“ sinnbildlich zu sehen? Erst nach der Reinigung die Erkenntnis? So oder so – eine schöne Geschichte, finde ich.

Herzliche Grüße!
Tulsi

Avadhuta

Ramananda schrieb: "Verzeihe mir bitte meinen derben Ton im früheren Posting, aber ich hatte Deine Aussagen (Vedanta, Psychiatrie usw.) als etwas provokativ empfunden, vielleicht meintest Du das gar nicht so."

Es gibt nichts zu entschuldigen, Du bist oder warst schon völlig im Recht, ich war etwas zu unklar, was meine Äußerungen zum Vedanta betraf.

Es ist natürlich nicht diese großartige Denkanschauung, die Probleme verursachen kann, sondern es sind die Menschen, die sie falsch interpretieren und glauben, ihre ganzen unaufgearbeiteten Probleme damit bewältigen zu können. Sie lesen 1 oder 2 Schriften des Vedanta und spielen sich hinterher als „die großen Experten“ auf, die alles wissen und nachvollziehen können, was – beispielsweise – ein Schwergewicht wie Shankaracharya in seinen Texten verkündet hat.

Da stößt es mir, ehrlich gesagt, auch immer sauer auf. Und wenn diese „tollen Interpreten“ mal mit „etwas nicht so einverstanden“ sind oder man unerwünschte Nebenwirkungen zu spüren bekommt, wird die Lehre abgewertet, dann reichts auf Amazon eben nur für einen Stern ...

Dabei sind nicht die Lehren daran schuld, sondern das mangelnde (konditionierte) Verständnis ihrer „Studenten“.

Tulsi schrieb: "@avadhuta: ...man muss wohl schon sehr exzessiv sexuell aktiv sein, um zu einer zerstörten psychosomatischen Konstitution zu kommen ..."

Ja, das war ich auch. Ich bin Mitte zwanzig und ein Mann ... Und wie viele Leute in meinem Alter war oder bin ich sehr begierig auf Sexualität. Ich merke aber, dass dieser Trieb mich schwächt. Die Nebenwirkungen dieses Verhaltens, wie sie von einigen großen Meistern des Yoga (Narayanananda, Sivananda, Brahmachari ...) aufgezeigt werden, kann ich nur – aus eigener Erfahrung – bestätigen. Körperliche Schwäche, Magenprobleme, Unkonzentriertheit, Lärmempfindlichkeit, Ängste, Schmerzen im unteren Rücken, um nur ein paar Symptome zu nennen. Die bedeutenden Lehrer der östlichen Philosophien, haben sich – glaube ich – schon etwas gedacht, wenn sie Brahmacharya, als Voraussetzung für einen spirituellen Weg, verlangten. 

Ich habe aber gar nichts gegen die Sexualität an sich, vor allem nicht, wenn sie Bestandteil einer Ehe ist. Nur sollte diese eben maßvoll und kontrolliert vollzogen werden.

Ich kann nur sagen, dass die totale Enthaltsamkeit, wenn ich sie denn mal länger durchgehalten habe, mir, trotz des enormen psychischen Drucks, den sie verursacht, nur positive Erfahrungen auf der – zunächst – körperlichen Ebene brachte, Heilungsprozesse, ein Anwachsen der vitalen Kräfte, Nervenstärke und noch einiges mehr.

larrim

Namaste zusammen.

Leider ist dieser gerade mit vielen anderen Aufgaben beschäftigt, um hier groß mitzudiskutieren. Auch wenn es manchmal in den Fingern zuckt, die gerne zur Tastatur greifen möchten.

Aber dennoch einge Gedanken zum Thema Brahmacharya: Sexuelle und spirituelle Energie benutzen ähnliche Pfade. Ob für immer oder temporäre Enthaltsamkeit gefordert ist, lasse ich einfach mal dahin gestellt. Sicher ist diese jedoch in bestimmten Entwicklungsphasen wichtig.

Hier nun kommt das aber.

Menschen, die in einer Beziehung und Ehe leben, in gewissem Sinne karmisch miteinander verbunden sind, haben im gleichen Maße die Pflicht, die Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin zu berücksichtigen. Ist es für einen der beiden essenziell wichtig, enthaltsam zu sein, bei dem oder der anderen Person in dieser Ehe bzw. Beziehung ist aber gerade viel Nähe auch körperlich oder sexuell essenziell wichtig, ja, dann muss ein für beide Seiten tragbarer Kompromiss gefunden werden, wenn die Beziehung nicht scheitern soll. 

Finden die Partner in dieser Situation zusammen, beschenken sich auch mit der Sinnlichkeit, ohne es zum Exzess kommen zu lassen, ist in diesen Augen nicht schädlich oder verwerflich. Dieser ist der Tradition der Nath Yogis verbunden, in der immer wieder die Loyalität auch gegenüber, der Familie, dem Ehepartner als einem Lernfeld des spirituellen Wachstums betont wird. Finden irgendwann beide den Weg in die Enthaltsamkeit, umso besser, aber das braucht halt immer eine gewisse Zeit.

Licht und Liebe
Lars

Avadhuta

Hallo lieber larrim,

Ich möchte, wenn ich darf, deine Gedanken zum Brahmacharya aufgreifen. Da bin ich im Großen u. Ganzen Deiner Meinung! Das ist tatsächlich der Ansatz, den auch ein authentischer Tantrika vertritt; und das waren ja die Nath und/oder Kanphata Yogis.

Aber vor dem geistigen Erwachen, sollte man in diesem Punkt(Brahmacharya) gar keine Zugeständnisse machen. Denn ich glaube, aus eigener Erfahrung, dass der männliche Samen den Brennstoff für die Kundalini Shakti liefert, und deshalb so gut wie möglich konserviert werden sollte. 

Mir erging es vor fast 2 Jahren folgendermaßen: Ich las in liegender Pose das Buch „Der Weg und sein Ziel“ von Swami Muktananda, als ich plötzlich eine ungeheure sexuelle Erektion verspürte. Ich schaffte es aber, weder auf sie zu reagieren, noch diese weiter zu beachten. Als ich dann eine Parabel über das essenzielle Selbst las, wurde ich plötzlich elektrisiert, ich bekam einen Stromschlag in die untere Wirbelsäule und verspürte eine so ungeheure Glückseligkeit, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Ich sah ein inneres Bild vor meinen Augen, dass ich als meine eigene unmittelbare Existenz erkannte. Ich fing an unkontrolliert zu hyperventilieren und ein Schauder durchfuhr mich, der in Worten nicht beschreibbar ist ... :woohoo:

Da diese Glückseligkeit sich aber so intensivierte, dass dieses Glück „unerträglich“ wurde (mein Herz raste ja auch wie wild), brach ich diesen Prozess oder besser brach er sich von selbst ab. Aber die Nachwirkungen waren unglaublich. All meine Gedanken verloren ihre Intensität, wurden von mir als „tot“ wahrgenommen. Ich war das Mitleid in Person. Es gab keine Wünsche mehr, die sich an die Oberfläche drängen wollte. Klarheit, Klarheit, Klarheit. Die Erfahrung des Selbst oder die „Subjekt-Objekt“-Trennung deutete sich noch ein, zwei Tage nach der „großen“ Erfahrung an. Fand aber keinen Durchbruch mehr, da doch eine gewisse Restgier des Verstandes zupacken wollte, doch da entzog ES sich gleich wieder.

Trotz all dieser wunderbaren Erfahrungen, konnte ich nach einiger Zeit nicht widerstehen, und verfiel wieder meiner Libido, die sich wieder an mich heranpirschte. Damit war alles wieder vorbei, der Dynamo kam zum Stillstand und ich verfiel wieder in meinen alten begrenzten Zustand. :(

Was soll ich davon halten?

Wenn mir das nächste Mal so eine Gabe zuteil werden sollte, sag ich Euch, wird mir ein Rückfall in die triebhafte Natur nicht geschehen. Hoffentlich ...

Es sei denn man hat denn für sich richtigen Partner, in meinem Fall Partnerin gefunden, mit dem/der man die Sexualität in wahrer Liebe füreinander teilen kann.

Auch kann ich Ramananda nur Recht geben, dass die Sexualität hauptsächlich für die Zeugung der Nachkommenschaft geschaffen wurden. Was hat es denn sonst für einen Sinn, die wertvollen Inhaltsstoffe des Samens einfach so zu verschleudern, außer für ein vergängliches sexuelles Vergnügen. Davon „weiß“ ja der Organismus nichts – das ist ja unsere Interpretation – und „denkt“, die Spermien werden für die Zeugung neuen Lebens gebraucht. Da geht vieles an Vitaminen, Mineral-u. Nährstoffen verloren was der Körper eigentlich für sich selnst braucht. Kein Wunder dass man(n) sich „hinterher“ – wenn auch „befriedigt“ – häufig schlapp und ausgehöhlt fühlt.

Viele Grüße

Avadhuta

larrim

Namaste Avadhuta.

Du schreibst: "Aber vor dem geistigen Erwachen, sollte man in diesem Punkt(Brahmacharya)gar keine Zugeständnisse machen."

Doch woher weiß der Sadhaka, ob er nun wirklich vor dem geistigen Erwachen steht? Kann er sicher sein, dass nicht sein Ego, der kleine Mephistopheles, wie mein Meister es so gerne nennt, ihm nicht einflüstert, wie weit er schon gekommen ist? 

Eine tiefgreifende Erfahrung macht noch lange keine Verwirklichung. Nein, sie kann gar zum Hindernis auf dem Wege geraten, wenn der Stolz auf diese Erfahrung den Sadhaka erfasst oder die innere Gier ihn treibt, diese Erfahrung wiederholen zu wollen und damit die Offenheit der Praxis verschüttet.

Du schreibst weiter: "Trotz all dieser wunderbaren Erfahrungen, konnte ich nach einiger Zeit nicht widerstehen, und verfiel wieder meiner Libido, die sich wieder an mich heranpirschte. Damit war alles wieder vorbei, der Dynamo kam zum Stillstand und ich verfiel wieder in meinen alten begrenzten Zustand."

Nun ja, gibt sich der Sadhaka dann völlig wieder den Gelüsten hin, dann stimmt, was du schreibst, findet er jedoch den richtigen mittleren Weg, beschenkt frei von Gier gelegentlich seine Partnerin mit dem, was sie zu dieser Zeit benötigt. ohne dabei einen Millimeter von seiner Sadhana abzuweichen, ohne sich von der Begierde vereinnahmen zu lassen oder die Praxis zu vernachlässigen, dann sieht die Sache schon wesentlich anders aus.

Zu gut deutsch praktizieren, praktizieren und noch mal praktizieren, um einfach zu praktizieren, um Gott nah zu bleiben. Ohne regelmäßige kontinuierliche Praxis gehts jedoch nicht und das bedeutet nun einmal mehrere Stunden tägliche Praxis, nicht mehr und nicht weniger.

Aber jeder Jeck ist anders, wie meine Großmutter immer zu sagen pflegte und jeder muss letztendlich selbst entscheiden.

Licht und Liebe
Lars

Avadhuta

Lieber larrim,

DU bist wirklich einer der kostbarsten (spirituellen) Schätze in diesem Forum. Was soll ich dazu sagen als einfach nur JAAAAAA. Du fühlst authentisch, richtig und in Liebe.

Du schreibst: "Nun ja, gibt sich der Sadhaka dann völlig wieder den Gelüsten hin, dann stimmt, was du schreibst, findet er jedoch den richtigen mittleren Weg, beschenkt frei von Gier gelegentlich seine Partnerin, mit dem, was sie zu dieser Zeit benötigt. ohne dabei einen Millimeter von seiner Sadhana abzuweichen, ohne sich von der Begierde vereinnahmen zu lassen, oder die Praxis zu vernachlässigen, dann sieht die Sache schon wesentlich anders aus."

Ist es nicht das Schönste, die Frau nicht als ein begrenztes Objekt der Begierde zu betrachten, sondern als ein göttliches Geschöpf, eine reine Verkörperung der Shakti, die heilige Mutter? Und in einer Beziehung zu ihr, darauf bedacht zu sein, dass es nur ihr bei der Vereinigung gut geht, auf die eigene Befriedigung gar keinen Wert zu legen. Das Gleiche wird sie dem Mann, der so empfindet, zurückgeben. Und es entsteht eine geistige Verbindung aus reiner Egolosigkeit heraus.

Alles erdenklich Gute Dir

larrim

Namaste Avadhuta,

du schriebst: "DU bist wirklich einer der kostbarsten (spirituellen) Schätze in diesem Forum."

Nun, mein Lieber, alle Menschen sind spirituelle Schätze. Alle Menschen sind Strahlen des Göttlichen und sich dessen mehr oder weniger bewusst. Dieser ist nur ein Werkzeug des Einen, Namenlosen, über das nichts gesagt werden kann, ansonsten ist er ein Mensch, der auch nur mit Wasser kocht und immer wieder das Gleichgewicht, in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt zu sein neu austarieren muss. Bitte pinsele doch dem Mister Mephistopheles in diesem nicht zu sehr den Bauch, denn weg ist er noch lange nicht, lauert auf eine passende Gelegenheit sich wieder aufzublähen. :woohoo:

Der Pfad ist schmal und schlüpfrig und ein Scheitern unterwegs auch bei diesem nicht vollständig auszuschließen. Auch dieser hat noch einen langen Weg zu gehen und empfindet einfache nur tiefe grenzenlose Dankbarkeit und Demut, zum einen dafür von einem lebenden Meister geleitet und geführt zu werden und auch dafür die Post des Einen Namenlosen in der Vielfältigkeit, in der ihr sie hier alle immer wieder in Euren Post`s zum Ausdruck bringt empfangen zu dürfen.

In diesem Sinne dir und allen Lesern
einen gesegneten Sonntag
Licht und Liebe

Lars

Ramananda

Teil 3 meines Beitrags zum Thema »der geistige Pfad«. Der Teil 3 sei in mehrere Abschnitte geteilt, da sonst das Posting zu lang wird. Hier:

Teil 3, Abschnitt 1: das Grundlegende

Es gibt viele Wege zur Gott- oder Selbstverwirklichung, abhängig von der religiösen Kultur der Menschen, von ihrem Verständnis, ihren Vorlieben, ihrem derzeitigen Vermögen (Können). Jede Religion hat ihren Weg, jedes Glaubensbekenntnis seine Methode.

Es ist daher nicht möglich, auf alles einzugehen. Die Frage muss sein: Was ist die Essenz der Sache? Und auch hier hilft das indische Denken, denn vor allen anderen sind die Meister Indiens zu dieser Essenz gelangt, wie man in den Upanishaden sehen kann.

Obwohl die Essenz nur eine ist, kann man sie verschieden ausdrücken. Und je nach »Essenz« unterscheidet sich etwas die Praxis des Weges.

  1. Das allen Gemeinsame heißt »Yoga« = das Vereinigen (yoga) des unaufhörlich sich verändernden, begrenzten menschlichen Bewusstseins mit dem unveränderlichen, grenzenlosen, alldurchdringenden Meer des Bewusstseins. Nun hat der menschliche Geist vier Grundfähigkeiten: Denken, Fühlen, Wollen (Handeln), Sich-Sammeln (Konzentrieren). Eine dieser Fähigkeiten ist in jedem Menschen die vorherrschende. Und entsprechend diesen vier Fähigkeiten gibt es vier Yoga-Wege: den Jnana-Yoga für die Denkenden (die spirituelle Philosophie); den Bhakti-Yoga für die Hingegebenen; den Karma-Yoga für jene, deren Stärke das Handeln, die Arbeit ist; den Raja-Yoga (»königlicher« Yoga) für jene, die zur Beherrschung des eigenen Geistes, zur Konzentration fähig sind.
  2. Zum Raja-Yoga speziell: Yoga ist die Stilllegung der Bewegungen des Geistes (vollkommene Konzentration). So sagt Shri Patanjali im Yoga-Sutra (Satz 2). Weiter: Dann (= wenn dies gelungen ist) ruht der Mensch in seiner eigenen wahren Natur (Satz 3). Und: Solange dies nicht gelungen ist, leidet der Mensch (Satz 4). Das ist der Kern. Die anderen 190 Sätze des Sutra sind Kommentar, im Sinne von: Wie erreiche ich diese Stilllegung?
  3. »Die Stillegung der Bewegungen des Geistes« – das ist die eine Definition des Yoga. Eine zweite darf nicht fehlen, denn die Begriffe »Geist« und »Kundalini-Shakti« gehören zusammen. Die Kundalini ist die Urkraft der Schöpfung und damit auch die Ursache des Geistes. Im weltlich gesinnten Menschen beschränken sich die Aktivitäten der Kundalini-Shakti auf die lebenserhaltende Versorgung von Körper und Geist mit Energie. Ihr durch ein reines, enthaltsames Leben und durch die systematische Übung der Konzentration bewirktes Erwachen und Aufsteigen führt den Yogin über immer höhere Ebenen des Bewusstseins zurück an den Ausgangspunkt der Schöpfung und schließlich, durch vollkommene Konzentration, in das Einswerden mit dem grenzenlosen Meer des Bewusstseins.
    Nach dieser Definition ist der Yoga ein tantrischer Prozess; so wird alles genannt, was mit der Erweckung der Kundalini-Shakti zu tun hat. Da keine andere indische Lehre zu mehr Fehldeutungen geführt hat, sei bereits hier festgehalten: Das wahre Tantra ist rein geistiges Tantra, welches als Bedingung für den spirituellen Weg die völlige Selbstbeherrschung und damit auch die sexuelle Enthaltsamkeit fordert.

Obwohl der »klassische« Yoga und der recht verstandene tantrische Weg eine unterschiedliche Philosophie zu haben scheinen (!), wird man sehen, dass sie sich in der Praxis so gut wie nicht unterscheiden. Immer geht es
um

  • die Reinigung des Geistes durch Einhaltung der ethisch-moralischen Gebote und
  • um die Reinigung des Geistes durch willentliche Konzentration.

Hat man diese beiden Dinge verinnerlicht, dann hat man bereits die Essenz des religiösen Weges verstanden.

Teil 3, Abschnitt 2 beschäftigt sich dann etwas detaillierter mit der hier zunächst nur angedeuteten Praxis. Er folgt in ein paar Tagen.

Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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