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THEMA: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 26 Jun 2011 10:33 #3257

  • Ramananda
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Nein. Patañjali spricht in seinem Werk über den geistigen Yoga. Und dennoch meinen viele, daß im Yoga-Sutra auch von den Asanas des Hatha-Yoga die Rede ist. Dabei handelt es sich um ein Mißverständnis, welches eine im Hatha-Yoga wichtige Frage entscheidend beeinflußt hat: Wie lange soll man in den Asanas verweilen? Betrachten wir kurz die zwei Abschnitte des Sutra, bei denen es um den Atem und um den Körper geht.

Von den 195 Sätzen des Sutra handeln zwei vom Pranayama (II, 49–50). Shri Patañjali beschränkt sich auf seine Erwähnung, setzt ihn als bekannt voraus. Außerdem, und dies ist viel wichtiger, betont er nur die meditative Bedeutung des Atems (I, 34 und II, 51, 52, 53). Das leuchtet ein. Der Sinn des Pranayama ist das Erwachen und Aufsteigen der Kundalini. Von Chakras, von einer Urkraft, von ihrer Beeinflussung mittels körperlicher Übungen und Atemtechniken, Begriffe aus der tiefgründigen Welt des Tantra, ist im Sutra nichts zu finden. Shri Patañjalis Schwerpunkt waren nicht die mannigfaltigen, ohne Zweifel wichtigen Übungen des Tantra, vielmehr die Essenz aller Übungen und Wege: Konzentration und Meditation. Bereits bei den Atmungen ist dies zu erkennen; ihre höchste Stufe ist keine Technik, vielmehr der völlig ruhige, fast unmerkliche Meditationsatem, bei welchem von einer Kontrolle des Ein- und Ausatems nicht mehr gesprochen werden kann. Auch daran sieht man, daß Shri Patañjali durchgehend den geistigen Anteil der Dinge betont.

Von den 195 Sätzen des Sutra handeln vier von EINER Körperstellung, und wie das Atmen ist auch sie nur auf das Meditative bezogen. Welche Stellung? Mit Asana (wörtlich: »das Sitzen«) sind hier weder Dehnungen noch Kraftübungen gemeint, auch nicht der Kopfstand (eine typisch tantrische Technik zur Erweckung der Urkraft) und anderes, sondern eine beliebige, für die Meditation geeignete Sitzhaltung. Man betrachte die zusammengehörenden Sätze II, 46–49. Obwohl man Patañjalis Worte eigentlich nicht mißverstehen kann, sind viele Yogalehrer und Buchautoren der Meinung, mit »Asana« seien hier auch die Stellungen des Hatha-Yoga gemeint. Zu welcher Konsequenz hat dies geführt?

Es gibt den Fachbegriff Asana-siddhi, die Vollkommenheit im Asana. Diese ist erreicht, wenn man mehr als drei Stunden lang ohne Schwierigkeit in einer (Sitz-!)haltung verweilen kann. Logisch und in der Praxis für jeden nachvollziehbar. Man nehme einen beliebigen Meditationssitz mit gekreuzten Beinen. Schon nach wenigen Minuten schlafen die Füße ein, schmerzen Knie und Rücken, sind Schultern und Nacken verspannt. »Die Versenkung in das Unendliche« (II, 47) klingt wie ein Hohn! Mit Geduld und Ausdauer aber wird der Sitz besser. Irgendwann spürt man den Körper vielleicht erst nach einer halben Stunde, und man muß die Beine ausstrecken und den Rücken lockern. Mit zunehmender Übung kann man länger und länger verweilen. Der Yoga setzt einen Maßstab: Wer über drei Stunden ungestört sitzen kann, hat es geschafft (siddhi = das Gelingen): Die Haltung ist so angenehm, daß man den Körper nicht mehr wahrnimmt. Dann, und nur dann kann der Geist in die Meditation eintauchen.

Nun verhält es sich so, daß seit langer Zeit mit »Asana« nicht mehr allein »der Sitz«, sondern allgemein »die Körperhaltung« verstanden wird: Bhujangasana, Trikonasana, Chakrasana, Shalabhasana, Shirshasana …
Asana-siddhi auf solche Haltungen anwenden zu wollen – das geht selbstverständlich nicht. Der wie immer pragmatische Mensch sagt in diesem Fall, um nicht von seinem Standpunkt abweichen zu müssen: Man halte alle Stellungen »so lange wie möglich«. Eine zu glatte Formulierung, die es erlaubt, bequem einen Bogen um den Begriff Verantwortung zu machen, denn damit läßt man den Schüler alleine. Was bedeutet »so lange wie möglich«? Bei Shalabhasana kann es ja nur um Sekunden gehen, in der Kobra vielleicht um eine Minute, im Kopfstand dagegen pflegen »fortgeschrittene« Yogis eine Stunde und länger zu verweilen, ebenso in anderen Stellungen, welche in mehrfacher, vor allem in gesundheitlicher Hinsicht problematisch sind. Von einem der prominentesten Hathayoga-Meister Indiens hören wir die kuriose und für die Tradition dennoch typische Behauptung: »Bleibt man in der Zange drei Stunden und achtundvierzig Minuten sitzen [= asana-siddhi], dann besteht die Möglichkeit, daß sich spontan ein Samadhi-Zustand einstellt.« Daß es sich hier nicht um einen einmaligen Ausrutscher handelt, beweist die darauffolgende Feststellung: »Der Nutzeffekt der Zange steht in direktem Zusammenhang mit der Zeitdauer. Sie gehört zu den Asanas, die man stundenlang praktizieren muß und kann.«

Vor allem in indischen Yogabüchern findet man viele Sätze wie die gerade erwähnten. Sie sind durchaus logisch, wenn man den Begriff Asana-siddhi von den Sitzhaltungen auf die Körperstellungen überträgt, kennzeichnen aber einen falsch verstandenen Hatha-Yoga. Gerade die Zange (Pascimottanasana) eignet sich hier gut als Negativbeispiel. Selbst bei korrekter, und das muß bedeuten: bei vollkommener Ausführung, nämlich mit geradem Rücken, sollte sie maximal eine Minute gehalten werden: eine gewisse Streckung der Rückseite, eine Kompression der Bauchseite. Nun wird aber die Zange in der Regel falsch, mit rundem Rücken gemacht, und stellt so bereits bei kürzester Verweildauer eine gefährliche Belastung der Kreuzgegend dar. Ein Samadhi-Zustand stellt sich gewiß nicht ein; man darf sich beim Schicksal bedanken, wenn man nicht mit einem Bandscheibenvorfall in der Notaufnahme einer Klinik landet.

Es sei festgehalten: Erstens, Asana-siddhi betrifft ausschließlich Sitzhaltungen zum Zwecke der Konzentration und Meditation. Zweitens, Shri Patañjali kann mit Asana im Satz 46 nicht generell die Asanas des Hatha-Yoga gemeint haben, sonst wären seine nachfolgenden Bemerkungen unsinnig.

II, 46: sthira-sukham-asanam = heißt das »der Sitz – oder die Körperstellung – sei fest und angenehm«? Die Frage erübrigt sich, wenngleich man darüber theoretisieren mag, ob die Heuschrecke, das Rad und ähnlich intensive Stellungen fest und angenehm sind. Für die nächsten Sätze scheidet aber auch diese Interpretation aus. II, 47: »Dies (d.h. der feste und angenehme Sitz) gelingt durch das Schwinden der Anstrengung und durch Versenkung in das Unendliche.« II, 48: »Von da her entsteht das Nichtgestörtwerden durch die Gegensätze.« II, 49: »In diesem (Asana) seiend, übe man den Pranayama.« Dies alles kann sich einzig und allein auf eine Sitzhaltung beziehen.

© Helmuth Maldoner. Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch »Die Heilwirkungen des Yoga«:

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Letzte Änderung: von Ramananda. Begründung: nochmals Orthographie

 
 

Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 28 Jun 2011 07:55 #3267

Namaste

In vielen Punkten stimme ich dir vollständig zu, aber Swatmarama schreibt ja sinngemäß am Beginn der Hatha Yoga Pradipika.: "Wer Hatha Yoga übt ohne den Raja Yoga zu kennen der verschwendet seine Zeit."
Einige Meister, wie Beispielsweise Sri S. Rajagoplan, bei dem ich schon sehr lange den Yoga erlerne haben es hervorragend geschafft den Transfer des Raja Yogas in die Körper Übungen, die ja nun weithin heutzutage Asanas genannt werden, obwohl Patanjali darunter urspürnglich nur die reinen Sitzhaltungen gefasst hat, zu vermitteln.
Yoga ist eine lebendige Wissenschaft.
Alle Körperübungen können enorm an Intensität und Tiefe gewinnen, wenn sie im Geiste des Raja Yoga ausgeführt werden.
Aufgrund der Tatsache das heute vielfach der Yoga zu einer Art "deluxe Gymnastik" verkommen ist halte ich es für hilfreich die Yoga Sutras auch auf die Körperlichen Übungen zu beziehen.
Historisch gesehen hast du also recht, aber in der Praxis ist es dennoch wertvoll und wichtig den Gesit in die Hatha Yoga Übungen zu transportieren, um ein mechanisches "Dahin Geturne" zu vermeiden.

Licht und Liebe
Lars
Ich bin Yogalehrer und leite die Patanjali Yogaschule Münster.
Auf meiner Homepage findet ihr einige Yoga Skripte gratis zum Download. Patanjali Yogaschule Münster.

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Letzte Änderung: von larrim.

Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Jul 2011 14:47 #3331

Guten Tag & namaste,

die Frage am Anfang des Beitrags war: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Hatha-Yoga und dem, was Patanjali zugeschrieben wird.

Dieses ausschließende "Nein" ist mit der Auffassung vom Karma schwer in Einklang zu bringen. Die Chaostheorie weiß von dem berühmten Schmetterlingsschlag, der einen Orkan am anderen Ende der Welt hervorbringen kann ...
Nach meinem Wissen haben - wenn es den Menschen Patanjali wirklich gegeben hat (es gibt einige Schriften, die durchaus begründete Unklarheiten hinsichtlich der vorliegenden Texte und dem Autor vorbringen) - der Autor/ die Autoren bestehendes Wissen inform der Sutras zusammengeführt: Inhalte aus dem Samkya und dem damaligen Yoga;
Mystik, schamanistische Techniken der Arier und Ureinwohner und auch ethische Überlegungen zusammen als einen "methodischen" Weg vereint. Vielleicht noch mehr. Die Ethik (Yama)war wohl ein "Zusatzbeitrag". Niyama enthält Tapas (nicht immer angenehm)und die Verbindung zum Göttlichen. Wohl der Tatsache eingedenk, das eine exakte jahreszeitliche Einordung des Textes(300 v. Ch. bis 300 n.Chr.)bisher nicht erfolgte: Können wir nun wirklich auf oben gestellte Frage aussschließlich mit "Nein" Antworten? Wir könnten. Doch das würde bedeuten, dass wir annehmen müßten, keinerlei Zusammenhang zwischen den Erscheinungen der Welt besteht.
So sehe ich schon eine Verbindung. Allein die Kernstücke ( Asana - Sitz -, Pranayama,Pratyahara, Dahrana). Diese sind in der HP enthalten. Nur die Wichtung ist verschieden.
Zitat
"Es sei festgehalten: Erstens, Asana-siddhi betrifft ausschließlich Sitzhaltungen zum Zwecke der Konzentration und Meditation. Zweitens, Shri Patañjali kann mit Asana im Satz 46 nicht generell die Asanas des Hatha-Yoga gemeint haben, sonst wären seine nachfolgenden Bemerkungen unsinnig..."Da der Autor/ die Autoren der Sutras wesentlich früher lebten, können sie sehr wahrscheinlich nicht die Haltungsbeschreibungen in der HP gemeint haben.Einen großen Variantenreichtum an Sitzhaltungen gibt es in der HP bzw. im zu jener Zeit (wohl einige Jahrhunderte nach Niederschrift der Sutras) praktizierten Übungsgut. Doch zusätzlich einige Haltungen, die nicht mehr mit "Sitz" identisch sind.
Da Schriftstücke nur einen Ausschnitt des Ganzen darstellen können, besteht nach meinem Verständnis der Dinge schon eine Verbindung zwischen den (Sitz)HALTUNGEN in der HP und den Sutras. Sie enthalten offensichtlich überlieferte Grundelemente des informellen Yoga(Lehr)pfads. Wenn auch die unterschiedlichen prozentualen Anteile das nicht offensichtlich erscheinen lassen, sehe ich Zusammenhänge. D.h. nicht, dass ein direkter Zusammenhang besteht. Aber es könnte auch angenommen werden, dass die Sutras wie die HP genau an dieser (körperlichen/ materiellen)Stelle Gemeinsamkeiten haben, oder? Das geistig/ göttliche Körperlich-materiell wahrnehmen (purusha-prakriti):als Verbindung erleben- hatha. So sind für mich die Sutras und die HP zwei Perlen an einer nie endenden Kette, die keinen Anfang hat neben den unzähligen, die nicht hervorstechen. Vielleicht sogar nebeneinander - ...
om shanti
norman
Yogaunterricht in Leipzig -
Integrativer Yoga auf der Basis von Hathayoga.
www.yoga-in-leipzig.com

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 12 Nov 2012 21:59 #5907

Nur eine kurze Frage, ist Hatha Yoga nicht ein Teil von Raja Yoga? Asana ist doch eines der acht Glieder bei Patanjali, auch wenn damit wohl "nur" das sitzen gemeint ist?

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 12 Nov 2012 22:31 #5909

Hi Besma,

Hatha Yoga ist nicht gleich (nur) Asana (Üben).

Hatha Yoga ist meiner Meinung nicht ein Teil des Raja Yoga.

An einigen den Stellen des Forums wurde schon darüber diskutiert. Leider vertsehe ich das mit der Suchfunktion nicht so ganz und habe nur einen kleinen Teil wiedergefunden.

Hatte ich an anderer Stelle schon mal geschrieben:

Für mich ist die Aussage - Hatha Yoga ist nur eine Vorstufe von Raja Yoga, immer noch nicht nachvollziehbar. Gründe hatte ich an anderen Stellen des Forums genannt.

In den Texten Patanjali Yogaschule Münster - Skripte zum Yoga Der achtgliedrige Yoga des Patanjali ist zu finden:

Die Trennung zwischen Hat ha-Yoga und Raja-Yoga, die häufig gelehrt wird, ist nicht haltbar und entspringt dem westlich wissenschaftlichen Geist, alles in Fragmente zu zerteilen Es gibt nur einen Yoga.

Auch hier hatte ich etwas dazu geschrieben: https://www.yoga-welten.de/forum/yoga-allgemein/4032-die-kunst-des-biegens-yoga-im-stern.htm#4046
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Lucius Annaeus Seneca

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Letzte Änderung: von wintersun.

Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Nov 2012 08:33 #5911

Ich weiß, daß Hatha Yoga nicht nur Asana bedeutet, sonst hätte ich ja nicht gefragt :) und ich meinte ja es ist EINES der acht Glieder, also gibt es ja noch sieben weitere.. nein
Ich versuche irgendwie einen Zusammenhang für mich herzustellen und die Unterschiede zu verstehen.
Ich lese gleich nochmal deinen anderen Beitrag, aber wenn es nur Yoga gibt, was ist es dann für ein Yoga?
Ist es das Yoga, welches P. beschreibt und das aus den acht Gliedern besteht, also Ashtanga Yoga?
Bitte entschuldige mein plumpes Fragen, aber ich versuche einfach zu verstehen.
Wie verhält es sich dann mit Bakthi, Karma, Jnana-Yoga? Mir wurde gelerht, daß diese zusammen mit Hatha Yoga die Säulen des Yoga bilden und Raja der königliche Yoga ist, der über allem steht...

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Nov 2012 08:43 #5912

Also nachdem ich den Text gelesen habe, ist zumindest der letzte Teil meiner Frage für mich beantwortet.
"Alle Wege führen zur Quelle.."

Wenn ich die Beschreibung bei Wikipedia lese, dann steht dort,daß es im Grunde nur Raja Yoga gibt und Hatha Yoga erst später dazu kam und erwähnt wurde, um Raja Yoga als geistigen vom Hatha Yoga, dem körperlichen Yoga zu trennen (ich weiß, das stand schon im Beitrag, aber ich fasse für mich zusammen).

Für uns heutige Menschen macht Hatha Yoga ja durchaus Sinn, denn der Köper muß ja von Krankheit und Verspannung befreit werden, damit der Geist überhaupt frei ist um sich etwas anderem zuzuwenden als dem Alltag.

So gesehen ist also doch Hatha Yoga ein Teil von Raja Yoga, wenn man nicht bei den Asanas aufhört so habe ich es jetzt verstanden.

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Letzte Änderung: von Besma. Begründung: weiterbildung :))

Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Nov 2012 15:25 #5914

Hatha Yoga

Hatha Yoga war anfänglich zur Unterstützung anderer Yoga-Formen konzipiert, erfreute sich jedoch rasch großer Beliebtheit und wurde schon bald als eigenständige Yoga-Form betrachtet.

Dort grenzt er den spirituellen Yoga (wie etwa Raja Yoga) vom körperlichen Yoga (Hatha Yoga) ab. Hatha Yoga bezeichnet hier eine Stufe auf dem Weg zum Raja Yoga.


aus dem Wiki - http://de.m.wikipedia.org/wiki/Hatha_Yoga

Hi Besma,

keine Ahnung wo das aus dem Wiki herkommt, meine Sicht ist eine andere. Auch die Literaturliste dazu im Wiki finde ich nicht überzeugend.

Hier einige Zitate, die mein Verständnis vom Hatha Yoga formen:

Aus dem "Der Weg des Yoga" ( http://www.amazon.de/Der-Yoga-Handbuch-%C3%9Cbende-Lehrende/dp/3928632027), das mein wichtigstes Nachschlagwerk ist:

In dem Kapitel Hatha Yoga - 5.14 Samadhi:

Samadhi bezeichnet das Ziel des Hatha Yoga wie auch das Ziel anderer Yogawege, etwa des Patanjali Yoga. (Anmerkung von mir: Das bedeutet für mich ganz klar - Hatha Yoga ist nicht Teil des Patanjali Yoga.)

In der Hathapradipika wird mehrfach als Synonym für samadhi die Bezeichnung Raja Yoga verwendet.

In dem Kapitel Hatha Yoga - 5.5 Asana

Erst aus späteren Kommentaren zu den Yogasutras, z.B. in dem von Vyasa (6 - 8 Jh nach Chr.), wird deutlich, das hier padmasana gemeint war, und zwar der gebundene Lotossitz, ....

In dem Kapitel Hatha Yoga - 5.3 - Geschichte des Hatha Yoga:

Obwohl der Hatha Yoga zu den bekanntesten und am meisten praktizierten Yoga-Wegen gehört, ist seine Geschichte wenig erforscht. Es gibt wenig gesichertes Quellenmaterial, und vieles verliert sich im Mythos.

Vor kurzem hatte ich noch das hier gelesen:

........ Frau Blavatsky hielt die Zeit für gekommen, die geistigen Techniken des indischen Raja-Yoga für ihre Anhänger zu empfehlen. Wie wir heute wissen, war es vor allem der indische Yogin Svami Vivekananda, der gegen 19. Jahrhunderts den Begriff „Raja-Yoga“ in Indien popularisiert hatte. Mit dem Terminus „Raja-Yoga“ bezeichnete Vivekananda die Traditionen und Techniken auf der Grundlage der Yogasutras des Patañjali.

Mit Svami Vivekananda teilte Frau Blavatsky die Wertschätzung des Raja-Yoga und seiner meditativen Techniken. Und mit Vivekananda teilte sie auch die Ablehnung des sogenannten Hatha-Yoga, jener relativ späten Entwicklung des indischen Yoga, die zunächst vor allem am physischen Geschehen des Übenden ansetzt. Frau Blavatsky ging aber noch weiter. Der Hatha-Yoga, der unter anderem die Vielzahl der uns heute so geläufig erscheinenden Körperübungen (asana) und Atemtechniken (pranayama) hervorgebracht hat, galt ihr als höchst gefährlich und moralisch äußerst verwerflich. Sie ging sogar so weit, dem Hatha-Yoga „dämonische“ Kräfte zu unterstellen und warnte in diesem Sinne ........


Quelle: http://www.yoga-akademie.de/YoInDeutsch.html

Vielleicht kommt hier teilweise das Bild her, das Raja Yoga ein "höheres" Yoga ist, als das Hatha Yoga.

Liebe Grüße :)

wintersun
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Lucius Annaeus Seneca

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Letzte Änderung: von wintersun.

Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Nov 2012 16:47 #5915

Erstmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ich hätte mir ja ein paar einfache, klar erklärende Sätze gewünscht, aber ich fürchte, das wird nix :P

Wiki war sowiso sehr spärlich mit den Erklärungen.

Ich möchte einfach einem Freund erklären können, was Hatha Yoga ist und wo her es kommt und immer wenn ich es versuche, dann verliere ich mich irgendwo, weil sich für mich kein rundes Bild ergibt.

Woher kommt denn nun Hatha Yoga, oder sollte ich dazu vielleicht ein neues Thema aufmachen... allerdings ist es für mich immer noch unklar was nun Hatha Yoga von dem Yoga des Patanjali so sehr unterscheidet.
Wir Hatha Yogis machen ja auch Pranayama, Meditieren, sind achtsam, versuchen unseren Geist durch die Asanas zur Ruhe zu bringen und den Körper gesund zu erhalten, die Kleshas, ich sag es mal etwas drastisch, aus dem Weg zu räumen und versuchen so gut wie möglich uns an die Yamas und Nyamas zu halten..

Vielleicht versteh ich es auch einfach nicht und stehe auf der Leitung :unsure:

Bitte um Geduld :blush:

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Nov 2012 17:10 #5917

Ich habe mir aus dem was ich gehört ud gelesen habe, mein Bild gebastelt, was Hatha Yoga für mich ist.

Das kann ich aber leider nicht in einen einfachen Satz zusammenfassen.

Mein Bild ist sicher auch unvollständig. Es muss ja auch nicht das gleiche Bild sein, das Du Dir von Hatha Yoga machst.

In meinen Notizen habe ich mal dazu aufgeschrieben:

Hatha-Yoga ist ein Yogaweg, der Körperübungen als Werkzeug und Hilfsmittel benutzt, um Körper, Geist und Atem miteinander in Gleichklang zu bringen.

Was bedeutet es, Körper, Geist und Atem miteinander in Gleichklang zu bringen? Iyengar schreibt (in Der Baum des Yoga) : "Da alle Wege zur Quelle führen, bringt auch Hatha Yoga den Menschen zum Anblick der Seele" und in Licht auf Yoga schreibt er über die letzten drei Stufen - Dharana, Dhyana und Samadhi: " In tiefer Meditation werden Erkennender, Erkenntnis und Erkennen eins".
Hatha-Yoga ist ein Weg, der die Yoga Sutras von Patanjali anerkennt. Hier ist Yoga definiert als - Das Aufhören des Kreisens der Gedanken.


Ich denke mal, das die Yogasutren so eine Art Grundlagenwerk für fast alle Yogatraditionen ist - also allgemeingültig - egal ob ich nun Yoga mit oder ohne Asana praktiziere.
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Lucius Annaeus Seneca

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Letzte Änderung: von wintersun.

Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Nov 2012 19:09 #5918

Vielen Dank nochmal für deine Mühe es leuchtet mir so jedenfalls sehr gut ein.
Licht auf Yoga habe ich auch, aber es ist schon nicht ganz so einfach zu lesen für einen Anfänger und als solchen bezeichne ich mich.
Danke dir also nochmal ganz herzlich!
Ich werde nochmal in meinen Büchern schmökern und sicher früher, oder später mir einen Eindruck verschafft haben. Ich will immer alles zu schnell und darum mache ich Yoga :)

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 13 Nov 2012 22:12 #5920

Hi,

mir ist heute abend noch Richard Rosen eingefallen und habe mal gegoogelt.

http://www.ihanuman.com/features/introduction-to-the-history-of-hatha-yoga-with-richard-rosen/

In den podcast habe ich die ersten 15 Minuten reingehört und werde ihn mir die nächsten Tage noch zu Ende anhören. Fand ich bisher sehr interessant.

Und dann noch eine Text. Ist beides allerdings in Englisch.

http://www.ihanuman.com/richardrosen/may-2011-news-from-piedmont-yoga-studio-misconceptions-of-yoga/
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Lucius Annaeus Seneca

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 14 Nov 2012 08:41 #5921

Danke! Das mit dem englisch macht nichts. Was ich hier mal off Topic (um beim englisch zu bleiben :laugh: ) empfehlen kann sind bei Youtube die Vorträge von Peter Pandoer. Ein klasse Mann wie ich finde.
Ja, dann hör ich da jetzt mal rein! FReu mich danke!

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 16 Nov 2012 17:42 #5926

http://www.sai.uni-heidelberg.de/abt/IND/mitarbeiter/michaels/Yoga_NZZ_2011.pdf

diesen kleinen Artikel habe ich kürzlich gefunden...
man darf bei dieser Diskussion eines nicht vergessen: Zu Patanjalis Zeiten war das Weltbild von der Ansicht geprägt, dass das Göttliche Prinzip und die Natur zwei voneinander getrennte Aspekte sind.,.. und die Natur darf sich auflösen, damit die menschliche Seele (bis dahin von der Natur umhüllt) sich als göttlich erkennt. Erst der Tantrismus sah die Natur auch als göttlich an, und das gab einen grundlegenden Wandel in der Anschauung der Welt, der Natur, des Körpers, der Sinne, der Frauen... und daher begann der Yoga, sich auch für die körperliche Gesundheit zu interessieren. Bis dahin war Asana nur eine möglichst praktische Position, in die der Körper "aufgeräumt" wurde, um bei der Meditation nicht zu stören... mit dem Aufblühen der tantrischen Kultur wurde aus dem Störfaktor ein Gefährt, ohne das kein Ziel zu erreichen ist... und damit begann der Hatha Yoga, tatsächlich noch gar nicht lange her. Aber welche Durchsetzungskraft!!!

herzliche Grüße,
Tulsi

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 18 Nov 2012 13:17 #5937

Ein schöner Artikel. Danke für den Hinweis.

Mir gefällt diese Stelle sehr gut:

Yoga in der heutigen Form ist ohnehin weder indisch noch westlich. Es ist durch und durch transnational und interkulturell, ist irgendwo zwischen den Kulturen anzusiedeln. Wer hierbei noch auf den Besitz der eigentlichen Wurzeln und dem «wahren» Yoga beharrt und Mauern zu ziehen versucht, versteht nicht, dass Kulturen grundsätzlich porös sind. «Multikulti» steht am Anfang, nicht am Ende.

Aus einem Artikel der NZZ ’Auf der westöstlichen Übungsmatte’ von Dr. Axel Michaels



Zum Thema - Was ist (ursprüngliches) Hatha Yoga, was für einen Yoga übe ich, was unterrichte ich (diese Frage habe ich mir in den letzten Monaten öfters gestellt) - noch ein Zitat aus einem Artikel:

Heutige Hatha-Yoga-Lehrer sehen sich mit zusätzlichen Fragen konfrontiert, die im Prinzip auf folgendes hinauslaufen: Was lehre ich, und warum lehre ich es? Wenn ich die Tradition des Hatha-Yoga studiert habe, dann ist mir bewusst, dass diese Disziplin ursprünglich viele Stunden täglicher, häufig sehr anstrengender, körperlicher Stärkungs- und Reinigungsübungen bedeutete, begleitet von langen Zeitperioden intensiven Pranayamas und intensiver Meditation. Doch wenn ich in diesem traditionellen Geist weder praktiziere noch unterrichte, dann wäre es ratsam, meinen Platz innerhalb der Hatha-Yoga-Tradition neu zu bestimmen.

Aus der dem Artikel ' Yoga gegen Yoga' von Mikel Burley (http://www.yoga-aktuell.de/theme-yoga/hatha-yoga/item/334-yoga-gegen-yoga.html)


Liebe Grüße

wintersun
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Lucius Annaeus Seneca

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 18 Nov 2012 13:48 #5938

Namaste Tulsi

Lieben Dank für den intressanten link zum Artikel.
Ganz besonders die Passage zu den angemeldeten Trademarks auf einzelne Übungen bzw. Übungsreihen hat mich sehr angesprochen.

Sie brachten vor, dass Yoga-Positionen Allgemeingut
seien, die jedem öffentlich zugänglich sein
müssten.

Ich denke Yoga Übungen uzu patentieren ist ähnlich unseriös wie Patente auf genmuster anzumelden.

Licht und Liebe
Lars
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Letzte Änderung: von larrim.

Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 20 Nov 2012 08:29 #5956

Eine immer besser werdende Diskussion. Vielen Dank!

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Aw: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Patañjali und dem Hatha-Yoga? 20 Nov 2012 16:43 #5958

Hallo Wintersun,
danke für den Link zum Artikel, ich denke dieser enthält einiges, was der Überlegung wert ist, Yogalehrerinnen ind -lehrer sollten mal reinsehen.
Liebe Grüße
yeswecan

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