nase fein atmen 250Tasmin sati shvâsa-prashvâsayor gati-vicchedah prânâyâmah
तस्मिन् सति श्वासप्रश्वास्योर्गतिविच्छेदः प्राणायामः

Nun kommen wir zu Pranayama, der vierten Stufe des achtfachen Raja-Yoga-Pfades, wie er im Yogasutra vorgestellt wird.

Sutra II-49 wird von Vielen als Schlüsselsutra gesehen. Auch hier findet sich wieder ein relativ breites Spektrum an Übersetzungen sowie Verständnis von dieser Sutra. Pranayama bedeutet für einige mechanische Atemarbeit, andere verstehen darunter subtile Achtsamkeitsarbeit mit den feinstofflichen Energien.

In II-49 wird Pranayama eingeführt ► Was ist Prana? ► Was bedeutet Pranayama? ► Gründe für Pranayama ► Gefahren von Pranayama ► Übersetzungsalternativen ► Hintergrund ► Wirkungsabläufe ► ...

Inhaltsverzeichnis aus-/einklappen

Punkt 1

1. Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Tasmin = nach dieser (nach der Meisterung der Asana / der Meisterung der Sitzhaltung); danach; unter dieser Voraussetzung; aus dem Vorangegangenen; daher; in diesem oder jenem; dabei;
  • Sati = erreicht; gewesen; etabliert; gesetzt; sein;
  • Tasmin sati = unter dieser Voraussetzung;
  • Svasa, śvāsa = Einatmung; Einspülung;
  • Prasvasa, praśvāsa = Ausatmung;
  • Svasa-Prasvasa, shvâsa-prashvâsayoh, svasaprasvasa = des Ein- und Ausatmens; der Vorgang der Atmung; die Atmung; die unruhige Atmung;
  • Gati = (physische) Bewegung; Fließen; vorangehend; Ursprung; Umfang; Zustand;
  • Viccheda, vicchedah = Abschneiden (= Hauptübersetzung, wörtliche Bedeutung); Aufhören; Unterbrechung; Überschreiten; brechen; trennen; aufhören; Transzendenz; Anhalten; Beherrschung; das Analysieren der Abläufe; Zerschneiden; auseinandernehmen, analysieren, reduzieren, neu ordnen, bremsen; durch Unterbrechung in isolierte Bestandteile analysieren; Kontrolle;
  • Prana, prāṇa = Lebensenergie; Atem; Energie – im Körper die Lebenskraft-Energie. In der Natur Prana-Shakti; das Atemprinzip; die Lebenskraft hinter der Atmung;
    Rainbowbody erläutert: „Pra“ ist von Anfang an, von dem, was allem vorausgeht. „Na“ ist seine Richtung/Führung, bedeutet lenken.
  • Yama, yāma = Binden; Regulieren; Verwalten;
  • Ayama, āyāma = Lösen; Befreien; ausdehnen; verlängern; dehnen;
  • Pranayama, prânâyâmah = Regulierung des Atems; Atemübungen; Harmonie mit der Lebensenergie; Herrschaft über das Prana; Verlängerung des Atems; Atemtechnik des Yoga;

2

Übersetzungsvarianten aus-/einklappen
Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Du findest die bisherigen LeserInnen-Übersetzungen und -Ergänzungen unten.

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

3. Wo wir stehen

Hier findest du eine kurze Zusammenfassung des 2. Kapitels des Yogasutras bis zu Sutra II-48:

Yoga Sutra - 2. Kapitel - bis hierher

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der „Praxis“. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindere und (irgendwann) zu Samadhi, zur allumfassenden Freiheit führe.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation).

Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid von allem und jedem in dieser Welt. Grundübel ist dabei unsere Identifikation mit dem, was wir nicht sind.

Dann geht es bei den Sutras weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen. Patanjali sieht es als „die“ Aufgabe des Yogis an, den Unterschied zwischen Sehenden und Gesehenem zu erkennen. Nach und nach sollte diese Erfahrung kultiviert und ausgebaut werden. So gelange man zur Freiheit – Kaivalya (auch mit „letzter Freiheit“, Isoliertheit (Alleinheit), höchster Befreiung oder „vollkommener Erlösung“ übersetzt.

Nachdem Patanjali in den Sutras II-18 und II-19 über Prakriti, die Natur/unsere Welt, gesprochen hat, geht er dann auf deren Beobachter, den Seher (Purusha) und dessen Wahrnehmung ein. Von Sutra II-20 bis Sutra II-27 erläutert Patanjali Grund und das Zustandekommen unserer Existenz, wie die Unwissenheit unser Dasein bestimmt und  dass Viveka Khyati, die Unterschreidungskraft oder unterscheidende Wahrnehmung, dauerhaft angewendet unsere Unwissenheit beendet. In den Sutras II-28 bis Sutra III-8 gibt Patanjali die konkrete Praxisempfehlung Ashtanga Yoga, um unser falsches Bild von der Welt – das Leid verursacht und unsere Befreiung verhindert – auch ohne großes spirituelles Talent zu überwinden. Den achtfachen Pfad des Raja Yoga, des königlichen Yoga.

In Sutra II-30 zählt Patanjali auf, was zur ersten Stufe des Pfades, den Yamas, gehört, in II-31 betont er deren universelle Gültigkeit. In II-32 listet er die Niyamas auf, die yogischen Empfehlungen für den Umgang mit uns selbst. In II-33 und II-34 benennt er, welche Folgen sich daraus ergeben, wenn unser Geist sich weigert, die Yamas und Niyamas zu befolgen und was wir dagegen tun können: die Kultivierung des gegenteiligen Gedankens/Zweifels (Pratipaksha Bhavana). Die Sutra II-35 (Ahimsa-Nichtverletzen) bis II-39 (Aparigraha-Begierdelosigkeit) schildern die besonderen Kräfte und Fähigkeiten, die ein Mensch erlangt, wenn er die Yamas tief in sich verwurzelt. In den Sutras II-40 bis II-45 schildert Patanjali die segensreichen Folgen Einhaltung der Niyamas

Sutra II-46 bis II-48 handeln von Asana, der (Sitz-)Haltung. Patanjali fordert hier: 

  • II-46: unbewegt und bequem
  • II-47: entspannen und auf das Unendliche ausrichten
  • II-48: wenn gemeistert, frei von Dvandvas (Gegensatzpaaren)

In Sutra II-49 bis II-53 kommen wir zur vierten Stufe des achtfachen Pfades (nach Yama, Niyama und Asana): dem Pranayama. Iyengar: „Pranayama .... ist für den Yoga das, was das Herz für den menschlichen Körper ist“.

Punkt 4

4. Was ist Prana?

Skuban schreibt (S. 149): „Prana ist die Energie, die alles durchdringt, das Allergrößte genauso wie das Allerkleinste.“ Wir nehmen am meisten Prana durch den Atem auf, aber auch durch unsere Ernährung. Sogar (ein wenig) über den Kontakt mit dem Boden.

Swami Satchidananda: „Prana ist die kosmische Kraft, ohne die sich nichts bewegen oder funktionieren würde. ... Sogar Gedanken werden durch Prana bewegt.“

Wichtig ist also, dass „Prana“ eher "Energie" bedeutet, nicht mit Atem gleichzusetzen ist. Die Beobachtung des Atems ist eine erste grobe Vorstufe, um mit den subtileren energetischen und ganzheitlichen neurologischen Prozessen, die dem Atemvorgang zugrunde liegen, in Berührung zu kommen. Der Atem, die ein- und ausgeatmete Luft, ist gemäß einiger Yoga-Texte die grobstoffliche Manifestation des Prana. Prana kann in verschiedener Weise als Energie gesehen werden: z. B. im Körper als die Lebenskraft-Energie, in der Natur als Elektrizität oder Wärme usw.. Iyengar schreibt:

„Alle energetischen Schwingungen im Universum – Wärme, Licht, Schwerkraft, Magnetismus, Kraft, Vitalität, Elektrizität, Leben und Geist – sind Formen des Prana“.

Iyengar weiter: „Der Prana ist eine eigenständige Kraft ... gestaltet das Universum ... spielt mit ihm ... wirkt erhaltend ... zerstört auch“.

Alle Wesen und das ganze Universum sind von Prana durchdrungen.

Einige Yogis gehen davon aus (Quelle: Rainbowbody), dass Prana-Shakti eine angeborene intelligente „Richtung“ (vielleicht im Sinne von Strömung) hat, aber die meisten Menschen würden nicht auf diese Richtung "hören", ihre Verbindungskanäle (Nadis) seien verschlossen. Pranayama-Praxis (verstanden als achtsames Wahrnehmen des Pranas) öffnet diese Nadis.

Prana in unserem Körper wird von Yogis noch einmal unterteilt in sogenannte Prana-Vayus, die jeweils in bestimmten Bereichen des Körpers wirken. Alle Vayus zusammen bilden den Prana-Köper (pranayama kosha, siehe unten). Bekannt ist u.a. apana-vayu, was wir im Bauchraum vom Zwerchfell bis zum Damm finden.

 Punkt 5

5. Was ist Pranayama? Ein Querschnitt aus den Interpretationen

Sanskrit:

  • Prana = Lebensenergie; Atem;
  • Yama = Binden; Regulieren; Verwalten;
  • Ayama = Streckung, Dehnung, Weitung, Länge, Breite, Verlängerung, Zügelung; Beherrschung; Regulierung; Kontrolle;

Mögliche Übersetzungen für Pranayama

  • Herrschaft über das Prana
  • Beherrschung der Lebensenergie
  • Regulierung des Atems
  • Verlängerung des Atems
  • Beobachtung und Analyse des Pranas

Patanjali beschreibt Pranayama in dieser Sutra wörtlich als „Abschneiden (viccheda) des Fließens (gati) von Einatmung (svasa) und Ausatmung (prasvasa)“. Wie üblich finden sich viele alternative Übersetzungen für jedes einzelne Wort dieser Sutra, siehe oben, vor allem für „viccheda“. Oft wird es als „Beherrschen“ oder „Kontrolle über“ ... die Ein- und Ausatmung übersetzt.

Dessen ungeachtet ist für wohl alle Yogis die Atmung das Bindeglied zwischen physischer und energetischer und geistiger Welt. Die Verbindung zwischen Körper und Geist.

5.1. Pranayama als Kontroll-Übung für den Atem

Mit Pranayama sind im modernen Yoga vornehmlich eine Vielzahl von konkreten mechanischen und geistigen Atemübungen überschrieben. Oftmals wird eine Erhöhung der Lebensenergie, eine neue Frische, die Vertiefung der Meditation oder bessere Laune mit der Pranayama-Praxis angestrebt. Patanjalis ging es hier aber vermutlich (nur) um die Kontrolle über den Atem als Grundlage/Förderer einer tiefen Meditation mit dem Ziel Samadhi.

Iyengar: „Pranayama besteht darin, diese Ungleichmäßigkeit [des Atems] zu beobachten und sich innerlich auf das Einströmen, ausströmen und Anhalten des Atems auszurichten, dass ein regelmäßiger Rhythmus entsteht.“

Es wird ein hoher Lohn versprochen. Iyengar: „Wer dieses Absorbieren und Reabsorbieren der Energie voll ausschöpft, wird hundert Jahre in vollkommener Gesundheit ... und Ausgewogenheit des Geistes leben können.“

Vyasa, ältester bekannter Kommentator des Yogasutras (zitiert aus Yoga Roots S. 140ff): „Einatmen ist das Einsaugen von Außenluft, wenn man die Haltung gemeistert hat. Ausatmen ist das Ausstossen der Bauchluft. Das Anhalten ihres Flusses, d.h. die Abwesenheit von beiden, ist Atemkontrolle.“

Swami Satchidananda betont (S. 158), dass es beim pranayama nicht um möglichst langes Anhalten des Atems geht. Vielmehr sei es so, dass unser Atmen sanft, langsam und vollkommen kontrolliert erfolgen solle. „Ohne jegliche Erregung.“ So solle man laut ihm beispielsweise Nadi Shodana zu Beginn erst einmal ohne Atemzurückhaltung üben, weil das Anhalten zu Beginn zu unnötigem Stress führt.

5.2. Pranayama als Übung der Unterbrechung

R. Palm (S. 124): „Um die Atemausdehnung zu etablieren, muss der gewohnte Atemrhythmus (gati), also das windige Hecheln und Japsen, unterbrochen, wörtlich sogar durchschnitten (viccheda) werden.“ Der Ausdehnung des Atems nähere man sich über bewusste Beobachtung des Atems und der zunehmenden Regulierung von Ein- und Ausatmen an.

Deshpande/Bäumer schreiben (S. 130): „Ebenso wie vrtti-nirodha eine Unterbrechung in der Kontinuität der Vorstellungen ist, ist pranayama eine Unterbrechung in der Kontinuität des Atmens. Und ebenso wie das intensive Interesse an der Leere [in der Meditation], frei von vrttis, Übung ist (Sanskrit: abhysa, siehe Sutra I.13), so ist das intensive Interesse an der Pause in der Kontinuität der Atembewegung pranayama.“

5.3. Pranayama als Verfeinerung durch Beobachtung

Manche Kommentatoren betonen besorgt, dass Pranayama nicht das willentliche Einwirken auf den Atemvorgang sein dürfe, zum Beispiel Rainbowbody. Deren Kommentatoren warnen, dass die häufigste Fehlübersetzung dieses Sutras laute: „Pranayama ist die Kontrolle oder Regulierung der Einatmung, der Ausatmung und des Anhaltens des Atems“. Diese Fehlübersetzung spiegelt zwei häufige Fehler wider:

  • Fehler 1: Prana als Atem zu übersetzen, Prana ist Energie
  • Fehler 2: Das Zurückhalten, Kontrolle oder Unterdrückung des Atems (kumbhaka) kommt in dieser Sutra nicht vor, es sei denn, man übersetzt yama als aktive Zurückhaltung.

Rainbowbody sieht es so: Zunächst werde beim Pranayama die Aufmerksamkeit auf das Ein- und Ausatmen des Atems gelegt, um das Prana zu erweitern und zu verfeinern (Ayama). Beobachten, wie die Energie in unseren Körper/Geist eintritt, wie sie ihn verlässt und wie sie unstetig oder gehemmt wird. Dann die tiefgreifenden Verbindungen zwischen Geist und Energie erkennen, die dem Atmungsprozess innewohnen. Dadurch würden – wie von Patanjali in der nächsten Sutra "gefordert" – der Geist und der Atem zunehmend subtiler. Hier sei Patanjali laut Rainbowbody explizit und deutlich: Pranayama ist eine Bewusstseins-/Beobachtungspraxis, keine mechanische, willentliche Praxis.

Der mögliche Lohn des so in rechter Weise verstandenen Pranayamas ist laut Rainbowbody hoch: 

„Pranayama ist ein effektives und kraftvolles Werkzeug, um vergangenes Karma, Kleshas, Vasana und Vrtti aufzulösen, sowie unser transpersonales, nicht-duales Erbe zu aktivieren.“

Punkt 6

6. Von Pranayama zu Samadhi

Laut Rainbowbody verhält es sich so: Pranayama bedeutet mit der Zeit auch, ganz allgemein bewusst zu werden, indem man subtil mit dem Prana arbeitet. Pranayama meint, den Atem und das Prana (Lebenskraft) zu dehnen bzw. zu verlängern (Ayama) und zu öffnen, dadurch wird die „Bedeckung des Lichts“ aufgelöst (dazu kommen wir in Sutra II-52).

Hierfür gäbe es viele Erklärungen. Eine ist, Prana ist abgeleitet von „Pra“ ist die erste Einheit des Lebens, während „na“ bedeutet, zu lenken. Ayama bedeutet, sich auszudehnen oder zu erweitern. Pranayama bedeutet also, das Bewusstsein der Lebenskraft zu erweitern, sie zu erkennen, zu verstehen und mit ihr zu kommunizieren sowie sie im eigenen Körper und in allen unseren Beziehungen auszudehnen. In den Yoga Sutras geschieht das laut Rainbowbody

  1. zunächst durch Atembewusstsein und (geistige) Atemübungen.
  2. Dann wird auf einer subtileren Ebene die Energie hinter dem Atem verstanden.
  3. Dann wird der Zustand des Geistes und des Bewusstseins erkannt.
  4. Schließlich wird die Einheit des ursprünglichen Bewusstseins und der angeborenen evolutionären Kraft, sat und cit, siva und shakti, Geist und Natur, erkannt. Das sei dann „Samadhi über Pranayama“, welches das Ziel des achtfachen Yogapfades von Pantajali ist.

„Orthodoxe Fehlübersetzungen"

Rainbowbody ist bewusst, dass die „gängige orthodoxe Tradition“ Pranayama als Atemregulierung oder -kontrolle übersetzt. Und kritisiert dies scharf: „Das Wort „Kontrolle“ spiegelt somit eine weitere Annahme wider, die von unterdrückten und überobjektivierten, die linke Gehirnhälfte dominierenden Intellektuellen und ideologisch begründeten Religiösen gemacht wird“. Von „Dualisten“. Dies würden oft zu weiteren Fehlübersetzungen kommen:

  • „nirodha“ als Kontrolle,
  • „Tapas“ als Selbstverleugnung,
  • „swadhyaya“ als Studium der Schriften oder
  • „brahmacarya“ als sexuelle Zurückhaltung

Dies geschähe, obwohl es „keine objektive oder erfahrungsmäßige Grundlage für diese willentlichen Vorurteile“ gäbe.

Steht Pranayama für eine willentliche Regulierung des Atems oder lediglich für achtsames Beobachten und Analysieren des Atemvorgangs?

 

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Punkt 7

7. Wann mit Pranayama starten?

Patanjali spricht hier (zum ersten Mal im Yogasutra?) von einer einzuhaltenden Abfolge: erst die Asana beherrschen (sprich unbewegt lange Zeit bequem sitzen können), dann die Kontrolle über den Atem üben.

Wenn dies erreicht ist ...

So beginnt Sutra II-49. Worauf bezieht sich diese Forderung? Auf die Meisterung der Asana!

Was verstand Patanjali unter Asana? Wie in den Sutras zuvor besprochen, ist Asana für Patanjali die Beherrschung einer Sitzhaltung zum Zwecke einer tiefen Meditation mit dem Ziel Samadhi.

Unbewegt soll der Meditierende sitzen. Ok. Aber dabei bequem. Das wird schon schwieriger :-). Warum bequem? Viele Meditationslehrer verweisen darauf, dass wir unseren Körper vergessen und mit unserer Umgebung verschmelzen, wenn dieser völlig entspannt (ohne Schmerzen, Kälteempfinden, Verkrampfungen etc.) in Ruhe sitzt.

Warum sitzen und nicht liegen? Weil wir im Liegen zum Wegdriften und Einschlafen neigen. Wir brauchen aber Konzentration und Bewusstheit, um auf dem Pfad der Meditation voranzuschreiten.

Oder meint Patanjali hier gar, dass wir mit Pranayama erst starten sollen, wenn wir alle drei vorigen Stufen des achtfachen Pfades gemeistert haben, also auch Yama und Niyama? Diese Ansicht findet sich bei manch Yoga-Lehrenden. Beispiel:

„Nachdem sich ein yogin durch die stete Ausübung von moralischer Disziplin (yama) und Selbstbeherrschung (niyama) qualifiziert hat, kann er zu Yoga-Stellungen und anderen Methoden übergehen.“

Yoga-Bhashya-Vivarana, 2.29, zitiert aus Feuerstein, S. 370

 

Anders sieht es Iyengar: „... für die anderen Glieder wird nicht eigens eine Progression festgelegt“.

Punkt 8

8. Pranayama Gefahren

Intensive Pranayama-Praxis, vor allem die schnellen Atemtechniken, können Körper und Geist schaden, wenn diese nicht ausreichend auf die Wirkungen vorbereitet sind. Von leichten Schwindelgefühlen bis zu Ohnmacht, von Verstimmungen bis Depression und völliger Verwirrtheit ist die Rede. Dies gilt vor allem für die schnellen Atemübungen und für langes Kumbhaka (Atemanhalten).

Aufgrund dieser Gefahren raten viele YogalehrerInnen dazu, mit Pranayama erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf dem Yogaweg zu beginnen.

Beispielsweise schreibt Dr. Steiner ähnlich wie Patanjali: „Wenn jemand meinem Lehrer, Pattabhi Jois [Begründer des körperlich anstrengenden Ashtanga-Yoga-Stils], diese Frage gestellt hat, pflegte er reflexartig zu antworten: „Vervollkommung in Āsana - dann Beginn von Prāṇāyāma“ („Āsana perfection - Prāṇāyāma starting“).

Andere sehen zusätzlich die strikte Einhaltung der Yamas und Niyamas als wichtige Voraussetzung für Pranayama-Praxis.

Punkt 9

9. Pranayama und Meditation

Die Kontrolle des Atems, vor allem dessen Verlangsamung, kann dich sehr tief in die Meditation führen. Das gleiche erreichst du mit anhaltender Konzentration auf dein Meditationsobjekt bei unbewegtem Körper. Für viele Meditierende ist es aber der einfachere und schnellere Weg, sich zunächst auf eine Verlangsamung des Atems zu konzentrieren, dabei tief in die Ruhe zu kommen und dann die Konzentration auf das Meditationsobjekt aufzunehmen. Dies gilt vor allem dann, wenn der Geist vor der Medi sehr aufgewühlt ist.

Iyengar: „Prana und Citta, Energie und Bewusstsein, stehen im ständigen Kontakt miteinander ... solange der Atem still ist, ist Prana und daher auch Citta still“.

 Punkt 10

10. Pranayama und Ruhe im Leben

Um insgesamt etwas ruhiger zu werden oder um bei einer aufregenden Situation ruhig zu bleiben helfen vor allem Atemtechniken, welche die Ein- und Ausatmung verlängern und vertiefen. Eine Atempause ist nicht notwendig. Einfach langsam tief in den Bauch einatmen und langsam wieder ausatmen (doppelt so lang aus- wie einatmen). 10 Minuten lang, natürlich nur durch die Nase. Vor allem die verlängerte Ausatmung beruhigt und entspannt. Sogar Ängste werden (oftmals) durch diese Atemtechnik verringert. Siehe auch:

Beitrag: Warum durch die Nase atmen?

nase atmen kein mund e 564

In vielen Schriften wird das Atmen durch die Nase empfohlen. Und zwar zu jeder Zeit. Ausschließlich durch die Nase, auch wenn es einmal ein wenig anstrengender wird. Lediglich bei einigen wenigen Pranayama-Übungen wird durch den Mund ausgeatmet. Warum wird die Nasenatmung so betont?

Hier weiterlesen

Beitrag: Yoga: Wie atmen

yoga wie atmen 564

Yoga: wie atmen? Das Geheimnis liegt in der Verfeinerung

Bei den indianischen Naturvölkern gibt es eine alte Weisheit:

"Der Atem ist das Pferd, der Geist ist der Reiter."

Man sieht: Nicht nur in der Yoga-Lehre spielt der Atem eine besondere Rolle. Doch Yogis haben früh erkannt, dass die Arbeit am und mit dem Atem besondere Effekte bewirkt, die den Yoga-Weg fördern und begünstigen. Auch im Alltag macht sich eine "Verbesserung" des Atmens vielfältig bemerkbar.

Doch was ist eine "Verbesserung" des Atmens gemäß der Yogalehre? Wie atme ich während der Yoga-Übungen und in meinem restlichen Leben richtig?

Wir folgen im Artikel den Aussagen und Empfehlungen der Yoga-Weisen – vom Yogasutra bis zum gerade erschienen Buch "Yoga – Die Geheimnisse liegen in der reduzierten Atmung". Dabei treffen zwei gegensätzliche Meinungen aufeinander.

Hier weiterlesen

Punkt 11

11. Pranayama und die Hüllen des Körpers

In den Upanischaden lesen wir (erläutert u.a. bei Wim van den Dungen und Ralph Skuban S. 150f) von verschiedenen „Hüllen“ des Körpers. Im Yoga unterscheiden wir vornehmlich fünf dieser Schichten des Körpers (panca kosha), wobei alle fließend ineinander übergehen, sich gegenseitig durchdringen. In unserer Sprache könnte man diese folgendermaßen bezeichnen und beschreiben:

Nahrungshülle (Nahrungskörper) – annamaya kosha
Der physische Körper, der daraus besteht, was wir essen. Die Hatha-Yoga-Übungen wirken vornehmlich auf diesen Körper. Asana als Meditationshaltung (aus den Sutra zuvor), die Körperhaltung, betrifft den groben Körper oder die Nahrungshülle (auch sthûla-sharîra genannt).

Daran schließt sich der Feinstoffliche Körper an.
Diese Feinstoffliche Hülle wird auch als „subtile Hülle“ oder sûkshma-sharîra bzw. linga-sharîra bezeichnet. Die Anzahl der Schichten ist je nach Lehre unterschiedlich, im Yoga sind drei Unterteilungen geläufig:

  • Pranakörper (Energiekörper) – pranayama kosha
    Pranayama, die Pranakontrolle, wirkt auf die Energiematrix (auch Atemkörper oder prânamaya-kosha genannt), die den groben Körper (die Nahrungshülle) erhält. Zudem verbindet diese als erste Feinstofliche Hülle die Nahrungshüllen mit den anderen, unsichtbaren Körpern.
  • Mentalkörper (Gedanken- und Gefühlskörper) – manomaya kosha
    Heimat der Manas (Gedanken und Emotionen. Manchmal wird weiter in kâmamaya-kosha (Gefühlskörper) und âtimamaya-kosha (abstrakter Gedankenkörper) unterteilt.
  • Weisheitskörper (Intuitionskörper) – vijñanamaya-kosha
    Heimat von Verstand und Intuition. Mentale Ebene mit Zugang zu höherem Wissen.

Gückseligkeitskörper – anandamaya kosha
Auch Glückseligkeitshülle genannt. Diese dritte Hülle des Menschen (bzw. der fünfte Körper laut Yoga-Unterteilung) trägt auch die Bezeichnungen kârana-sharîra ânandamaya-kosha (der Körper der Glückseligkeit). Diese letzte Körperhülle steht mit der Erleuchtung in Zusammenhang, der Glückseligkeitskörper soll purusha, unserem wahren Selbst, schon sehr nahe sein.

Punkt 12

12. Sutras mit ergänzenden/ korrespondierenden Aussagen

Yoga Sutra III-40: Durch Beherrschung von Udana (aufsteigender Atem/Prana) kann der Yogi schweben und wird nicht von Nässe, Schmutz oder Dornen berührt

Zur Sutra

Punkt 13

13. Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-49

Nutze die kommende Woche dazu – so oft es dir möglich ist – den Atem und der damit verbundenen Energie in deinem Inneren nachzuspüren. Dieses subtile Erspüren der Atemenergie dürfte Basis für den Fortschritt im Pranayama sein. 

Meine Erkenntnisse/Erfahrungen bei/mit dieser Übung

 

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Punkt 14

14. Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben? Kannst du etwas ergänzen oder korrigieren?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Oder kannst du etwas verdeutlichen oder berichtigen? Eine eigene Erfahrung schildern ... Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Punkt 15

15. Videos zu Sutra II-49

Sukadev zur Sutra II-49 bis Sutra II-53

Länge: 21 Minuten

Pranayama: Breath, Mind, and Orgasm, Kommentar zu Sutra II-49 bis II-51

Länge: 15 Minuten

Video von Desikachar zur Sutra

Desikachar Video zu Sutra II-49

Länge: 50 Minuten

Video von Asha Nayaswami zur Sutra

Asha Nayaswami zu Sutra II-46 bis II-55

Länge: 70 Minuten

Punkt 16

16. Pranayama auf Yoga-Welten.de

Punkt 17

17. Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra

17.1. Alte Schriften auf Yoga-Welten.de

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➔ Zu allen alten Schriften auf Yoga-Welten.de

Weitere oft aufgerufene alte Schriften

Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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