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tatra sthitau yatno-bhyāsaḥ
तत्र स्थितौ यत्नोऽभ्यासः

Abhyasa sind alle Anstrengungen zur Beherrschung des Geistes. Nicht aus Selbstzweck, sondern um Zugang zum wahren Selbst zu finden. Es geht um die Beherrschung des Geistes, damit der Purusha durchscheinen kann.

Doch worauf kommt es beim Üben an?

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Tatra = in diesen, von jenen, dort, hier, um das.
  • Sthitau = Stabilität, ständig, um fest gegründet zu sein, standhaft.
  • Yatnoh = (ununterbrochene) Anstrengung, Bemühung, Übung.
  • Abhyasa, abhyâsah = Übung, Beharrlichkeit, Praxis, Methode, Enthusiasmus.

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Abhyasa meint ständige Bemühung darum, die Beruhigung der Gedankenwellen zu verfestigen.
  • Die intensive Bemühung um diese Ruhe ist Abhyasa.
  • Abhyasa ist das unermüdliche Bemühen, diese Ruhe zu erreichen.
  • Abhyasa meint, mit Übung standhaft bei einem gewählten Thema zu bleiben.
  • Yoga wird durch Beherrschung und willensmäßige Unterdrückung aller Denkformen erreicht.
  • Das Bemühen, ständig im Aufhören mit den Identifikationen des Geistes zu bleiben, ist Abhyasa.
  • Praxis ist die ununterbrochene Anstrengung, in dieser Stille zu verweilen.
  • Übung ist beständige Anstrengung darin.
  • Anstrengung um Stabilität oder einen ruhigen Geist ohne Fluktuationen zu erreichen wird Übung genannt.
  • Abhyasa ist die Anstrengung, fest in dem Zustand genannt Nirodha etabliert zu sein.
  • Abhyasa ist die Wachsamkeit darin zu verweilen.
  • Praxis ist die Bemühung, den Stillstand der Gedanken aufrecht zu erhalten.
  • Von diesen beiden ist die Praxis die Anstrengung hin zur Beständigkeit des Geistes.
  • Praxis ist die wiederholte Anstrengung den Disziplinen zu folgen, die eine permanente Kontrolle der Gedankenwellen im Geist ermöglichen.
  • Kontinuierliches Ringen die Vrittis unter Kontrolle zu halten ist die Praxis.
  • Abhyasa ist das permanente Bemühen um die Befriedigung der Bewegungen des Geistes.
  • Abhyasa oder Praxis ist die Anstrengung, diese Permanenz und mentalen Frieden zu erreichen.
  • Beharrlichkeit meint, die Praxis standhaft zu halten.
  • Praxis ist die Anstrengung, Stabilität in diese Drosselung zu bringen.

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

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Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

Nicht nur in der Yogastunde

Mehrere Kommentatoren interpretieren Abhyasa als "ständiges Üben". Nicht nur auf der Matte. Jedes Geschehen, jede Handlung, jedes Erlebnis betrachtet der Yogi als Übung bzw. Herausforderung. Irgendwann wird selbst der Schlaf zur Übung, wenn im Traum der Geist beherrscht wird. Gemeint ist demnach ununterbrochene Achtsamkeit, Wohlwollen, Positivität, Mitgefühl, Nicht-Anhaften, sich die Befreiung vergegenwärtigen etc.

vorwaertsbeuge 564

Iyengar und Govindan betonen, dass der Sadhaka (der Yogaübende) dazu angehalten wird, alle yogischen Übungsformen von Yama bis Dhyana permanent und intensiv zu praktizieren. Auf allen Ebenen. Siehe zur inneren Haltung beim Üben Sutra I-20:

Yoga Sutra I-20: Andere gelangen dorthin [zu Asamprajnata Samadhi] durch Glauben, Wille/Energie, Erinnerungsvermögen/Gedächtnis, Samadhi/Sammlung und Weisheit

Govindan ergänzt, die Schulung des Geistes sei mit der eines Hundes zu vergleichen. Der Hund lerne nicht durch Tadeln und wird auch nicht gleich am ersten Tage den Befehlen des Herrchens gehorchen. Klare, ständig wiederholte Befehle sowie Geduld sind die Mittel der Wahl, um den Hund zu Gefolgsam zu führen.

Abhyasa, die Kontrolle des Geistes zu üben, ist also eine Lebensaufgabe. Das Erlernen der Fähigkeit, den Geist im Jetzt zu halten und dessen Bewegungen zu kontrollieren, kann wie das Üben eines Muskels betrachtet werden. Mit der Zeit werden wir kräftiger, das Üben wird zur Gewohnheit und fällt leichter.

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Sthiti - die Ruhe aus einer anderen Welt

Deshpande schreibt: Wenn die Vrittis - die Bewegungen im Geist - eine Pause einlegen, nennt sich dies Sthiti - Ruhezustand. Deshpande betont, dass Sthiti in der Erscheinungswelt unbekannt ist, da es darin eine ununterbrochene Kontinuität von Ereignissen gibt. Er sagt: Sthiti gehört bereits einer anderen "Seinsordnung" an, das Bemühen um diese Pause der Ruhe wird "Übung oder Praxis" (Abhyasa) genannt.

Abhyasa kann auch darin bestehen, ganztägig sein Handeln und Erleben als unberührter Beobachter zu betrachten.

Verhängnisvoller Ehrgeiz

Gewarnt wird vor Perfektionismus einhergehend mit Verstimmung, wenn es uns nicht gelingt, unsere inneren Zustände achtsam wahrzunehmen oder gar zu beherrschen. Demut ist förderlicher, sich der eigenen Grenzen bewusst zu werden. Schwächen oder Schwachheiten achtsam wahr- und ohne Hadern anzunehmen.

Förderliches Selbstbild: Du bist nicht nur dann "richtig", wenn du alles gut machst, wenn dir alles gelingt. Diese Einstellung macht unglücklich und führt sogar vom Yoga-Weg ab, der ja Kraft und positive Energie benötigt. Viel besser ist es, sich auch toll zu finden, wenn man fünfe gerade sein lässt oder sich völlig anhaftend über etwas enthusiastisch freut oder (mal) ärgert.

hand kerze 700

Wahrnehmung & Stille

Nur wahrnehmen solltest du möglichst immer. Einen Moment innerer Stille dazwischenschalten, zwischen Erleben und inwendigem Empfinden. Diese Achtsamkeitsmomente führen uns zu uns selbst.

Unser Geist wird sich aber gegen Achtsamkeit wehren, wenn diese stets mit Selbstverurteilung einhergeht. "Aha, wieder mal ne sinnlose Liebesschnulze gesehen. So wird das nix mit dir ..." Besonders Yogalehrer sind gefährdet, da diese oft zusätzlich meinen, von den eigenen Schülern kritisch gemustert zu werden und so ihre Selbstkritik weiter erhöhen.

Einfach meditieren

Von Clark Strand ist aus seinem Buch "Einfach meditieren" bekannt, dass er als Zen-Meister in eine tiefe Krise geriet. Er erkannte, dass die Erwartung, in der Meditation die Lösung aller Probleme zu finden, in Enttäuschung und Wiederholung alter Fehler mündet.

Er plädiert nach dieser Erfahrung dafür, Meditation eher als "Hobby" zu betrachten, als einen Raum im Leben, der leistungsfrei bleibt, ohne Hetze, indem man einfach nur ist. Man solle es um ihrer selbst willen tun, statt immer auf den damit einhergehenden geistigen Fortschritt zu zielen.

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Übung zu Yoga Sutra I-13

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche:

Überlege dir jetzt eine(!) Ausdehnung deiner Übungspraxis in deinen Alltag. An welcher Stelle willst du hier in der nächsten Woche Achtsamkeit, Geistesberuhigung und/oder Nicht-Anhaftung üben?

Dies kann der Umgang mit deinem Partner oder die Zubereitung des Tees sein. Führe dies eine Woche lang konsequent durch.

Wenn du magst, kannst du dir in der darauf folgenden Woche ein anderes Übungsfeld suchen. Nach und nach wirst du so alle Bereiche deines Lebens einmal "durchgeübt" haben.

 

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Shraddhâ–vîrya–smriti–samâdhi–prajnâ-pûrvaka itareshâm
श्रद्धावीर्यस्मृति समाधिप्रज्ञापूर्वक इतरेषाम्

In dieser Sutra wird Patanjali angenehm konkret. Er richtet sich an uns Fußvolk, die nicht von Geburt aus Begnadigten. Wir brauchen vier oder fünf Mittel, um uns dem Ziel des Yoga zu nähern.

 

Video zu Sutra I-13

Erfolg in der Meditation - die Sutras I-12 bis I-16.

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