strichmaennchen frage unwissenheitTasya hetur avidyâ
तस्य हेतुरविद्या

Eine eher ernüchternde Sutra. Erfahrung in der Welt ist ja ganz schön und auch sinnvoll, hält uns aber im „Gefängnis dieser Welt“. Führt zu irrigen Identifikation. Letztendlich lautet das Ziel Erleuchtung. Der Weg dorthin: Vidya!

Inhaltsverzeichnis aus-/einklappen

Punkt 1

1. Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Tad = dessen;
  • Tasya = seine (der Vereinigung – Samyoga); dessen; von ihm;
  • Hetu, hetuh, hetuḥ = Ursache; Grund; Motiv;
  • Avidya, avidyâ = Unwissenheit; Irrung; eingeschränkte Erkenntnisfähigkeit; fehlende Weisheit; Verwechslung;

2

Übersetzungsvarianten aus-/einklappen
Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Du findest die bisherigen LeserInnen-Übersetzungen und -Ergänzungen unten.

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

auge loch dunkelDas große Yoga-Ziel: Die Wahrheit zu erkennen

3. Wo wir stehen

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der „Praxis“. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindere und (irgendwann) zu Samadhi, zur allumfassenden Freiheit führe.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation).

Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid von allem und jedem in dieser Welt. Grundübel ist dabei unsere Identifikation mit dem, was wir nicht sind.

Dann geht es bei den Sutras weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen. Patanjali sieht es als „die“ Aufgabe des Yogis an, den Unterschied zwischen Sehenden und Gesehenem zu erkennen. Nach und nach sollte diese Erfahrung kultiviert und ausgebaut werden. So gelange man zur Freiheit – Kaivalya (auch mit „letzter Freiheit“, Isoliertheit (Alleinheit), höchster Befreiung oder „vollkommener Erlösung“ übersetzt.

Nachdem Patanjali in den Sutras II-18 und II-19 über Prakriti, die Natur/unsere Welt, gesprochen hat, geht er dann auf deren Beobachter, den Seher (Purusha) und dessen Wahrnehmung ein. Von Sutra II-20 bis Sutra II-26 erläutert Patanjali zudem Grund und das Zustandekommen unserer Existenz. In den hierauf folgenden Sutras des zweiten Kapitels ab II-26 gibt er konkrete Praxisempfehlungen, um unser falsches Bild von der Welt – das Leid verursacht und unsere Befreiung verhindert – zu überwinden.

Punkt 4

4. Es bleibt dabei: Die Welt sollte überwunden werden

In den vorigen Sutras hat sich Patanjali fast euphorisch über die Prakriti geäußert: Sie existiert, um dem Purusha, unserem Wahren Selbst, Erfahrungen zu ermöglichen, um sich seiner wahren Kräfte bewusst zu werden und um uns zur Befreiung zu führen.

In dieser Sutra holt er uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn letztendlich, so Sutra II-15:

"Für einen Menschen, der Unterscheidungsfähigkeit entwickelt hat, ist alles in dieser Welt leidvoll."

Vornehmlich, weil unser Wahres Selbst sich immer wieder täuschen lässt in seiner Weltwahrnehmung und die verhängnisvolle Neigung zeigt, sich mit allem Möglichen zu identifizieren.

Punkt 5

5. Immer wieder: Avidya als Ursache

Patanjali betont häufig, dass Unwissenheit die Wurzel all unseres Leidens sei. So auch hier. R. Sriram konkretisiert, dass hieraus die „tief sitzenden Neigungen“ des Menschen resultieren. Vergleiche II-17:

"Die Identifikation des wahrnehmenden Selbstes mit den wahrgenommenen Objekten ist Ursache [des Leides] und sollte überwunden werden"

Punkt 6

6. Der Ausweg: Vidya

Die scheinbare Verbundenheit mit dieser Welt muss zum Beendigen des Leides überwunden werden. Hauptursache diesen Leidens ist und bleibt die Unsicherheit – Avidya.

Will man hier herauskommen, muss man Avidya überwinden. Wir haben uns in dieser Welt verloren und brauchen Erfahrung und Erkenntnis, um hier wieder bei uns anzukommen. Die Prakriti – die Welt – will uns in Form unserer Erfahrungen dabei helfen.

Iyengar schreibt: „Vidya, das unterscheidende Erkennen, beseitigt die Unwissenheit.“ Iyengars Metapher dazu lautet: Feuer [= Täuschung/Irregehen] brenne auch nur solange, wie Brennstoff (= Identifikation) vorhanden sei. Mit Vidya erkennen wir die Täuschung.

Siehe dazu auch die folgenden Sutras:

Eliade zitiert auf Seite 35:

„Wer den Atman erkennt, kommt hinüber über den Ozean des Leidens.“

Punkt 7

7. Kritik

Wieder ist es Wim van den Dungen, der Patanjali an dieser Stelle mit deutlichen Worten kritisiert und gleichzeitig die Sicht des Buddhismus [Buddha verneint ein beständiges Wahres Selbst] bevorzugt: „In der Tat wird der Königsweg des klassischen Yoga oft als ausgewogenes Ganzes dargestellt ... Dies ist jedoch eindeutig nicht der Fall, da Patanjali den Erfordernissen der Logik nicht wirklich Respekt zollt. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich von Buddha, der ebenfalls Debatten und Überlegungen anstellte und versuchte, irrationale mentale Konstrukte sowie Gedanken zu vermeiden, die eine echte Befreiung behinderten, d.h. eine spirituelle Disziplin zu entwickeln, die wirklich das Leiden beendet.“

Swami Satchidananda hingegen betont in seinem Kommentar zu dieser Sutra, dass die letzten Sutras eine große Übereinstimmung mit den vier noblen Wahrheiten vom Buddha zeigten. So unterschiedlich kann die Deutung der Sutras ausfallen ...

Prüfe selbst – hier die vier edlen Wahrheiten von Buddha:

Alles Bedingte ist Leid
Leid hat eine Ursache
Es gibt ein Ende des Leids
Es gibt einen Weg zum Ende des Leids (den achtfachen Pfad)

7.1. Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben? Kannst du etwas ergänzen oder korrigieren?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Oder kannst du etwas verdeutlichen oder berichtigen? Eine eigene Erfahrung schildern ... Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Punkt 8

8. Siehe auch - Sutras mit zugehörigen Aussagen

laternen blume e3 250Anityâshuchi-duhkânâtmasu nitya-shuchi-sukhâtmakhyâtir avidyâ
अनित्याशुचिदुःखानात्मसु नित्यशुचिसुखात्मख्यातिरविद्या

Ohne Avidya würden wir nicht ständig nach Schokolade schielen, uns ausreichend bewegen und nicht falschen Dingen und Menschen hinterherlaufen. Doch was genau geschieht bei Avidya? Und was gehört alles dazu? Yoga und Buddhismus sind sich an dieser Stelle nicht ganz einig ...

Hier weiterlesen

 Punkt 9

9.

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-24:

Mache dir diese Woche immer wieder bewusst, dass auch dein Geist, dein Verstand, nicht der Sehende ist. Versuche bei möglichst vielen Erfahrungen, diesen einen Schritt zurückzutreten.

Kommentieren oder Kommentare lesen

 

Punkt 10

10. Videos zu Sutra II-24

In den Tabs finden sich Videos zu dieser Sutra

Yogaprasad Institute zu Sutra II-19 bis II-28:

Desikachar Video zu Sutra II-23 und II-24:

{tab Nayaswami Asha}

Nayaswami Asha Video zu den Sutras II-21 bis II-26:

{tab  Sukadev}

Yoga-Vidya Videos zu den Sutras II-1 bis II-11:

Punkt 11

11. Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra

11.1. Alte Schriften auf Yoga-Welten.de

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➔ Zu allen alten Schriften auf Yoga-Welten.de

Weitere oft aufgerufene alte Schriften

Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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