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kopf frau weiss bueste allDrashtri-drishyayoh samyogo heya-hetuh
द्रष्टृदृश्ययोः संयोगो हेयहेतुः

In dieser Sutra finden wir Ursache und Erlösung von allem Leid. Wir müssen nur unsere Unwissenheit, unsere Falsch-Wahrnehmung und Fehl-Identifikation überwinden, dadurch nicht mehr den Wahrnehmenden (Atman, Purusha) mit dem Wahrgenommenen (Prakriti) verwechseln und schon wären wir aller Sorgen ledig. Doch wie gelingt uns das?

 
 

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Drashtri, draṣṭṛ = des Sehers; des Wahrnehmenden; des Zeugen; pure Wahrnehmung; des wahren Selbstes; das sehende Selbst; Purusha;
  • Drishya, Drishyayoh, dṛśyaḥ, drsya = Objekt; das Gesehene, Erfahrene; das Sichtbare; was gesehen wird; gedeutet oft als: Prakriti, die Natur;
  • Samyogah, saṁyoga = Vereinigung; Identifikation; Verbindung; Zusammenhang; Einheit; Verjochung;
  • Heya = was vermieden werden soll; meiden; was überwunden werden soll;
  • Hetu, hetuh = Ursache; Mittel;

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hinweis zu den folgenden Sutra-Übersetzungen: Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Sukadev: „Die zu vermeidende Ursache (des Leidens) ist ...“
  • Deshpande/Bäumer: „Da die Verbindung des Sehenden mit dem Gesehenen die Ursache ist ...“
  • Dr. R. Steiner: „Die Anhaftung (Samyoga) des wahren Selbst (Drashtu) an das Wandelbaren (Drishya) ist ...“
  • Coster: „Die Grundursache allen Karmas ist ...“
  • Feuerstein: „Die enge Wechselbeziehung (samyoga) zwischen dem Seher [dem transzendenten Selbst] ...“
  • R. Palm: „Die Ursache des zu beseitigenden [Leids]...“
  • R. Sriram: „... Ursache des Leidens ist Samyoga, die Anbindung ...“
  • Govindan: „... Ursache ... ist die Verbindung zwischen dem Sehenden und dem Gesehenen.“
  • Iyengar: „... die Vermischung zwischen Seher und Gesehenem ...“
  • Chip Hartranft: „Die vermeidbare Ursache all dieses Leidens ist die offensichtliche Unteilbarkeit des reinen Bewusstseins und dessen, was es betrifft.“
  • R. Skuban: „... liegt in der (nur scheinbaren) Verbindung von Seher und Gesehenem.“
  • G. Pradīpaka: „Die Vereinigung (saṁyogaḥ) ... ‚des Subjekts‘ [des Sehers] - (draṣṭṛ) mit dem „Gesehenen“ (oder Erkennbaren), ... dem Objekt oder „dṛśya“ - (dṛśyayoḥ) ist die Ursache (hetuḥ) dessen, was aufgegeben oder verlassen werden soll (heya)“
  • 12koerbe.de: „des Anschauenden und des Anzuschauenden Verbindung ...“
  • Hariharananda Aranya: „Die Vereinigung des Sehers oder des Subjekts mit dem Gesehenen oder dem Objekt ist die Ursache dessen, was vermieden werden muss.“
  • I. K. Taimni: „Die Ursache für das, was vermieden werden soll, ist die Vereinigung von Seher und Gesehenem.“
  • Vyasa Houston, Barbara Miller: „Die Ursache für diesen vermeidbaren Schmerz ist ....“
  • Swami Satchidananda: „... die Vereinigung des Sehers (Purusha) und des Gesehenen (Prakriti oder Natur)“
  • Swami Prabhavananda: „Dieser Schmerz wird durch eine falsche Identifikation des Erlebenden mit dem Objekt der Erfahrung verursacht. Es kann vermieden werden.“
  • Swami Vivekananda: „Die Ursache für das, was vermieden werden soll, ist die Verbindung von Seher und Gesehenem.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Die Korrelation zwischen dem Seher und dem Gesehenen ist die Ursache dessen, was überwunden werden soll.“

Punkt 3

sorgen gefangener leid d 564Wo fängst du an, wo hörst du auf?

Wo wir stehen

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der Praxis. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindert und zu Samadhi führt.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation). Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid dieser Welt. Dann geht es weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen.

Punkt 4

Leid kann vermieden werden und hat eine Ursache

Warum leiden die Wesen? Patanjali schreibt hier, dass die grundlegende Ursache unseres Leides eine falsche Identifikation ist. Der Sehende hält das Gesehene für sich selbst. Oder allgemeiner: Die Wahrnehmende hält das Wahrgenommene für ihr eigenes Selbst.

Wir denken: mein Körper, meine Muskeln, mein Auge, meine Gefühle, meine Intelligenz, meine Handlungen, meine Wünsche usw.

Yogalehre und Buddhismus sagen unisono:

Das bist du alles nicht. Du nimmst es nur wahr.

Durch diese irrige Verquickung von Wahrem Selbst und den sich wandelnden äußeren Objekten leiden wir, weil sich alles, was wir wahrnehmen, verändert. Doch die gute Botschaft dieser Sutra lautet: Leid kann von der Ursache her vermieden werden. Die Yoga-Lehre zeigt, was dafür zu tun ist. Denn mit Yoga ...

Yoga Sutra I-3: Dann ruht der Wahrnehmende in seiner wahren Natur

om 250Tadâ drashtuh swarûpe ‘vasthânam 
तदा द्रष्टुः स्वरूपेऽवस्थानम्

 

Hier wird das erste große Versprechen des Yoga verkündet. Die Tragweite dieser Zusicherung wird in den Kommentaren zur Sutra erläutert:

Punkt 5

dritte auge blau m

Der Seher hält sich für das Gesehene

In Sutra I-4 schreibt Patanjali, dass sich der Wahrnehmende mit seinen Geistesbewegungen identifiziert:

Yoga Sutra I-4: In den anderen geistigen Zuständen - mit Vrittis - identifiziert sich der Wahrnehmende mit den Bewegungen im Geist

om Vṛitti sārūpyam-itaratra 
वृत्तिसारूप्यमितरत्र

Also ... In allen anderen Umständen, außer dem der klaren Sicht, identifiziert sich der Mensch mit seinen Vrittis. Das gilt es zu ändern. An Vorschlägen, was man als Yogi tun kann, soll es nicht mangeln ... 

In dieser Sutra II-17 erweitert Patanjali die Sutra I-4 und mahnt, dass sich der Wahrnehmende im Zustand der Verwirrung noch mit weit mehr aus der Welt der Natur – Prakriti – identifizieren kann: Seinem Körper, Fähigkeiten, Ego, Wissen, Muttersprache usw.

Swami Satchidananda: „Diese Identifikation mit anderen Dingen ist die Ursache von all deinem Leid.“ Auch bei ihm lautet der Tipp: Bleibe in deinem Wahren Selbst. Spreche von deinem Körper, deinen Talenten stets in der dritten Person: Schau dieser Körper ist groß. Sage/denke nicht „mein Körper ist groß“ oder gar – noch identifizierender – „ich bin groß“.

 Punkt 6

Was ist mit Samyoga gemeint?

Dieses Wort steht allgemein für Verbindung. Im Zusammenhang mit Yoga wählt R. Palm den Begriff „Verjochung“. Gemeint ist die Verbindung von Purusha und Prakriti. Der negative Aspekt dieser „Verjochung“ ist das daraus resultierende Leid des Menschen. Viele frühere Kommentatoren sehen aber auch die positive Seite und vergleichen dieses „Bündnis“ als eines zwischen einem „sehenden Lahmen“ (Purusha) und einem „beweglichen Blinden“ (Prakriti). Dieses Bündnis bewirke – nebenbei bemerkt – den Fortbestand der Schöpfung.

R. Sriram schreibt: „Drasta ist das sehende Selbst, zu dem die Wahrnehmung hinströmt.“ Jede Wahrnehmung sei „eine eigentümliche Zusammenkunft von Drasta, dem Sehenden, und Drsyam, dem Gesehenen.“ Diese Zusammenkunft werde Samyoga genannt und könne Freude oder Leid mit sich bringen.

Feuerstein erläutert es so: „Die Wechselbeziehung (samyoga) zwischen Höherem Selbst und empirischer Welt existiert nur scheinbar – aufgrund spirituellen Nichtwissens (avidya)“, welches es zu überwinden gelte.

 Punkt 7

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Wahrgenommenes und Wahrnehmendes – Auszug aus der Samkhya-Lehre

Das Samkhya ist eines der ältesten philosophischen Systeme indischer Herkunft. „Samkyha“ bedeutet wörtlich „Zahl“, „Aufzählung“ oder „das, was etwas in allen Einzelheiten beschreibt“. Hiermit ist die Aufzählung und Analyse jener Elemente gemeint, die gemäß Samkyha die Wirklichkeit bestimmen.

Allein das Wissen um diese Elemente soll bereits zur Erlösung vom Kreislauf der Wiedergeburten führen. Damit einher geht die Beendigung von drei Arten des Leidens (duhkha):

  • adhyatmika (Leiden unter physischen oder psychischen Krankheiten),
  • adhibhautika (von Außen zugefügtes Leid durch menschliche Gewalt oder Umwelteinflüsse),
  • adhidaivika (Leid durch Naturgewalt, Umweltkatastrophen oder übernatürliche Phänomene).

Purusha, Prakriti, Guna

Das Universum und die Abläufe darin beruhen gemäß Samkyha auf zwei fundamentalen Prinzipien:

  • Purusha: passiver aber bewusster Geist, auch Urseele, Weltgeist oder kosmisches Selbst genannt. Steht im Dualismus für Subjekt und das Wahre Selbst.
  • Prakriti: aktive aber unbewusste „Urmaterie“, das Wahrnehmbare, das Benennbare oder „Natur“. Steht im Dualismus für Objekt und das Universum

Swami Satchidananda schreibt:

„Das Purusha ist das Wahre Selbst, das Purusha sieht. Prakriti ist alles andere.“

Es herrscht Uneinigkeit: Die Samkhya Philosophie sagt, dass es ein real existierendes Universum gibt. Die Vedanta-Lehre sieht alles als Maya, als Illusion an.

Prakriti und die Gunas

Der Urnatur Prakriti werden im Samkhya drei Gunas (Merkmale, Eigenschaften, von Hauer „Weltstoffenergien“ genannt) zugerechnet:

  1. Sattva (das Seiende, Reinheit, Klarheit). Gemäß Ayurveda-Lehre steht Sattva für Reinheit, Ausgeglichenheit, Balance und Neutralität. Charakterlich zeigt sich eine Sattva-Vorherschaft in Freigebigkeit, Gelassenheit, Zufriedenheit, Weisheit, Ausgeglichenheit und Toleranz. Menschen, die sich vorwiegend sattvisch ernähren sollen länger leben und gesünder alt werden. Als sattvische Nahrungsmittel gelten frische & reife Früchte, Honig, Milch, Reis, Weizen, Safran und Zimt.
  2. Rajas (Bewegung, Energie, Leidenschaft). Verantwortet Wandlung, Veränderung und Dynamik. Aber auch Zorn, Rastlosigkeit und Hektik.
  3. Tamas (Trägheit, Dumpfheit, Dunkelheit, Schwere). Eine Kraft, die unsere Wahrnehmungsfähigkeit trübt und unsere Wirkkraft schwächt. Aber auch das Prinzip der Ruhe.

Sattva für den Yogi

Feuerstein (Buch bei Quellen ergänzen) schreibt: „Während aktive (rajas) und träge (tamas) Qualität dazu neigen, die Ich-Illusion aufrechtzuerhalten, erschafft die Qualität der Helligkeit (sattva), insoweit sie dominiert, die Vorbedingungen für das Befreiungsgeschehen. Daher erstrebt der yogin sattvische Konditionen und Zustände.“

Aber auch das Körper-Geist-System existiert auf Basis der drei Gunas. Als Yogi wisse man, dass alle drei Prinzipien miteinander wechselseitig verbunden sind. Jede Anhaftung an einen Zustand (Sattva ...) führt (ebenfalls) zu Leid.

Purusha

Purusha ist das Selbst, das allen fühlenden Wesen innewohnt. Durch Purusha erhalten Menschen, Tieren, Pflanzen und Götter ihre Empfindungsfähigkeit und Bewusstsein.

Des Menschen wahre und ursprüngliche Identität ist einzig und allein Purusha, die sich zum Zwecke des Erfahrens in Prakriti manifestiert hat, siehe Sutra II-18.

Nun verstrickt sich dieses Purusha in Prakriti, hält die zur Sphäre der Prakriti gehörigen Elemente und Bereiche irrtümlicherweise für Bestandteile seiner selbst. Daraus entsteht Leid.

Grundelement der Lehre des Samkhya für den nach Erlösung Strebenden ist deshalb, die beiden Substanzen Purusha und Prakriti und ihre Merkmale streng voneinander unterscheiden zu lernen.

Vedanta

Im nondualen Vedanta ist Prakriti nur eine Täuschung, Maya.

Physik und Quantentheorie

Betrachten wir den Bildschirm vor uns, so sehen wir gemäß der Physik ein Konstrukt aus Neutronen, Elektronen und Protonen, die alle auf einer eigenen Frequenz schwingen und um sich kreisen. Nahezu 100 Prozent des Bildschirmes besteht aus Vakuum! Nur unsere Sinne – die Sinne des Wahrnehmenden – machen daraus einen Monitor.

Die Quantenphysik macht alles noch verschwommener: Ob sich ein subatomares Partikel als Teilchen oder als Welle verhält, hängt vom Beobachter ab. Anders ausgedrückt: vom beobachtenden Bewusstsein. Vom Wahrnehmenden und dessen Wahrnehmung. Eigenschaften der Partikel wie dessen Lokalität können nicht vom Betrachter getrennt werden. Dies geht mehr in Vedanta (und Buddhismus)-Richtung als die Samkhya-Behauptung eines unabhängig von Purusha existierenden Universums Prakriti.

 Punkt 8

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Unterscheidungskraft trainieren

Wer erlöst werden will, muss laut Samkhya also lernen, Wahrnehmendes und Wahrgenommenes zu unterscheiden. Hierbei unterstützen uns Meditation, Loslassen und das Überwinden der Kleshas.

Rituale und Opfer werden vom Samkhya nicht sonderlich geschätzt. Yoga wird stattdessen als Methode der Erlösung für den physischen Bereich gesehen: das Abziehen der Sinnesorgane von den Sinnesobjekten. Überwiegt die Reinheit (Sattva) beim Menschen, welche Helligkeit und Klarheit und somit Erkenntnisfähigkeit mit sich bringt, hat dies auch Einfluss auf seine Sinnesorgane (Indriyani) und ist dadurch seiner Erkenntnisfähigkeit förderlich.

Der Buddhismus sieht die Zusammenhänge anders. Hier wird nicht in zwei Weltdualitäten unterschieden. Bewusstsein ist ebenfalls vergänglich, leidvoll und der Veränderung unterworfen. (Majjhima Nikāya 109: Die längere Lehrrede in der Vollmond-Nacht - Mahāpuṇṇama Sutta).

Zurück zur Yogalehre. Desphande/Bäumer empfehlen konkret, stets innezuhalten und sich zu fragen: Wer sieht/hört/fühlt hier eigentlich? Dies nicht zu tun – die Autoren bemängeln mangelnde Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – führe zu Asmita, der Ichverhaftung, besprochen in Sutra II-6. Und damit zu Leid. Sie fordern, dass die „Nabelschnur“ zwischen Mutter Natur – Prakriti – und dem Menschen als Purusha durchtrennt gehört. Denn die Natur erhalte den Menschen zwar, dies aber nur „im Elend“...

Für Deshpande/Bäumer ist ein Weiser, ein Vivekin im Sinne von Sutra II-15, jemand, der stets zwischen dem Sehenden und dem Gesehenen klar zu unterscheiden vermag.

R. Palm vergleicht das Erkennen von Purusha mit der Forderung von Jesus, den Vater zu erkennen. Also nicht das, „was von der Frau geboren“ wurde (= Körper, mentale Muster ...) als Wahrnehmenden anzusehen (Palm: „Das sind wir nicht, sagt auch Jesus.“), sondern den „Vater“ (als Analogie zum Wahren Selbst). Das Licht „harre in uns“ und warte auf Entdeckung :-)

 Punkt 9

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Nahe der Erleuchtung: Unser Buddhi (Intellekt)

Iyengar schreibt, dass unsere Intelligenz – Buddhi – das der Seele am nächsten verwandte Bewusstseinsvermögen sei. Lässt man sich als Yogi von Versuchungen verführen, von den Verlockungen der Prakriti, wird man leicht in eine illusorische Identifikation mit dem Materiellen verstrickt. Disziplin – Tapas/Askese – fördere aus diesem Grunde das Unterscheidungsvermögen des Intellektes.

Feuerstein erinnert daran, dass der Verstand Buddhi Teil der Natur sei, „kaum ein Aspekt des Selbst“. Auch er betont: „Selbst und Natur unterscheiden sich ewig.“

Punkt 10

Was geschieht, wenn man sich selbst als Wahrnehmender erlebt?

Wer sich stets bemüht, Wahrnehmung, Wahrgenommenes und Wahrnehmenden zu erkennen, wird früher oder später (hoffentlich) erste Aha-Erlebenisse erhalten. So versprechen es viele Kommentatoren dieser Sutra.

Das kann in einem großen Wendepunkt des Lebens münden. Zunächst viel Unsicherheit mit sich bringen und alte Glaubenssätze, Werte oder Wünsche auflösen bzw. verändern. Deshpande/Bäumer: „Avidya [Nichtwissen] wird ... in ein Gefühl des Staunens verwandelt über das [eigene] abgrundtiefe Nichtwissen auf der einen Seite und das große Unbekannte (die Ganzheit der Welt) auf der anderen.“

Dann aber soll sich der ersehnte Friede zeigen. Damit einhergehend wird das leidtragende Streben nach Wichtigkeit, Bedeutsamkeit und Dauerhaftigkeit ei uns nachlassen.

Punkt 11

Siehe auch - Sutras mit zugehörigen Aussagen

Yoga Sutra II-23: Die Verbindung des Gesehenen (Prakriti) mit dem Sehenden (Purusha) dient dazu, beiderlei Wesen und Kräfte zu erkennen

svasvāmi-śaktyoḥ svarūp-oplabdhi-hetuḥ saṁyogaḥ
स्वस्वामिशक्त्योः स्वरूपोपलब्धिहेतुः संयोगः

 

Yoga Sutra II-24: Die Ursache dieser Verbindung ist Unwissenheit

Tasya hetur avidyâ
तस्य हेतुरविद्या

 

Yoga Sutra IV-4: Die Bewegungen des Geistes entstehen aufgrund des Ichgefühls

Nirmâna-chittâny asmitâ-mâtrât
निर्माणचित्तान्यस्मितामात्रात्

 

 

Punkt 12

Übung zu Yoga Sutra II-17

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-17:

Immer wenn du diese Woche „leidest“, stelle dir sofort die Frage: „Wer leidet da?“ Sage dir: „Das bin nicht ich. Ich bin der Beobachter des Leidens.“

Erweiterung der Übung: Versuche zu erkennen, was dich dieses Leid eventuell lehren will. Wenn einen „Lernstoff“ findest, bringe ein Gefühl der Dankbarkeit für den „Lehrmeister Natur“ auf.

 

Punkt 13

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