Khalil Gibran „Von der Liebe“: Text und Interpretation aus Yogasicht
Dann sagte Almitra:
"Sprich zu uns von der Liebe."
Und er hob seinen Kopf und blickte auf die Menschen, und es fiel eine Stille über sie. Und mit einer großen Stimme sagte er:
[er=der Prophet Almustafa, der 12 Jahre auf sein Schiff gewartet hatte, das ihn jetzt endlich in seine Heimat zurückbringen sollte. Vor seiner Abreise baten ihn einzelne Einwohner der Stadt Orphalese, ihnen ein letztes Mal seine Einsichten zu einem bestimmten Thema zu erläutern]
Wenn die Liebe euch winkt, dann folgt ihr,
obwohl ihre Wege hart und steil sind.
Und wenn ihre Flügel euch umhüllen, dann gebt euch ihr hin,
obwohl das Schwert, versteckt unter ihren Flügeln, euch verwunden mag.
Und wenn sie zu euch spricht, dann glaubt an sie,
obwohl ihre Stimme eure Träume zerschmettern mag wie der Nordwind den Garten verheert.
Denn so wie die Liebe euch krönt, so wird sie euch kreuzigen.
So wie sie euch wachsen lässt, so wird sie euch beschneiden.
So wie sie zu euren Höhen aufsteigt und eure zärtlichsten Zweige, welche in der Sonne zittern, liebkost,
so wird sie zu euren Wurzeln herabsteigen und sie in ihrer Anhaftung an die Erde schütteln.
Wie Garben an Korn sammelt sie euch um sich.
Sie drischt euch, um euch nackt zu machen.
Sie siebt euch, um euch von euren Schalen zu befreien.
Sie mahlt euch, bis ihr hell werdet.
Sie knetet euch, bis ihr geschmeidig seid;
und dann übergibt sie euch ihrem heiligen Feuer, auf dass ihr zu heiligem Brot für Gottes heiliges Festmahl werdet.
Alle diese Dinge wird die Liebe mit euch machen, so dass ihr die Geheimnisse eurer Herzen erfahrt, und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens werdet.
Aber wenn ihr in eurer Angst nur die Ruhe der Liebe und die Freude der Liebe sucht,
dann ist es besser für euch, wenn ihr eure Nacktheit bedeckt und den Dreschboden der Liebe verlasst,
in eine Welt ohne Jahreszeiten, wo ihr [zwar] lachen werdet, aber nicht euer ganzes Lachen, wo ihr [zwar] weinen werdet, aber nicht all eure Tränen.
Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts außer von sich selbst.
Liebe besitzt nicht, noch wird sie besessen;
denn für die Liebe ist die Liebe genug.
Wenn ihr liebt, sollt ihr nicht sagen "Gott ist in meinem Herzen", sondern eher "Ich bin in Gottes Herzen."
Und denkt nicht, ihr könntet den Kurs der Liebe steuern, denn die Liebe wird [stattdessen], so sie euch für wert erachtet, euren Kurs steuern.
Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich selbst zu erfüllen.
Aber wenn ihr liebt und unbedingt Wünsche haben müsst, so lasst dies eure Wünsche sein:
- Zu zerfließen und wie ein laufender Bach zu sein, der seine Melodie in die Nacht singt.
- Den Schmerz von zu viel Zärtlichkeit zu kennen.
- Verwundet zu sein von eurem eigenen Verstehen der Liebe;
Und willig und freudvoll zu bluten. - In der Dämmerung mit beflügeltem Herzen zu erwachen und dankbar zu sein für einen weiteren Tag des Liebens.
- Zur Mittagszeit zu ruhen und über die Ekstase der Liebe zu meditieren;
- Zur Abendstunde mit Dankbarkeit im Herzen heimzukehren;
- Und dann zu schlafen mit einem Gebet für den Geliebten im Herzen und einem Lied der Anbetung auf euren Lippen.
Aus: Khalil Gibran "Der Prophet"; Übersetzung mit Anmerkungen: Peter Bödeker (2018)
[...] = Einfügungen von Peter Bödeker
Was ist für dich in der Liebe eine große Herausforderung?

Yogaphilosophische Bezüge in Gibrans „Von der Liebe“
Gibrans Text ist kein Yogatext im engeren Sinn. Und gerade deshalb lassen sich die Bezüge so fein legen: nicht als Gleichsetzung, sondern als Resonanzraum. „Von der Liebe“ spricht nicht über Methode, Technik oder Lehre. Der Text spricht über das, was geschieht, wenn ein Mensch sich berühren lässt – und dabei nicht nur angenehmer, sondern durchlässiger wird.
Ein guter Anschluss aus der Yogawelt wäre daher nicht: „Gibran meint eigentlich Yoga.“ Das wäre zu grob. Stimmiger wäre: In Gibrans Bildern tauchen Motive auf, die Yoga-Interessierte wiedererkennen können – Hingabe, Nicht-Besitzen, Loslassen, Verwandlung, Herzensweite, Schmerz als Öffnung, Liebe ohne Anhaftung.
Liebe als Weg, nicht als Gefühl
Gibran schreibt von Liebe nicht als romantischem Dauerzustand, sondern als Weg: steil, hart, verwundend, erhebend. Das erinnert an die nüchterne Seite der Yogaphilosophie. Auch dort geht es nicht darum, ständig „schöne Zustände“ zu erleben. Yoga ist eher eine Kunst des Wahrwerdens.
Im Yogasūtra wird der Weg nicht als Wellnessversprechen beschrieben, sondern als Übung, Sammlung, Klärung. Das Sanskrit-Wort abhyāsa – stetige Übung – und vairāgya – Nicht-Anhaften, Loslösung, innere Freiheit gegenüber dem Greifen – bilden bei Patañjali ein Grundpaar der Praxis. Man könnte leise fragen: Ist Gibrans Liebe vielleicht auch eine solche Praxis? Nicht im Sinne einer Technik, sondern als Lebensform?
Yoga Sutra I-12: Übung (Abhyasa) und Nichtanhaften (Vairagya) führen zur Beruhigung der Bewegungen des Geistes (Nirodha)
Die Liebe winkt – und wer folgt, gibt nicht nur etwas hinzu. Er verliert auch etwas: Illusionen, Besitzansprüche, Wunschbilder. Das ist unbequem. Aber es riecht nach Wahrheit.
Das Schwert unter den Flügeln
Das Bild vom Schwert unter den Flügeln ist stark. Es verbindet Schutz und Verletzung, Zärtlichkeit und Schnitt. In der Yogaphilosophie könnte man hier an viveka denken, die unterscheidende Erkenntnis: jene innere Klarheit, die nicht zerstört, um zu verletzen, sondern schneidet, damit Verwechslungen sichtbar werden.
Yoga Sutra II-26: Die Entwicklung und ununterbrochene Anwendung einer reinen Unterscheidungskraft (Viveka) beendet die Unwissenheit
Liebe ist bei Gibran nicht blind. Sie sieht. Und gerade dieses Sehen kann wehtun.
Liebe kann im yogischen Sinn auch als ein Spiegel verstanden werden. Sie zeigt nicht nur, wie sehr wir lieben können, sondern auch, wo wir festhalten, ausweichen, erwarten oder uns selbst verlieren. Nicht jede Wunde ist ein Fehler der Liebe. Manchmal berührt sie nur eine Stelle, die wir schon lange hätten sehen sollen ...
Anhaftung und Verbundenheit
„Liebe besitzt nicht, noch wird sie besessen“ – dieser Satz ist wahrscheinlich der deutlichste yogaphilosophische Anknüpfungspunkt.
Im Yogasūtra gehört aparigraha zu den Yamas, den grundlegenden Haltungen im Umgang mit Welt und Mitmenschen. Aparigraha wird oft als Nicht-Greifen, Nicht-Horten oder Nicht-Besitzenwollen verstanden. In der klassischen Liste der Yamas steht es neben ahiṃsā, satya, asteya und brahmacarya; Patañjali nennt diese Haltungen im zweiten Kapitel des Yogasūtra.
Yoga Sutra II-30: Die förderlichen Selbstbeschränkungen (Yamas) sind Nichtverletzen (Ahimsa), Wahrhaftigkeit (Satya), Nichtstehlen (Asteya), Enthaltsamkeit (Brahmacharya) und Begierdelosigkeit (Aparigraha)
Yoga Sutra II-39: Ist Begierdelosigkeit (Aparigraha) [im Wesen eines Menschen] gefestigt, erkennt er den Sinn seiner Geburt
Im Geist des Yoga könnte man sagen: Liebe ohne Besitz ist nicht gleichgültig. Sie ist nicht kühl. Sie ist vielleicht sogar wärmer, weil sie den anderen nicht ständig in die eigene Bedürfnis-Schublade legt.
Aus Yogasicht ließe sich fragen: Wann wird Nähe enger, als sie sein müsste? Wo beginnt Fürsorge, und wo beginnt ein leises Festhalten? Aparigraha bedeutet nicht, weniger zu lieben. Vielleicht bedeutet es, dem Geliebten mehr Raum zu lassen – und sich selbst gleich mit.
Hingabe statt Kontrolle
Gibran schreibt sinngemäß: Nicht wir steuern den Kurs der Liebe; die Liebe steuert unseren Kurs, wenn sie uns für würdig hält. Das ist ein Satz, an dem der moderne Kopf kurz hängen bleibt. Schließlich steuern wir gern. Kalender, Beziehungen, Erwartungen, Entwicklung, sogar spirituelle Fortschritte.
Hier passt īśvara-praṇidhāna als feiner Bezug. In Patañjalis Yogasūtra erscheint īśvara-praṇidhāna unter anderem als Weg der Hingabe; moderne Auslegungen beschreiben es oft als vertrauensvolle Ausrichtung oder Hingabe an das Göttliche beziehungsweise an eine größere Wirklichkeit.
Yoga Sutra II-1: Strenge Übungspraxis [Tapas], Selbststudium [Svadhyaya] und Hingabe an Ishvara (Ur-Guru, Gott, göttliches Ideal) [Ishvara Pranidhana] – das ist der Kriya-Yoga
Vielleicht berührt Gibran hier eine Erfahrung, die viele Übende kennen: Je tiefer eine Praxis wird, desto weniger fühlt sie sich nach Machen an. Man bleibt dabei nicht passiv. Aber man merkt: Nicht alles Wesentliche lässt sich drücken, ziehen, planen oder erzwingen. Auch Liebe öffnet sich selten auf Kommando.
Das Korn, die Schale und das heilige Feuer
Die Bilder vom Dreschen, Sieben, Mahlen und Kneten sind beinahe körperlich. Man spürt Staub, Druck, Reibung, Hitze. In der Yogawelt erinnert das an tapas – die läuternde Wärme der Praxis, die Reibung, durch die etwas Unreifes reifen kann.
Tapas ist kein Selbstquälen. Es ist eher die Wärme, die entsteht, wenn man nicht sofort ausweicht. Wenn man auf der Matte bleibt. Wenn man im Atem bleibt. Wenn man im Gespräch nicht gleich zumacht. Wenn man in der Liebe nicht sofort zum alten Reflex greift.
Gibrans Kornbilder lassen sich wunderbar neben den Begriff tapas stellen. Liebe drischt, siebt und mahlt nicht, weil sie grausam wäre. Vielleicht tut sie es, weil das Herz manchmal erst durch Reibung merkt, welche Schalen es trägt. Tapas ist in diesem Sinn nicht Härte gegen sich selbst, sondern eine innere Wärme, die Wandlung möglich macht.
Yoga Sutra II-32: Die Niyamas lauten Reinheit (Shaucha), Zufriedenheit (Samtosha), Selbstdisziplin (Tapas), Selbststudium (Svadhya) und Hingabe an Ishvara (Ur-Guru, Gott, göttliches Ideal, Ishvarapranidhana)
Yoga Sutra II-43: Durch Selbstdisziplin (Tapas , auch Entsagungen, Selbstzucht) verschwinden Unreinheiten; dies führt zu Vollkommenheit und Beherrschung vom Körper und den Sinnen
Der Geliebte und das Größere
„Sagt nicht: Gott ist in meinem Herzen, sondern: Ich bin in Gottes Herzen.“ Das ist einer der schönsten Umkehrsätze im Text. Er dreht die Perspektive vom Besitz zur Geborgenheit.
Hier kann man behutsam Bezüge zu Bhakti Yoga setzen – dem Yoga der Hingabe, Liebe und Verehrung. In der Bhagavad Gītā ist Hingabe nicht nur Gefühl, sondern eine innere Ausrichtung. Gleichzeitig bleibt sie mit Nicht-Anhaften verbunden: Handeln, Lieben, Dienen – ohne alles an den gewünschten Ausgang zu ketten. Die oft zitierte Gītā-Stelle 2.47 beschreibt genau diese Grundhaltung: Der Mensch hat Anteil am Handeln, aber nicht die volle Verfügung über die Früchte des Handelns.
Bhakti-Yoga: Bedeutung und Alltagspraxis Wenn du dich schon gefragt hast, was hinter dem Begriff Bhakti-Yoga steckt und wie er in deinem Leben wirken kann – dann bist du hier richtig. Bhakti-Yoga steht für liebevollen und verehrenden Hingabe zu Gott, einem Guru und/oder der gesamten Schöpfung. In diesem Artikel erkundest du den Weg der hingebungsvollen Liebe: seine Wurzeln, Praxisformen und Bedeutung für unsere Zeit. Du bekommst nicht nur Orientierung, sondern auch Impulse, wie Bhakti-Yoga im Alltag lebendig werden kann. Es gibt viele Spielarten der Bhakti …Beitrag: Bhakti-Yoga: Bedeutung und Alltagspraxis
Bhakti-Yoga: Der Weg der hingebungsvollen Liebe und seine Alltagspraxis
Im Bhakti Yoga wird Liebe nicht kleiner, wenn sie sich auf etwas Größeres ausrichtet. Sie verliert nicht ihre Menschlichkeit; sie bekommt Tiefe. Der geliebte Mensch bleibt ein Mensch – und wird doch vielleicht auch zu einem Fenster. Nicht zu einem Besitz. Nicht zu einer Erlösungspflicht. Eher zu einem Ort, an dem das Herz lernt, weiter zu werden.
Schmerz, der nicht romantisiert werden sollte
Ein heikler Punkt: Gibrans Text spricht stark von Verwundung, Kreuzigung, Bluten. Das kann berühren – aber man sollte es nicht so lesen, als sei Leid automatisch ein Zeichen „wahrer Liebe“.
Ein achtsamer Blick ist hier hilfreich: Nicht jeder Schmerz in der Liebe ist Verwandlung. Manches ist schlicht Grenzverletzung, Abhängigkeit oder emotionale Verstrickung. Yogisch gelesen muss Gibrans Text nicht bedeuten, im Schmerz auszuharren. Vielleicht lädt er eher dazu ein, genauer zu spüren: Öffnet dieser Schmerz das Herz – oder verschließt er es? Führt er in Wahrhaftigkeit – oder in Selbstverlust?
Liebe als tägliche Praxis
Am Ende wird Gibrans Sprache stiller: Dämmerung, Mittag, Abend, Schlaf. Liebe wird zum Tagesrhythmus. Das passt wunderbar zu Yoga als gelebter Praxis. Nicht nur Matte, nicht nur Kissen, nicht nur besondere Erfahrung. Sondern: Wie wache ich auf? Wie ruhe ich? Wie kehre ich heim? Wie denke ich an den Geliebten, wenn niemand zusieht?
Vielleicht liegt eine feine Brücke zum Yoga gerade im Alltäglichen. Liebe zeigt sich nicht nur in großen Worten oder dramatischen Momenten. Sie lebt im Atem, bevor man antwortet. Im kleinen Verzicht auf Rechthaben. Im ehrlichen Zuhören. In der Bereitschaft, den anderen nicht sofort zu verbessern. Manchmal ist Liebe keine Flamme, sondern eine Schale Wasser, die man nicht verschüttet.
Mögliche Reflexionsfragen an dich
- Wo verwechsle ich Liebe mit Sicherheit?
- Wo möchte ich Nähe – und wo möchte ich Kontrolle?
- Welche „Schale“ schützt mich noch, obwohl sie mich längst eng macht?
- Was in mir möchte geliebt werden, ohne sich zeigen zu müssen?
- Gibt es eine Form von Hingabe, die nicht schwächt, sondern würdiger macht?
- Wo fühlt sich Loslassen kalt an – und wo vielleicht überraschend liebevoll?
- Welche Liebe lässt mich größer werden, ohne mich zu verbiegen?

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FunFacts rund um Yoga, Gibran und Liebe
- „Der Prophet“ erschien 1923 – und zwar als englischsprachiges Werk.
Die Project-Gutenberg-Ausgabe zeigt Alfred A. Knopf, New York, 1923; veröffentlicht wurde das Buch im September 1923. Interessant: Gibran, der aus dem Libanon stammte, schrieb sein berühmtestes Werk nicht auf Arabisch, sondern auf Englisch. - Gibran war nicht nur Dichter, sondern auch Illustrator seines Buches.
In der Originalausgabe heißt es, dass zwölf Illustrationen des Bandes nach Originalzeichnungen des Autors reproduziert wurden. Der Mann hat also nicht nur Worte in die Welt gesetzt, sondern auch Bilder – ziemlich passend für einen Text, der selbst wie eine lange Bildmeditation wirkt. - „Der Prophet“ enthält 26 Prosagedichte beziehungsweise Reden über Lebensthemen.
Neben „On Love“ finden sich Kapitel über Ehe, Kinder, Arbeit, Freiheit, Schmerz, Freundschaft, Zeit, Schönheit, Religion und Tod. Das Buch ist also fast wie ein kleines Orakel des Alltags aufgebaut – man schlägt ein Thema auf und fühlt sich ertappt. - „Der Prophet“ ist laut Kahlil Gibran Collective in 117 Sprachen nachgewiesen.
Die 2026 veröffentlichte Übersicht nennt 117 verifizierte Sprachen, über 100 Millionen verkaufte Exemplare weltweit und 188 aufeinanderfolgende Knopf-Nachdrucke. Das ist für ein schmales poetisches Buch ohne klassisches Lehrsystem erstaunlich – ein literarischer Langstreckenläufer. - Das Buch hatte anfangs nur eine Erstauflage von 2.000 Exemplaren.
Von dieser ersten Auflage wurden zunächst 1.159 Exemplare verkauft; später wuchs die Nachfrage stark. Nach Angaben des Kahlil Gibran Collective erreichte das Buch Mitte der 1960er-Jahre zeitweise etwa 5.000 Verkäufe pro Woche. - Seit 2019 ist „The Prophet“ in den USA gemeinfrei.
Die Library of Congress nennt Kahlil Gibrans „The Prophet“ unter den Werken aus dem Jahr 1923, die am 1. Januar 2019 in den USA in die Public Domain eintraten. Für Übersetzungen und Bearbeitungen in anderen Ländern können allerdings eigene Regeln gelten – also nicht blind draufloskopieren. - Mary Haskell erkannte früh die Strahlkraft des Buches.
AramcoWorld berichtet, dass Mary Haskell, Gibrans wichtige Förderin und Gesprächspartnerin, nach Erhalt ihres Exemplars im Oktober 1923 schrieb, das Buch werde zu den Schätzen der englischen Sprache zählen. Aus heutiger Sicht: Da hatte jemand offenbar ein ziemlich gutes Gespür. - Patañjalis Yogasūtra nennt Hingabe nicht als sentimentale Geste, sondern als spirituellen Weg.
In modernen Erläuterungen zu īśvara-praṇidhāna wird betont, dass Hingabe nicht mit Passivität verwechselt werden sollte. Das passt überraschend gut zu Gibrans Liebe: Sie ist nicht bloß süßes Sich-Fallenlassen, sondern eine wache, manchmal unbequeme Ausrichtung. - Die berühmte Gītā-Stelle 2.47 ist ein guter Gegenpol zu Besitzdenken in der Liebe.
Dort geht es um Handeln ohne Anspruch auf die Früchte. Übertragen auf Liebe heißt das nicht: „Erwarte nie etwas.“ Aber es öffnet eine feinere Frage: Kann ich lieben, ohne ständig den Ertrag zu kontrollieren?
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Die Eigenschaften Freundlichkeit, Liebe oder Mitgefühl für andere Wesen empfinden zu können, wird in wohl allen spirituellen Richtungen hoch geschätzt. Mit diesen Emotionen geht es uns und der Welt um uns herum besser. Hier schreibt Patanjali, wie wir diese Fähigkeiten bzw. Eigenschaften in uns stärken können.
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